Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 48

Heute, am 4.6.2012, kommt ein Artikel in “Zeit-Online” mit dem Titel “Finanzkrise: Unsichere Wirtschaftsaussichten lassen Dax verlieren“. Und in diesem Artikel wird “Klartext” geredet. Lest euch das mal durch. Das sieht gar nicht gut aus, auch nicht für Deutschland.

Der “DAX” ist tatsächlich seit Mitte März um 17 Prozent gefallen, und zwar jetzt unter die “magische Marke” von 6000 Punkten. Und auch der Ibex 35 ist unter 6000 Punkte gefallen.

Wir erfahren in diesem Artikel hierzu: “Sorgen um eine weitere Verschärfung der Euro-Schuldenkrise und eine Verschlechterung der Weltkonjunktur haben den Deutschen Aktienindex (Dax) erstmals seit Anfang des Jahres deutlich fallen lassen, zeitweise um bis zu 1,6 Prozent auf 5.953 Punkte gegenüber dem Handelsschluss am Freitag. Zuletzt hatte er Anfang Januar unterhalb dieser Marke notiert.

Seit seinem Jahreshoch von Mitte März verlor der Leitindex damit mehr als 17 Prozent. Auch in Spanien fiel das Leitbarometer Ibex-35 unter die Marke von 6.000 Punkten. Die Kurse sanken um rund 1,23 Prozent auf 5990,7 Punkte. Damit notierte der spanische Leitindex erstmals seit 2003 wieder unter der 6.000-Punkte-Marke.

Hier habt ihr auf der Website “finanzen.net” die historischen Kursdaten des DAX. Und der historische Höhepunkt im Jahr 2012 war der 16.3.2012 mit 7.157,82 Punkten.

In diesem Artikel vom 4.6.2012 in “Zeit-Online” mit dem Titel “Finanzkrise: Unsichere Wirtschaftsaussichten lassen Dax verlieren werden auch die Gründe für diese massiv negative Börsenentwicklung genannt: “Grund für die schlechte Stimmung an den Börsen ist nicht zuletzt die Bankenkrise Spaniens. Die Regierung in Madrid versucht derzeit, den schwächelnden Finanzsektor des Landes mit Milliardenhilfen zu stützen. Fraglich ist jedoch, ob Spanien dies aus eigener Kraft schaffen kann oder europäische Hilfen in Anspruch nehmen muss. Aufgrund leerer öffentlicher Kassen, einer schwachen Konjunktur sowie hoher Arbeitslosigkeit gilt es als möglich, dass das Land vom Euro-Rettungsschirm gestützt werden muss.

Laut Händlern wirkten vor allem die überraschend schlechten US-Arbeitsmarktdaten nach. Die US-Wirtschaft schuf so wenig neue Stellen wie seit einem Jahr nicht mehr. Der US-Leitindex Dow-Jones-Index schloss am Freitag bereits mit einem Minus von 2,2 Prozent bei 12.118 Punkten. Auch chinesische Konjunkturdaten dämpften die Kauflaune. Das Wachstum im Dienstleistungssektor hat sich nach offiziellen Daten den zweiten Monat in Folge verlangsamt”.

Das heisst, zur “Euro-Krise” mit dem aktuellen Focus auf der spanischen Bankenkrise gesellen sich jetzt noch überraschend schlechten US-Arbeitsmarktdaten und die schwachen chinesische Konjunkturdaten hinzu.

Wie es heute, am 4.6., an den weltweiten Börsen und bei den weltweiten Investoren aussieht, erfahrt ihr ebenfalls aus einem Artikel im österreichischen “Der Standard” mit dem Titel “Börsen und Euro fallen: Anleger leiden unter Spanienkrise.”

Zur aktuellen Entwicklung betreffend der Euro-Zone und des Euros erfahren wir in diesem Artikel: “Notenbanken in den Schwellenländern stoßen die Gemeinschaftswährung seit Wochen in rauen Mengen ab, um damit ihre eigenen Währungen zu  kaufen. Zentralbanker zählten im Moment zu den größten Akteuren auf der  Verkäuferseite, berichtet die “Financial Times” (FT) unter Berufung auf Devisenhändler.

Normalerweise wird ein Euro-Kursverfall von Zentralbanken dazu genutzt, aufzustocken und so ihre Devisenbestände günstig zu diversifizieren. “Vor einem Jahr halfen die Zentralbanken noch, den Euroverfall zu bremsen”, sagte Richard Cochinos, Devisenstratege der Bank of America, der Zeitung.

