Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 126

Auch Paul Krugman ist ja, wie ich schon in meinen vorherigen Blogeinträgen erläutert habe, der Meinung, dass die EZB als Teil einer effektiven und wirksamen Euro-Rettungs-Strategie höhere Inflationsraten als bisher anzielen sollte.

Und ähnlich wie Wolfgang Münchau glaubt auch Paul Krugman, dass Mario Draghi mit seinem vor einer Woche beschlossene EZB-Programm “Outright Monetary Transactions” zum Ankauf von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten noch keinen Schritt in Richtung “höhere zukünftige Inflationsraten” in der Eurozone gegangen ist.

Seht hierzu seinen Blogeintrag vom 6.9. mit dem Titel “Draghi” in Paul Krugmans Blog “The Conscience of a Liberal” in den “Opinion Pages” der “New York Times“.

In diesem Blogartikel stellt Paul Krugman kurz und sachlich fest: “What I’ve been arguing for a while is that saving the euro requires two things: (a) large ECB purchases of peripheral bonds (or at least a declared willingness to do so, to cap yields), and (b) an indication that the ECB will be willing to allow higher inflation to make adjustment possible.

It looks as if we sorta kinda got (a), although the details are hard to interpret. Nothing on (b) yet, and market indicators of inflation expectations are still too low.

So, a step in the right direction, probably enough to buy a significant amount of time, but not enough unless more follows”.

Tja, insofern glaube ich, dass der aktuelle Alarmismus der “Deutschen Bank” in Sachen vermeintlich zukünftig steigender Inflation aufgrund des vor einer Woche beschlossenen EZB-Programms “Outright Monetary Transactions” zum Ankauf von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten eher unbegründet ist.

Wolfgang Schäuble geht mittlerweile auf Distanz zu Jens Weidmann, der anscheinend nicht damit klar kommt, dass die anderen europäischen Zentralbanker seine Haltung in Sachen Ankäufe von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten nicht teilen und ihn daher im EZB-Rat überstimmt haben.

In einem Artikel vom 16.9. mit dem Titel “Anleihen-Käufe: Schäuble lässt Weidmann mit EZB-Kritik alleine” in “Welt-Online” erfahren wir unter anderem folgendes: “Im Streit um den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB geht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf Distanz zum obersten Notenbanker Deutschlands. Der Minister untermauerte am Wochenende seine Kritik an Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der als Vertreter der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone im Rat der Europäischen Zentralbank gegen die Entscheidung gestimmt hat.

Es gebe eine Debatte innerhalb der EZB, die er mit Respekt zur Kenntnis nehme, sagte Schäuble der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Er sei sich aber “nicht sicher, ob es zur Stärkung des Vertrauens in die Notenbank beiträgt, wenn diese Debatte halböffentlich geführt wird”, sagte er weiter”.

Hier habt ihr den entsprechenden Artikel vom 16.9. in der “FAZ.NET” mit dem Titel “Anleihenkäufe: Schäuble stellt sich gegen den Bundesbank-Chef”.

Meiner Meinung nach hat Schäuble in dieser Sache recht. Weidmann macht hier ein unnötiges Theater und ist anscheinend auch nicht bereit, die demokratisch gefällte Entscheidung im EZB-Rat zu akzeptieren. Und mit seinem öffentlichen Gemeckere verunsichert er die deutsche Bevölkerung und gibt ihr das Gefühl, der “windige Italiener” (?!)  Mario Draghi habe die Deutsche Bundesbank und damit Deutschland über den Tisch gezogen.

Das ist allerdings alles Quatsch und hat mit der Realität dieser Entscheidung im EZB-Rat gar nichts zu tun. Tatsächlich war diese Entscheidung im EZB-Rat aus eurokrisen-finanztechnischer Sicht unvermeidlich.

Wäre der EZB-Rat Weidmanns dogmatischem, plump monetaristischen, völlig einseitig auf die Geldwertstabilität fixierten Kurs gefolgt, wäre die Eurozone in Kürze einfach auseinandergeflogen.

Der EZB-Rat hat somit vorläufig mit seiner Entscheidung für das vor einer Woche beschlossene EZB-Programm “Outright Monetary Transactions” den Euro gerettet und wichtige Zeit für weitere politische Schritte gewonnen, eine Zeit, die hoffentlich auch Wolfgang Schäuble nutzen wird, um die Eurozone auf finanztechnischer und letztlich auch politischer Eben zusammenzuführen und zu stabilisieren.

Von einer “deutschen Niederlage” (?!) kann keine Rede sein, sondern die Entscheidung Mario Draghis und des EZB-Rats war ein Sieg für die ganze Eurozone, auch für Deutschland.

Wer dies übrigens auch ganz klar so sagt, ist der italienische Wirtschaftswissenschaftler Lorenzo Bini Smaghi, der bis 2011 Mitglied im Direktorium der EZB war.

Seht hierzu den von Lorenzo Bini Smaghi verfassten Artikel vom 13.9. mit dem Titel “”Der EZB-Beschluss war keine deutsche Niederlage” in “Welt-Online“.

Lorenzo Bini Smaghi erläutert in diesem Artikel in aller Klarheit, weshalb der Beschluss des EZB-Rates für das EZB-Programm “Outright Monetary Transactions” im Interesse aller Eurozonen-Länder war, auch im Interesse Deutschlands.

Ich habe nichts grundsätzlich gegen Wolfgang Schäuble. Wo er recht hat, hat er  recht. Und in dieser Sache gibt es keinen Zweifel, dass Wolfgang Schäuble recht hat. Jens Weidmann verhält sich mit seinem Theater und öffentlichen Gemeckere einfach kindisch.

