Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 125

Und tatsächlich stellt ja auch der obige “Focus-Online“-Artikel vom 16.9. mit dem Titel “Wegen Euro-Rettung: Deutsche-Bank-Spitze erwartet Inflation in Europa” fest, dass die bisherigen inflationären Effekte in der Eurozone im wesentlichen von den rasant steigenden Energiepreisen ausgehen.

Zum Thema der rasanten Preissteigerung vor allem auch bei Sprit und Heizöl siehe auch den Artikel vom 12.9. mit dem Titel “Hohe Energiepreise: Inflationsrate steigt im August auf 2,1 Prozent” in “Financial Times Deutschland“.

Wir erfahren in diesem Artikel unter anderem. “Der rasante Preisauftrieb bei Sprit und Heizöl hat die Inflation in Deutschland stärker in die Höhe getrieben als erwartet. Im August kletterte die Jahresteuerung in Deutschland von 1,7 Prozent im Vormonat auf 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. In einer ersten Schätzung Ende August waren die Statistiker von einem Anstieg der Inflationsrate um 2,0 Prozent ausgegangen. Binnen Monatsfrist legten die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent zu, ursprünglich hatten die Statistiker ein kleineres Plus von 0,3 Prozent errechnet.

Damit ist der Abwärtstrend bei der Inflation vorerst gestoppt. Zuletzt hatten die Statistiker im April 2012 eine Teuerungsrate oberhalb von 2 Prozent mit damals ebenfalls 2,1 Prozent ermittelt. Im Juli und Juni hatte die jährliche Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent gelegen, dem niedrigsten Wert seit Ende 2010″. (…).

Im August wurde der Preisauftrieb gegenüber dem Vorjahresmonat maßgeblich durch die erneute Verteuerung der Energie um insgesamt 7,6 Prozent bestimmt. Insbesondere die Preise für Mineralölprodukte zogen kräftig um 10,3 Prozent an: leichtes Heizöl kostete 13,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe 9,4 Prozent. Im Monatsvergleich zogen die Preise für Kraftstoffe und leichtes Heizöl um je 4,3 Prozent an”.

Interessant ist auch ein Artikel vom 14.9. mit dem Titel “Teuerungsrate: Inflation in der Euro-Zone steigt” im “Handelsblatt“.

In diesem Artikel heisst es unter anderem: “Teures Öl hat die Inflation in der Euro-Zone im August angeheizt. Die Jahresteuerung lag nach endgültigen Daten der Statistikbehörde Eurostat vom Freitag bei 2,6 Prozent. Im Juli waren es noch 2,4 Prozent. Energie kostete 8,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, Lebensmittel verteuerten sich um 2,6 Prozent. Auch Alkohol und Tabak (plus 4,5 Prozent) sowie Verkehrskosten (plus 4,8 Prozent) sorgten für Preisauftrieb. Die Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel lag bei lediglich 1,5 Prozent.

Das teure Öl trieb auch in Deutschland die Teuerung nach oben, wo die Preise im europäischen Vergleich (HVPI) um 2,2 Prozent stiegen. Die Inflationsrate in den 17 Staaten des Euroraums ist damit höher als der EZB lieb sein dürfte. Die Europäische Zentralbank sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. EZB-Chef Mario Draghi erwartet jedoch, dass sich die Teuerungsrate in der wachstumsschwachen Eurozone im Laufe des nächsten Jahres wieder unter dieser Schwelle einpegeln wird.

In der Wahrnehmung der deutschen Verbraucher ist die Inflation jedoch weit höher als die offizielle Teuerungsrate. Nach Berechnungen der Großbank UniCredit lag die gefühlte Inflation im August bei 3,6 Prozent. Im langjährigen Vergleich ist das ein hoher Wert: In den vergangenen 15 Jahren lag die gefühlte Inflation im Schnitt bei 2,3 Prozent. Im Juli waren es noch 2,8 Prozent.

