Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 35

Mit diesen Verlautbarungen über “Focus-Online” mit dem Titel “Verflechtung mit Euro-Krisenland: Finanzbranche hat in Spanien 100 Milliarden im Feuer” soll vielleicht einfach massiv beschwichtigt werden und man will den deutschen Wählern anscheinend nicht klar machen, was für gigantische Risiken für die ganze Euro-Zone und nicht zuletzt für Deutschland in einer möglichen Pleite Südeuropas stecken.

Also 100 Milliarden, das glaube ich niemals, das werden viele Hunderte von Milliarden sein, schätze ich. Ausserdem würde der Zusammenbruch des spanischen Bankensektors (zu dem systemisch wichtige Riesenbanken wie der “Banco Santander” gehören) eine schwere, weltweite systemische Bankenkrise auslösen.

Wer übrigens diesen Senf hier in “Focus-Online”  in diesem Artikel mit dem Titel “Verflechtung mit Euro-Krisenland: Finanzbranche hat in Spanien 100 Milliarden im Feuer” verlautbaren lässt, ist der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler (intellektuell wahrscheinlich auf dem Niveau von Guido Westerwelle).

Frank Schäffler lässt in diesem Artikel weiterhin verlautbaren: „Spanien hat seine Bankenkrise verschleppt und bekommt jetzt die Rechnung dafür präsentiert.“ Die Verschuldung und das Defizit würden rasant steigen. „Das sind noch keine griechischen Verhältnisse, aber es erinnert sehr stark an den Beginn der Schuldenkrise im Frühjahr 2010.“

Was hier Frank Schäffler sagt, ist Quatsch: Die spanischen Banken sind in jeder Hinsicht Teil des europäischen und weltweiten Bankensystems und unter anderem ist die spanische Zentralbank (Banco de España) Teil der EZB (und damit unter anderem an den Target-2-Mechanismus) gekoppelt. Wenn Spanien fällt, dann bekommt die ganze Euro-Zone mitsamt Deutschland und wahrscheinlich die ganze Weltwirtschaft eine gigantische Rechnung präsentiert.

Und wir haben in Spanien auch keine “Verschuldungskrise“. Das habe ich übrigens schon ausführlich erklärt.

Vor dem Zusammenbruch der spanischen Immobilienblase (Ende 2007/Anfang 2008) war Spanien fiskalpolitisch sogar “sparsamer” als Deutschland, und ich habe das in diesem Blogartikel schon klar erklärt und gezeigt (Schaut euch hierzu nochmals den Artikel von Paul Krugman vom 1. Mai 2011 mit dem Titel “Fiscalization and Hellenization” an)

Frank Schäffler ist ein alberner Agent der deutschen neoliberalen Lobbys, deren Mitglieder auf dem Niveau einer “schwäbischen Hausfrau” sind. Deren Wirtschaftsgebaren ist auch die Leitschnur von Typen wie Frank Schäffler.

Schaut euch dazu den Artikel auf dem Blog der neoliberalen Lobby INSM mit dem Titel “Die schwäbische Hausfrau” an. Das ist das Niveau der Wirtschaftsexperten (?!) von CDU und FDP und Angela Merkel und Konsorten.

Wie es mit den spanischen Banken aussieht, erfahren wir heute, am 25.5., aus einem anderen Artikel in “Focus-Online”, der anscheinend mit mehr Hirn verfasst wurde als der oben von mir zitierte mit dem Titel “Verflechtung mit Euro-Krisenland: Finanzbranche hat in Spanien 100 Milliarden im Feuer“, in dem Frank Schäffler seinen Senf zum Besten gibt.

Dieser Artikel in “Focus” vom 25.5. (verfasst von “Reuters“) hat den Titel “Spanische Sparkasse: Bankia-Rettung könnte 15 Milliarden Euro kosten“.

In diesem Artikel heisst es: “Die Bankenkrise wächst der spanischen Regierung über den Kopf. Die Rettung der verstaatlichten Groß-Sparkasse Bankia wird offenbar deutlich teurer werden als erwartet. EU-Finanzhilfen könnten die letzte Rettung sein.Wie ein Finanz-Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag sagte, wird das Institut den Staat am Freitag bei der Vorlage eines Restrukturierungsplanes um eine Geldspritze von mehr als 15 Milliarden Euro bitten. Weder das Geldhaus noch die spanische Regierung wollte sich zu der Angelegenheit äußern“.

