Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 49

Heute, am 4.6., hat Paul Krugman zwei neue Artikel zur aktuellen spanischen Krise veröffentlicht. Ein Artikel besteht einfach nur aus einem witzigen Photo mit dem Titel “A Spanish Scene“.

Und ein zweiter, sehr guter Artikel, heisst “Soros on the Euro” und bezieht sich auf eine Rede, die George Soros anscheinend am 2. Juni dieses Jahres in Trient (Südtirol, Italien) gehalten hat.

Gehen wir also erst einmal auf diese Rede vom 2. Juni mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” von George Soros ein (Sie befindet sich auf der Website von George SorosGeorgeSoros.com“).

Hier habt ihr eine PDF-Version dieser Rede von George Soros, die ich gerade eben im Netz gefunden habe. Diese Rede ist hervorragend.

Diese Rede von George Soros hat einen einführenden theoretischen Teil (den ihr überspringen könnt, wenn ihr wollt).

Und dann geht es über zur aktuellen Euro-Krise. Und alles, was George Soros hier in dieser Rede mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” sagt, ist meiner Meinung nach völlig korrekt und richtig. Lest euch also die Analyse des bisherigen Verlaufs der Euro-Krise und die Deutung der Euro-Krise durch George Soros in aller Ruhe durch.

Was nun das mögliche Zeitfenster zur Korrektur der bisherigen Fehler Angela Merkels und ihrer Mitstreiter angeht, so äussert sich Soros in dieser Rede mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” folgendermassen: “In my judgment the authorities have a three months’ window during which they could still correct their mistakes and reverse the current trends. By the authorities I mean mainly the German government and the Bundesbank because in a crisis the creditors are in the driver’s seat and nothing can be done without German support”.

Also: Angela Merkel und ihre Mitstreiter (Kabinett Merkel II) und die Deutsche Bundesbank (Jens Weidmann) haben nach Ansicht von George Soros ein Zeitfenster von ca. drei Monaten, um zu handeln. Ich halte das für realistisch. Angesichts der wahnwitzigen Beschleunigung der Negativ-Entwicklung in den letzten Monaten glaube ich ebenfalls, dass allerhöchstens noch ein paar Monate da sind, um effektiv gegenzusteuern.

Was nun diese Massnahmen zum effektiven Gegensteuern angeht, so äussert sich Soros in dieser Rede mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” folgendermassen: “Correcting the mistakes and reversing the trend would require some extraordinary policy measures to bring conditions back closer to normal, and bring relief to the financial markets and the banking system. These measures must, however, conform to the existing treaties. The treaties could then be revised in a calmer atmosphere so that the current imbalances will not recur. It is difficult but not impossible to design some extraordinary measures that would meet these tough requirements. They would have to tackle simultaneously the banking problem and the problem of excessive government debt, because these problems are interlinked. Addressing one without the other, as in the past, will not work.

Banks need a European deposit insurance scheme in order to stem the capital flight. They also need direct financing by the European Stability Mechanism (ESM) which has to go hand-in-hand with eurozone-wide supervision and regulation. The heavily indebted countries need relief on their financing costs. There are various ways to provide it but they all need the active support of the Bundesbank and the German government”.

Genau so sehe ich das auch.

Soros geht übrigens davon aus, dass Angela Merkel und ihre Mitstreiter diese Massnahmen auch ergreifen werden, und zwar aus folgenden Gründen, er sagt das in dieser Rede mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” ganz klar:But the likelihood is that the euro will survive because a breakup would be devastating not only for the periphery but also for Germany. It would leave Germany with large unenforceable claims against the periphery countries. The Bundesbank alone will have over a trillion euros of claims arising out of Target2 by the end of this year, in addition to all the intergovernmental obligations. And a return to the Deutschemark would likely price Germany out of its export markets – not to mention the political consequences. So Germany is likely to do what is necessary to preserve the euro – but nothing more. That would result in a eurozone dominated by Germany in which the divergence between the creditor and debtor countries would continue to widen and the periphery would turn into permanently depressed areas in need of constant transfer of payments. That would turn the European Union into something very different from what it was when it was a “fantastic object” that fired peoples imagination. It would be a German empire with the periphery as the hinterland”.

