Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 53

Heute, am 9.6., erscheint ein Artikel in “Zeit-Online” mit dem Titel “Spaniens Banken benötigen zwischen 40 und 80 Milliarden Euro.”

Über die momentane Lage der spanischen Banken erfahren wir in diesem Artikel folgendes: “Der spanische Bankensektor benötigt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Krisenpuffer von mindestens 40 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis eines vorab in Teilen veröffentlichten Stresstests über die Stabilität des spanischen Finanzsystems. Das frische Kapital würde gebraucht, wenn die negativen Konjunkturvorhersagen für das Euroland eintreten würden. Der tatsächliche Kapitalbedarf könnte wegen möglicher Kosten für Restrukturierungen und Kreditausfälle doppelt so hoch ausfallen, sagte eine IWF-Mitarbeiterin in einer Telefonkonferenz.

Der Weltwährungsfonds schätzt, dass der Bankensektor des Landes gegen eine weitere Verschlechterung der spanischen Konjunktur gewappnet sei. Die größten spanischen Institute hätten eine ausreichende Kapitaldecke. Manche Segmente und bestimmte Institute seien aber anfällig. Deshalb werde der zusätzliche Finanzpuffer benötigt, um die von Notenbankern ausgearbeiteten schärferen Eigenkapitalregeln des Basel III-Abkommens einhalten zu können. Zudem müssten zum Schutz des Finanzsystems Reformen voll umgesetzt und ein glaubhafter Rückhalt aufgebaut werden”.

Interessant ist nun, was der Wirtschaftsweise Peter Bofinger zu diesem Plan sagt, den spanischen Banken über den EFSF beizustehen.

Peter Bofinger lässt in diesem Artikel in “Zeit Online” mit dem Titel “Spaniens Banken benötigen zwischen 40 und 80 Milliarden Euro folgendes verlautbaren: “Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte indessen davor, Spanien mithilfe des Rettungsschirms EFSF beizustehen. In einem am Samstag veröffentlichten Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Bofinger: “Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen.” Die Hilfe durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung verbunden. “Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren.”

Bofinger plädiert hingegen für direkte Hilfe an die Banken. “Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers”, sagte er. Die Krise der spanischen Banken könne das gesamte Bankensystem des Euro-Raums in eine Schieflage bringen. “Wahrscheinlich würden zunächst französische Banken ins Schlingern kommen und damit auch deutsche Institute”.

Das finde ich interessant, was Peter Bofinger hier sagt, und meiner Meinung nach hat er Recht: Das Optimale wären Direkthilfen an die spanischen Banken, wobei man den spanischen Staat aus dieser ganzen Sache einfach raushält (und so auch die spanischen Staatsschulden nicht erhöht und somit bei den Anlegern nicht noch mehr das Vertrauen in die spanischen Staatsanleihen erschüttert).

Und hier kommt das Interview von Peter Bofinger vom 9.6. in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” mit dem Titel “Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“.

Unter anderem sagt hier Peter Bofinger: 

“Herr Bofinger, die Euro-Krise ist zurück. Wie konnte es so weit kommen?

Angela Merkels Politik ist ein Desaster. Wir sehen das in Spanien und Italien: Die Länder haben sich nun wirklich bemüht, ihr Land zu reformieren und die Sparprogramme umzusetzen. Aber das hat sie in die Rezession getrieben. In Griechenland hat darunter sogar das politische System gelitten. Der Versuch, die Eurokrise durch eine eindimensional auf das Sparen ausgerichtete Strategie zu bewältigen, hat zu einem Scherbenhaufen geführt. Ohne einen Strategiewechsel wird der Euro nicht überleben.

Was ist also zu tun?

Zunächst sollte man mit zusätzlichen Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen so lange warten, bis sich die Konjunktur gedreht hat. Was beschlossen worden ist, muss erst einmal wirken. Die Gefahr besteht sonst, dass wir mit Spanien oder Italien ein zweites Griechenland bekommen”.