Die Regierung hatte erst am Mittwoch den Finanzbedarf auf mindestens neun Milliarden Euro beziffert. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte versichert, die Regierung werde den Bedarf der Großsparkasse voll decken.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone droht vor allem wegen der gravierenden Probleme der Banken immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise zu geraten und diese dramatisch zu eskalieren. Die Verluste bei Bankia sind ein wichtiger Grund für die Sorge der Finanzmärkte, dass die Bankenprobleme die Regierung dazu zwingen könnten, Finanzhilfe bei der EU zu beantragen”.

Und das  Fazit dieses Artikels (korrekt und sachlich): “Spanien leidet schwer unter den Nachwehen einer vor vier Jahren geplatzten Immobilienblase, die dem Land inzwischen eine zweite Rezession und eine rekordhohe Arbeitslosigkeit eingebrockt haben”.

So ist es. Ursache der ganzen Misere ist die Ende 2007/Anfang 2008 geplatzte Immobilienblase. Mit einer “Verschuldungskrise” hat das nichts zu tun. Die Journalisten von “Reuters” können anscheinend klar denken.

Und vielleicht hätte die Journalisten von “Reuters” noch sachlicherweise hinzufügen können, dass das  Spardiktat Brüssels, Deutschlands und der “Troika” die Sache in Spanien noch deutlich verschlimmert hat.

Das habe ich ja auch schon ausführlich erklärt, warum dies im Fall von Spanien besonders ungünstig war. Denn mit dem jedem Spanier, der wegen der Brüsseler und deutschen Sparauflagen seinen Job verloren hat (weil sich seitdem Spanien massiv in eine Rezession reinbewegt), kam bei der betreffenden finanzierenden Bank ein “faulerImmobilienkredit hinzu.

Denn fast alle Spanier und natürlich auch die meisten Immigranten (die seit dem Ausbruch auch oft wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind) haben vor dem Platzen der Immobilienblase eine Wohnung oder ein Haus gekauft. Und in dem Moment, wo man arbeitlos wird, kann man die entsprechenden monatlichen Kredit-Raten nicht mehr bezahlen.

Die Wohnung und das Haus fallen dann an die finanzierende Bank (die damit in der Regel zumindest jetzt in Zeiten der Rezession in Spanien nichts anfangen kann). Und die betreffende finanzierende Bank hat dann einen “faulen” Immobilienkredit mehr in ihren Bilanzen und eine leerstehende Wohnung oder ein leerstehendes Haus, mit denen sie nichts anfangen kann.

So läuft das. Und ich habe es oft genug erklärt. (Seht hierzu nicht zuletzt meinen Blogartikel  “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit“).

Woher ich das übrigens weiss? Ganz einfach. Mein Onkel Professor Dr. Ramón Rodríguez García (Philosophieprofessor an der Universidad Complutense) hat mir schon vor weit über einem Jahr erzählt, dass in Madrid jeden Tag Leute, die ihren Job verloren haben, bei ihrer finanzierenden Bank vorbeigehen und die Hausschlüssel auf den Tisch des dafür zuständigen Bankangestellten legen.

Das passiert in Madrid x-mal täglich bei vielen Madrider Banken, und es läuft so im Prinzip seit dem Platzen der Immobilienblase Ende 2007/Anfang 2008. Jeder gut informierte Madrider weiss das seit mehreren Jahren. .

Anscheinend hat die Entscheidung der G 8 am 19.5. in Camp David, Griechenland in der Euro-Zone zu halten, auch dafür gesorgt, dass sich der Anleihemarkt für Spanien etwas entspannt hat. Zur Entscheidung der G 8 in Camp David siehe den Artikel aus “Welt-Online” vom 19.5. mit dem Titel “G 8 – Griechenland soll in Euro-Zone bleiben“.

Zum spanischen Anleihemarkt siehe den Artikel vom 21.5. in Focus-Online mit dem Titel “Anleihemarkt: Lage in Spanien trotz höherem Defizit 2011 leicht entspannt“.

