Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 64

Hier habt ihr die Widerrede von Peter Bofinger in einem Artikel in der “Süddeutschen” vom 6.7. mit dem Titel “Warum der Aufruf der deutschen Wirtschaftswissenschaft schadet“. Ich gebe hier die wichtigsten Passagen aus dieser Widerrede von Peter Bofinger wider: “Der Aufruf schadet dem öffentlichen Ansehen der deutschen Wirtschaftswissenschaft. In einer Diskussion, die naturgemäß durch viele Ängste und Emotionen geprägt ist, muss die Aufgabe der Wissenschaft darin bestehen, durch eine nüchterne Diagnose der Probleme und eine Analyse der Vor- und Nachteile alternativer Therapien zu einer Versachlichung beizutragen. Diesem Anspruch wird der Aufruf nicht gerecht.

Bei der Diagnose der Probleme im Bankensektor des Euro-Raums geht es in erster Linie um die Frage, welche Auswirkungen sich aus Bankinsolvenzen in den Problemländern auf die Stabilität des gesamten Finanzsystems des Euro-Raums ergeben können. In dem Aufruf wird lapidar festgestellt: ‘Wenn die Schuldner nicht zurückzahlen können, gibt es nur eine Gruppe, die die Lasten tragen (…) kann: die Gläubiger selber, denn (…) nur sie verfügen über das notwendige Vermögen.’

Dabei wird verschwiegen, dass es sich bei den Gläubigern der Banken zu einem nicht unerheblichen Teil um Banken aus anderen Mitgliedsländern handelt, die eben nicht über das notwendige Eigenkapital verfügen, um größere Verluste abzufedern.

Die Hauptleidtragenden solcher Ansteckungseffekte sind deshalb nicht die ‘Wall Street’ oder die ‘City of London’, sondern Banken in Frankreich und Deutschland und damit auch der deutsche Sparer und der deutsche Steuerzahler. Ein Zusammenbruch des Bankensystems in Spanien oder Italien würde dort zudem zu einer schweren Rezession führen, von der auch die deutsche Wirtschaft erheblich beeinträchtigt würde.

Wissenschaftliche Beratung sollte neben einer sauberen Diagnose auch entsprechende wirtschaftspolitische Handlungsanweisungen geben. Abgesehen von der etwas naiven Aufforderung der Autoren des Aufrufs, dieses Thema sehr ernst zu nehmen und es mit den Abgeordneten Ihres Wahlkreises zu diskutieren, findet man hierzu keinen einzigen Satz. Wenn man das Bauchgefühl der Autoren richtig interpretiert (‘ … die Schuldnerländer über die strukturelle Mehrheit im Euro-raum verfügen’), scheint für sie ein Austritt Deutschlands aus dem Euro die beste Lösung zu sein. Warum sprechen sie das aber nicht klar und deutlich aus?

Als Wissenschaftler sollten sie der Öffentlichkeit dann aber auch die Konsequenzen eines solchen Schritts verdeutlichen und sie mit den Risiken vergleichen, die sich aus einer der Möglichkeit einer direkten Rekapitalisierung von Banken durch den EFSF/ESM ergeben, wie sie jetzt durch den Gipfel ins Auge gefasst worden ist.”

Genau so wie Peter Bofinger sehe ich die Sache auch.

Ich selbst habe übrigens in meinen bisherigen Artikeln zur Eurokrise (speziell zur Situation in den südeuropäischen PIIGS-Staaten) versucht, ein paar Punkte klar herauszuarbeiten:

1.) Die Austeritätspolitik in den PIIGS-Staaten (vor allem in Südeuropa) ist falsch und verschlimmert nur die wirtschaftliche Gesamtsituation dieser Länder (alle diese Länder sind in eine massive Rezession gerutscht).

