Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 58

Heute, am 19.6., erscheint ein Artikel in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Schuldenkrise: Chefinvestor der Deutschen Bank prophezeit Euro-Crash“.

In diesem Artikel heisst es: “Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank haben offenbar den Glauben an die europäische Währungsunion verloren. “Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario”, sagte der Chef-Anlagestratege der Sparte DB Advisors, Georg Schuh, am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt.

DB Advisors verwaltet für institutionelle Kunden wie Unternehmen und Pensionskassen mehr als 170 Milliarden Euro und ist damit einer der großen Investoren in Europa.

Im Moment gebe es keine überzeugende Lösung für die Probleme im gemeinsamen Währungsraum, sagte Schuh – auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) “noch ein paar Schüsse” an Notmaßnahmen freihabe. “Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist. Die Investoren sind da viel weiter als die Politik“, sagte Schuh. “Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase.” (Fettdruck von mir).

Ansonsten plädiert der Chef-Anlagestratege der Sparte DB Advisors, Georg Schuh, in diesem Artikel mit dem Titel “Spiegel-Online” mit dem Titel “Schuldenkrise: Chefinvestor der Deutschen Bank prophezeit Euro-Crash” noch dafür, dass Griechenland aus der Eurozone aus-, und Polen in die Eurozone eintreten soll. Seht hierzu auch einen Artikel vom 19.6. in der “Financial Times Deutschland” mit dem Titel “Austritt Griechenlands: Deutsche Bank rechnet mit Grexit

Ein anderer Artikel von heute, den 19.6. in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Streit beim G-20-Gipfel Europa gegen den Rest der Welt” zeigt, dass die nicht-europäischen G20-Länder von den Verantwortlichen in der Europäischen Union und auch in der Euro-Zone langsam, aber sicher genug haben. Das wundert mich auch nicht.

Seit Monaten wird auch unterstem Niveau in der Europäischen Union und in der Euro-Zone rumgemurkst, nicht zuletzt von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. Und die nichteuropäischen G20-Länder wollen für diesen Murks auch nicht finanziell geradestehen.

Die nichteuropäischen G20-Länder wissen offensichtlich, dass der Zusammenbruch der Euro-Zone eine wahnwitzige Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellt und wollen endlich klare Aktionen und Ergebnisse in der EU und der Eurozone sehen. Aber dieser Artikel zeigt, dass auch jetzt noch nichts Entscheidendes in der EU und der Eurozone geplant und gemacht wird. Das Hickhack zwischen Angela Merkel (Austeritätspolitik) und den Wachstumsbefürwortern (Barack Obama und François Hollande) geht weiter. Immer noch will Angela Merkel nichts für das Wachstum in den PIIGS-Staaten tun.

Einen ähnlichlautenden Artikel vom 19.6. mit dem Titel “G20-Gipfel in Los Cabos: Dresche für Krisenmanagement der Euro-Zone” findet ihr in “Financial Times Deutschland“. Die nichteuropäischen G20-Länder sind offensichtlich genervt angesichts des bisher dilettantischen und wirkungslosen Krisenmanagments in der Euro-Zone.

In Spanien rückt währenddessen die Staatspleite immer näher. Hier habt ihr einen Artikel von heute, den 19.6., in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Angst vor Staatspleite: Finanzmärkte strafen Spanien mit Rekordzinsen“.

In diesem Artikel heisst es: “Eigentlich sollte das angekündigte Hilfspaket für Spaniens Banken die Anleger in Sicherheit wiegen. Doch davon ist bisher nichts zu spüren. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren konnte das Land am Dienstag zwar wie geplant drei Milliarden Euro einsammeln. Doch das Zinsniveau hat mittlerweile eine bedrohliche Höhe erreicht.

Dabei ging es nur um Anleihen mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten. Solch kurzfristige Papiere werden solvente Staaten normalerweise zu sehr niedrigen Zinsen weit unter einem Prozent los. Deutschland musste bei vergleichbaren Auktionen zuletzt sogar weniger als 0,1 Prozent Rendite bieten.