Ich gebe Soros auch hier recht, allerdings mache ich eine Einschränkung: Angela Merkel und ihre Mitstreiter (Kabinett Merkel II) müssen diese Zusammenhänge auch ganz klar begreifen. Wenn sie das tun sollten, werden sie wohl auch so reagieren, wie Soros das erwartet: Sie werden die oben von Soros vorgeschlagenen Gegenmassnahmen befürworten, um aktiv dem Verfall der Euro-Zone und dem Zerbrechen des Euros gegenzusteuern.

Allerdings werden sie wohl auch nicht viel mehr tun, genauso wie George Soros das vermutet. Sie werden wahrscheinlich nur das Nötigste tun. Angela Merkel und ihre Mitstreiter (Kabinett Merkel II) haben nicht die Vision eines gemeinsamen Europas wie seinerzeit Helmut Kohl. Für Angela Merkel, Guido Westerwelle und Wolfgang Schäuble war die Euro-Zone im Prinzip immer nur ein gewinnträchtiger Exportmarkt, mehr nicht.

Und die Tatsache, dass Deutschland seit 1999 in der Euro-Zone nur einen Exportmarkt sieht, ist auch eine der Kernursachen für die aktuelle Misere, die auch von George Soros so benannt wird. Er nennt es als eine Kernursache der Euro-Krise die massiven Unterschiede zwischen Deutschland und den Peripherieländern im Bereich der “competitiveness“. Und diese massiven Unterschiede im Bereich der “competitiveness” führen letztendlich zu massiven Handelsungleichgewichten.

Im Klartext: Deutschland hat seit Einführung des Euros im Jahre 1999 seine Nachbarn vor allem im Süden gnadenlos “niederkonkurriert“.

Eine dieser Kernursachen der “Euro-Krise” ist das Problem der massiven Handelsbilanzungleichgewichte in der Euro-Zone. Seht hierzu zum Beispiel eine Graphik mit dem Titel “Nach Einführung des Euro historisch hohe Handelsungleichgewichte“. Hier habt ihr eine Graphik mit dem Titel “Heutige Ungleichgewichte extrem” (gemeint ist die Euro-Zone).

Seht hierzu nochmals den kurzen Artikel aus “FTD” vom Dezember letzten Jahres mit dem Titel “Europas Unwucht kommt aus Deutschland“. Ich habe übrigens über diese Sache schon öfters im Zusammenhang mit der Euro-Krise in meinen Blogartikeln geschrieben.

Was des einen Handelsbilanzüberschüsse (Deutschland) und Gewinne sind, sind des anderen Handelsbilanzdefizite (Südeuropa: Griechenland, Portugal, Spanien und Italien) und Verluste und damit natürlich auch oft Schulden.

Einen guten Artikel vom Dezember letzten Jahres zu diesem Thema von Jan Mallien findet ihr im “Handelsblatt” unter dem Titel “Euro-Krise: Deutschland bringt Europa aus dem Gleichgewicht“.

In diesem Artikel von Jan Mallien heisst es ganz klar: “Einige Ökonomen verteidigen die deutschen Exportüberschüsse seit vielen Jahren vehement gegen jede Kritik aus dem Ausland. Ihr Credo: Wenn Deutschland niedrigere Überschüsse macht, nützt das dem Ausland und schadet Deutschland. Das ist ein teurer Irrtum. Die Euro-Krise zeigt auf dramatische Weise, welchen Schaden permanente Exportüberschüsse anrichten. Der größte Verlierer ist Deutschland (Fettdruck von mir!).

Weiterhin heisst es in diesem Artikel:Deutschland hat durch seine Leistungsbilanzüberschüsse über Jahre Forderungen gegenüber den am wenigsten wettbewerbsfähigen Ländern angehäuft. Deutschen Überschüssen standen hohe Defizite und damit Schulden von Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien gegenüber. Unterm Stich blieb die Leistungsbilanz der Eurozone damit in etwa ausgeglichen. Das Problem für Deutschland: Seine Forderungen bergen ein hohes Verlustrisiko. Kein Land kann sich permanente Defizite leisten – ansonsten wird die Zinslast irgendwann zu hoch. Als Auswege bleiben dann nur Währungsabwertung und Notenpresse – oder ein Schuldenschnitt, bei dem die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Die Forderungen und Schulden eines Landes gegenüber dem Ausland sind sehr eng mit seiner Bonität am Anleihemarkt verknüpft: Bis auf wenige Ausnahmen zahlen Länder mit Auslandsforderungen wie Deutschland, die Niederlande, Finnland vergleichsweise niedrige Risikoaufschläge für ihre Schuldscheine – Länder mit Auslandsschulden wie Spanien oder Griechenland dagegen hohe.

