Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 85

Interessant ist auch die Frage, inwieweit die Realwirtschaft in Europa sich auf ein mögliches Zerbrechen des Euros und der Eurozone vorbereitet. Dies wäre ein weiterer Indikator für die aktuelle negative und zunehmend dramatische Entwicklung in Sachen Euro und ein Indikator auf einen vermutlichen baldigen Zusammenbruch der Eurozone.

Mich interessiert die Sache nicht zuletzt deshalb, weil ich von einem Mitglied der Familie, das ich hier nicht namentlich erwähnen will, darauf hingewiesen wurde, dass in dem weltweit operierenden Großunternehmen, in dem er arbeitet, die Vorbereitungen für ein mögliches Zerbrechen des Euros mittlerweile angelaufen sind.

Hier haben wir zum Beispiel einen Artikel mit dem Titel “Realwirtschaft: Unternehmen bereiten sich auf Euro-Zerfall vor” vom 30.11.2011 in den “Deutschen Mittelstandsnachrichten“.

In diesem Artikel heisst es unter anderem: “In einer Umfrage der FT stellt sich heraus, dass bereits viele große Unternehmen den Austritt einzelner Staaten aus dem Euro für ein realistisches Szenario halten. (…).

Um sich vor der Gefahr von währungspolitischen Verwerfungen zu schützen, drosseln Autohersteller, Energieunternehmen und die Konsumgüterindustrie ihre Investitionen und versuchen, Cash-Reserven in sichere Anlageformen umzuwandeln. Alle unnötigen Kosten sollen vermieden werden. Siemens hat zu diesem Zweck sogar eine eigene Bank etabliert.

Die meisten Unternehmen sind jedoch relativ gelassen. Ein Zerbrechen der Euro-Zone sei unwirtlich, könne aber gemanagt werden. Jedes Unternehmen müsse sich nun mit dem Nachdenken über das Undenkbare beschäftigen und rational planen, sagte Jean Pisani-Ferry, der Direktor des Brüsseler Think Tanks Bruegel. Jürgen Dieter Hoffmann, der Volkswagen-Chef in Portugal verlässt sich auf die globale Präsenz seines Unternehmens. Er hofft, dass man Verluste in Portugal an anderen Märkten ausgleichen könne”.

Soweit die “Deutschen Mittelstandsnachrichten“, die von Michael Maier herausgegeben werden.

Ein ähnlichlautender Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Großkonzerne bereiten sich auf mögliches Euro-Aus vor“, ebenfalls vom 30.11.2011, erschien seinerzeit in “Spiegel-Online“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Bislang machte sich vor allem die Finanzindustrie ernste Sorgen um die Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung – doch nun begreifen offenbar auch viele internationale Großunternehmen der Realwirtschaft ein mögliches Aus des Euro als ernsthafte Bedrohung für ihr Geschäft. Laut einem Bericht der “Financial Times” bereiten sich viele Konzernlenker intensiv auf ein solches Szenario vor, weil sie befürchten, dass die europäische Politik die sich verschärfende Schuldenkrise nicht in den Griff bekommt.

Die Zeitung stützt sich nach eigenen Angaben auf Dutzende von Gesprächen mit Managern global ausgerichteter Großkonzerne. Demnach versetzen die immer verzweifelteren Lösungsvorschläge für die Schuldenkrise die Führungskräfte in Alarmstimmung – etwa die Möglichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) dem IWF Geld leiht, das dieser wiederum an notleidende Euro-Staaten weiterreicht. Auch der vor einigen Wochen öffentlich von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ins Spiel gebrachte Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung verstärke das Gefühl in den Spitzenetagen der Unternehmen, dass ein Auseinanderbrechen des Währungsraums Realität werden könnte.

Einer der Manager ist etwa Andre Morgan, Europa-Chef des weltgrößten Spirituosenkonzerns Diageo. “Wenn Länder aus dem Euro austreten, wird ihre neue Währung stark abgewertet, in der Folge werden Importmarken erheblich teurer”, sagte Morgan der “Financial Times” – ein Problem für den Hersteller von Marken wie Smirnoff oder Johnnie Walker. Doch nicht nur die plötzlichen Preisgefälle stellen eine Gefahr für international agierende Unternehmen dar – auch die Auswirkungen auf bestehende Verträge oder Kreditvereinbarungen lassen viele Unternehmen laut dem Bericht derzeit juristisch prüfen. (…).

