Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 112

Über das Thema der möglichen Kapitalverkehrskontrollen, die man angesichts der massiven Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten einsetzen könnte (und meiner Meinung nach auch sollte), habe ich ja schon geredet.

Seht hierzu meinen Blogeintrag mit dem Titel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 109“.

Ein Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” ist auch am 31.5 in “FAZ.NET” erschienen. Verfasst hat diesen Artikel Bettina Schulz.

Natürlich argumentiert auch dieser Artikel tendenziell in die gleiche Richtung wie der Artikel im “Manager-Magazin” vom 26.6.2012 mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Der Giftschrank der Euro-Retter“.

Er argumentiert also eher gegen Kapitalverkehrskontrollen in dieser Eurokrise. Das ist auch nicht verwunderlich, die Wirtschaftsredaktion der “FAZ” ist genau wie das “Manager-Magazin” ultra-unternehmerfreundlich, wirtschaftsliberal und natürlich auch neoliberal eingestellt. Auch der Kundschaft und Leserschaft des Wirtschaftsteils der “FAZ” kämen Kapitalverkehrskontrollen mehr als ungelegen.

Das Gute an diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” ist für mich, dass er im Gegensatz zum Artikel im “Manager-Magazin” mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Der Giftschrank der Euro-Retter” ganz klar sagt, dass die Abschaffung der Kapitalverkehrskontrollen ein Produkt der neoliberalen Revolution ab den 1980er-Jahren (Margaret Thatcher und Ronald Reagan) und des sogenannten “Washington Consensus” ist.

Über diese “neoliberale Revolution” habe ich seinerzeit schon einen Blogartikel veröffentlicht mit dem Titel “Die Ursachen und Folgen der neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren“.

Wir erfahren zum Thema der Kapitalverkehrkontrollen in diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” in “FAZ.NET” : “Die Ansichten über Kapitalverkehrskontrollen haben sich dabei seit dem Zweiten Weltkrieg mehrmals gewandelt. Grundsätzlich müssen sie im Spannungsfeld des sogenannten „makroökonomischen Trilemmas“ betrachtet werden, nachdem eine offene Volkswirtschaft für zwei der folgenden drei Parameter zu entscheiden hat: offene Kapitalmärkte, unabhängige Geldpolitik, fester Wechselkurs. Nach der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg galten im Bretton-Woods-System feste Wechselkurse, der Goldstandard und scharfe Kapitalverkehrskontrollen als Garant dafür, dass spekulativen Kapitalbewegungen vorgebeugt wurde, Ruhe an den Finanzmärkten herrschte und sich das Bankensystem und die Volkswirtschaft insgesamt von den Kriegswirren erholen konnten. (…).

Mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems gingen die Vereinigten Staaten, Deutschland, die Schweiz und Großbritannien zwischen den Jahren 1973 bis 1979 schrittweise zu flexiblen Wechselkursen über und schafften Kapitalverkehrskontrollen ab. Im sogenannten „Washingtoner Consensus“ dominierte in den folgenden dreißig Jahren die Vorstellung, dass Kapital ohne Behinderung dorthin fließen sollte, wo es für das Wirtschaftswachstum am dringendsten gebraucht und mit hoher Rendite belohnt würde. Der Internationale Währungsfonds (IWF) drückte diese Sichtweise in zahlreichen Schwellenländern durch, in denen er darauf drängte, Kapitalverkehrskontrollen abzuschaffen und flexible Wechselkurse einzuführen”.

Interessant an diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” in “FAZ.NET” ist auch, dass er ganz klar zugibt, dass zahlreiche Schwellenländer mit dem Prinzip der Abschaffung der Kapitalverkehrskontrollen im Zeitalter des Neoliberalismus und des “Washington Consensus” schlechte Erfahrungen gemacht haben und im Fall einer Beibehaltung der Kapitalverkehrskontrollen meist gut gefahren sind.