2.) Die Rettung des Euro und der Eurozone lohnt sich für Deutschland. Denn Deutschland hat nicht zuletzt über den Export bisher massiv vom Euro und der Eurozone profitiert (Stichwort: Exportweltmeister). (übrigens leider auch manchmal zum Schaden der anderen Eurozonen-Länder. Denn für die deutlichen Handelsungleichgewichte in der Eurozone ist vor allem Deutschland verantwortlich. Insofern war diese deutsche Politik auf Dauer nicht wirklich sehr klug).

3.) Die Rettung des Euro und der Eurozone lohnt sich nicht zuletzt deshalb für Deutschland, weil das Zerbrechen des Euro und der Eurozone auch gravierende finanzielle Folgen für Deutschland und wirtschaftliche Folgen für die gesamte Weltwirtschaft hätte. Ein Zerbrechen des Euro und der Eurozone mitsamt einem Bankencrash von systemisch wichtigen Banken in Südeuropa (vor allem in Spanien und Italien: Dort gibt zahlreiche systemisch wichtige Grossbanken) und einer Pleite der südeuropäischen PIIGS-Staaten hätte ungeheuere finanzielle Verluste auch für Deutschland zur Folge und würde auch das deutsche Bankensystem (wichtige deutsche Geschäftsbanken und die deutsche Bundesbank: Target-2-Salden) schwer beschädigen. Ein Zerbrechen des Euro und der Eurozone würde die ganze Weltwirtschaft schwer beschädigen und auch für Deutschland wären die finanziellen Verluste (deutsches Bankensystem) ganz massiv, abgesehen von dem massiven Exporteinbruch, den die deutsche Realwirtschaft in diesem Fall zu verkraften hätte.

Seht euch hierzu nochmals folgende Blogartikel von mir an: “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa“, “Der deutsche `Sparwahn´: Dumm und verlogen“, “Trotz des eitlen Selbstlobs von  Wolfgang Schäuble: Die Euro-Krise ist massiv zurückgekehrt“.

Für diese aberwitzigen Verluste aus dem Zerbrechen des Euro und der Eurozone müsste dann letztlich der deutsche Steuerzahler aufkommen. Mit Recht weist Peter Bofinger in seinem Artikel und seiner “Widerrede” in der “Süddeutschen” mit dem Titel “Warum der Aufruf der deutschen Wirtschaftswissenschaft schadet” genau auf diesen Aspekt hin. Auch  für Deutschland wären die finanziellen Verluste (deutsches Bankensystem) ganz enorm, abgesehen von dem massiven Exporteinbruch, den die deutsche Realwirtschaft in diesem Fall zu verkraften hätte.

Ich zitiere hier nochmals aus Peter Bofingers Widerrede in dem Artikel in der “Süddeutschen” mit dem Titel “Warum der Aufruf der deutschen Wirtschaftswissenschaft schadet“: “Die Hauptleidtragenden solcher Ansteckungseffekte sind deshalb nicht die ‘Wall Street’ oder die ‘City of London’, sondern Banken in Frankreich und Deutschland und damit auch der deutsche Sparer und der deutsche Steuerzahler. Ein Zusammenbruch des Bankensystems in Spanien oder Italien würde dort zudem zu einer schweren Rezession führen, von der auch die deutsche Wirtschaft erheblich beeinträchtigt würde.

Um auf diesen albernen Schwachsinnsaufruf in der “Süddeutschen Zeitung” von Hans-Werner Sinn und Konsorten mit dem Titel “Der erste Brief: Die Entscheidungen der Kanzlerin waren falsch” zurückzukommen: Diese Zugeständnisse auf dem letzten “Eurogipfel” (28./29.6) waren kein “Fehler” von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, sondern sie beweisen nur, dass diese beiden Politiker die Situation mittlerweile analysiert haben und jetzt vielleicht bereit sind, mehr Geld zu investieren, um den Euro und die Eurozone zu retten.