Weiterhin heisst es in diesem Artikel von Jan Mallien nun (ironisch!): “Die Euro-Krise entstand letztlich daraus, dass sich die Defizitländer ihre Auslandsschulden auf Dauer nicht leisten konnten – und sie irgendwie drücken mussten. Da Währungsabwertungen und die Notenpresse als Optionen ausfallen (Problem Einheitswährung), kann dies in der Eurozone nur durch eine Umschuldung oder Transfers geschehen. Das möchten aber Deutschland und die anderen Überschussländer unbedingt verhindern. Deshalb lautet das Rezept nun: Spanien und Griechenland sollen so werden wie Deutschland –  und selbst zu Exportweltmeistern werden” (Fettdruck von mir – so das absurde”Rezept” von Angela Merkel und Konsorten!).

Völlig zurecht stellt daher dieser Artikel von Jan Mallien fest: “Eine Lösung des Problems in der Eurozone kann nur gelingen, wenn sich beide Seiten bewegen. Nicht nur Griechenland muss sich ändern –  auch Deutschland. Aus gutem Grund steht im deutschen Stabilitätsgesetz das Ziel eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts. Es geht dabei nicht um weniger deutsche Exporte. Wichtig ist vielmehr eine Stärkung der Binnennachfrage durch Umschichtungen im Steuersystem, höhere Löhne und eine Flexibilisierung des Dienstleistungssektors. Auf der anderen Seite müssen die Griechen, Spanier und Portugiesen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, damit sie von einer stärkeren Nachfrage aus Deutschland auch profitieren”.

Und was nun den Fall Spanien und Irland angeht, so wird hier in diesem Artikel mit dem Titel “Euro-Krise: Deutschland bringt Europa aus dem Gleichgewicht” von Jan Mallien völlig korrekt diagnostiziert:Die Vorschläge von Merkel & Co helfen wenig, dieses Problem zu lösen. Sie setzen auf eine härtere Bestrafung von Ländern mit hohen Haushaltsdefiziten. In der Vergangenheit hätte so etwas wenig genützt. Länder wie Spanien und Irland, die jetzt in Schwierigkeiten stecken, waren Musterschüler  bei der Einhaltung der Stabilitätskriterien. Der Kern des Problems sind nicht die Staatsschulden, sondern Ungleichgewichte im Außenhandel – und diese machen sich nicht immer sofort im Staatshaushalt bemerkbar. Denn langfristig werden aus Privatschulden, die eine schwächelnde Wirtschaft anhäuft, Schulden des Staates: So kann auch die Wirtschaft ein ganzes Land in den Bankrott treiben – und nicht nur der Ausgabenwahn der Politiker. Genau das ist in Spanien und Irland passiert: Dort hat eine beispiellose Immobilienblase erst zu horrender privater Verschuldung geführt. Aus den privaten Schulden wurden dann nach der Finanzkrise staatliche Schulden”.

Genau so ist es. Und so habe ich es übrigens auch selbst oft genug erklärt. Jan Mallien ist offensichtlich ganz und gar nicht auf den Kopf gefallen.

Nun zurück zu dieser brillianten Rede am 2. Juni in Trient von George Soros.

Zum Abschluss dieser Rede mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” äussert Soros sogar noch seine Sympathien für das aktuelle Deutschland unter Angela Merkel. Nun, mir fällt das zur Zeit etwas schwerer. Aber immerhin, Soros ist offensichtlich ein wirklich grosszügiger und netter Kerl. Vielleicht gelingt mir das dann auch, wenn ich mich in den nächsten Wochen in Madrid etwas erholt habe. Zur Zeit bin ich etwas angenervt von Deutschland unter Angela Merkel, das muss ich leider ganz offen sagen.

