Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 72

Mittlerweile haben wir den 23. Juli, und es geht in Sachen Eurokrise natürlich weiter rasant bergab. Der Niedergang der südeuropäischen PIIGS-Staaten vollzieht sich jetzt in raschem Tempo.

Heute, am 23.7., kommt ein Artikel in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Finanzmärkte: Sorge um Krisenländer treibt Börsen ins Minus“.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Spekulationen über eine drohende Pleite Griechenlands und der Hilferuf spanischer Regionen haben zu Wochenbeginn die Anleger verunsichert. Der Euro gab am Montagmorgen deutlich nach. Die Gemeinschaftswährung sank auf 1,2085 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Auch die Börsenkurse drehten ins Minus. Der Dax gab im frühen Handel um 1,3 Prozent auf 6541 Punkte nach. Der Leitindex an der Börse in Madrid gab zeitweise um 3,6 Prozent nach, in Mailand ging es um 2,9 Prozent bergab. Der italienische Aktienmarkt notierte damit so schwach wie seit März 2009 nicht mehr.

Nachrichten aus zwei Krisenländern beschäftigten die Anleger. So kann Griechenland offenbar nicht auf weitere Hilfen der internationalen Geldgeber setzen. Sowohl der IWF als auch die Bundesregierung verlieren die Geduld mit dem Land. Hochrangige Vertreter haben der Brüsseler EU-Spitze nach Informationen des SPIEGEL mitgeteilt, dass der IWF nicht mehr bereit sei, weitere Gelder für die Griechenland-Hilfe zur Verfügung zu stellen. Auch die Bundesregierung will der Regierung in Athen keine zusätzlichen Finanzspritzen mehr gewähren, berichtete die “Süddeutsche Zeitung” unter Berufung auf Regierungskreise. 

Wirtschaftsminister Philipp Rösler spricht bereits offen über einen Euro-Austritt Griechenlands. “Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren”, sagte der FDP-Chef am Sonntag im ARD-Sommerinterview. Ein Händler warnte vor den Folgen und sagte: “Die Angst, dass eine Pleite Griechenlands auch Spanien und Italien mit in den Abgrund zieht, ist wieder da.

Auch aus Spanien kommen schlechte Nachrichten. Dort musste nach Valencia auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten. Murcias Regierungschef Ramón Luis Valcárcel kündigte am Sonntag an, er wolle für seine Region Hilfen im Umfang von 200 bis 300 Millionen Euro erbitten. Er hoffe, dass das Geld im September bereitgestellt werde.

Die zum Teil hochverschuldeten spanischen Regionen gelten als eines der Hauptprobleme des Landes. Investoren zweifeln, ob es der Zentralregierung in Madrid gelingt, sie zu mehr Haushaltsdisziplin zu zwingen. Laut Medienberichten erwägen weitere vier der insgesamt 17 autonomen Regionen Spaniens, Hilfe aus dem vor kurzem gegründeten 18 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds FLA zu beantragen. Valencia hatte am Freitag als erstes einen Unterstützungsantrag gestellt. Die Region hofft auf mindestens zwei Milliarden Euro. (…).

Die Renditen für spanische Staatsanleihen erreichten am Montag neue Rekordstände. Bei Papieren mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite am Montag erstmals über 7,4 Prozent. Mit einem so hohen Zinssatz halten es viele Experten langfristig für schwierig, dass der spanische Staat seine Gläubiger bedienen kann und weiter an frisches Geld kommt. Auch bei Schuldtiteln mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren wurden Renditen von mehr als sieben Prozent fällig. Bei Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit lag die Rendite am Montagvormittag erstmals über der Marke von sechs Prozent. “Für Spanien wird es zusehends kritischer – die Tage ohne ein volles Hilfspaket dürften gezählt sein”, sagte ein Börsenhändler.

Noch dazu kommt die spanische Wirtschaft nicht auf die Beine. Das Bruttoinlandsprodukt sei zwischen April und Juni voraussichtlich um 0,4 Prozent zum Vorquartal geschrumpft, teilte die Zentralbank des Landes am Montag in ihrem Monatsbericht mit. Bereits zum Jahresanfang hatte es ein Minus von 0,3 Prozent gegeben. Damit beschleunigt die Konjunktur ihre Talfahrt weiter”.

