Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 52

Heute, am 8.6., ist ein Artikel in “Spiegel-Online” erschienen mit dem Titel “Bankenkrise: Anleger wetten auf Spaniens Rettung.”

In diesem Artikel erfahren wir: “In der spanischen Bankenkrise versuchen die beteiligten Parteien offenbar eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Noch ist unklar, ob das tatsächlich möglich ist, doch es wird von allen Seiten kräftig Druck gemacht.

Die Nachrichtenagenturen dpa, Reuters und Bloomberg melden unter Berufung auf Insider bereits, dass Spanien am Wochenende EU-Hilfen beantragen will. Die Finanzminister der 17 Euro-Länder wollen demnach am Samstagmorgen eine Telefonkonferenz abhalten und über ein spanisches Hilfegesuch diskutieren. Eine Stellungnahme der EU soll bis zum Nachmittag erfolgen.

Weiterhin erfahren wir in diesem Artikel: Seit Bekanntgabe der Meldung steigen die Kurse an der Börse in Madrid.

Was nun die Anleiheauktion von gestern angeht, so erfahren wir in diesem Artikel: “Die Krise in dem Land hatte sich die Woche über noch einmal deutlich verschärft. Am Dienstag hatte Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro erstmals offen Probleme seines Landes bei der Geldbeschaffung eingestanden. Am Donnerstag konnte das Land zwar den Kapitalmarkt um 2,1 Milliarden Euro anzapfen, musste für die Papiere aber höhere Zinsen bieten. Am Donnerstagabend dann hatte die Rating-Agentur Fitch die Bonitätsnote Spaniens gleich um drei Stufen heruntergesetzt.

Ansonsten, wie schon der Titel des Artikels sagt, setzen die Anleger im Fall der spanischen Bankenkrise anscheinend auf Spaniens Rettung.

In einem Artikel in “Spiegel-Online” von gestern, dem 7.6., mit dem Titel “Anleiheauktion: Spanien bekommt frisches Geld für höhere Zinsen” (zusammengestellt aus Meldungen von dab, dpa und Reuters) erfahren wir: “Spanien bekommt noch Geld geliehen, das ist die gute Nachricht einer Anleiheauktion am Donnerstag. Das Land sammelte am Donnerstag rund 2,1 Milliarden Euro ein und übertraf damit das Ziel von zwei Milliarden Euro leicht. Die Nachfrage der Investoren überstieg das Angebot deutlich.”

Weiterhin heisst es in diesem Artikel: “Allerdings stieg erneut auch der Zinssatz, den Spanien für die frischen Milliarden zahlen musste. Die durchschnittliche Rendite für zehnjährige Anleihen erhöhte sich von 5,74 auf 6,04 Prozent. Auch die Renditen für Papiere mit einer Laufzeit bis 2014 und 2016 kletterten um rund einen Prozentpunkt im Vergleich zu früheren Emissionen. Die Auktion der zehnjährigen Papiere war 3,3fach überzeichnet, bei der letzten Auktion überstieg die Nachfrage das Angebot dagegen nur um das 2,4fache.

Händler bezeichneten die Versteigerung mit Verweis auf die hohe Nachfrage als Erfolg. Schließlich hatte Spaniens Finanzminister erst Anfang der Woche mit einer Warnung für Aufsehen gesorgt. Cristóbal Montoro sagte, dass für Spanien beim derzeitigen Zinsniveau die “Tür zum Markt geschlossen” sei.

Spanien macht derzeit vor allem sein angeschlagener Bankensektor zu schaffen. Bislang wehrt sich das Land aber vehement gegen Forderungen, es solle Finanzhilfen seiner Euro-Partner in Anspruch nehmen.

Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf die Ergebnisse: Am Sekundärmarkt, wo bereits versteigerte Staatsanleihen gehandelt werden, bewegten sich die Renditen für spanische Papiere im richtungweisenden zehnjährigen Laufzeitbereich kaum. Zuletzt wurden sie bei 6,106 Prozent notiert. Auch am Devisenmarkt wurde die Auktion mehr oder weniger teilnahmslos zur Kenntnis genommen”.

Für die führenden spanischen Politiker (Mariano Rajoy, Cristóbal Montoro und Luis de Guindos) und die spanischen Medien (ich habe gestern mehrere von ihnen zitiert) war diese Aukion eindeutig ein Riesenerfolg. Seht hierzu meinen Blogeintrag von gestern “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 51.”

In “FTD” habt ihr heute, am 8.6., ein Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Banken drängen Spanien unter den Rettungsschirm.”