Man darf übrigens nicht vergessen: Geoge Soros hat die Nazi-Hölle im besetzten Ungarn im Zweiten Weltkrieg überlebt (im Wikipedia-Artikel zu George Soros heisst es: “Er wurde als Sohn des Esperanto-Schriftstellers Tivadar Soros in Budapest geboren. Ab 1936 trägt er den Namen György Soros. Trotz der jüdischen Herkunft seiner Familie überlebte Soros die deutsche Besetzung Ungarns und die Schlacht um Budapest). Insofern ist George Soros echt nett, wenn er die Deutschen sogar jetzt noch Klasse findet, wo sie seit Ausbruch der Euro-Krise ab Ende 2009 leider jede Menge Mist in der Europäischen Union und vor allem in der Euro-Zone gebaut haben.

Also hier der Abschluss dieser Rede von George Soros mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy“: “I believe most of us would find that objectionable but I have a great deal of sympathy with Germany in its present predicament. The German public cannot understand why a policy of structural reforms and fiscal austerity that worked for Germany a decade ago will not work Europe today. Germany then could enjoy an export led recovery but the eurozone today is caught in a deflationary debt trap. The German public does not see any deflation at home; on the contrary, wages are rising and there are vacancies for skilled jobs which are eagerly snapped up by immigrants from other European countries. Reluctance to invest abroad and the influx of flight capital are fueling a real estate boom. Exports may be slowing but employment is still rising. In these circumstances it would require an extraordinary effort by the German government to convince the German public to embrace the extraordinary measures that would be necessary to reverse the current trend. And they have only a three months’ window in which to do it. We need to do whatever we can to convince Germany to show leadership and preserve the European Union as the fantastic object that it used to be (Fettdruck von mir!). The future of Europe depends on it“.

So, und aufbauend auf dieser klugen Rede von George Soros hat Paul Krugman in seinem Blog “The Conscience of a Liberal” heute, am 4.6., einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel “Soros on the Euro“. Das habe ich ja schon gesagt.

Ich zitiere jetzt diesen ebenso kurzen wie knappen und klaren Artikel mit dem Titel “Soros on the Euro” von Paul Krugman: “His speech is getting a lot of attention, and rightly so. It’s not so different from what many of us have been saying, but given the source — and, to be fair, the historical breadth of his perspective — I can see why it’s getting people to pay attention in a way they hadn’t before.

His point about the euro bubble is particularly well taken. I’d put it this way: it so happened that the euro came into existence at a time when the German economy was in the doldrums. Then the euro made investors believe that southern Europe was safe, causing a huge fall in interest rates there: This in turn led to vast inflows of capital; the flip side of these inflows was large trade deficits, and large counterpart German surpluses, which was just what the Germans needed. Everyone was happy! For a few years.

And then the bubble burst, leading to the crisis today. Needless to say, this story bears little resemblance to the morality play of profligacy and its consequences that has dominated European discussion until just about now. If there were any villains, they were the architects of the euro, who waved away warnings about the system’s flaws. But never mind the villains: the question is what to do now. And time is running out fast” (Fettdruck von mir!).

Genau so sehe ich das auch: Die Diskussion um die möglichen “Bösewichter” (Englisch:villains“) in dieser ganzen Euro-Krisen-Geschichte können wir uns sparen. Entscheidend ist nur, was jetzt in den nächsten Wochen geschieht, um die Situation zu retten. “And time is running out fast!”, wie Paul Krugman zurecht bemerkt.

Dieser Artikel mit dem Titel “Soros on the Euro” von Paul Krugman enthält übrigens auch eine Graphik, die ganz klar zeigt, wo das aktuelle Problem in der Euro-Zone liegt und was seit dem Jahre 2008 in der Euro-Zone geschieht: Spätestens seit dem Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank (dem Höhepunkt der Finanzkrise ab 2007) driften die Zinssätze für die Staatsanleihen, vor allem für die langfristigen Staatsanleihen, der verschiedenen Länder in der Euro-Zone gnadenlos auseinander.

