Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 118

Die Entwicklung an den Börsen und auch hinsichtlich der Risikoaufschläge der Staatsanleihen der PIIGS-Staaten war am Freitag nach der Bekanntgabe des jetzt beschlossenen Programms “Outright Monetary Transactions” (OMT) der EZB am Tag zuvor weiter anhaltend gut.

Das vermeldet auch “Spiegel-Online” in einem Artikel vom 7.9. mit dem Titel “Staatsschulden: EZB-Entscheid drückt Zinskosten für Krisenländer“.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Das neue Anleiheprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlt sich für die Krisenländer der Euro-Zone aus. Am Tag nach der Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, unbegrenzt Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder zu kaufen, entspannte sich die Lage an den Finanzmärkten deutlich.

In Spanien, Italien und Portugal gingen die Risikoprämien zurück, die die Länder für ihre Staatsanleihen zahlen müssen. In Spanien und Italien liegen die Zinsaufschläge, die private Investoren im Vergleich zu deutschen Anleihen von den Ländern verlangen, mittlerweile so tief wie seit fast einem halben Jahr nicht mehr. In Portugal erreichten sie sogar den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Ein Beispiel: Am Freitag sank etwa die Rendite für spanische Staatspapiere mit zwei Jahren Laufzeit auf 2,58 Prozent. Zum Vergleich: Im Juli – kurz bevor EZB-Chef Mario Draghi erste Hinweise auf einen großen Eingriff der EZB gab – hatte sie mit rund 6,5 Prozent rund zweieinhalb mal so hoch gelegen. Auch bei Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten gibt es deutliche Entspannung: In Spanien sank die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf 5,66 Prozent. Im Juli hatte sie bei bis zu 7,5 Prozent gelegen.

Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung bei zehnjährigen Staatstiteln Portugals: Lag deren Rendite im Juli noch bei rund 11 Prozent, ist sie mittlerweile auf 8,2 Prozent gefallen. Die Preise für Portugals Staatstitel beziehen sich auf den Handel, den Investoren mit den Titeln untereinander betreiben – den sogenannten Sekundärmarkt. Direkt kann sich Portugal derzeit nur für wenige Wochen Geld leihen. Die Staatsfinanzierung wird durch Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF gedeckt.

Italiens Regierungschef Mario Monti bewertet den EZB-Plan zum unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen positiv und gab sich optimistisch, dass die Zentralbank die angekündigten Hilfen im Falle Italiens vielleicht gar nicht einsetzen muss. “Wenn Italien sich weiterhin mit einem Bewusstsein für Disziplin und Reform bewegt, könnten diese Hilfen nicht notwendig werden”, zitieren die italienischen Medien am Freitag Äußerungen Montis.

An den Börsen hält die gute Stimmung an. Nach deutlichen Gewinnen am Donnerstag legte der Dax am Freitag weiter zu und stieg zeitweise über die Marke von 7200 Punkten – erstmals seit Anfang August 2011″.

Tja, das sind zumindest vorerst gute Nachrichten. Hoffen wir, dass die positiven Effekte dieser Aktion von Mario Draghi für eine längere Zeit anhalten.

Das “Wall Street Journal” berichtete am 7.9. in einem Artikel mit dem Titel “EUROPE MARKETS: Bond Prices, Euro Jump Again on ECB Bond Plan” über die Reaktionen der Anleger an den Börsen und Finanzmärkten am Freitag auf das am Tag zuvor von der EZB beschlossene Programm “Outright Monetary Transactions” (OMT).

In diesem Artikel heißt es unter anderem: “Traders and investors ignored gaps in the European Central Bank’s new bond-buying plan Friday, propelling prices of Spanish and Italian bonds to their strongest levels in months and pumping the euro higher.

Stock prices also rose, albeit generally modestly.

The broad market surge comes amid a widespread view among analysts and investors that the ECB has, this time, taken decisive action to tackle the almost three-year-old crisis. Few see a strong chance that the plan will unravel.

The ECB’s new plan to help bring down borrowing costs for some of the region’s fiscally frail countries, announced Thursday, focuses on bonds falling due in between one and three years. The program will be unlimited, and can be used as long as the government in question is under a program approved by the euro zone.

The plan is thought to have defied objections from German Bundesbank President Jens Weidmann, who sits on the ECB’s Governing Council. But it has received German political support; Finance Minister Wolfgang Schäuble said Friday that the ECB hasn’t overstepped its mandate, and this is “not the beginning of monetary financing of sovereign debt.”

The plan still has gaps. Spain, which is seen as a main potential beneficiary of the plan, has yet to apply for help. And Europe’s permanent rescue fund, the European Stability Mechanism—a vital part of the ECB’s plans—still has to be ratified by Germany. But for now, traders in the nexus of the crisis in the continent’s bond and currency markets are looking past any doubts.

The market’s confidence in the plan was underscored by a sharper fall in longer-dated bond yields compared with shorter-dated ones, suggesting that at least some investors were now willing to lend Spain and Italy money beyond three years. Securing adequate demand from private investors is essential if borrowing costs are to fall on a sustained basis.

The market is quickly realizing that this time may be different and the bullish mood may be more permanent than in previous occasions,” said Gustavo Baratta, head of government bonds trading at Banca IMI in Milan. “Investors are quickly moving up the curve, buying longer-dated bonds that offer higher yields, so the ECB effect is already transmitting beyond the three-year maturity.”