Wir erfahren hierzu in diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” in “FAZ.NET“: “Die Schwellenländer indessen hatten mit diesem System ihre eigenen (oft schlechten) Erfahrungen gemacht. Länder, die wie China, Indien und Malaysia Kapitalverkehrskontrollen einsetzten, blieben von den negativen Auswirkungen der Asien-Krise weitgehend verschont. Dennoch wurden Kapitalverkehrskontrollen vom IWF weiterhin nur in Ausnahmefällen als akzeptable Lösung hingenommen. So verhängten zahlreiche Länder Kapitalverkehrskontrollen im Rahmen ihrer Schuldenkrisen – Argentinien zum Beispiel in den Jahren 2000 und 2001, Korea im Jahr 1998, Mexiko im Jahr 1994 und Russland im Jahr 1998″.

Und der Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” sagt auch ganz klar, dass sich die Sicht vieler Volkswirtschaftler auf das Instrument der Kapitalverkehrkontrolle seit Ausbruch der Finanzkrise ab 2007 (und die aktuelle Eurokrise ist natürlich ein Teil und zugleich eine Verlängerung dieser Finanzkrise ab 2007) klar geändert hat.

Eine zunehmende Zahl von Volkswirtschaftlern sieht nun in den Kapitalverkehrskontrollen ein nützliches und im Fall seines Einsatzes potentiell auch hilfreiches Instrument zur Bekämpfung der Finanzkrise ab 2007 und nicht zuletzt der Eurokrise.

Wir erfahren hierzu in diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten“: “Die Sichtweise der westlichen Länder änderte sich dann abermals grundlegend infolge der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise. Im November 2008 verhängte Island mit Absprache des IWF Kapitalverkehrskontrollen, um eine Kapitalflucht seiner Anleger nach dem Zusammenbruch der drei größten Banken des Landes – Kaupthing, Landesbanki und Glitznir – zu verhindern. Die isländische Krone wertete nach dem Zusammenbruch der Banken um 80 Prozent gegenüber dem Euro ab. Die Kapitalverkehrskontrollen wurden im November 2009 wieder aufgehoben.

Während der Krise an den Kapitalmärkten der entwickelten Staaten beschwerten sich zahlreiche Schwellenländer über einen massiven Kapitalzufluss und Aufwertungsdruck auf ihre Währungen. Die brasilianische Regierung warnte gar vor einem Währungskrieg. Brasilien, Taiwan, Mexiko, Peru, Kolumbien, Korea, Südafrika, Russland und Polen führten in der Folge Maßnahmen ein oder verschärften bestehende Kontrollen, um den Kapitalzufluss zu bremsen. Im Februar 2010 rückte dann der IWF von seiner Position ab, dass Kapitalverkehrskontrollen ausschließlich nur in ernsten Krisenzeiten zu nutzen seien, und im Februar 2011 forderten gar 250 Volkswirte die amerikanische Regierung auf, in bilateralen Handelsabkommen auf Klauseln zu verzichten, die erlauben würden, Kapitalverkehrskontrollen des Handelspartners zu bestrafen”.

Und dieser Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten erläutert auch klar, dass in der Eurozone zwar im Prinzip Kapitalverkehrskontrollen verboten, im Fall einer schweren Krise allerdings eindeutig erlaubt sind.

Daher präsentiert dieser Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten die möglichen Formen der Kapitalverkehrskontrollen, die in der Eurozone zur Anwendung kommen könnten und die ebenfalls die in der Eurozone vorhandenen rechtlichen Grundlagen für den möglichen Einsatz von Kapitalverkehrskontrollen.

Das betrifft übrigens auch Länder wie die Schweiz, die nicht Teil der Eurozone sind, aber wegen des aktuellen massiven Aufwertungsdruckes den Einsatz von Kapitalverkehrskontrollen erwägen.

Ich habe ja schon darüber berichtet, dass die SNB und ihr Chef Thomas Jordan zur Zeit planen, dieses Instrument der Kapitalverkehrskontrolle im Fall eines “Grexit” oder gar eines Zerbrechens der Eurozone einzusetzen.

Seht hierzu nochmals meinen Blogeintrag mit dem Titel “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 109“.