Griechenland wird von der aktuellen schwarz-gelben Bundesregierung (Kabinett Merkel II) wohl mittlerweile abgeschrieben. Philipp Rösler (FDP) will die Griechen jetzt anscheinend definitiv loswerden.

Und in Spanien geht der Teufelskreislauf der Austeritätspolitik munter weiter. Das Land spart vor allem auf Druck der aktuellen deutschen Regierung unter Angela Merkel  massiv, aber dadurch wird das Land natürlich auch massiv in die Rezession hineingetrieben.

Und einige Regionen in Spanien wie zum Beispiel Valencia sind anscheinend schon mehr oder weniger finanziell am Ende. Und die Anleger werden immer skeptischer und verlangen mittlerweile über 7% Zinsen für die Staatsanleihen Spaniens.

So kann sich Spanien auf Dauer nicht refinanzieren, das ist viel zu teuer. Also wird wohl Spanien demächst komplett unter den Euro-Rettungsschirm gehen müssen.

Der ist aber im Moment allerdings finanziell eigentlich nicht wirklich gut genug ausgestattet, um ein Land von der Grösse von Spanien (viertgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone) voll zu finanzieren.

Wir haben ja im Moment immer noch den EFSF, der kommende ESM muss unter anderem auch noch vom Bundesverfassungsgericht abgesegnet werden.

Und der aktuelle Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle will sich ja mit dieser Sache Zeit lassen. Die Entscheidung soll voraussichtlich erst im September fallen. Siehe hierzu zum Beispiel in “Welt-Online” den Artikel vom 17.7. mit dem Titel “ESM-Urteil erst am 12. September“.

Und es kommt noch dazu, dass sowohl von Griechenland im Fall eines Austritts als auch vom Niedergang Spaniens Contagion-Effekte nicht zuletzt auf Italien (drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone) ausgehen. Das heisst, diese ganze Entwicklung gefährdet auch Italien.

Am 23.7. erschien in “stern.de” ein Artikel mit dem Titel “Spekulationen um Austritt Griechenland: Eurodrama belastet Börsen in Italien und Spanien“.

In diesem Artikel erfahren wir: “Die Furcht vor einer Eskalation
der Euro-Krise
hat die Börsen in Italien und Spanien am Montag unter Druck

gesetzt. Der Leitindex in Madrid gab in der Spitze um 3,6 Prozent nach, in
Mailand ging es um 2,9 Prozent bergab. Der italienische Aktienmarkt notierte
damit so schwach wie seit März 2009 nicht mehr. In Athen lag die Börse 2,8
Prozent im Minus. Der Dax fiel am Vormittag bei anziehenden Umsätzen um 1,4
Prozent, der EuroStoxx gab um 1,8 Prozent nach. “Die Angst, dass eine Pleite
Griechenlands auch Spanien und Italien mit in den Abgrund zieht, ist wieder da”,
sagte ein Händler.

Griechenland steuert Medienberichten zufolge auf einen Staatsbankrott zu. Die wichtigsten Geldgeber des Landes, allen voran Deutschland, seien nicht mehr bereit, Athen über die bisherigen Zusagen hinaus Kredite zur Verfügung zu stellen, berichtete die “Süddeutsche Zeitung” am Montag. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wolle dem Land kein Geld mehr leihen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) glaubt kaum noch daran, dass Athen die notwendigen Reformen für einen Verbleib in der Eurozone umsetzen kann. Dem Bericht zufolge benötigt Athen wohl weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro.

Auch aus Spanien kamen keine guten Nachrichten: Nach Valencia muss nun offenbar bald Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten. “Für Spanien wird es zusehends kritischer – die Tage ohne ein volles Hilfspaket dürften gezählt sein”, sagte ein Händler.