Schuld daran ist der teure Sprit: “Besonders die hohen Kraftstoffpreise sorgen dafür, dass die Inflation in der Wahrnehmung der Verbraucher deutlich höher ist”, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Im Unterschied zum Statistikamt gewichten die UniCredit-Ökonomen die untersuchten Waren nach ihrer Kaufhäufigkeit. Da Benzin und Nahrungsmittel wie frisches Obst und Gemüse regelmäßig gekauft werden, fallen den Verbrauchern die Preiserhöhungen hier besonders stark auf. Preissenkungen bei langlebigen Gütern wie Computern werden dagegen weniger beachtet, da diese Waren nur selten gekauft werden.

Rees geht davon aus, dass die gefühlte Inflationsrate in den kommenden Monaten weiter steigen wird, weil viele Nahrungsmittel nach den Dürren in den USA und Indien teurer werden dürften. “Tendenziell wird es weiter nach oben gehen”, sagte Rees. “Aber ich glaube nicht, dass wir das im Herbst 2011 erreichte Hoch von 4,9 Prozent erreichen werden.”

Nach der offiziellen Statistik kosteten Kraftstoffe 9,4 Prozent mehr als im August 2011. Erheblich teurer waren auch Obst (+9,2 Prozent) sowie Fisch (+6,1), Gemüse (+ 4,8) und Fleischwaren (+4,6).”

Welcher der tiefere Grund für diesen in letzter Zeit zunehmend rasanten Anstieg der Preise  für Mineralöl-Produkte ist, darüber habe ich schon mehrere Blogeinträge verfasst: Es geht hier im Kern um das Problem des “Peak Oils” (auf Deutsch: “Globales Ölfördermaximum“). Bei konventionellem Erdöl haben wir “Peak Oil” wohl mittlerweile schon überschritten.

Seht zu diesem Thema zum Beispiel meinen Blogartikel mit dem Titel “`A Crude Awakening: The Oil Crash´ (2006) und `The End of Suburbia´ (2004)“. Angehängt an diesen Blogartikel findet ihr zwei gute Vorträge von Christoph Senz und Norbert Rost (beide unter anderem Mitglieder des “Postfossil Instituts” in Hamburg) zum Thema “Peak Oil“.

Zum Thema “Peak Oil” habe ich folgenden weiteren Blogeintrag verfasst (auch hier im Zusammenhang mit einem Dokumentarfilm über dieses Thema): “Blind Spot” (2008).

Ein weiterer Blogartikel von mir unter anderem zur Ölproblematik im Zusammenhang mit der Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist folgender: “Michael T. Klares `Blood and Oil´ (2008) und die Vereinigten Staaten heute“.

Und zum Thema des extrem umweltschädlichen Abbaus der sogenannten “tarsands” oder “oilsands” (Deutsch: Ölsande) in der kanadischen Provinz Alberta habe ich folgende Blogeinträge verfasst: “Dirty Oil” (2009)”, “To the Last Drop: Canada´s Dirty Oil Sands (2011)” und “H2Oil” (2009).

Auf der Website “Peak-Oil.com” hat Norbert Rost  (auch Büro für postfossile Regionalentwicklung Dresden) am 24.2.2012 einen längeren analytischen Artikel mit dem Titel “Steigende Benzinpreise – Ist Peak Oil die Ursache?” veröffentlicht, in dem die aktuell rasant ansteigenden Treibstoffpreise einer genaueren Untersuchung unterzogen werden.

Das Fazit dieses Artikels: “Der Großteil der aktuellen Preissteigerungen an den Tankstellen ist durchaus Peak Oil zuzuschreiben. Auch wenn wir den Peak selbst noch nicht erreicht haben, befinden wir uns zweifellos in der Plateau-Phase der Ölförderung, bei der die Fördermengen nur noch sehr langsam steigerbar sind, während die globale Ölnachfrage weiter anzieht. Dies verengt den Markt, der dadurch viel preissensibler auf Nachrichten, Verbrauchssteigerungen oder tatsächliche Liefereinschränkungen reagiert. Der Iran-Konflikt wird primär als Atom-Konflikt dargestellt, letztlich geht es jedoch auch um geopolitischen Einfluss in der Strategischen Ellipse, zu der Iran gehört. Und auch der sinkende Euro-Kurs ist in gewissen Maße mit Peak Oil verbunden: Das ölarme Europa, dessen große Fördergebiete in der Nordsee ihren Peak bereits überschritten haben, ist angesteckt von der Subprime-Krise in den USA, die ihrerseits von den 2007/2008 steigenden Ölpreisen verstärkt wurde. Die Phase, in der die aktuellen Benzinpreissteigerungen stattfinden, ist zweifellos stark vom globalen Ölfördermaximum beeinflusst”.