Für Spanien sieht es dagegen düster aus. Der durchschnittliche Zins bei der Ausgabe einjähriger Anleihen stieg auf 5,074 Prozent. Das ist der höchste Zinssatz, den das Land für Papiere mit dieser Laufzeit seit Beginn der Währungsunion zahlen musste. Bei der letzten vergleichbaren Auktion hatte Spanien lediglich 2,985 Prozent bieten müssen.

Bei den Papieren mit 18-monatiger Laufzeit legte die Rendite von zuletzt 3,302 Prozent auf 5,107 Prozent zu. Die Auktion war die erste des Landes seit der Parlamentswahl in Griechenland am vergangenen Sonntag und auch die erste, seitdem sich die spanische Regierung Anfang Juni mit den europäischen Partnern auf einen Hilfsantrag für ihre Banken geeinigt hat. Demnach will Spanien demnächst um bis zu 100 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds bitten – und soll das Geld auch bekommen.

Dieser Artikel in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Angst vor Staatspleite: Finanzmärkte strafen Spanien mit Rekordzinsen” erklärt allerdings nicht, warum es den Spaniern nicht bringt, dass sie demnächst um bis zu 100 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds bitten und das Geld wohl auch bekommen. Das Problem ist, dass dieses Geld über den spanischen Staatshaushalt verrechnet werden soll, der für diese Summe auch haften soll. Damit erhöhen sich allerdings die spanischen Staatsschulden und die Investoren misstrauen dann dem spanischen Staat dann noch mehr, mit dem Ergebnis, dass dieses 100 Milliarden-Hilfspaket für Spanien eher schädlich als nützlich ist.

Wer vor diesem Effekt ausdrücklich gewarnt hat, war Peter Bofinger. Seht hierzu ein Interview mit Peter Bofinger vom 9.6. in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” mit dem Titel „Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“. Er hat daher gefordert, dass die Hilfsgelder aus dem “Euro-Rettungsschirm” direkt an die spanischen Banken fliessen soll.

Ich zitiere aus diesem Interview mit Peter Bofinger  mit dem Titel „Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“:

Nun will die Bundesregierung, dass Spanien unter den EFSF schlüpft…

Das Problem an der Hilfe durch den Rettungsschirm ist, dass damit eine Stigmatisierung verbunden ist. Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren. Darin liegt der Grund für das Zögern Spaniens. Und es zeigt den Konstruktionsfehler der Rettungsschirme: Die Länder erhalten die Hilfe erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Man könnte Banken in Not doch auch direkt unterstützen – ohne den Umweg über die Staaten.

Das wäre sehr hilfreich. Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen. Das macht es für ein Land noch schwieriger, sich am Markt zu refinanzieren.

Warum sollte der deutsche Steuerzahler für Spaniens Banken eintreten?

Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die spanischen Banken systemrelevant (Fettdruck von mir!) sind. Die Krise der spanischen Banken kann das gesamte Bankensystem des Euroraums in eine Schieflage bringen. Wahrscheinlich würden zunächst französische Banken ins Schlingern kommen und damit auch deutsche Institute. Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers. Die Hilfen können ja so ausgestaltet werden, dass das, was am Ende

Hier habt ihr einen Artikel aus “Financial Times Deutschland” von heute, dem 19.6., mit dem Titel “Euro-Krise: Spanien macht Investoren erneut Angst“.

In diesem Artikel heisst es: “Spaniens Refinanzierungskosten bleiben auf Rekordniveau. Die Renditen für Papiere mit zehn Jahren Restlaufzeit stieg bis auf 7,194 Prozent. Bei Anleihen bewegen sich Renditen und Kurse in entgegengesetzter Richtung, so dass steigende Verzinsungen auf Verkäufe der Papiere durch Investoren hinweisen. Am Montag waren die zehnjährigen Renditen sogar auf ein Rekordniveau von 7,28 Prozent geklettert.

