Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 101

Ein intelligenter und analytisch starker Artikel mit dem Titel “Euro-Krise: Deutschland zahlt hohen Preis für seine Erfolge” ist am 14.8. im “Handelsblatt” erschienen. Lest euch diesen Artikel mal in Ruhe durch und ihr werdet sehen, auf welch wackligem Boden die deutschen “Wirtschaftserfolge” (?!) spätestens seit Ausbruch der Eurokrise (Griechische Finanzkrise ab 2009) stehen.

Ich denke da nur an Christine Lagardes (aktuelle IWF-Chefiin) prophetischen Satz: “It takes two to tango”. Seht hierzu das Interview von Christine Lagarde in der “Financial Times” vom März 2010.

Damals hat Christine Lagarde in diesem Interview mit Recht darauf hingewiesen, dass es nicht nur reicht, wenn Deutschland auf die Defizitziele der Euro-Krisenstaaten pocht, sondern Deutschland auch vielleicht mal seinen enormen Leistungsbilanz– und Handelsbilanzüberschüsse abbauen sollte. Die einfachste Art dies zu tun wäre übrigens indem man mal die Löhne in Deutschland kräftig erhöht.

In diesem Interview erfahren wir: ”

FT: Do you have any proposals for dealing with imbalances?

Those with surpluses could do a little something. It takes two to tango. It cannot be just about enforcing deficit principles“.

Tja, Deutschland unter Angela Merkel (Kabinett Merkel II) hat sich um diesen übrigens höflichen Hinweis von Christine Lagarde bisher wenig gekümmert.

Warum es keine gute Idee von Angela Merkel und Konsorten war, diesen freundlichen Hinweis von Christine Lagarde dauerhaft zu ignorieren, erklärt euch unter anderem dieser Artikel im “Handelsblatt” mit dem Titel “Euro-Krise: Deutschland zahlt hohen Preis für seine Erfolge“.

Wenn Deutschland weiter allein vor sich her tanzt, könnte Deutschland für seine solipsistischen Wirtschaftserfolge bald einen hohen Preis zahlen. Lest euch diesen Artikel mit dem Titel “Euro-Krise: Deutschland zahlt hohen Preis für seine Erfolge” mal in Ruhe durch. Ich kann nur unterstreichen, was in diesem Artikel gesagt wird.

Deutschland existiert nun mal nicht alleine in der Welt, sondern ist Teil der Eurozone und Teil der Weltwirtschaft. Entweder man ist bereit mit seinen Handelspartnern zu harmonieren, oder die Sache endet im Zwist und man zahlt für seinen Egoismus am Ende vielleicht einen hohen Preis. So ist das nun mal.

Dass der Konjunkturabschwung in der Eurozone jetzt auch Deutschland und Frankreich erreicht hat, ist auch der “Financial Times Deutschland” klar.

Heute, am 14.8., erscheint in “Financial Times Deutschland” ein Artikel mit dem Titel “Wirtschaftswachstum: Deutschland wächst noch, Euro-Zone schrumpft.”

In diesem Artikel erfahren wir: “Kauffreudige Verbraucher und steigende Exporte haben die deutsche Wirtschaft  im zweiten Quartal gerade noch so auf Wachstumskurs gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. In den ersten drei Monaten waren es noch 0,5 Prozent. (…).

Fachleute sind skeptisch, ob sich die deutsche Wirtschaft auch in den kommenden Monaten weitgehend der konjunkturellen Flaute in der Euro-Zone wird entziehen können. Rund die Hälfte aller Euro-Staaten steckt in der Rezession. Das Problem: Deutsche Unternehmen liefern knapp 40 Prozent der exportierten Waren in den europäischen Währungsraum.

“Die Wachstumsdelle hat nun auch Deutschland erreicht. Angesichts mangelnder Impulse dürfte das Wachstum in Deutschland vorübergehend deutlich unter dem Potenzial bleiben”, schrieben die Analysten der VP-Bank in einer ersten Einschätzung”.

Was nun die Eurozone insgesamt angeht, so befindet sich diese sowieso schon seit geraumer Zeit im Sinkflug. Daran lässt auch dieser Artikel in der “FTD” keinen Zweifel.

Wir erfahren hierzu in diesem Artikel: “Die Wirtschaft der Euro-Zone schrumpfte im zweiten Quartal trotz des robusten Wachstums in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,2 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn, teilte das Statistikamt Eurostat ebenfalls am Dienstag in Brüssel mit.  Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung stagniert. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von Rezession gesprochen.  Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass die Euro-Zone in diesem Jahr um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen wird. 2013 traut sie ihr wieder ein Wachstum zu.

Deutschland steht verglichen mit anderen Euro-Ländern also noch gut da. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent ein, in Belgien um 0,6 Prozent und in Spanien um 0,4 Prozent. Frankreichs Wirtschaft stagnierte”.

Tja, das war zu erwarten, dass die Eurokrise irgendwann mal auch die europäischen Kernländer Frankreich und Deutschland erreicht (jeweils zweitgrösste und grösste Volkswirtschaft in der Eurozone).