Paul Krugman exemplifiziert dies an den “ExtrembeispielenGriechenland (wo wir Ende 2011 anscheinend schon phantastöse 16% erreicht hatten, was für keinen Staat der Welt dauerhaft bezahlbar ist) und Deutschland (wo wir schon Ende 2011 2% erreicht hatten, Tendenz jetzt zunehmend gegen 0%. Im Klartext: Deutschland kriegt das Geld jetzt praktisch geschenkt, zum Nulltarif).

Was steckt hinter dieser Sache?

Ganz einfach: Die internationalen Investoren misstrauen unter anderem massiv den europäischen Krisenländern (PIIGS-Staaten: Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) und bringen ihr Geld in den vermeintlich “sicheren Hafen” (=Deutschland).

Wenn ihr ein paar zusätzliche Graphiken zu diesem Phänomen haben wollt, dem Auseinanderdriften der Zinssätze für Staatsanleihen und vor allem für langfristige Staatsanleihen in der Euro-Zone, dann “googelt” das Thema einfach mal. Hier habt ihr eine Übersicht mit dem Titel “Rendite europäischer Staatsanleihen (10-jährig)” mit entsprechenden Graphiken zu diesem Thema in der Website “Markt-Daten.de“.

Und da könnt ihr genau sehen, wie die Zinssätze (für die Käufer dieser Staatsanleihen: “Renditen“) für die Staatsanleihen der verschiedenen Ländern in der Eurozone seit dem Jahre 2008 gnadenlos auseinanderdriften.

Vor allem bei den PIIGS-Staaten steigen sie trotz gewisser Schwankungen tendenziell seit dem Jahre 2008 konstant an, und zwar in eine Höhe, wo spätestens ab ca. 7% der Euro-Rettungsschirm angesagt ist. Und deshalb befinden sich Griechenland, Portugal und Irland auch schon seit geraumer Zeit unter dem Euro-Rettungsschirm. Und der nächste Kandidat ist jetzt Spanien. Nur: Spanien ist im Grunde auch viel zu gross für den Euro-Rettungsschirm.

Hier habt ihr zum Beispiel einen recht ironischen Artikel von heute, den 4.6., mit dem TitelPanik-Endstadium: Spanien soll unter den Rettungsschirm” in der witzigen und kritischen Website von Rolf Finkbeiner, die bezeichnenderweise “crash-news.com” heisst.

In diesem Artikel mit dem TitelPanik-Endstadium: Spanien soll unter den Rettungsschirm” heisst es ganz klar: “Inzwischen brennt die Euro-Hütte lichterloh, die Börsen honorieren die Situation mit Einbrüchen, der Euro fällt und wird in verzweifelten Aktionen hochgedrückt und die Zinsen der Anleihen der Pleiteländer befinden sich auf gefährlich hohen Niveaus. Kurz: Sollte hier irgendjemand behaupten, er hätte die Lage noch im Griff, dann lügt er.

Wenn Spanien also nach den Worten des spanischen Regierungschefs Rajoy nicht am Rande des Abgrunds stehe, dann ist das eine schlichte Lüge. Wenn er allerdings davon spricht, Spanien könne die Finanzkrise aus eigener Kraft überwinden, dann macht er dem ehrenwerten Baron Münchhausen seinen Posten als größter Lügner aller Zeiten streitig. Denn beim besten Willen, das glauben nicht einmal mehr die dümmsten Journalisten oder Anleger, kann sich Spanien nicht mehr selbst retten.

Im Grunde besteht der wesentliche Unterschied der aktuellen Situation im Vergleich zu noch vor wenigen Monaten darin, dass die zu rettenden Kandidaten einfach zu groß geworden sind. Spanien und Italien passen nicht in das bisherige Rettungsmodell mit ein paar hundert Milliarden Euro, hier werden zig Billionen gebraucht. Das ist der Kern des Problems. Doch das scheinen die Berufsretter in Brüssel und Berlin noch nicht verstanden zu haben (Fettdruck von mir!).