Angehängt an diesen Artikel mit dem Titel “Steigende Benzinpreise – Ist Peak Oil die Ursache?” findet ihr nochmals die beiden Vorträge, die von Christoph Senz und Norbert Rost seinerzeit im Stadtteilhaus Dresden-Neustadt zum Thema “Peak Oil” gehalten wurden und die seinerzeit auch freundlicherweise von diesen beiden Spezialisten für die weltweite Ölproblematik an meinen Blogartikel mit dem Titel  “`A Crude Awakening: The Oil Crash´ (2006) und `The End of Suburbia´ (2004)” angehängt wurden.

Langfristig gesehen ist das zunehmend immer näher rückendere Problem “Peak Oil” sowieso viel gravierender und für die gesamte Weltwirtschaft fundamentaler als die aktuelle Eurokrise.

Aber um auf das Thema einer möglicherweise drohenden Inflation in der Eurozone zurückzukehren: Insofern bin ich nicht sicher, ob die bisherigen Massnahmen der EZB und Mario Draghis, auch die jetzt angekündigte Eurorettungs-Massnahme eines potentiell unbegrenzten Ankaufs von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten, tatsächlich zu einer Inflation führen wird.

Zumindest scheint mir klar zu sein, dass eine blosse Erhöhung der Geldmenge nicht automatisch zu einer Inflation führen muss. Das behauptet zwar die auch in Deutschland gängige und beliebte monetaristische Theorie, aber entscheidend ist wohl auch, wo dieses Geld dann konkret landet.

Wer das übrigens ganz ähnlich wie Jens Berger sieht ist Wolfgang Münchau.

In seinem Artikel vom 5.9. mit dem Titel “Deutschland braucht die Inflation” in seiner “Spiegel-Online“-Kolumne “S.P.O.N. – Die Spur des Geldes” erläutert Münchau klar und logisch, weshalb eine moderate Inflation von ca. 4 Prozent günstig wäre, er allerdings ziemlich sicher ist, dass das vor einer Woche beschlossene EZB-Programm “Outright Monetary Transactions” zum Ankauf von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten diese eigentlich wünschenswerte Inflation nicht erzeugen wird.

Wolfgang Münchau stellt in seinem Artikel mit dem Titel “Deutschland braucht die Inflation” unter anderem fest:Ein Italiener übernimmt die Führung der Notenbank und kündigt ein Aufkaufprogramm von Staatsanleihen an. Die orthodoxen Kritiker der Bundesbank dampfen vor Wut. Zeitungen warnen vor der großen Inflation. Diesen Donnerstag wird entschieden, und es sieht ganz danach aus, als würde sich Draghi durchsetzen.

Die Anti-Inflationstrommler warnten schon 2007, als die Europäische Zentralbank zum ersten Mal eingriff, um die Märkte zu stabilisieren. Dann warnten sie erneut, nachdem die Zinsen auf 1,0 Prozent gefallen waren. Sie warnten, als die EZB ihr erstes Aufkaufprogramm für Anleihen beschloss und dann wieder, als sie den Banken billiges Drei-Jahresgeld ohne Begrenzung zur Verfügung stellte. Sie warnten, als man den Refinanzierungszins auf 0,75 Prozent senkte, und jetzt warnen sie lauter denn je.

Mich erstaunt die Plattheit der Inflationsdebatte immer wieder. Die Theorie des Monetarismus besagt, dass eine erhöhte Geldmenge höhere Inflation verursacht. Doch das stimmt schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch hält sich die monetaristische Sichtweise hartnäckig. In Japan ist die Geldmenge in den neunziger Jahren stetig gewachsen, doch es gab keine Inflation sondern eine Deflation. Die westlichen Notenbanken pumpen schon seit über fünf Jahren Geld in das System, und trotzdem kommt unten keine Inflation heraus. Mit simpler Hydraulik kann man den Inflationsmechanismus in einer Welt mit über-dominanten Finanzmärkten nicht mehr erklären. Milton Friedmans Monetarismus ist nicht gescheitert, weil er falsch war, sondern weil sich die Welt geändert hat.