Über die möglichen Formen der Kapitalverkehrskontrollen, die in der Eurozone zur Anwendung kommen könnten und die eindeutig in der Eurozone vorhandenen rechtlichen Grundlagen für den möglichen Einsatz von Kapitalverkehrskontrollen erfahren wir in diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten“: “In der Euro-Krise geht es nun um zwei Seiten der Medaille: Länder wie Griechenland – und möglicherweise Spanien und Italien – müssten im Notfall Kapitalverkehrskontrollen erwägen, um eine sich beschleunigende Kapitalflucht nicht eskalieren zu lassen. Länder, die demgegenüber als „sicherer Hafen“ für dieses Angstkapital fungieren wie etwa die Schweiz, loten bereits Kapitalverkehrskontrollen aus für den Fall, dass sie dem Aufwertungsdruck ihrer Währung nicht standhalten können.

Kapitalverkehrskontrollen können dabei verschiedene Form annehmen: Sie können die Konvertierbarkeit der Währung beschränken, Transaktionen besteuern oder beschränken, dass Sparer Einlagen von Banken abheben oder elektronisch überweisen. Solche Kontrollen würden konkret dann notwendig, wenn etwa im Falle Griechenlands so viel Kapital abfließt, dass es dem inländischen Bankensystem nicht mehr möglich ist, sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) direkt oder im Rahmen der Notliquidität (ELA) zu refinanzieren.

Rechtlich sind Kapitalverkehrskontrollen zwar nach Artikel 63 des Gesetzes zum Gemeinsamen Binnenmarkt verboten. In Notsituationen „bei ernsten Schwierigkeiten in der Wirtschafts- und Geldpolitik“ sind sie nach Absprache mit dem Ministerrat, der EZB und auf Vorschlag der EU-Kommission jedoch maximal 6 Monate nach Artikel 66 möglich”.

Dieser  Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten” erwähnt übrigens auch ganz klar in seinem Kommentar zu einer unten an diesem Artikel anhängenden Chart zu den aktuellen Kapitalbewegungen in Spanien und Italien, dass die aktuelle Kapitalflucht in allen PIIGS-Staaten, auch in Italien und Spanien, in engem Zusammenhang mit den explodierenden Target-2Salden des ESZB steht.

Über diese seit Beginn der Eurokrise massiv ansteigenden Target-2-Salden im Rahmen ESZB habe ich ja schon oft geschrieben.

Wir erfahren hierzu in diesem Artikel mit dem Titel “Kapitalverkehrskontrollen: Geld lässt sich nicht einfach festhalten“: “Kapitalflucht ist ein beängstigender Begriff. Momentan fällt er häufig, wenn vor einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion gewarnt wird. Dann könnte, lautet die Sorge, am Ende auch das Vertrauen in spanische und italienische Banken weiter sinken mit der Folge, dass Sparer ihr Geld abheben und in Sicherheit bringen. Tatsächlich ziehen Private (Banken, Unternehmen, Haushalte) bereits Kapital aus beiden Ländern ab. Aus Spanien waren es im vergangenen Jahr ungefähr 100 Milliarden Euro gewesen, aus Italien rund 160 Milliarden Euro, hat Citigroup-Ökonom Matt King ausgerechnet. Dafür hat er jeweils Zahlungsbilanzdaten beider Länder mit Mittelzuflüssen aus dem Zahlungsverkehrssystem der europäischen Zentralbanken (Target 2) kombiniert. In Spanien steigt die Bedeutung der Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits über die Euro-Notenbanken bereits seit 2009, in Italien spielen diese Zuflüsse seit dem vergangenen Jahr eine substantielle Rolle. Sie ersetzen jeweils Kapitalzuflüsse von privater Seite”.

Zu Matt Kings (Citigroup) Analysen der Kapitalflucht vor allem in Spanien und Italien habe ich mich übrigens schon vor einiger Zeit geäußert. Seht hierzu meinen Blogeintrag “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 30“.

Im Klartext: In den PIIGS-Staaten ziehen Anleger, Banken, Unternehmen und nicht zuletzt die reichen Oberschichten des jeweiligen Landes ihr Geld ab und verschieben es in besser funktionierende Länder, zum Beispiel in die Schweiz (Zürich) und England (London), die ausserhalb der Eurozone stehen. Und dann kommt als aktueller “Fluchthafen” nicht zuletzt Deutschland (Berlin) als im Moment noch gut funktionierendes Land der Eurozone hinzu.