In diesem Artikel heisst es ganz klar: “Im richtungsweisenden Zehnjahresbereich sank die Rendite am spanischen Rentenmarkt am Montag leicht um zwei Stellen auf rund 6,2 Prozent. Das Renditeniveau ist aber immer noch bedenklich: Höher hatte es nach der Euro-Einführung nur im Herbst 2011 gelegen, als die Rendite deutlich über 6,5 Prozent gestiegen war. Seinerzeit hatte sich die Europäische Zentralbank (EZB) dazu gezwungen gesehen, die Lage mit zwei riesigen Geldspritzen über insgesamt eine Billion Euro zu beruhigen. Die Wirkung dieser Liquiditätsflut hat zuletzt aber nachgelassen”.

Die Eurobonds wären also für Spanien (und wohl auch für Italien) eine grosse Hilfe. Aber Angela Merkel und Konsorten haben gestern auf dem EU-Sondergipfel in Brüssel wieder zugeschlagen und wieder mal ihr Veto eingelegt. Darauf beschränkt sich im übrigen im wesentlichen die ganze Tätigkeit von Angela Merkel und Konsorten seit Ausbruch der Euro-Krise.

Über all diese Vorgänge berichtet ein Artikel aus “Welt-Online” vom 24.5. mit dem Titel “EU setzt in Kampf gegen Schuldenkrise auf Wachstum“. Der Titel ist leider irreführend. Und wieder wird von der “Schuldenkrise” geredet. Ich habe schon oft genug erklärt, warum wir eigentlich keine “Verschuldungskrise“, sondern eine Krise des europäischen Finanz– und Bankensystems haben. Anscheinend sind auch manche Journalisten nicht lernbereit.

Angela Merkel setzt nämlich auf  Wachstum, aber nur rhetorisch. Zahlen will sie für dieses Wachstum nicht, das liest man auch aus jeder Zeile dieses Artikels heraus.

Nun, Wachstum umsonst gibt es nicht. Das ist nun mal so. Diese “Struktur-” und “Arbeitsmarktreformen”, von denen seit Jahren geredet wird, sind in der Regel ein Schwachsinn. Das bringt nichts und hat auch bisher in den südeuropäischen Krisenländern (wo man diese Struktur- und Arbeitsmarktreformen zum Teil schon massiv durchgeführt hat) wenig gebracht.

François Hollande wäre bereit, für das zu erzielende Wachstum in den europäischen Krisenländern zu zahlen und will die Eurobonds.

Was soll man da machen. Hollande ist politisch und auch wirtschaftspolitisch viel intelligenter als deutschen Neoliberalen.

Guido Westerwelle wäre als Jugendlicher fast am Abitur gescheitert. Lest auch mal den Wikipedia-Eintrag zu Guido Westerwelle durch.

Da heisst es:Westerwelle besuchte ein Gymnasium, wechselte nach dem ersten Jahr zur Realschule Oberdollendorf in Königswinter, da seine schulischen Leistungen am Gymnasium als nicht ausreichend erachtet wurden. Die Realschule schloss er mit der mittleren Reife ab. Nach der Realschule wechselte er auf das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bonn, wo er 1980 sein Abitur machte”.

Guido Westerwelle  hat überhaupt nur über Umwege ein Abitur geschafft. Und so jemand wird deutscher Außenminister und macht Deutschland in der ganzen Welt lächerlich. Bei Angela Merkel ist es auch nicht viel besser. Die mag auch kein Südeuropäer mehr.

Als ich vor knapp zwei Monaten in Madrid war, haben alle spanischen Zeitungen (vor allem die führende spanische Zeitung “El País“) nur noch über “Merkozy” gehöhnt. Und ein “Merlande” wird es anscheinend nicht geben. Merkel und Hollande werden sich nicht einig. Und das ist auch logisch so. Nicolas Sarkozy war ein reaktionärer Gaullist. So etwas passt gut zu Merkel. François Hollande gehört der französischen Sozialistischen Partei an. Hollande verbindet mit Merkel wenig.

Wie es in Europa mit den Banken aussieht, darüber berichtete gestern, am 24.5., die “FTD” in einem Artikel mit dem Titel “Krisenbanken: Bilanz-Alchemie nervt Investoren“.