Auch in den USA gibt es solche Debatten, nur gibt es dort ein paar mehr Leute in den Notenbanken, in den Universitäten und auch in den Medien, die dagegen halten. Die intelligenteren unter den Hardlinern hier in Europa geben zumindest taktisch zu, dass jetzt kurz- und mittelfristig tatsächlich keine Inflation droht, sondern erst langfristig, wenn sich die Weltwirtschaft vollständig von der Krise erholt hat. Aber hier bewegen sie sich von ihrer eigenen Theorie weg. Denn die behauptet schließlich, dass es einen mittelfristigen kausalen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation gäbe. (…).

Aufkaufprogramme durch Zentralbanken können unter bestimmten Umständen durchaus Inflation schaffen. Aber diese Umstände sind nicht gegeben. Laut Berechnungen der Citibank und Goldman Sachs hat die EZB einen Puffer von 1,5 bis 3 Billionen Euro, bevor man mit Kaufprogrammen von Anleihen Inflation kreiert. Der Grund ist technisch: Wenn man Papiergeld als ein zinsloses Notenbank-Papier auffasst, dann verdient die Notenbank mit jedem Euro-Schein Geld, denn die Banken zahlen immerhin einen Zinssatz an die EZB. Man nennt diesen Zentralbank-Profit auch Seigniorage. Die oben genannte Summe ist der abgezinste zukünftige Notenbank-Gewinn durch Seigniorage. Mit anderen Worten: Die EZB kann einen gewissen Teil später anfallender Verluste aus der Portokasse bezahlen, bevor es inflationär wird.

Würde man so ein Programm in einer normalen konjunkturellen Phase auflegen, dann bestünde in der Tat eine Gefahr der kurzfristigen Überhitzungen und damit höherer Inflation. Doch der Euro-Raum steckt gerade in einer Rezession, und das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich deutlich verlangsamt. In diesem Klima wird es auf absehbare Zeit keine Inflation geben können. Draghis Einkaufssause ist somit weder kurzfristig noch langfristig inflationär.

Ich erinnere mich noch gut an die japanische Debatte in den neunziger Jahren. Damals erhöhte die Notenbank vorschnell die Zinsen, weil sie eine Rückkehr der Inflation fürchtete. Auch dort dominierten die Monetaristen die Debatte. Doch genau das Gegenteil von dem, was die Hardliner voraussagten, passierte. Die japanische Wirtschaft versank in einer Deflation. Der österreichische Zentralbankpräsident Ewald Nowotny warnte daher jüngst auch vor dem japanischen Beispiel. Auch bei uns ist die Gefahr eher die Deflation. So wie in Japan werden auch wir bald nicht mehr die Frage stellen: Wie können wir uns vor der Inflation schützen, sondern: Wie können wir wieder zu positiven Inflationsraten zurückkehren?

Die Aufgabe der Notenbank wird es dann nicht mehr sein, Inflation zu bekämpfen, sondern für ein Mindestmaß an Inflation zu sorgen. Noch besser wäre es, wenn die Notenbanken nicht mehr ein isoliertes Inflationsziel setzen, sondern ein nominales Wachstumsziel verfolgen. Nominalwachstum kann sich als die Summe von Inflation und Realwachstum vorstellen. Das Konzept ist nicht ohne seine technischen Tücken, aber es würde eine Deflation verhindern.

Denn mit geringer Inflation und geringem Realwachstum, und somit einem zu geringen Nominalwachstum, ist eine Schuldenkrise wie unsere nicht lösbar – auch nicht durch Anleihenkäufen. Denn unter diesem Szenario wächst man nicht aus der Krise heraus. Die Lösung dann wären Geldtransfers, ein teurer Schuldenschnitt oder der Zusammenbruch des ganzen Systems.

Ich selbst würde einen moderaten Anstieg der Inflation begrüßen, zum Beispiel auf vier Prozent, oder ein Nominalwachstumsziel von sechs Prozent. Aber dieses Thema steht jetzt nicht zur Debatte. Mein Punkt ist nur, dass Draghis Programm keine Inflation bringen wird – leider” (Fettdruck von mir).

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