Wie sehr zum Beispiel auch Berlin zum “Fluchthafen” für deutsche, aber massiv auch für ausländische Investoren in der aktuellen Eurokrise, nicht zuletzt für die Anleger aus den südeuropäischen PIIGS-Staaten geworden sind, lässt sich leicht am jeweiligen Immobilienboom in diesen Städten (Zürich, London, Berlin) ablesen.

Ich gebe euch nur mal als Beispiel ein paar Artikel zum aktuellen Immobilienboom in “Berlin” (zum aktuellen Immobilienboom in London und Zürich kann man natürlich auch leicht Artikel “zusammengoogeln”).

Hier habt ihr einen Artikel vom 22.6. mit dem Titel “Eurokrise bringt Investoren nach Berlin: Aufwärts, immer weiter” in der “taz“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “„Es gibt in Teilbereichen von Berlin erhebliche Wertsteigerungen“, sagt André Adami, Niederlassungsleiter des Immobilienanalysehauses Bulwien Gesa, „selbst wo man denken sollte, da wird die Luft langsam dünn, geht die Entwicklung weiter.“

André Adami eilt in langen Schritten durch die spärlich möblierten Büroräume in einer ruhigen Seitenstraße nahe der Spree. Er lässt sich auf einen Stuhl im Besprechungszimmer sinken und überlegt kurz, wie er anfangen soll. Der Fachmann erinnert sich gut daran, dass alles einmal anders war, dass in Berlin die Wohnungen leer standen und die Preise stagnierten. Vor etwa vier Jahren begannen die Veränderungen: Berlin wurde zur hippen Party- und Kulturmetropole. Zugleich erwies sich ausgerechnet die Eurokrise als Triebmotor des Immobilienbooms. „Deutschland ist ein wirtschaftlich starkes Land“, erklärt Adami. „Dadurch ist Berlin international interessant; vor allem auch für Südeuropäer, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen.“

Hier habt ihr einen Artikel vom 30.8. mit dem Titel “Investoren im Kaufrausch: Die große Immobilien-Party in Berlin” im “Manager-Magazin“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Tatsächlich begeistern sich in den Wirren der Euro-Schuldenkrise die verschiedensten Anlegertypen für Investments in Deutschlands wohl einziger echter Weltstadt. Dazu gehören Privatleute ebenso wie Family Offices oder institutionelle Großanleger aus dem In- und Ausland. Auf den Fahndungslisten der Kaufwilligen findet sich fast alles, worin sich wohnen lässt, von der Eigentumswohnung in Berlin-Mitte über das Mehrfamilienhaus in Trendvierteln wie Kreuzberg oder Neukölln bis hin zu ganzen Wohnungsportfolios, verteilt über beinahe die gesamte Stadt”.

Um nun auf das Thema der aktuellen Kapitalflucht in allen PIIGS-Staaten, jetzt zunehmend natürlich auch in Spanien und Italien und die damit in engem Zusammenhang stehenden explodierenden Target-2-Salden des ESZB zurückzukommen: Zugleich mit dieser massiven Kapitalflucht aus den PIIGS-Staaten baut vor allem die Deutsche Bundesbank (aktueller Chef: Jens Weidmann) riesige Forderungen im Rahmen des Target-2-Systems gegenüber den Nationalen Zentralbanken dieser PIIGS-Staaten auf (die wiederum natürlich gigantische Verbindlichkeiten gegenüber der Deutschen Bundesbank aufbauen)

Es wundert mich daher, dass Jens Weidmann bei all seiner aktuellen medialen Panikmache gegen den EZB-Chef Mario Draghi und Mario Draghis Plänen zu den möglichen Ankäufen von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten nicht über diesen Zusammenhang zwischen der massiv anwachsenden Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten und den zugleich massiv steigenden Risiken der Bundesbank über die explodierenden Target 2-Forderungen reden will.

Sollten also der Euro und die Eurozone tatsächlich zerbrechen, müsste der deutsche Steuerzahler für die dann unvermeidlichen gigantischen Verluste der Bundesbank aus den Target-2-Salden und dem zerstörten und dann im Prinzip einfach nicht mehr existierenden ESZB einstehen.