Weiterhin sagt Peter Bofinger in diesem Interview vom 9.6. mit dem Titel “Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“ in der “Neuen Osnabrücker Zeitung“:

Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die spanischen Banken systemrelevant sind. Die Krise der spanischen Banken kann das gesamte Bankensystem des Euroraums in eine Schieflage bringen. Wahrscheinlich würden zunächst französische Banken ins Schlingern kommen und damit auch deutsche Institute. Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers. Die Hilfen können ja so ausgestaltet werden, dass das, was am Ende an werthaltigen Aktiva bei den spanischen Banken übrig bleibt, an den europäischen Rettungsschirm ESM übergeht”.

Zu den Lösungsmöglichkeiten der Krise in den südeuropäischen Ländern lässt Peter Bofinger in diesem Interview in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” vom 9.6. mit dem Titel “Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“ verlautbaren:

Wir brauchen eine bessere Aufsicht über Europas Banken. Es kann nicht angehen, dass wir nur Geld hingeben. Da muss auch jemand nach dem Rechten sehen, denn die Spanier selbst scheinen das ja nicht so gut gemacht zu haben. Deshalb ist es sinnvoll, möglichst schnell eine europäische Bankenaufsicht zu schaffen. Wir werden bei der Bewältigung der Krise aber keinen Erfolg haben, wenn nicht auch die Staaten mehr Souveränität abgeben.

Was genau meinen Sie?

Wir brauchen eine direkte europäische Kontrolle für Staaten mit hohen Haushaltsdefiziten. Dann ließe sich auch eine begrenzte gemeinsame Haftung für Staatsschulden rechtfertigen, wie wir das beim Sachverständigenrat mit dem Schuldentilgungspakt vorgeschlagen haben. Ein hoch verschuldetes Land, das eine gemeinsame Haftung in Anspruch nehmen will, muss dann akzeptieren, dass sein Budget von der EU genehmigt wird. Und es müsste dann auch möglich sein, dass es von Brüssel vorgeschrieben bekommt, für drei Jahre die Mehrwertsteuer um zwei Punkte zu erhöhen oder pauschal alle Ausgaben um zehn Prozent zu kürzen”.

Zum Stichwort Wachstumsimpulse” sagt Peter Bofinger in diesem Interview mit dem Titel “Hilfe für Spaniens Banken liegt im Interesse Deutschlands“:

“Immer mehr wird auf  Wachstumsimpulse beim Fiskalpakt gedrängt…

An erster Stelle stehen für mich Beschäftigungsprogramme für junge Arbeitslose. Sie könnten im Umwelt- oder im sozialen Bereich eingesetzt werden – Hauptsache, die jungen Menschen sitzen nicht untätig zu Hause. So kann sich auch der Wirtschaftskreislauf insgesamt wieder stabilisieren. Nur so kann verhindert werden, dass sich Spanien und Italien in Richtung Griechenland entwickeln: Sie sind bereits Patienten mit chronischen Krankheiten, die dann noch einen Herzinfarkt bekämen. Daher ist es jetzt wichtig, zunächst den Kreislauf zu stabilisieren, bevor man sich mit der chronischen Krankheit auseinandersetzt”.

Und zum Stichwort Griechenland” sagt Peter Bofinger:

“Stichwort Griechenland: Welche Folgen hätte ein Austritt aus dem Euro?

Träte Griechenland aus, würde das zu extremer politischer Instabilität führen. Außerdem wäre die technische Umstellung auf eine neue Währung ja nicht innerhalb weniger Tage zu leisten. Die Leute kämen in der Zwischenzeit nicht mehr an ihr Geld, und wir würden lange Schlangen vor den Banken erleben. Wenn diese Bilder in Europa zu sehen wären, würde Panik in anderen Südländern ausbrechen”.