Die europäischen Bankenwerte reagierten besonders sensibel auf die neuen Hiobsbotschaften. Einige italienische Titel wie die UniCredit, Mediobanca oder die Intesa Sanpaolo wurden vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Der europäische Bankendindex fiel im frühen Handel um mehr als drei Prozent, der griechische Finanzindex um 4,4 Prozent.

Die Sorge um ein weiteres Abgleiten einiger Euroländer hat auch die asiatischen Finanzmärkte umgetrieben. In Tokio sanken die Aktienkurse auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen, auch außerhalb Japans verloren die Indizes um durchschnittlich rund zwei Prozent.

Tja, es ist also tatsächlich so: Die Spekulationen um einen möglichen baldigen Austritt Griechenlands aus der Eurozone beschädigen Spanien und auch Italien. Und vor allem die europäischen Bankenwerte werden an den Aktienmärkten in den Keller gezogen. Und die weltweiten Börsen geben unter dem Eindruck der Eskalation der Eurokrise nach, auch in Japan rutschte die Börse ab.

Am 23.7. kommt in der “Berliner Morgenpost” auch ein Artikel mit dem Titel “Spanien will nicht unter Rettungsschirm flüchten“.

In diesem Artikel erfahren wir: “Die Sorge um die finanzielle Überlebensfähigkeit Spaniens wächst. Die Risikoaufschläge für spanische Anleihen stiegen am Montag auf ein neues Rekordhoch, die Börsen weltweit reagierten mit heftigen Kursabschlägen auf neue Negativnachrichten aus Madrid. Finanzminister Luis de Guindos wird am Dienstag in Berlin erwartet.

Die spanische Zentralbank teilte mit, die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal sei voraussichtlich um 0,4 Prozent geschrumpft. Spanien befindet sich seit dem ersten Quartal erneut in der Rezession: Von Januar bis März ging das Bruttoinlandsprodukt ebenso um 0,3 Prozent zurück wie bereits im letzten Quartal des vergangenen Jahres.

Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen bis Mittag auf die neue Rekordhöhe von 7,466 Prozent. Die Marke von sieben Prozent wird als Grenzwert angesehen, ab dem Investoren ein Land in Zahlungsschwierigkeiten sehen. Ein solcher Wert gilt als längerfristig nicht tragbar für einen Staat.

Die Euro-Finanzminister hatten zwar am Freitag endgültig grünes Licht für Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken gegeben. Mit dem auf 18 Monate ausgelegten Programm sollen bedürftige Geldinstitute rekapitalisiert werden, die aufgrund einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase in Schwierigkeiten gerieten. Investoren befürchten aber, dass auch der spanische Staat trotz der Hilfen für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Eurorettungsfonds wird.

Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos will sich am Dienstagabend mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen, wie ein Ministeriumssprecher in Berlin mitteilte. Eine Pressebegegnung sei nicht vorgesehen. Der Sprecher gab sich  zuversichtlich, dass die Hilfen für Spaniens Bankensektor die Märkte beruhigen würden. Von weiteren Bemühungen Madrids um Unterstützung sei der Bundesregierung nichts bekannt, betonte er.

Doch in Spanien und Italien gaben die Aktienkurse an den Leitbörsen in Madrid und Mailand am Montag um mehr als fünf Prozent nach. Die Kurse an der Börse in Athen rutschten gar um mehr als sechs Prozent ab, nachdem es am Wochenende Berichte über einen baldigen Bankrott Griechenlands gegeben hatte. Auch an den Aktienmärkten in Frankfurt, London und Paris gab es Kursverluste von rund 1,5 Prozent. Die asiatischen Handelsplätze verloren zwischen knapp zwei und fast drei Prozent.

Ungeachtet der kritischen Lage Spaniens am Anleihenmarkt ist die Regierung in Madrid zuversichtlich, dass das Land nicht unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. “Selbstverständlich” schließe die spanische Regierung diese Notwendigkeit aus, sagte de Guindos am Montag vor Journalisten”.

Tja, Luis de Guindos mit seinem Zweckoptimismus. Was soll er auch anderes machen. Tatsächlich ist Spaniens wirtschaftliche Lage jetzt absolut trostlos. Und ein Ausweg ist nicht in Sicht.

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