Jens Weidmann behauptet jetzt sogar, Notenbanker müssten sich “öffentlich rechtfertigen” (?!). Seht hierzu einen Artikel vom 18.9. mit dem Titel “Schuldenkrise Weidmann: Notenbanker müssen sich öffentlich rechtfertigen” in “FAZ.NET“.

Soll das ein Witz sein? Der Chef einer europäischen Notenbank gehört in die absolute Top-Kategorie der Profi-Banker.

Seit wann müssen sich derart hochrangige Spezialisten in irgendwelchen Zeitungen gegenüber einem Lesepublikum rechtfertigen, das in der Regel nicht mal über eine Grundausbildung in banken- und finanztechnischen Fragen verfügt?

Soll jetzt die deutsche Studienrätin Dr. Lieschen Müller über die Zukunft des Euro entscheiden? Oder gar der deutsche Malocher Karl Arsch vom Schichtdienst in irgendeiner Fabrik?

Vielleicht sollten die europäischen Zentralbanker auch noch Artikel für die “Bild-Zeitung” schreiben und den deutschen Malochern in maximal zehn kurzen Hauptsätzen ihre Politik erläutern.

Und damit den deutschen Malochern bei dieser Lektüre nicht langweilig wird, fügt man dann untenstehend an den Artikel das Photo ein barbusiges Pin-up-Girls dran, am besten noch mit einem 500-Euro-Schein im Schlüpfer.

Wenn überhaupt, sollte Mario Draghi den führenden deutschen Politikern seine EZB-Politik erläutern. Es ist wichtig, dass vor allem die deutschen Spitzenpolitiker kapieren, was Mario Draghi mit seiner aktuellen EZB-Politik erreichen will.

Genau das hat Mario Draghi auch vor und er hat daher angeregt, den deutschen Parlamentariern im Deutschen Bundestag seine aktuelle EZB-Politik zu erläutern.

Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel vom 14.9. mit dem Titel “Euro-Krise: Bundestag lädt EZB-Chef Draghi ein” in “Zeit-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem:Draghi hatte wegen der zum Teil massiven Kritik aus Deutschland an seiner Politik in der Euro-Krise angeboten, sich vor dem Bundestag zu erklären. “Sollte mich der Bundestag einladen, komme ich gerne”, sagte Draghi der Süddeutschen Zeitung. “Das wäre eine gute Gelegenheit zu erklären, was wir tun.”

Umfragen zufolge misstraut fast die Hälfte der Deutschen dem EZB-Präsidenten: Draghi wird vor allem für den Beschluss kritisiert, unbegrenzt Anleihen angeschlagener Euro-Länder zu kaufen, die unter hohen Zinsen leiden. Das Misstrauen vieler Deutscher erschwere seine Arbeit, sagte Draghi. “Ich muss mehr tun, um unsere Maßnahmen zu erklären”, sagte der Italiener.

Im Moment wird anscheinend beraten, ob Mario Draghi im Plenum des Bundestags oder vor den entsprechenden Bundestagsausschüssen oder im Rahmen einer gesonderten Diskussionsveranstaltung reden soll.

Seht hierzu einen Artikel vom 14.9. mit dem Titel “EZB-Chef Draghi im Bundestag: Bundestagsvizepräsidentin gegen Rede Draghis im Plenum” in der “Süddeutschen Zeitung“.

Dieser Artikel endet mit der Feststellung: “Vermutlich wird sich jedoch erst Ende September klären, wann und wie Mario Draghi den Bundestag besuchen wird. Denn der Ältestenrat tagt erst am 27. September wieder”.

Tja, das ist sicher vernünftig, dass der Ältestenrat des Bundestags diese Sache entscheiden soll. Am 27.9 erfahren wir dann also wohl, wann und wie Mario Draghi im Bundestag sprechen wird.

Im übrigen scheint Mario Draghi auch kein Geheimniskrämer zu sein und will wohl auch vor der europäischen Öffentlichkeit nichts verbergen. Seht hierzu den Artikel vom 19.9.2012 mit dem Titel “Bericht: EZB offen für Publikation von Sitzungsprotokollen” in “Welt-Online“.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) steht einem Bericht zufolge einer Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle ihres wichtigsten Beschlussgremiums aufgeschlossen gegenüber. EZB-Chef Mario Draghi zeige sich dafür offen, die bisher unter Verschluss gehaltenen Niederschriften zu den Sitzungen des EZB-Rates zu publizieren, berichtete die “Süddeutsche Zeitung” am Mittwoch ohne Nennung von Quellen. Bisher werden die Protokolle, in denen die Diskussionen des Zentralbankrates auch über umstrittene Entscheidungen dokumentiert sind, 30 Jahre unter Verschluss gehalten”.

Insofern geht es hier nicht um Geheimniskrämerei. Man sollte nur nicht erwarten, dass Mario Draghi persönlich jedem deutschen Bürger seine Politik auf allen medialen Kanälen erläutern wird. Das ist einfach zu viel verlangt und nicht jeder deutsche Bundesbürger ist von seinem Vorwissen her in der Lage, komplexeren banken- und finanztechnischen Erwägungen und Erläuterungen zu folgen. Letztendlich sind Top-Banker wie Mario Draghi hochrangige Spezialisten mit einer jahrzehntelangen Berufserfahrung. Entscheidend ist, dass die führenden deutschen Politiker begreifen, was Mario Draghi macht und will.

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