Zu der aktuellen und der noch zur erwartenden Entwicklung betreffend der Euro-Zone und des Euro erfahren wir in diesem Artikel weiterhin: “Das alles drückt auf die Börsen. Sowohl der deutsche Leitindex DAX als auch sein österreichisches Pendant ATX schwächeln zu Wochenbeginn. Der Euro liegt deutlich unter 1,25 US-Dollar, der Ölpreis (Brent) bei knapp 97 US-Dollar (79 Euro). Mehr dazu finden Sie in unseren Marktberichten.

Analysten sehen den Euro auch weiterhin fallen. Viele von ihnen halten angesichts der gravierenden Probleme in der Euro-Zone kurzfristig Kurse unter 1,20 Dollar für realistisch. Selbst die Parität zur US-Währung wird in den Szenarien der Experten durchgespielt. “Obwohl die Märkte überverkauft sind und die Stimmung schon sehr düster ist, hat die Erfahrung uns gelehrt, dass es unter genau diesen Bedingungen noch einmal richtig schlimm bergab gehen kann”, sagt Stewart Richardson, der für den britischen Vermögensverwalter RMG die Investmentstrategie verantwortet”.

Hier habt ihr einen weiteren Artikel von heute, dem 4.6., aus dem österreichischen “Der Standard” mit dem TitelTrotz Geldmangels: Spanien sträubt sich gegen Rettungsschirm“.

Zur aktuellen Situation in Spanien wird in diesem Artikel unter anderem bemerkt: “Spaniens zehnjährige  Staatsanleihen wurden am Freitag mit 6,6 Prozent Zins gehandelt und  liegen damit nur noch wenige Zehntel unter dem Wert, der Griechenland,  Portugal und Irland unter den Rettungsschirm zwang.”

Hinsichtlich der aktuellen Situation des spanischen Bankensektors heisst es in diesem Artikel: “Einst beim Stresstest hoch gelobt, bietet der spanische Finanzsektor ein desolates Bild. Das Problem sind toxische Aktivposten aus dem  Immobiliengeschäft. Allein die Sanierung von Bankia  – ein  Zusammenschluss von sieben Sparkassen rund um die hauptstädtische Caja Madrid – kostet 23 Milliarden Euro. Die restliche Branche brauche je  nach Quelle weitere 25 bis 65 Milliarden Euro. Hinzu kommt der  Finanzbedarf der Regierung und der Regionen von geschätzten 250 Milliarden  Euro für dieses Jahr. Beim derzeitigen Risikozuschlag von deutlich über  500 Punkten ist dies nicht einmal mittelfristig finanzierbar.

Was die Idee angeht, Spanien komplett unter den Rettungsschirm zu holen, wird in diesem Artikel zurecht bemerkt: “Brüssel bereitet sich auf das Schlimmste vor und schaut dabei nach  Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine direkte Rettung der  spanischen Banken mit europäischem Geld ab. Sie scheint in eine Richtung  zu denken, die angesichts der Größe Spaniens lange als völlig unmöglich galt. Das Land soll als Ganzes unter den Rettungsschirm schlupfen”.

Die Zeit drängt. Denn je nachdem, wie am 17. Juni die Wahlen in  Griechenland ausgehen, droht der völlige Zusammenbruch nicht nur für  Spanien, sondern auch für Italien, dessen zehnjährige Staatsanleihen  mittlerweile mit 5,3 Prozent gehandelt werden”.

Tja, so sieht es aus. Vielleicht sollte man Mariano Rajoy ein schmackhafteres Angebot machen als diese Idee ganz Spanien unter den Euro-Rettungsschirm zu schieben. Ausserdem glaube ich nicht, dass der Euro-Rettungsschirm für ein so grosses Land wie Spanien (viertgrösste europäische Volkswirtschaft) finanziell gut genug ausgestattet ist.

Es sieht also für Spanien und Portugal vielleicht nicht ganz so schlecht aus, aus welchen Gründen auch immer.

In der indischen Website Business-Line erfahren wir in einem Artikel vom 4.6. mit dem Titel “Asian markets tumble on poor US jobs data” was zur Zeit an den asiatischen Börsen und Finanzmärkten los ist: Die rutschen unter dem Eindruck der spanischen Bankenkrise und den mageren Zahlen zur Konjunkturentwicklung im US-Raum langsam in den Keller.