Stattdessen hantieren sie mit denselben Werkzeugen wie bei den bisherigen “Kleinrettungen” herum und glauben, das Modell würde auch bei der viertgrößten Wirtschaft der Eurozone, Spanien, funktionieren. Dasselbe hoffen sie ebenfalls bei ihrer Propaganda. Das Problem ist nur, dass sie genau dadurch jetzt ihre Glaubwürdigkeit verspielen, denn einen Großbrand bei einem Chemiekonzern wird schließlich auch keine freiwillige Dorffeuerwehr in den Griff bekommen, egal wie engagiert die Leute sein mögen.

Diese Trendwende in der Erkenntnis machen gerade die Märkte und erstaunlicherweise endlich auch die Medien durch, zumindest so ganz allmählich. Noch lässt sich das Schlimmste durch diverse Manipulationen zwar verhindern, aber wer weiß, wie lange das noch gelingt. Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Spektakel mit aufmerksamem Blick zu folgen und abzuwarten, welcher Dominostein das große Finale ins Rollen bringt”.

Tja, es liegt an Angela Merkel und ihren Mitstreitern, ob dieses “große Finale” bald kommt oder sie durch aktives Gegensteuern mit sinnvollen Massnahmen (wie sie zum Beispiel George Soros in seiner Rede mit dem Titel “Remarks at the Festival of Economics, Trento Italy” vorgeschlagen hat) dieses “große Finale” verhindern und die Euro-Zone und der Euro dann doch noch gerettet werden.

Um auf das Thema des Auseinanderdriftens der Zinssätze für langfristige Staatsanleihen in der “Eurozone” zurückkommen: Solch eine Entwicklung bricht jedem Währungsraum langfristig das Genick. Am Ende zerbricht dann dieser Währungsraum (=die Eurozone) und die gemeinsame Währung (=Euro). Und auch der vermeintlich “sichere Hafen” Deutschland wird dann wohl massiv beschädigt. Das vermute ich, und das vermutet übrigens auch George Soros. Und auch Paul Krugman wird es nicht anders sehen. Joseph Stiglitz sieht es sicher genauso. Und “Dr. Doom” Nouriel Roubini wird ganz bestimmt der gleichen Meinung sein (er heisst nicht umsonst “Dr. Doom” = “Doomsday“).

Ich habe übrigens selbst auch schon öfters eine ähnliche Graphik in meinem Blog gebracht. Und ich habe sie dem Blog “libri logicorum – Wirtschaft und Politik…logisch” des “Altpiraten” Otmar Scherer-Gennermann entnommen. Otmar hat übrigens am 21. April einen klugen Vortrag über die Euro-Krise bei den Freiburger Piraten gehalten.

In diesem Blog von Otmar Scherer-Gennermannlibri logicorum – Wirtschaft und Politik…logisch” gibt es einen Artikel vom 22. Januar 2012 mit dem Titel “Eurokrise – Vergleich der Kuponzinssätze 10jähriger Staatsanleihen” mit einer entsprechenden Graphik, wo man genau sehen kann, dass seit 2008 die Kuponzinssätze der 10jährigen Staatsanleihen in der Euro-Zone gnadenlos auseinanderdriften.

Auf der einen Seite habt ihr drei “PIIGS“-Staaten: Spanien, Portugal und Griechenland. In diesen Ländern sind die Zinssätze seit 2008 massiv gestiegen. Im Mittelfeld habt ihr Frankreich in einer prekären “Mittelstellung“. Hier steigen die Zinssätze seit 2010 ebenfalls. Und am anderen Ende habt ihr Deutschland (Tendenz fallend gegen 0%).

Ich habe diesen Artikel (den Andena17 verfasst hat) übrigens mit mehreren Kommentaren versehen.

Fazit von Andena17 in diesem Artikel: “So betrachtet bietet die derzeitige Situation nicht wirklich einen Grund zum Jubeln, sondern stellt wahrscheinlich nur eine kurze Verschnaufphase dar. Spanien muss nach wie vor die höchsten Zinsen seit 10 Jahren anbieten und ob sich Portugal oder Griechenland kurzfristig wieder eigenes Geld am Markt verschaffen können ist mehr als fraglich. So startet das Jahr 2012 eurokrisentechnisch im Prinzip so, wie das Jahr 2011 beendet wurde – mit tristen Aussichten.”

Tja, wie wahr.

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