Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 41

Mit den Erwartungen der deutschen Wirtschaft sieht es jetzt anscheinend auch nicht mehr so toll aus. Hier habt ihr einen Artikel aus der “Berliner Morgenpost” vom 24.5. “Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt.”

Ich möchte das jetzt nicht im einzelnen zitieren, was hier gesagt wird, lest euch das selbst mal durch, wenn ihr wollt. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft werden jetzt deutlich trüber eingeschätzt, natürlich unter anderem wegen der gestiegenen Unsicherheit in der Euro-Zone und auch der Griechenland-Krise. Die Spanien-Krise wird hier komischerweise nicht erwähnt.

Wie sehr jetzt sowohl Spanien als auch Italien in den Krisenstrudel und die Rezession gerissen werden, zeigt ein Artikel in “Spiegel-Online” vom 28.5. mit dem Titel “Euro-Krise Investoren misstrauen Spanien” Die Risiko-Aufschläge für die Staatsanleihen der beiden Länder steigen in letzter Zeit rasant an.

Dazu heisst es in diesem Artikel: “Die Geldbeschaffung für Spanien und Italien wird zunehmend teurer: Am Pfingstmontag zogen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen in beiden Ländern weiter an. In Spanien stieg der Aufschlag für richtungweisende Zehnjahrespapiere auf einen neuen Rekordstand von 508 Basispunkten. Das bedeutet, dass Spanien im Vergleich zu Deutschland zurzeit einen so hohen Zinsaufschlag wie noch nie seit der Euro-Einführung bieten muss: Während Deutschland mit aktuell 1,37 Prozent so wenig Zinsen wie nie für zehnjährige Schulden zahlt, muss Spanien mit rund 6,41 Prozent ein Vielfaches dessen und so viel Rendite wie selten zuvor bieten. Deutschland gilt unter Investoren als einer der kreditwürdigsten Schuldner.

Bei den kurzen Laufzeiten von zwei Jahren stand Italien noch mehr unter Druck. Dort legten die Renditen – also die Kombination aus Nominalzins und Anleihekurs – spürbar stärker zu als in Spanien. Mit insgesamt drei Anleihen besorgte sich der italienische Staat am Montag 4,25 Milliarden Euro. Die zu zahlenden Renditen zogen im Vergleich zu früheren Versteigerungen weiter an. Bei einem zweijährigen Staatstitel stieg sie binnen Monatsfrist auf 4,037 Prozent – ein Plus von knapp 0,7 Punkten. Zum Vergleich: Deutschland kann sich in dieser Laufzeit praktisch zum Nulltarif refinanzieren.

Im Klartext: Die Anleger flüchten aus den spanischen und italienischen Anleihen alle in die deutschen Staatsanleihen.

Komisch, dass in diesem Spiegel-Artikel in “Spiegel-Online” vom 28.5. mit dem Titel “Euro-Krise Investoren misstrauen Spanien” gar nicht mehr von der Austeritätspolitik und von den Defizitzielen die Rede ist. Auch scheint sich kein Spiegel-Journalist daran zu erinnern, dass Mario Monti  früher als Vorzeige-Technokrat einer erfolgreichen italienischen Sparpolitik gefeiert wurde, während die Ursachen für die griechische Pleite in der laxen Steuermoral und Faulheit der Griechen gesucht wurde.

Wie man aber sieht, kommt auch Mario Monti mit diesem deutschen Spar-Schrumpf-Rezept nicht wirklich weiter. Könnte es sein, dass die Pleite-Welle in Südeuropa eher dem deutschen Spar-Schrumpf-Rezept verschuldet ist und weniger dem Griechischen Volkscharakter? Wenn das Spar-Schrumpf-Rezept wirklich was taugt, müsste doch der Vorzeige-Technokrat Mario Monti damit gute Ergebnisse erzielen, hm?

Nein, er erzielt keine guten Ergebnisse. Zeit, vielleicht auch mal das deutsche Spar-Schrumpf-Rezept zu hinterfragen, anstatt mit dem vermeintlichen “Volkscharakter” der “verschwenderischen” und “faulen” Südeuropäer zu argumentieren.

Übrigens: Auch die italienischen Banken gehen schon seit einiger Zeit in den Keller. Hier habt ihr einen Artikel vom 14.5. mit dem Titel “Schuldenkrise Moody’s stuft 26 italienische Banken herab

Zu den italienischen Banken heisst es hier: “Die Ratingagentur Moody’s hat in einem Rundumschlag insgesamt 26 italienische Banken herabgestuft. Unter den Instituten sind auch Branchengrößen wie UniCredit und Intesa Sanpaolo. Der Ausblick für alle Betroffenen ist negativ, das heißt, es droht eine weitere Abstufung.

Moody’s begründete den Schritt am späten Montag in erster Linie mit der schlechten wirtschaftlichen Verfassung von Italien. Das Land sei in die Rezession zurückgefallen, erklärte die Ratingagentur. Das staatliche Sparprogramm laste auf der Nachfrage. Gleichzeitig stiegen die problematischen Kredite und die Gewinne der Institute gingen zurück. Zudem sei es für die Banken schwieriger geworden, sich am Markt frisches Geld zu besorgen”.

Also genau wie bei den spanischen Banken fangen auch bei den italienischen Banken die Abratungsrunden an.

Hier habt ihr einen Artikel in “Welt-Online” vom 29.5. mit dem Titel “Euro-Krise kehrt mit Wucht zurück“.

In diesem Artikel heisst es zu Spanien und Deutschland: “Während für deutsche Bonds, die als sichere Anlagemöglichkeit gelten, mickrige 1,37 Prozent Zinsen fällig werden, lag die Rendite von spanischen Papieren mit 6,41 Prozent um ein Vielfaches höher. Damit kletterte der Risikoaufschlag für Spanien-Anleihen auf den höchsten Wert seit der Einführung des Euro.

Zu Italien heisst es hier:Das Gleiche gilt für Italien. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion geriet ebenfalls unter Druck. Zwar gelang es Italien am Montag, sich 4,25 Mrd. Euro am Kapitalmarkt zu leihen, es musste aber höhere Zinsen bieten als bei den vergangenen Auktionen. Für Anleihen mit zweijähriger Laufzeit verlangten die Anleger 4,04 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Monat. Zum Vergleich: Deutschland bekam kürzlich Geld für diesen Zeitraum praktisch umsonst geliehen”.

Im Klartext: Die Risikoaufschläge für Spanien und Italien schiessen hoch, die für Deutschland gehen in den Keller. Der Grund: Die deutschen Anleihen gelten als sicher, die spanischen und italienischen eben nicht.

Dass das deutsche und Brüsseler Sparprogramm auch in Portugal gescheitert ist, zeigt der Artikel vom 11.4. in “Zeit-Online” “Schuldenkrise: Portugals täuschend guter Eindruck

Dieser zweiteilige Artikel, den ich jetzt hier nicht ausführlich zitiere, zeigt, dass das deutsche und Brüsseler Sparprogramm auch in Portugal gescheitert ist. Auch Portugal ist voll in die Rezession und Arbeitslosigkeit geschlittert.

Also im Klartext: In keinem einzigen südeuropäischen Land hat das Brüsseler und deutsche Spar-Schrumpf-Programm wirklich funktioniert. Vielleicht sollte man sich dann mal was anderes einfallen lassen, oder nicht?

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