Die Bundesbank haftet für die potentiellen Verluste der EZB mit 27%, da aber bei einem Zerbrechen des ESZB die Nationalen Zentralbanken der PIIGS-Staaten ausfallen, bzw. dann die ehemaligen Schuldner sind, wäre der reale Haftungsanteil der Bundesbank im Fall eines Zerbrechnes des ESZB noch deutlich höher.

Im Juli 2012 lagen die Target-2-Forderungen der Bundesbank bei ca. 730 Milliarden Euro. Das ist so aberwitzig viel Geld, dass kein normaler Mensch sich das überhaupt nur vorstellen kann.

Seht hierzu zum Beispiel einen Artikel in “Focus Online” vom 9.7.2012 mit dem Titel “Target-2-Saldo steigt weiter: Noch mehr Sprengstoff in der Bundesbank-Bilanz“.

Ursächlich für diesen immer weiter wachsenden “Sprengstoff” in der Bundesbank-Bilanz ist nicht zuletzt die massive und immer weiter zunehmende Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten.

Wer einen Artikel mit dem Titel “, , : Target2-Defizite: Warum die Leistungsbilanz nicht entscheidend ist” über dieses Thema “Kapitalflucht und Target-2-Salden” im “Handelsblog” des “Handelsblattes” geschrieben hat, ist Olaf Storbeck (der unter anderem auch seinen eigenen, sehr guten Wirtschaftsblog “Economics Intelligence” betreibt, aus dem ich schon öfters zitiert habe und der auch Teil meiner “Blogroll” ist)

Olaf Storbeck kommt in diesem Artikel mit dem Titel “, , : Target2-Defizite: Warum die Leistungsbilanz nicht entscheidend ist” sogar zu dem Schluss, dass die explodierenden Target-2-Salden des ESZB weniger die Leistungsbilanzdefizite der PIIGS-Staaten widerspiegeln, sondern primär die Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten.

Olaf Storbeck stützt sich in seinen Ausführungen in diesem Artikel mit dem Titel “, , : Target2-Defizite: Warum die Leistungsbilanz nicht entscheidend ist” auf die Forschungsergebnisse von zwei Volkswirten aus der Forschungsabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) – Ashoka Mody und Fabian Bornhorst – die im März 2012 in einem Beitrag in “Voxeu.org”  (“TARGET imbalances: Financing the capital-account reversal in Europe”) den Zusammenhang zwischen den seit Beginn der Eurokrise explodierenden Target-2-Salden des ESZB und der jeweiligen Zahlungsbilanz– und Leistungsbilanz der Länder in der Eurozone im Detail ausgeleuchtet haben.

Ich zitiere aus diesem Artikel von Olaf Storbeck mit dem Titel “, , : Target2-Defizite: Warum die Leistungsbilanz nicht entscheidend ist” im “Handelsblog” : “Das bedeutet, dass die Target-Salden die Kapitalflucht aus den Krisenländern widerspiegeln. Die IWF-Forscher beschreiben das so:

“German investment positions in the rest of Europe are being unwound but  private funds are not easily available to finance these payments.

As  such, banks in stressed economies are turning to their central banks, who in turn obtain liquidity through the system of interconnected  European national central banks.

In contrast, German banks enjoy greater liquidity, which they are unwilling to use either for direct financing  of trade or in the interbank market presumably because of a heightened  perception of credit risks.

This excess liquidity is being channelled  back into the Eurosystem through the Bundesbank, which is, therefore, a  large creditor.”

Das Fazit der IWF-Forscher ist, dass die Target-Ungleichgewichte ein Symptom der Bankenkrise im Euroraum sind. Daraus folgt, dass selbst ein vollständiger Abbau der Leistungsbilanz-Defizite in  den Ländern mit Target2-Verbindlichkeiten nichts an den Problemen ändern würde.

Dennoch ist das Fazit der Forscher ziemlich beunruhigend:

“The Eurozone has used the TARGET mechanism to deal with the major shift in the direction  of capital flows. This has been an important achievement.

However, the  TARGET system is intended to deal with liquidity needs and is, therefore, expected to be in balance except over short periods. The  return to balance on this occasion will likely be longer and will  require adjustments that go beyond traditional demand management policies to reduce current-account deficits.