Für Verunsicherung bei Anlegern sorgte unter anderem, dass der zweite und detailliertere Prüfbericht über die Bilanzen der spanischen Banken bis September verschoben werden soll. Das verlautete aus Kreisen der Bank von Spanien. Ursprünglich sollte dieser Bericht Ende Juli fertig gestellt sein – und Auskunft darüber erteilen, wie groß der Kapitalbedarf der angeschlagenen spanischen Banken wird. Bis zu 100 Mrd. Euro sollen aus den Krisenfonds EFSF oder ESM fließen, damit der spanische Finanzsektor saniert werden kann. Wieviel Geld wirklich nötig ist, diese Frage treibt die Anleger um.
Bei der ersten Auktion nach Bekanntgabe des europäischen Rettungspakets für spanische Banken hat das Land am Dienstag neue Geldmarktpapiere im gewünschten Volumen von rund 3 Mrd. Euro bei Anlegern untergebracht. Der Preis war allerdings hoch: die Rendite für die Papiere mit zwölf Monaten Laufzeit kletterte auf 5,074 Prozent, verglichen mit 2,985 Prozent bei der letzten Versteigerung solcher Titel im Mai. Die Schatzwechsel mit 18 Monaten Laufzeit kamen mit einer Durchschnittsrendite von 5,107 Prozent auf den Markt gegenüber 3,302 Prozent im Mai. 

Viele Experten gehen davon aus, dass Spanien angesichts der hohen Refinanzierungskosten auf kurz oder lang nichts anderes übrig bleibt, als unter den EuroRettungsschirm zu schlüpfen. “Der Anstieg der Renditen zeigt eindeutig, dass den politischen Führern die Zeit davonläuft, um eine Lösung für die Krise der Euro-Zone zu finden”, sagte Michiyoshi Kato, Senior Vice President für den Devisenhandel bei der Mizuho Corporate Bank in Tokio. Solange wir keine festen Versprechen von den G-20-Staaten sehen, wird sich die Lage verschlechtern und die Renditen werden nach oben gehen”, sagte Niels From, Chef-Analyst der Nordea Bank in Kopenhagen, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Euro-Rettungsschirm EFSF wiederum hat sich am Dienstag frisches Geld für ein halbes Jahr zu sehr günstigen Konditionen beschafft: Für Papiere mit einer Laufzeit von 182 Tagen zahlte der EFSF eine durchschnittliche Rendite von rund 0,14 Prozent, teilte die Bundesbank in Frankfurt mit. Der EFSF tritt regelmäßig am Markt in Erscheinung, um sich frische Mittel für die Rettungspakete für Euro-Länder zu besorgen, die unter den Rettungsschirm geschlüpft sind. Das sind Griechenland, Irland und Portugal. Bei den angekündigten Bankenhilfen für Spanien ist noch nicht geklärt, ob die Gelder aus dem EFSF oder aus dem dauerhaften Krisenfonds ESM fließen werden”.

Tja, für mich klingt das so, als sei es schon klar, dass Spanien unter den Euro-Rettungsschirm muss.

Vor zwei Tagen, am 17.6., hat übrigens François Hollande vom Parti Socialiste die absolute Mehrheit in Frankreich gewonnen. Seht hierzu einen Artikel aus der “New York Times” mit dem Titel “Socialists’ Victory in France Buttresses Hollande’s Power“. Hier habt ihr einen Artikel vom 17.6. in “Euronews” mit dem Titel “Frankreich wird rot: Absolute Mehrheit für Hollandes Sozialisten”.

In diesem Artikel erfahren wir: “Der politische Linksrutsch in Frankreich ist perfekt: François Hollande wird als erster sozialistischer Staatschef mit Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments regieren können. Sechs Wochen nach dem Erfolg bei der Präsidentenwahl ging seine Parti Socialiste (PS) am Sonntag auch als große Siegerin aus den Wahlen zur Nationalversammlung hervor.  Nach übereinstimmenden Hochrechnungen vom Sonntagabend holte sie klar die absolute Mehrheit der Abgeordnetensitze in der ersten Parlamentskammer. Hollande kann damit seine linken Reformpläne ungehindert durchsetzen. Dazu gehört unter anderem eine umfassende Steuerreform, bei der Spitzenverdiener und Finanzinstitute deutlich stärker belastet werden sollen. Im Ringen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel um den richtigen Weg aus der Euro-Krise wird Hollande ohne innenpolitische Kompromisse den französischen Kurs vorgeben können. Im Gegensatz zur Regierungskoalition in Berlin hält der 57-Jährige auch schuldenfinanzierte Wachstumsprogramme für ein gutes Mittel im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Rezessionssorgen.

