Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 111

Einen Artikel mit dem Titel “Excessive austerity doesn’t pay, IMF economists show” hat am 23.8. der “International Economics“-Korrespondent des “Handelsblattes” Olaf Storbeck in seinem Blog “Economics Intelligence” veröffentlicht.

In diesem Artikel bemerkt Olaf Storbeck unter anderem: “A new research paper published by the research department of the International Monetary Fund (IMF) backs his claim. Countries trying to consolidate their public finances in the midst of a recession need patience and a steady hand, the paper entitled “Successful Austerity in the United States, Europe and Japan” concludes.

Given the fact that the IMF is part of the troika that insists on severe austerity programs in return for bailout funds, this  is quite a perplexing message.

A research team lead by IMF’s economist Nicoletta Batini analysed the history of austerity programs in industrial countries using state-of-the-art macro methods. They came to the conclusion that overly ambitious austerity programs implemented in economic downturns are self-defeating:

“The analysis in this paper shows that withdrawing fiscal stimuli too quickly in economies where output is already contracting can prolong their recessions without generating the expected fiscal saving.”

Without specifically discussing the Greek  case, the paper indirectly suggests  the excessive fiscal consolidation the troika forced upon the stricken country probably made things worse. According to figures published by the German Council of Economic Advisors, Greece has cut back its fiscal deficits rather vigorously.

From 2009 to 2012 the fiscal deficit shrunk by 9 percent of GDP and the structurally adjusted fiscal deficit was reduced by more than 14 percent. Simultaneously, however, economic output collapsed by more than 20 percent, and public debt exploded.

Excessive austerity measures in a recession can trigger a vicious circle, the IMF researchers warn in their paper. Declining output, diminishing tax revenue and expenditure cuts can reinforce each other – “a snowball effect”, as the economists call it. They advise governments to allocate consolidation measures evenly over several years. (…).

The results confirm an old hypothesis that dates back to the heydays of John Maynard Keynes. However, a lot of contemporary macro economists have been severely questioning the Keynesian view on fiscal policy and growth for decades. They suggest that fiscal retrenchment can boost economic prosperity even in the short run because it might foster confidence in the private sector.

In real life, however, this theory apparently does not hold the water. (…).

The results of the new paper are also stunning with regard to the optimal composition of austerity programs. Currently, most economists recommend cutting government expenditures rather than hiking taxes as the most growth friendly strategy. However, as Batini et al. point out, depending on the economic environment, this can turn out to be a dangerous piece of advice.

In a recession, cutting government outlays proves to be rather detrimental to growth. According to the results, the fiscal multiplier for so-called expenditure shocks varies between 1.6 and 2.6. This means that every Euro of cuts costs 1.60 to 2.60 Euro of GDP. Tax hikes are significantly less harmful: The fiscal multiplier only ranges between 0.16 and 0.35.

Unfortunately, however, most crisis countries in the Euro area heeded the prevalent economic advice and gave a higher priority to cuts rather than to tax hikes, as Laura Weymes, an economist with the Central Bank of Ireland, recently stressed in a paper:

Currently, the composition of consolidation programs across the broader EU appear balanced slightly in favour of expenditure.”

This might have exacerbated Europe’s problems“.

Im Klartext: Übermässige Austeritätsmassnahmen führen in eine verderbliche prozyklische Wirtschaftspolitik und in einen gefährlichen negativen “Teufelskreis“. Und wer das schon wusste war John Maynard Keynes (1883-1946).

Und Steuerhöhungen beschädigen das Wachstum (beziehungsweise das BIP) deutlich weniger als das Zusammenstreichen der Staatsausgaben.

Dennoch bevorzugen es die aktuellen Eurokrisen-Staaten (PIIGS-Staaten), ihre Staatsausgaben gnadenlos zusammenzustreichen und sind mit Steuererhöhungen eher zögerlich.

So die Ergebnisse einer neuen Studie mit dem Titel “IMF Working Paper – Successful Austerity in the United States, Europe and Japan“, verfasst von Nicoletta Batini, Giovanni Callegari and Giovanni Melina, die von der Forschungsabteilung des IWF erstellt wurde.

Tja, wer hätte das gedacht, hm?

In Spanien läuft die Sache jetzt übrigens genauso wie seinerzeit in Griechenland und Portugal. Diese beiden Länder sind aufgrund der langanhaltenden Austeritätspolitik schon am Boden des oben von mir erläuterten prozyklischen “Teufelskreises” angekommen. Spanien geht jetzt den gleichen Weg, und Italien bewegt sich in geringem Abstand hinter Spanien her.