In diesem Artikel heisst es: “Asian markets tumbled further today as poor US jobs data added to already weak sentiment caused by Spain’s banking crisis and political uncertainty in Greece. Dealers were also digesting a string of manufacturing figures from Asia to the United States that pointed to a global economic slowdown. Tokyo fell 2.00 per cent by the break, with electronics giant Sony the stand-out loser, as it fell below 1,000 yen for the first time since 1980. Hong Kong shed 2.33 per cent, Shanghai was 1.24 per cent lower, Sydney skidded 1.84 per cent and Seoul lost 2.60 per cent. Washington said on Friday that the economy added a meagre 69,000 jobs in May — the slowest rise for 12 months — while the unemployment rate rose for the first time in almost a year to 8.2 per cent. The Labour Department also slashed its estimate of April job gains by 33 per cent to 77,000. The market has softened in recent months from an average gain of 226,000 in the first three months of the year. The disappointing numbers came after the government said the world’s largest economy slowed from an annual growth rate of 3.0 per cent in the final quarter of 2011 to a 1.9 per cent pace in January-March, too weak a pace to dent unemployment. They also compounded investor woes after purchasing manager indices for May from China, India, the Euro zone and the United States all came in lower, underlining the weak state of the global economy. The Dow fell 2.22 per cent — leaving it in the red for the first time in 2012 — while the broad-based S&P 500 tumbled 2.46 per cent and the Nasdaq Composite sank 2.82 per cent”.

Tja, anscheinend steuern wir langsam auf eine weltweite Rezession zu.

Heute, am 4.6.2012, erscheint in der “Süddeutschen Zeitung” der gleiche Artikel von Joschka Fischer, den ich schon ausführlich zitiert und kommentiert habe. Dieser Artikel mit dem Titel “The Threat of German Amnesia” erschien zuerst am 25.5 in “Project Syndicate” und am 3.6. in spanischer Übersetzung in der Madrider Zeitung “El País” unter dem Titel “La amenaza de la amnesia alemana“. Und heute, am 4.6., erscheint er dieser Artikel von Joschka Fischer in der “Süddeutschen Zeitung” unter dem Titel “Europäische Finanzkrise: Europa steht in Flammen.”

Ich habe übrigens gerne im Feuilleton der FAZ gearbeitet. Das war eine gute Zeit für mich damals.

Heute, am 4.6., bringt “Welt-Online” einen Artikel mit dem Titel “Spanien will nicht unter Euro-Rettungsschirm: Noch widersteht Madrid dem Druck aus Berlin.”

Nun, lest euch diesen Artikel in Ruhe durch. Von den Fakten her kommt hier nichts wesentlich Neues, die sind schon seit einigen Tagen bekannt. Wiie brandgefährlich die aktuelle Situation  ist, zeigen die heutigen Reaktionen an den internationalen Finanzmärkten und Börsen und der Kursabsturz des Euro, über den ich anhand von mehreren heutigen Artikeln schon ausführlich geredet habe.

Entscheidend in dieser Sache war und ist nicht zuletzt weiterhin die bisher durchgeführte Austeritätspolitik der europäischen wirtschaftlichen Führungsmacht Deutschland und konkret der aktuellen schwarz-gelben Regierungskoalition unter Angela Merkel (“Kabinett Merkel II“) in Europa.

Und natürlich entscheiden jetzt auch Angela Merkel und ihre Mitstreiter unter anderem auch, wie diese Sache ausgeht. Wenn der Euro und die Euro-Zone tatsächlich in den nächsten Wochen zerbrechen sollten, ist dies auch die Schuld von Angela Merkels und ihren Mitstreiter, nicht zuletzt von Wolfgang Schäuble und Guido Westerwelle.

Angela Merkel und ihr Kabinett (“Kabinett Merkel II“) sind die Verantwortlichen für dieses aktuelle Desaster und sie werden jetzt auch darüber entscheiden, ob der Euro und die Euro-Zone weiterexistieren wird oder eben zerbricht. Europäische wirtschaftliche Führungsmacht zu sein ist nun mal nicht nur ein Privileg, sondern eben auch eine verpflichtende Position mit hoher Verantwortung. Man kann nicht das eine wollen und zugleich das andere ablehnen. Es gehört immer beides zusammen.

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