In diesem Artikel heisst es:Verschiedene Informanten aus der Euro-Gruppe bestätigten der FTD, dass es enge Abstimmungen der Finanzministerien über Spanien gebe. Bisher fehlt aber noch das entscheidende Signal der Regierung in Madrid. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte daher bis Freitagmittag noch keine Telefonkonferenz zu Spanien anberaumt.

Aus dem spanischen Wirtschaftsministerium hieß es, die politischen Verhandlungen seien weit gediehen. Für dieses Wochenende sei aber noch kein Antrag geplant, da noch keine konkreten Zahlen vorhanden seien, wie viel Spanien beantragen will.

“Die spanische Regierung hat den Ernst der Lage erkannt”, sagte ein hochrangiger EU-Vertreter zu Reuters. Er betonte, bis zur Wahl in Griechenland am 17. Juni müsse eine Lösung für Spanien gefunden werden. Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte für zusätzliche Unruhe im Markt sorgen.

Zurzeit läuft eine Überprüfung der Bankbilanzen durch den IWF und Unternehmensberater. Der Internationale Währungsfonds taxiert den Kapitalbedarf nach Angaben von zwei Personen aus dem Finanzsektor auf mindestens 40 Mrd. Euro. Alles in allem würden laut IWF-Bericht 90 Mrd. Euro benötigt, um den Bankensektor zu stabilisieren.

Die Rettung wäre für Rajoy das Eingeständnis einer Niederlage, weil er immer wieder gesagt hatte, dass er keine EU-Hilfe brauche. Zusätzlich würde dann auch noch der Eindruck entstehen, Rajoy habe sich anders als sein Vorgänger José Luis Zapatero von Deutschland zwingen lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel drängt Spanien, Hilfsgelder des Euro-Rettungsfonds EFSF anzunehmen. Nach Einschätzung der Tageszeitung “El Mundo” müsste Rajoy sogar zurücktreten, wenn er EU-Hilfen beantragen würde. Ob der politische Preis tatsächlich so hoch ist, ist ungewiss”.

So, und die “FTD” erklärt in diesem Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Banken drängen Spanien unter den Rettungsschirm” nachfolgend Rajoys jetzige Optionen.

Und es werden fünf Optionen erläutert, die Mariano Rajoy in der jetzigen Situation ergreifen kann. Und die erste ist nach Angaben dieses Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Banken drängen Spanien unter den Rettungsschirm” wohl die wahrscheinlichste.

Wir erfahren zu dieser ersten und wahrscheinlichsten Option in diesem Artikel: “Nach jüngstem Stand dürfte nun der Rettungsfonds EFSF den Banken helfen – mit allen innenpolitischen Problemen für Rajoy. Die EFSF verfügt noch über freie Mittel von über 200 Mrd. Euro. In der Bundesregierung wird diese Lösung favorisiert, da sie schnell für Ruhe sorgen und zugleich den neuen Rettungsfonds ESM schonen würde.

 Geld aus dem EFSF-Topf kann auch speziell für den Bankensektor verwendet werden, fließt aber zunächst an den Staat, der es dann an die Banken weiterreicht. Im Falle Spaniens würde das über den staatlichen Bankenrettungsfonds FROB geschehen. Die Spanier könnten sich so günstig finanzieren, die fälligen Auflagen der EU-Kommission würden sich aber lediglich auf den Finanzsektor beziehen und nicht auf die gesamten Staatsfinanzen. Es gäbe also keine vierteljährliche Einmischung einer Troika in die gesamte Wirtschaftspolitik. Der Nachteil: Spaniens Schuldenstand würde weiter steigen”.

Und unter diesen fünf Optionen ist jetzt nach Angaben dieses Artikels in der “FTD” mit dem Titel “Schuldenkrise: Banken drängen Spanien unter den Rettungsschirm” anscheinend nicht mehr die dabei, die von allen deutschen Neoliberalen bisher in den letzten Tagen dauernd gefordert wurde: Den ganzen spanischen Staat mitsamt seinen gesamten Staatsfinanzen unter den EFSF (=Euro- Rettungsschirm) zu zwingen. Stattdessen würden sich die fälligen Auflagen der EU-Kommission jetzt nur noch auf den spanischen Finanzsektor beziehen. Und das ist auch sinnvoll so, denn der spanische Finanzsektor hat in der Vergangenheit eindeutig versagt. Diesem spanischen Finanzsektor sollte die EU-Kommission auch Auflagen machen, das ist richtig so.

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