Yields on 10-year Spanish slid to 5.60%, down 0.41 percentage point from Thursday’s close, while Italian 10-year yields tumbled 0.25 percentage point to 5.05%. Yields move in the opposite direction to prices, so this puts Spanish 10-year bonds at their strongest point in four months and Italian bonds at their strongest in six months.

Two-year Spanish bonds yielded 2.60%, 0.26 percentage point lower from Thursday’s close, and two-year Italian bonds yielded 2.26%, down 0.04 percentage point.

Yields had also fallen in the wake of Thursday’s announcement”.

Gut, wir werden sehen, ob diese Entwicklung dauerhaft und tragend bleibt.

Einen guten Artikel mit dem Titel “Von Merkozy bis Draghi” hat am 7.9. Eric Maurice in  “Presseurop.eu” veröffentlicht.

In diesem Artikel stellt Eric Maurice unter anderem fest: “Überall in Europa, außer vielleicht in der Frankfurter Schanze der Bundesbank und bei Verfechtern der Geldgläubigkeit, scheint Mario Draghi von jetzt an die einzige Hoffnung der Einheitswährung zu sein. Am 6. September kündigte der Chef der Europäischen Zentralbank an, dass seine Institution dazu bereit sei, unbegrenzt Staatsanleihen hochverschuldeter Staaten aufzukaufen. Allerdings unter der Bedingung, dass diese Staaten gleichzeitig Hilfen vom Europäischen Rettungsfonds beantragen. Das bedeutet, dass sich Staaten wie Spanien und Italien refinanzieren können, ohne übermäßige Zinsen zahlen zu müssen, dafür aber eine Sanierung ihrer Finanzen akzeptieren müssen.

Als Draghi vor 10 Monaten sein Amt antrat, stellte Bild ihn mit einer Pickelhaube dar, um ihn für seine Verbundenheit mit der den Deutschen so wichtigen Preisstabilität zu beglückwünschen. Heute gerät der Italiener offen mit dem Chef der deutschen Zentralbank Jens Weidmann aneinander, der den Kauf von Staatsanleihen mit „einer Droge“ vergleicht. Seine Position als Seiltänzer zwischen Mahnung zur Sparsamkeit und der Hinnahme einer gewissen Kulanz mit den Regeln der EZB macht ihn zur Drehachse der Eurozonenkrise.

Nach und nach ändert sich die Verwaltung der Eurozone. Zu Zeiten der Allmacht des Duos Angela Merkel-Nicolas Sarkozy verhandelte und beschloss der Europäische Rat, und die EZB folgte unterm Vorstand des Franzosen Jean-Claude Trichet und äußerte seine Uneinigkeit nur andeutungsweise. Heute ist die Kanzlerin von François Hollande, Mario Monti und Mariano Rajoy umgeben, die alle andere Interessen als Deutschland haben. Außerdem ist der Rat nach zwei Jahren ineffizienter Entscheidungen wenig überzeugend, wenn er vorgibt, den Schlüssel zum Ausgang aus der Krise gefunden zu haben. Da die Finanzmärkte aber die „Big Bazooka” wollen, die nur die EZB laden kann, ist Mario Draghi der neue deus ex machina. (…).

In den kommenden Wochen haben die Staats- und Regierungschefs Gelegenheit, das Kommando wieder zu übernehmen, wenn ihnen der Bericht über „eine wahre Politik- und Geldunion“ und das Projekt einer Bankunion vorgelegt wird. Diesen beiden Baustellen hatten sie beim Gipfeltreffen im Juni zugestimmt.

Damit die Politik wieder vollständig ihre Rechte übernimmt, müssen die europäischen Staatschefs im Dienste einer klaren Sichtweise endlich mehr Entschlossenheit bei ihren Entscheidungen an den Tag legen. Oder wir müssen alle lernen, jeden Monat die Pressekonferenz von Mario Draghi anzuschauen” (Fettdruck von mir).

Genau so sehe ich das auch. Mario Draghi war letztlich einfach dazu gezwungen, mit seinem jetzt vom EZB-Rat abgesegneten Programm “Outright Monetary Transactions” (OMT) in das gefährliche Vakuum hineinzustossen, das vom jahrelangen Chaos der europäischen Politik, vor allem auch von der chaotischen und kurzsichtigen Politik der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition unter Angela Merkel hinterlassen wurde.

Dieses aktuelle gefährliche Vakuum musste letztlich von Mario Draghi ausgefüllt werden, um ein immer näher rückendes Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern.

Wenn die europäischen Politiker und nicht zuletzt Angela Merkel und ihre Mitstreiter im Kabinett Merkel II in Zukunft in Sachen Eurokrise wieder die Führung übernehmen wollen, wird Mario Draghi wohl nichts dagegen haben.

Aber wenn Angela Merkel weiter eine chaotische und kurzsichtige Politik wie bisher betreibt, wird sich das europäische Publikum und auch das weltweite Publikum vielleicht in Zukunft wesentlich mehr für die Aktionen und Verlautbarungen des EZB-Rates und Mario Draghis interessieren als für die Aktionen und Verlautbarungen des EU-Rates mit seinen bisherigen zahl- und in der Regel auch ergebnislosen EU-Gipfeln.

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