Excessive austerity measures in a recession can trigger a vicious circle, the IMF researchers warn in their paper. Declining output, diminishing tax revenue and expenditure cuts can reinforce each other – “a snowball effect”, as the economists call it”: Ich wiederhole hier nochmals das zentrale Ergebnis einer neuen Studie mit dem Titel “IMF Working Paper – Successful Austerity in the United States, Europe and Japan“, verfasst von Nicoletta Batini, Giovanni Callegari and Giovanni Melina, die von der Forschungsabteilung des IWF erstellt wurde.

Hier habt ihr einen Artikel vom 28.8. mit dem Titel “Wirtschaftskrise: Spanien rutscht in die Rezession” im “Handelsblatt“. Nun, der Titel dieses Artikels ist fast schon euphemistisch. In die Rezession in Spanien schon seit vielen Monaten gerutscht, was jetzt passiert, ist, dass sich die Rezession in Spanien massiv verschärft. Grund hierfür sind natürlich die harten und massiven Sparpakete, die Mariano Rajoy in den letzten Monaten dem wirtschaftlich angeschlagenen Land aufgezwungen hat und immer noch weiter aufzwingt.

Nun, in diesem Artikel mit dem Titel “Wirtschaftskrise: Spanien rutscht in die Rezession” erfahren wir unter anderem: “Das krisengeplagte Spanien kommt nicht zur Ruhe. Die wirtschaftlich stärkste Region Katalonien will die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfe in Milliardenhöhe bitten. Auch konjunkturell rutscht das Land weiter ab: Die Rezession verschärfte sich im zweiten Quartal, weil die Rekordarbeitslosigkeit den Konsum abwürgt. Entspannt hat sich dagegen die Finanzierungssituation des Staates. Er musste Anlegern für frisches Geld deutlich weniger Zinsen zahlen. (…).

Die Nachricht schickte die Aktienmärkte auf Talfahrt. Der europäische Leitindex EuroStoxx50 verlor 0,8 Prozent auf 2441 Zähler. Auch an den US-Börsen ging es zum Handelsstart nach unten. “Durch das Hilfsgesuch Kataloniens wird ein Antrag Spaniens auf Gelder aus dem europäischen Rettungsfonds wahrscheinlicher”, sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard Stein & Co. “Immerhin muss der Staat jetzt Gelder aufbringen, die nicht eingeplant waren. Außerdem schürt der Antrag aus Katalonien die Erwartung, dass da womöglich noch andere Regionen folgen werden.” (…).

Die Verunsicherung unter den Verbrauchern reißt das krisengeplagte Spanien tiefer in die Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte vor allem wegen der schwachen Binnennachfrage von April bis Juni um 0,4 Prozent im Vergleich zum Jahresanfang, wie die Statistikbehörde INE mitteilte. Im ersten Quartal hatte es ein Minus von 0,3 Prozent gegeben. “Der Rückgang wird sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen”, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Fernando Jimenez Latorre. “Ab dem ersten Quartal kommenden Jahres dürften wir eine Verbesserung sehen.”

Die Wirtschaftsmisere erschwert die Sanierung des Staatshaushalts. Die Regierung will das Defizit in diesem Jahr auf 6,3 Prozent drücken, von 8,9 Prozent 2011. “Die Konjunktur ist viel schwächer als angenommen, was das Erreichen der ambitionierten Ziele erschwert”, sagte UniCredit-Analyst Tullia Bucco. (…).

Im Frühjahr zogen die Ausfuhren um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Das reichte allerdings nicht aus, um den Rückgang der Binnennachfrage von 3,9 Prozent auszugleichen. Der private Konsum leidet unter der Rekordarbeitslosigkeit: Jeder vierte Spanier hat keinen Job.

Verschärft wird die Lage durch die Bankenkrise. Die verunsicherten Spanier ziehen weiter Geld von den Instituten ab. Ihre Einlagen schrumpften im Juli um fast fünf Prozent auf 1,509 Billionen Euro. Die Regierung verhandelt Kreisen zufolge über Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm für die angeschlagene Finanzbranche”.

Tja, zur massiven Rezession in Spanien kommt also hinzu, dass die Kapitalflucht in diesem Land (genau wie übrigens in den anderen PIIGS-Staaten auch) weiter ungebremst und munter weitergeht. Und über Kapitalverkehrskontrollen will anscheinend niemand reden, zumindest jetzt noch nicht.

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