Genau so sehe ich das alles auch. Nur beim Stichwort “Wachstumsimpulse” würden mir wahrscheinlich noch ein paar andere zusätzliche Möglichkeiten einfallen (Peter Bofinger übrigens sicher genauso. Er sagt ja nur, was für ihn jetzt das wichtigste wäre im Bereich “Wachstumsimpulse”).

Gestern, am 8.6., erschien ein Artikel in “Spiegel-Online” von Christian Teevs mit dem Titel “Spanien-Krise, Griechen-Wahl: Krisenmanager rüsten sich für Euro-Schock“.

In diesem Artikel lässt hier Christian Teevs verlautbaren, was seiner Meinung in dieser Woche “geschehen muss” um den Euro und die Eurozone zu retten.

Christian Teevs sagt unter anderem in diesem Artikel:  “Dazu müssen zwei Projekte gelingen:

1.) Spanien soll den Schutz des Rettungsschirms EFSF anfordern – am besten schon am Wochenende. Damit soll den Märkten signalisiert werden, dass die Bankenkrise in dem Land mit Hilfe der europäischen Partner gelöst wird. In der Folge, so die Hoffnung, könnten Investoren Spanien wieder bereitwilliger frisches Geld leihen

2.) Ebenfalls vor der Griechenland-Wahl muss klar sein, dass der neue Hilfsfonds ESM vom Schlüsselstaat Deutschland ratifiziert wird. Dieser ständige Rettungsmechanismus soll jene Sicherheit liefern, die alle bisherigen Maßnahmen nicht gebracht haben. Das Volumen ist deutlich größer als beim Vorgängerfonds EFSF (bis zu 500 Milliarden Euro), die Bedingungen sind klarer.

Heute, am 9.6., kam auch die Schätzung des IWF zum Finanzbedarf der angeschlagenen spanischen Banken raus. Hierzu gibt es einen Artikel in “Spiegel-Online” mit dem Titel “IWF-Schätzung: Spaniens Banken brauchen mindestens 40 Milliarden“. Lest euch diesen Artikel in Ruhe durch.

Ich will nur eines dazu sagen: Nach meinem Dafürhalten ist die Marke von 40 Milliarden die unterste Marke des tatsächlichen Finanzbedarfs der angeschlagenen spanischen Banken. Ich fürchte, am Ende werden die tatsächlich benötigten Summen wesentlich höher sein.

Hier habt ihr zum Beispiel einen englischen Artikel aus “eitb.com” mit dem Titel “Why do Spanish banks need a bailout?“.

In diesem Artikel heisst es völlig klar und sachlich: “Spain’s financial problems are not due to Greek-style government over-spending. The country’s banks got caught up in the collapse of a real estate bubble.

Spain’s banks, particularly its savings banks or “cajas,” have enormous amounts of bad loans. And as the second recession in three years hits Spain, the number of bad loans is expected to surge. Spain’s unemployment has risen to nearly 25 percent, making it increasingly difficult for many Spaniards to pay their mortgages.

The country’s central bank, the Bank of Spain, says banks are still burdened with about 175 billion euros ($220 billion) in “problematic” real estate holdings, including loans and repossessed homes.

Spain’s government debt stood at a relatively low 68.5 percent of its gross domestic product at the end of 2011. It is predicted to hit 78 percent by the end of the year. But even that higher figure would still be below the 2011 debt-to-GDP ratios of countries like Italy, Belgium, France and even Germany”.

Genau so ist es. Noch immer sind die spanischen Staatsschulden vergleichsweise moderat. Das Problem in Spanien ist die geplatzte Immobilienblase und damit zusammenhängend der Zustand der spanischen Banken, die diesen Immobilienboom idiotischerweise finanziert haben.

Und in diesem Artikel aus “eitb.com” vom 8.6. mit dem Titel “Why do Spanish banks need a bailout?” habt ihr die Schätzung der spanischen nationalen Zentralbank, des “Banco de España“, was das mögliche Volumen an potentiell faulen Krediten angeht.