Anscheinend schrauben die europäischen Banken an den Bilanzen rum, um die Auflagen von Europas Bankenaufsicht “European Banking Authority” erfüllen zu können. Den europäischen Banken fehlt anscheinend massiv Geld und die potentiellen Aktionäre sind mehr als skeptisch bei diesem ganzen faulen Bilanzzauber, den die europäischen Banker zur Zeit veranstalten.

Dazu heisst es in diesem Artikel: “Eigentlich gilt Commerzbank-Chef Martin Blessing als besonders clever. Er hat die 5,3 Mrd. Euro großen Eigenkapitallücke, die Europas Bankenaufsicht EBA seinem Haus attestiert, auch dadurch stopfen können, dass er seine riskanten Bilanzposten neu berechnet. 1 Mrd. Euro, so Blessings Rechnung, wird allein dadurch freigesetzt, dass die Commerzbank für Kredite niedrigere Risiken ansetzt als bisher und sie diese Darlehen mit weniger Eigenkapital gegen einen Ausfall absichern muss – mit Genehmigung der deutschen Finanzaufsicht übrigens.

So wie Blessing machen es dieser Tage viele Bankchefs, schließlich müssen insgesamt 70 Geldhäuser in Europa auf Druck der EBA bis Ende Juni 109 Mrd. Euro an Eigenkapital auftreiben, um Lücken zu schließen, die ihr letzter Stresstest ermittelt hat. Damit sollen die Banken krisenresistenter werden. Doch die wenigsten sind in der Lage, neue Aktionäre anzuwerben – zu unsicher ist die Lage, zu groß sind die Preiszugeständnisse, die sie machen müssten. Also schrauben sie an ihren risikogewichteten Vermögenswerten herum – in der Regel sind das Kredite und Wertpapiere.

Doch die clevere Buchführung hilft nicht nur, Kapitallücken zu stopfen. Sie führt auch dazu, dass Profi-Anleger – Fonds, Versicherer, Pensionskassen – zunehmend misstrauisch werden, wie die britische Großbank Barclays in einer Umfrage herausgefunden hat. Insgesamt befragte Barclays 130 institutionelle Investoren aus Europa, Asien und den USA, die zusammen Aktien im Wert von rund 6000 Mrd. Dollar verwalten, was sie von der Trickserei halten. Das Ergebnis: nicht viel. Satte 63 Prozent der Befragten haben der weitaus weniger Vertrauen in die Rechenmodelle der Banken als noch vor einem Jahr, lautet das wichtigste Ergebnis der Erhebung. Und sogar 83 Prozent sind dafür, die Möglichkeiten der Banken, ihre Risikoposten selbst zu berechnen, radikal zu beschneiden”

Hoffnungsvolles (?!) Fazit in diesem Artikel: “Immerhin: Die Aufseher sind nicht tatenlos. Während in den USA die Skepsis gegenüber der eigenmächtigen Bewertung der Risikoposten durch Banken ohnehin traditionell groß und der interne Ratingansatz verpönt ist, nehmen die EBA und der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die unterschiedliche Herangehensweise der Banken derzeit genau unter die Lupe. Der Baseler Ausschuss denkt überdies gerade darüber nach, für die Unterlegung des Handelsbuchs einer Bank mit Eigenkapital Mindestgrenzen einzuführen. Im Handelsbuch parken Banken Wertpapiere für den raschen Weiterverkauf, im sogenannten Bankbuch stehen längerfristigere Anlagen”.

Na ja, wenn das mal wahr ist. Ich hoffe, das ist hier kein Zweckoptimismus von Tim Bartz, der diesen Artikel verfasst hat.

Den US-Banken scheint es hingegen besser zu gehen. Die machen wieder fette Geschäfte, wie vor der Finanzkrise ab 2007, so berichtet zumindest ein Artikel aus “FTD” vom 24.5 (also auch von gestern) mit dem Titel “Kreditinstitute: US-Banken kassieren wie vor der Krise.”

Es sieht sowieso schon seit mehreren Wochen so aus, als wenn die USA jetzt in jeder Hinsicht besser dastehen als die Euro-Zone (das gilt auch ganz massiv für die Wachstumsprognosen für jeweils die USA und für die Euro-Zone). Über diese Sache habe ich ja schon ausführlich berichtet.

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