At stake here is the entire  financial architecture of the Eurozone.” (Fettdruck von mir)

Ich vermute stark, dass diese beiden Volkswirtschaftler Ashoka Mody und Fabian Bornhorst aus der Forschungsabteilung des IWF mit ihrer Vermutung, dass die extrem hohen Target-2-Verbindlichkeiten der Nationalen Zentralbanken der PIIGS-Staaten im Rahmen des ESZB in erster Linie durch die Kapitalflucht in diesen Ländern verursacht werden, recht haben.

Und Jens Weidmann hat bisher in der langen Zeit seit Ausbruch der Eurokrise (Beginn: Griechische Finanzkrise ab 2009) nie öffentlich über diesen Zusammenhang zwischen der massiven Kapitalflucht in den PIIGS-Staaten und den explodierenden Target-2Forderungen der Bundesbank geredet.

Komisch, dass Jens Weidmann nicht darüber reden will, hm? Auf diesem Auge scheint Jens Weidmann blind zu sein. Jens Weidmann hat nie über mögliche Kapitalverkehrskontrollen in der Eurozone geredet und meine Prophezeiung ist, dass er es auch nie tun wird. 

Wie ich schon sagte: Auf der Ebene der Unternehmen, Banken, Kapitalanleger und nicht zuletzt der reichen europäischen Oberschichten haben wir ein “Gemeinsames Haus Europa” und auch Eintracht und Solidarität. Diese Leute lassen es sich auf den internationalen Partys in London, Zürich, Berlin, Madrid, Paris, Rom etc. gut gehen.

Diese europäischen Oberschichten sind in der Regel vielsprachig erzogen worden (oft in Schweizer Elite-Internaten), sprechen fliessend Englisch, Französisch und natürlich oft auch Deutsch und sind in ganz Europa unterwegs und zuhause.

Zu den Schweizer Elite-Internaten seht zum Beispiel einen Artikel im grössten Schweizer Finanzportal “Cash” vom November 2010 mit dem Titel “Schweizer Elite-Internate kennen keine Finanzkrise“. Für diese Internate und ihre Zöglinge gibt es keine Finanz- und Eurokrise.

Oder zum Beispiel den Artikel in “Spiegel-Online” vom August 2004 mit dem Titel “Elite-Internate: Mit dem Porsche zur Schule“.

Oder lest zum Beispiel den Artikel in der “‘Süddeutschen Zeitung” vom Dezember 2008 mit dem Titel “Schweizer Elite-Internat: Drill und Disziplin“.

So wächst die europäische Oberschicht und Elite auf, auch in den südeuropäischen PIIGS-Staaten.

Hier in Madrid, wo ich oft lebe, gibt es selbstverständlich auch diese extrem reichen Oberschichten, deren Kinder genau so aufwachsen. Diese Leute werde ich nie persönlich kennenlernen und ein armseliger deutscher freischaffender Intellektueller wie ich ist für diese Leute nur eine Lachnummer, die auf ihren Partys, die selbstverständlich auch in Madrid stattfinden, nichts veloren hat. Ich hätte nicht mal die angemessene Kleidung, um auf diese Partys zu gehen. Da müsste ich erst mal zu einem Madrider Nobel-Herrenausstatter gehen und ein paar tausend Euro hinblättern.

In den unteren Etagen im “Gemeinsamen Haus Europa” allerdings balgen sich die europäischen Unter- und Mittelschichten (nicht zuletzt gegeneinander aufgehetzt durch Boulevardblätter wie die Bild-Zeitung) und die europäischen Unter- und Mittelschichten werden auch die Zeche zahlen, wenn der Euro und die Eurozone zerbrechen sollten.

Auch die deutsche Unter- und Mittelschicht wird dann kräftig zur Kasse gebeten. Ein Teil dieser deutschen Zeche werden die dann ausfallenden aberwitzigen Target-2-Forderungen der Bundesbank sein, für die dann der deutsche Steuerzahler aufkommen muss. Da sollte sich kein Deutscher der Unter- und MIttelschicht irgendwelche Illusionen machen.

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