Hierzu heisst es in diesem Artikel: “The country’s central bank, the Bank of Spain, says banks are still burdened with about 175 billion euros ($220 billion) in “problematic” real estate holdings, including loans and repossessed homes.

Also die spanische Zentralbank geht also von einem Volumen von ungefähr 175 Milliarden Euro an potentiell “faulenImmobilienkrediten aus.

Diese Schätzung halte ich für vernünftig, wobei sich die Summe noch erhöhen könnte, wenn die wirtschaftliche Gesamtentwicklung von Spanien in der Zukunft weiter negativ verläuft und noch mehr Spanier ihren Job verlieren.

Denn viele Spanier haben sich vor dem Platzen der spanischen Immobilienblase ab Ende 2007 eine Wohnung oder ein Haus auf Kredit gekauft. Verlieren weiterhin noch mehr Spanier ihren Job, steigt natürlich auch gleichzeitig das Volumen der potentiell “faulen” Immobilienkredite.

Zurück zu diesem Artikel in “Spiegel-Online” von heute, den 9.6., mit dem Titel “IWF-Schätzung: Spaniens Banken brauchen mindestens 40 Milliarden“.

In diesem Artikel erfahren wir unter anderem: “Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte unterdessen davor, Spanien mit Hilfe des EFSF beizustehen. “Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen”, sagte Bofinger der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Die Hilfe durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung verbunden. “Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren.”

Bofinger plädierte für direkte Hilfe an die Banken. “Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers”, sagte er. Die Krise der spanischen Banken könne das gesamte Bankensystem des Euro-Raums in eine Schieflage bringen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Probleme der spanischen Banken dagegen als lösbar. Spanien habe ein ganz spezifisches Problem mit den Banken, die nach dem Zusammenbrechen des Immobilienbooms in einer schwierigen Phase seien, sagte der Minister der “Passauer Neuen Presse”: “Aber das lässt sich Schritt für Schritt lösen.”

Was Schäuble übrigens hier sagt, finde ich ausnahmsweise sehr vernünftig. Er hat Recht, Spaniens Hauptproblem ist die ab Ende 2007 geplatzte Immobilienblase und die spanischen Banken, die diesen spanischen Immobilienboom leichtsinnigerweise finanziert haben.

Wie diese Sache in Spanien seit den neunziger Jahren gelaufen ist, dazu habe ich seinerzeit schon einen längeren Blogartikel geschrieben mit dem Titel ”Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit“. Und ich glaube tatsächlich auch, dass man dieses Problem mit den spanischen Banken mit Ruhe und Verstand Schritt für Schritt lösen kann. Die Frage ist nur, wie man das macht.

Zu dem zu erwartenden Verhalten der Ratingagenturen angesichts der dramatischen spanischen Bankenkrise erfahren wir in diesem Artikel vom 9.6. in “Spiegel-Online” mit dem Titel “IWF-Schätzung: Spaniens Banken brauchen mindestens 40 Milliarden“: Mit Blick auf die anhaltenden Probleme in der Euro-Zone hat die US-Rating-Agentur Moody’s damit gedroht, die Kreditwürdigkeit weiterer Länder herabzustufen – auch Deutschland wäre betroffen.

Sollten die Euro-Länder Finanzhilfen für Spanien bewilligen, stiegen die Risiken für die Gläubiger des Landes, teilte Moody’s mit. Im schlimmsten Fall könnten auch die “AAA”-Länder Deutschland, Österreich, Frankreich, Finnland, Luxemburg und die Niederlande ihre Bestnoten verlieren. Für den Fall, dass Griechenland aus der Euro-Zone austrete, warnte die US-Rating-Agentur, müsse die Kreditwürdigkeit aller Euro-Staaten neu bewertet werden“.

Tja, das sollte man unbedingt vermeiden, dass jetzt womöglich weitere Ratingrundumschläge gegen alle Länder der Euro-Zone erfolgen.

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