Natürlich hat dabei auch der Druck der anderen Länder “nachgeholfen” (unter anderem die G-20 waren hier wichtig. Wir hatten am 18./19. Juni ein wichtiges G-20 Treffen in Mexiko, wo die politischen Führer der G-20-Länder auf die europäischen politischen Führer massiven Druck ausgeübt haben, damit sie die Eurokrise endlich anpacken und lösen).

Peter Bofinger hat unter anderem empfohlen, die Banken der PIIGS-Staaten (vor allem die Banken Spaniens) direkt zu rekapitalisieren (ohne, dass diese finanzielle Hilfe aus dem ESM auf die Staatsschulden des betreffenden PIIGS-Staates “draufgelegt” wird), um so zu vermeiden, dass die Anleger noch weiter das Vertrauen in diese PIIGS-Staaten verlieren und die Risikoaufschläge für die Staatsanleihen dieser Länder weiter steigen, womöglich über die gefährliche und kritische Marke von 7% (Ab 7% müssen die Eurokrisen-Länder in der Regel komplett unter den Euro-Rettungsschirm).

Zu den Vorstellungen Peter Bofinger siehe das gute Interview mit ihm in “Focus” vom 16.5. mit dem Titel “Wirtschaftsweiser Peter Bofinger im Interview: „Die Südländer haben sich kaputtgespart“.

Alles, was Peter Bofinger hier sagt, kann ich nur unterstreichen. Peter Bofinger ist einer der wenigen deutschen Wirtschaftswissenschaftler, der mit den amerikanischen “New Keynesians” wie Paul Krugman und Joseph Stiglitz mithalten kann.

Und zum Thema der Bankenrettung in Spanien seht das ebenfalls gute Interview mit Peter Bofinger vom 9.6. in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” mit dem Titel “„Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“.

Über die Ursachen der aktuellen schweren spanischen Bankenkrise habe ich selbst schon vor einigen Monaten einen Artikel verfasst mit dem Titel “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit“.

Also mal ganz einfach gesagt: Es ist billiger, Geld in die Rettung der südeuopäischen Banken und der südeuropäischen PIIGS-Staaten zu investieren als die Pleite dieser südeuropäischen Banken und der südeuropäischen PIIGS-Staaten hinzunehmen. Es geht hier im Fall der Eurokrise und vor allem im Fall der südeuropäischen PIIGS-Staaten letztlich nur um eine sachliche Kosten-Nutzen-Analyse und es geht hier um eine vernünftige Risiko-Analyse.

Und auch im Fall von Irland (dem einzigen nicht-südeuropäischen PIIGS-Staat) lohnt sich das natürlich, falls die Banken in Irland dauerhaft nicht aus ihren Problemen rauskommen sollten.

Eine weitere recht intelligente und gemässigte Widerrede auf diesen hirnlosen hysterischen und alarmistischen Aufruf von Hans-Werner Sinn und Konsorten mit dem Titel “Der erste Brief: Die Entscheidungen der Kanzlerin waren falsch” hat eine dritte Gruppe von deutschen Wirtschaftsprofessoren geleistet, zu der der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts, Dennis Snower, ebenso gehört, wie die ehemalige Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro und die Professoren Michael Burda, Frank Heinemann, Martin Hellwig, Gerhard Illing und Moritz Schularick.

Ihr findet diese Widerrede dieser dritten Gruppe von deutschen Wirtschaftsprofessoren, zu der der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts, Dennis Snower, ebenso gehört, wie die ehemalige Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro und die Professoren Michael Burda, Frank Heinemann, Martin Hellwig, Gerhard Illing und Moritz Schularick in einem Artikel in der “Südeutschen Zeitung” vom 6.7. mit dem Titel “Vorschlag für eine europäische Bankenunion“.

Für die gesamte bisherige Diskussion bis zum 6.7. seht nochmals den Artikel von Marc Beise in der “Süddeutschen Zeitung” mit dem Titel “Debatte über Euro-Rettungspläne: “Der Aufruf ist eine Schande“.

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