In der Finanzbranche sind die Vorbereitungen auf einen Euro-Crash hingegen schon viel weiter gediehen. So spielt etwa der Währungshändler CLS Bank Internationals mittels Stresstests das Auseinanderbrechen der Euro-Zone durch – das Unternehmen wickelt für 63 Banken den Währungshandel ab. Auch die japanische Nomura-Bank hat ihren Kunden geraten, ihre Staatsanleihen darauf hin zu prüfen, ob diese im Fall eines Euro-Austritts in die Landeswährung transferiert würden. Auch die HSBC soll Klienten vor der Möglichkeit eines Euro-Aus gewarnt haben”.

Das heisst also, wichtige Grossunternehmen in der Realwirtschaft und auch viele Unternehmen in der Finanzbranche bereiten sich seit Ende letzten Jahres auf das Euro-Aus vor.

Und währenddessen läuft auf der Ebene der europäischen Spitzenpolitik der EurokrisenEiertanz und die Eurorettungs-Schmierenkomödie munter weiter.

Auch die aktuellen deutschen fünf “Wirtschaftsweisen” glauben mittlerweile, dass der Fortbestand des Euros ernsthaft gefährdet sei. Vorsitzender des Sachverständigenrats ist der Mannheimer Professor Wolfgang Franz. Die anderen Mitglieder sind Peter Bofinger (Uni Würzburg), Claudia Buch (Uni Tübingen), Lars Feld (Uni Freiburg) und Christian Schmidt (Uni Bochum, RWI-Präsident).

Seht hierzu einen Artikel vom 6.7. im “Handelsblatt” mit dem Titel “Sondergutachten: Wirtschaftsweise: „Fortbestand der Währung gefährdet“. Das 35seitige Sondergutachten der fünf “Wirtschaftsweisen” ist an diesen Artikel im “Handelsblatt” angehängt und als PDF downloadbar.

In diesem Artikel lassen die aktuellen fünf Wirtschaftsweisen unter anderem verlautbaren: “Die europäische Währungsunion befinde sich „in einer systemischen Krise, die den Fortbestand der gemeinsamen Währung und die ökonomische Stabilität Deutschlands gleichermaßen gefährdet“, heißt es in einer Mitteilung. Es drohten erneute Zuspitzungen, wenn der Teufelskreis aus Bankenkrise, Staatsschuldenkrise und makroökonomischer Krise nicht durchbrochen werde. Der Rat setzt daher auf eine Weiterentwicklung seines Konzepts eines Schuldentilgungsfonds, der auch Europa- und verfassungsrechtlichen Maßstäben genüge”.

Und die Reaktion Wolfgang Schäubles auf diesen Vorschlag? Dazu erfahren wir in diesem Artikel: “Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, er nehme das Sondergutachten des Rates, in dem der im wesentlichen sein Konzept eines Altschuldentilgungsfonds konkretisiere, zur Kenntnis. Bereits früher geäußerte Bedenken hinsichtlich der Themen Fehlanreize, Haftung ohne gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik und auch Machbarkeit, `bestehen fort´, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums“.

Im Klartext: Wolfgang Schäuble interessiert sich für dieses Gutachten und seine Lösungsvorschläge wohl wenig.

Dr. DoomNouriel Roubini glaubt ohnehin schon seit einem Jahr, dass sich die Eurozone auf ein “break-up” (Auseinanderbrechen) zubewegt.

Seht hierzu einen interessanten und intelligenten Artikel von Nouriel Roubini vom 13.6.2011 in der “Financial Times” mit dem Titel “The eurozone heads for break up“.

Die Frage sei, so Nouriel Roubini, eigentlich nur, ob ein geordneter oder ungeordneter “break-up” erfolgen werde, wobei er selbst diese Frage letzendlich für nicht entscheidend hält.

Nouriel Roubini glaubt übrigens, dass ein Ausstieg aus der Eurozone zumindest für die schon seit längerem schwer angeschlagenen Peripherieländer (vor allem südeuropäische PIIGS-Staaten: Griechenland, Portugal, Spanien, Italien) letztendlich sogar besser wäre als in diesem Zustand einer massiven Rezession und einer Beinahe-Pleite in der Eurozone zu verbleiben.

Es könnte sein, dass Nouriel Roubini vielleicht recht hat. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und so, wie nicht zuletzt Angela Merkel und Wolfgang Schäuble diese Krise seit dem Jahre 2009 managen, läuft die Sache tatsächlich auf ein verfestigstes und verewigtes Elend in den südeuropäischen PIIGS-Staaten und vermutlich auch noch auf einen ungeordneten “break up” der Eurozone raus.

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