Am Wahlsonntag wurde bekannt, dass er insgesamt rund 120 Milliarden Euro als Wachstumsspritze für Europas Wirtschaft fordert. Im Senat, der zweiten Parlamentskammer, hat die französische Linke bereits seit dem Vorjahr die Mehrheit. PS-Parteichefin Martine Aubry interpretierte den Wahlsieg am Abend als klaren Auftrag zum Bruch mit der Politik von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy”.

Tja, hoffen wir, dass Hollande tatsächlich etwas bewirken kann in Sachen Eurokrise und Rettung des Euros und der Eurozone.

Einen guten Artikel hat am 17.6. Paul Krugman in den “Opinion Pages” der “New York Times” veröffentlicht mit dem Titel “Greece as Victim“.

In diesem Artikel stellt Paul Krugman fest: “Ever since Greece hit the skids, we’ve heard a lot about what’s wrong with everything Greek. Some of the accusations are true, some are false — but all of them are beside the point. Yes, there are big failings in Greece’s economy, its politics and no doubt its society. But those failings aren’t what caused the crisis that is tearing Greece apart, and threatens to spread across Europe.

No, the origins of this disaster lie farther north, in Brussels, Frankfurt and Berlin, where officials created a deeply — perhaps fatally — flawed monetary system, then compounded the problems of that system by substituting moralizing for analysis. And the solution to the crisis, if there is one, will have to come from the same places (Fettdruck von mir!).

So, about those Greek failings: Greece does indeed have a lot of corruption and a lot of tax evasion, and the Greek government has had a habit of living beyond its means. Beyond that, Greek labor productivity is low by European standards — about 25 percent below the European Union average. It’s worth noting, however, that labor productivity in, say, Mississippi is similarly low by American standards — and by about the same margin.

On the other hand, many things you hear about Greece just aren’t true. The Greeks aren’t lazy — on the contrary, they work longer hours than almost anyone else in Europe, and much longer hours than the Germans in particular. Nor does Greece have a runaway welfare state, as conservatives like to claim; social expenditure as a percentage of G.D.P., the standard measure of the size of the welfare state, is substantially lower in Greece than in, say, Sweden or Germany, countries that have so far weathered the European crisis pretty well.

So how did Greece get into so much trouble? Blame the euro (Fettdruck von mir!)

Fifteen years ago Greece was no paradise, but it wasn’t in crisis either. Unemployment was high but not catastrophic, and the nation more or less paid its way on world markets, earning enough from exports, tourism, shipping and other sources to more or less pay for its imports.

Then Greece joined the euro, and a terrible thing happened: people started believing that it was a safe place to invest. Foreign money poured into Greece, some but not all of it financing government deficits; the economy boomed; inflation rose; and Greece became increasingly uncompetitive. To be sure, the Greeks squandered much if not most of the money that came flooding in, but then so did everyone else who got caught up in the euro bubble.

And then the bubble burst, at which point the fundamental flaws in the whole euro system became all too apparent.

Und das Fazit von Paul Krugman: “So Greece, although not without sin, is mainly in trouble thanks to the arrogance of European officials, mostly from richer countries, who convinced themselves that they could make a single currency work without a single government. And these same officials have made the situation even worse by insisting, in the teeth of the evidence, that all the currency’s troubles were caused by irresponsible behavior on the part of those Southern Europeans, and that everything would work out if only people were willing to suffer some more.

Which brings us to Sunday’s Greek election, which ended up settling nothing. The governing coalition may have managed to stay in power, although even that’s not clear (the junior partner in the coalition is threatening to defect). But the Greeks can’t solve this crisis anyway.

The only way the euro might — might — be saved is if the Germans and the European Central Bank realize that they’re the ones who need to change their behavior, spending more and, yes, accepting higher inflation. If not — well, Greece will basically go down in history as the victim of other people’s hubris” (Fettdruck von mir!).

Genau so ist es. Wieder mal ein brillianter Artikel von Paul Krugman, wie so oft.

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