Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 91

Interessant ist auch, wie die deutschen Wirtschaftskapitäne die aktuelle Eurokrise einschätzen.

Die deutschen Wirtschaftskapitäne interessieren sich natürlich in erster Linie für die möglichen Auswirkungen der Eurokrise auf die Realwirtschaft.

In “Welt-Online” erscheint heute, am 7.8., ein Artikel hierzu mit dem Titel “Wirtschaftskapitäne in Euro-Krise gegen Polemik“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Führende Wirtschaftsvertreter kritisieren die polemischen Töne deutscher Politiker in der Euro-Krise. Der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, mahnte, die Eurokrise nicht durch einfache und kernige Aussagen zu verschlimmern.

Er bedaure, dass es manchen in der Debatte vor allem um Polarisierung gehe. Für einfache Lösungen sei die Situation zu komplex und die Lösung der Krise zu wichtig. «Dann sind solche extremen Aussagen nicht hilfreich», sagte von Bomhard am Dienstag in München bei der Vorlage der Halbjahreszahlen.

Bomhard nannte zwar keine Namen. Wegen scharfer Attacken auf Griechenland sind in den vergangenen Wochen aber vor allem drei Politiker in die Kritik geraten: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). International hatte vor allem Röslers Forderung nach einem schnellen Euro-Exit der Griechen für Aufsehen gesorgt, weil der FDP-Politiker anders als Dobrindt und Söder Mitglied der Bundesregierung ist. (…).

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte in der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch): «Wir dürfen den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nicht herbeireden.» Öffentliche Spekulationen seien nicht hilfreich. «Damit wird nur zusätzliche Unsicherheit an den Märkten hervorgerufen.»

Daimler-Mann Uebber warb zudem für mehr Regeln und Berichtspflichten in der Finanzwelt. «Vieles, was an den Finanzmärkten passiert, ist nach wie vor intransparent. Deshalb brauchen wir für alle Kapitalmarktteilnehmer mehr Regeln und Leitplanken inklusive der Rating-Agenturen. Und wir müssen den Börsenhandel da einschränken, wo zügellos spekuliert wird.»

Zum Szenario eines auseinanderbrechenden Euro-Raumes meinte der Daimler-Finanzchef: «Die Folgen wären ein riesiger Einbruch in der Wirtschaftsleistung, gerade auch in Deutschland, mit sehr großen Schwankungen an den Finanzmärkten.»

Tja, also auch die deutschen Wirtschaftskapitäne wissen jetzt, dass im Falle eines Zusammenbruchs der Eurozone in Deutschland “ein riesiger Einbruch der Wirtschaftsleistung” erfolgen würde.

Im Klartext: Auch die Realwirtschaft würde schwerstens beschädigt werden (von der Beschädigung auf finanzieller Ebene und auf der Ebene des Bankensystems ganz zu schweigen).

Na immerhin, das macht mir Hoffnung. Ich nehme doch sehr an, dass Angela Merkel und Wolfgang Schäuble die Sorgen der deutschen Realwirtschaft ernst nehmen werden. Alles andere wäre wohl fährlich nachlässig.

Sehr wichtig bleibt natürlich auch, wie sich die Krise in Italien weiterentwickelt. Italien ist immerhin die drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone. Fällt Spanien oder gar Italien, zerbricht mit absoluter Sicherheit der Euro.

Zur aktuellen wirtschaftlichen Situation in Italien ist heute, am 7.8., ein Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Rezession hat Italien weiter fest im Griff” in der “Wirtschaftswoche” erschienen.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderen: “Das krisengeschüttelte Italien steckt weiter tief in der Rezession. Zwischen April und Juni ging die Wirtschaftsleistung in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone um 0,7 Prozent zurück und damit das vierte Quartal in Folge. Dies geht aus ersten Schätzungen des nationalen Statistikamts Istat hervor, die am Dienstag in Rom veröffentlicht wurden. Im Jahresvergleich fiel die italienische Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 2,5 Prozent zurück. Weiterer Beleg für die Krise: Auch die Industrieproduktion sank im Juni überraschend deutlich.

Von einer Rezession gehen Experten aus, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge abnimmt. In den ersten drei Monaten des Jahres war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Italien um 0,8 Prozent zurückgegangen und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Im Schlussquartal 2011 lag das Minus bei 0,7 Prozent und in den drei Monaten zuvor bei 0,2 Prozent. Das BIP ist die wichtigste Messgröße für die Leistung einer Volkswirtschaft. Es enthält den Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum innerhalb der Landesgrenzen produziert werden”.

Einen ähnlichlautenden Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Italien versinkt tiefer in der Rezession” vom 7.8. findet ihr in “FTD“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Italiens Wirtschaft fällt immer weiter zurück. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Frühjahr das vierte Quartal in Folge, teilte das Statistikamt Istat am Dienstag mit. Der Rückgang lag bei 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Bereits im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent gesunken. Damit liegt Italiens BIP inzwischen nur noch minimal über dem Tiefstwert in der großen Rezession 2009.

Hauptursache der Rezession ist die eingebrochene Binnennachfrage – eine Folge des scharfen Sparens. Die Regierung führt Sparmaßnahmen in Höhe von insgesamt 20 Mrd. Euro  durch. Steuererhöhungen und die wachsende Arbeitslosigkeit belasten den Konsum. Italiens Einzelhandelsverband geht davon aus, dass 2012 die Konsumausgaben pro Kopf so stark fallen werden wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs”.

Tja, so sieht´s aus. Das alles kennen wir ja schon von den anderen südeuropäischen PIIGS-Staaten, von Griechenland, Portugal und Spanien. Da war die Entwicklung genau gleich.

Creative Commons LizenzvertragTrotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 91Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s