An der sogenannten “Peripherie” beginnt der Spass (PIIGS-Staaten), und wenn man dann nichts dagegen tut oder sogar noch Benzin ins Krisenfeuer giesst (Austeritätspolitik!), dann frisst sich die Krise weiter gnadenlos bis ins Zentrum der Eurozone durch. Jetzt ist es soweit, Frankreich und Deutschland werden beschädigt. Jeder deutsche Politiker, Wirtschaftsführer oder Volkswirtschaftler, der damit nicht gerechnet haben sollte, war ohne Zweifel ein Schelm. Man kann nicht seine Handelspartner beschädigen, ohne sich dabei selbst zu beschädigen. Das sollte eigentlich jeder vernünftige Politiker, Wirtschaftsführer oder Volkswirtschaftler wissen, auch in Deutschland.

Wie die Chancen für einen möglichen “eurozone break-up” aussehen wird in einem interessanten Artikel vom 11.8. mit dem Titel “The euro: Tempted, Angela?” in der britischen Wochenschrift “The Economist” ausgelotet.

Nachdem die Autoren dieses Artikels das Für und Wider eines “break-up” der “Eurozone” ausgelotet haben und zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die Sache auch für Deutschland extrem teuer wäre, stellen sie abschließend fest: “This newspaper has argued that the euro zone’s members should use their combined strength to create a banking union and to mutualise a chunk of the outstanding debt (as well as introduce policies to temper austerity and promote growth).

This more federal Europe would also involve costs. Recapitalising banks and financing a euro-wide deposit-guarantee scheme might cost €300 billion-400 billion, perhaps a third of it paid for by Germany. But this would be a one-off and might be reclaimed from the banks. Mutualising a slug of debt would lift Germany’s interest costs by €15 billion or so a year. The numbers are rough, but, even allowing for some extra loans to the south, rescue would be cheaper than break-up. And that is before you factor in the enormous political costs of disintegration, with, say, Greece departing into a new Balkan hell.

Our solution, then, is broadly the same as Mrs Merkel’s appears to be. But a prescription is useless if it is never applied—and our doubts that this one ever will be are increasing.

The euro could have been saved a long time ago, had the politicians agreed on who should pay what or on how much sovereignty to surrender.

Rather than push forward, Mrs Merkel has waited, hoping that fiscal adjustment and structural reform will lead to economic growth in southern Europe and that the politicians could sort out their differences. The ECB has once again bought her a bit more time (see article).

The evidence, though, is that time is not on her side. Southern Europe’s economic rot is deepening and spreading north. Politics is turning rancid as the south succumbs to austerity fatigue and the north to rescue fatigue (see article). Populism only makes a grand bargain more elusive. For the moment, breaking up the euro would be riskier than fixing it. But unless Mrs Merkel presses ahead, the choice will be between an expensive break-up sooner and a really ruinous one later (Fettdruck von mir).

Tja, ich kann den Autoren dieses intelligenten Artikels in “The Economist” nur recht geben. Die Kosten eines möglichen “eurozone break-ups” wären auch für Deuschland extrem hoch.

Man sollte tatsächlich eine gemeinsame Schuldenhaftung in der Eurozone und eine europäische Bankenunion oder zumindest eine gemeinsame europäische Bankeinlagensicherung und natürlich auch eine gemeinsame Bankenaufsicht schaffen. Eine gemeinsame europäische Fiskalpolitik und vielleicht auch eine Transferunion zwischen reichen und armen Länder in der Eurozone wären wohl auch nötig.

Den Europäischen Fiskalpakt haben wir mittlerweile, allerdings wohl in einer nicht sehr weitsichtigen und intelligenten Form einer fest eingebauten “Schuldenbremse“.

Eine fest eingebaute “Schuldenbremse” ist insofern nicht sehr weitsichtig und intelligent, weil sie eventuell notwendige Investitionen (zum Beispiel in den Bereich “Forschung und Entwicklung“, Bildung und Infrastruktur) bremsen könnte.

Und natürlich müssten die einzelnen Eurozonen-Länder einen Teil ihrer jetzigen Souveränität an Brüssel abgeben und letztlich würde das auf eine Art “Vereinigten Staaten von Europa” rauslaufen. Und man sollte auch die bisherige Austeritätspolitik abmildern und möglichst durch eine Wachstumspolitik ersetzen.

Aber je länger Angela Merkel mit einer klaren Lösung im Sinne eines zusammenwachsenden, föderalen Europas zögert, umso mehr kostbare Zeit wird vertan und umso mehr wird der Widerstand gegen den Euro nicht nur in Deutschland, sondern wahrscheinlich auch in den jetzt wirtschaftlich schwer angeschlagenen PIIGS-Staaten wachsen.

Und je länger man den Austeritätskurs in den PIIGS-Staaten durchzieht, umso mehr werden diese Länder voraussichtlich in eine massive Rezession fallen.

Und die Populisten in allen Ländern, auch in Deutschland, sind jetzt schon dabei, das Euro-Projekt zu torpedieren und zu unterminieren. Je länger Angela Merkel zögert, umso wahrscheinlicher wird es, dass die Sache in einem ruinösen, vielleicht sogar unkontrollierten “break-up” endet.

Es läuft auf die Diagnose von George Soros im Sinne eines eher kleinen, beschränkten Zeitfensters für eine mögliche wirksame Rettung des Euros raus. Seht hierzu nochmals die hervorragende Rede von George Soros am 2. Juni in Trient mit dem Titel “ Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” an.

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