Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 31

In der “Financial Times Deutschland” erscheint heute, am 23.5., ein Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Euro-Regierungen planen den Griechen-Notfall.”

In diesem Artikel erfahren wir, dass das Fussball-Spiel “Deutschland gegen den Rest der Welt” weiterläuft. Dazu heisst es hier: “Eine Lösung der Griechen-Krise ist nicht in Sicht. In der Frage, ob Eurobonds helfen können, sind Deutschland und Frankreich weiter tief gespalten. Berlin bleibt bei seinem Nein zu gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder. Unmittelbar vor dem EU-Sondergipfel am Mittwochabend in Brüssel bekräftigte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) seine Absage an Eurobonds wie sie vor allem Frankreich fordert. “Das würde ja bedeuten, dass wir falsche Anreize geben”, sagte Schäuble dem Sender NDR“.

Ansonsten wird der mögliche Austritt Griechenlands jetzt von den jeweiligen nationalen Regierungen der Euro-Zone anscheinend vorbereitet.

Dazu heisst es in diesem Artikel: “Eine Arbeitsgruppe der Euro-Länder hat die Regierungen aufgefordert, nationale Notfallpläne für den Fall eines Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft auszuarbeiten. Jeder einzelne Staat müsse seinen eigenen Plan vorbereiten, sagten zwei Vertreter der Währungsunion am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.Dies sei am Montag während einer Telefonkonferenz der Arbeitsgruppe, die aus Vertretern aller 17 Euro-Länder besteht und die Treffen der Finanzminister vorbereitet, verabredet worden”.

Interessant sind die letzten beiden “beiläufigen” (?!) Zeilen dieses Artikels mit dem Titel “Schuldenkrise: Euro-Regierungen planen den Griechen-Notfall“: “Der Euro gab am Mittwoch weiter nach und fiel auf den tiefsten Stand seit August 2010. Im Vormittagshandel sank die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,2616 Dollar. Als Grund für den jüngsten Kursrutsch nannten Händler enttäuschende Konjunkturdaten aus Italien“.

Im Klartext: Jetzt hat es auch Italien voll erwischt. Italien rutscht in eine massive Rezession. Und Italien ist die drittstärkste Volkswirtschaft in Europa. Geht es mit Italien bergab, wird der Euro kräftig mitruntergezogen. Und der Dollar wird vergleichsweise stärker (die amerikanischen Konjunkturdaten sind deutlicher besser als die der Euro-Zone, darüber habe ich schon geredet). So ist das.

Gestern, am 22.5, hat sich in “Financial Times Deutschland” auch Nouriel Roubini zum möglicherweise kommenden Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone geäussert, in einem Artikel “Roubini: Griechenland raus aus der Euro-Zone“.

Nouriel Roubini bemerkt in diesem Artikel: “Der einzige Ausweg besteht in einer Insolvenz Griechenlands und dem Ausstieg aus dem Euro. Sie beschränken die Kollateralschäden für das Land und die Euro-Zone auf ein Minimum.Der Schuldenschnitt für Griechenland war viel zu gering. Doch selbst bei einem deutlich größeren Erlass der griechischen Staatsschulden ist Wachstum nur möglich, wenn die Wettbewerbsfähigkeit schnell wiederhergestellt wird. Aber alle dahin gehenden Optionen erfordern eine reale Währungsabwertung. Die erste Möglichkeit – eine deutliche Schwächung des Euro – ist unwahrscheinlich, da Deutschland stark ist und die EZB die Geldpolitik nicht in aggressiver Weise lockert.

Genauso unwahrscheinlich ist eine schnelle Senkung der Lohnstückkosten durch Strukturreformen, die dafür sorgen, dass das Produktivitätswachstum die Lohnzuwächse übersteigt. Deutschland hat zehn Jahre gebraucht, um seine Wettbewerbsfähigkeit so wiederherzustellen. Griechenland kann nicht eine Dekade in einer Depression verharren. Und auch die dritte Option, eine rasche Preis- und Lohndeflation, würde zu einer fünf Jahre langen Depression führen.

Wenn also keine dieser drei Optionen praktikabel ist, bleibt nur der Austritt aus der Euro-Zone. Die Rückkehr zu einer nationalen Währung und eine steile Abwertung würden schnell für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum sorgen.

Das wäre ein traumatischer Prozess, nicht nur für Griechenland. Das wichtigste Problem dabei wären die Kapitalverluste, die Finanzinstituten innerhalb der Euro-Zone entstünden. Die Auslandsschulden der griechischen Regierung, der Banken und Unternehmen in Euro würden über Nacht in die Höhe schnellen. Aber diese Probleme sind lösbar. Argentinien hat es 2001 vorgemacht, als es seine Dollar-Schulden “pesofizierte”. Die USA taten 1933 Ähnliches, als sie den Dollar stark abwerteten.

Eine Umstellung der griechischen Euro-Schulden auf die Drachme ist unvermeidlich. Die Verluste, die die Banken der Euro-Zone erleiden würden, wären zu bewältigen, wenn die Banken ordnungsgemäß und aggressiv mit neuem Kapital versorgt würden. Um einen Zusammenbruch des griechischen Bankensystems nach dem Ausstieg zu vermeiden, wären Maßnahmen wie die temporäre Schließung der Banken und Kapitalkontrollen erforderlich, um einen ungeordneten Sturm auf die Einlagen zu verhindern. Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) sollten den griechischen Banken durch direkte Kapitalspritzen helfen. Die europäischen Steuerzahler würden damit praktisch das griechische Bankensystem übernehmen – aber das wäre eine Teilentschädigung für die Verluste, die den Gläubigern durch Umstellung auf die Drachme zugefügt werden”.

Gut, also so ungefähr das Szenario von “Dr. Doom” Nouriel Roubini für einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone.

Lest euch diesen Artikel in Ruhe durch, wenn ihr wollt.

Nouriel Roubini sagt hier übrigens auch noch folgendes: “Auch die Behauptung, die von einem Ausstieg Griechenlands ausgehende Ansteckung würde andere in die Krise ziehen, geht an der Realität vorbei. Andere Peripherieländer wie Portugal und Spanien haben schon jetzt Probleme griechischen Stils, was die Tragbarkeit ihrer Schulden und die Verringerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit angeht”.

Und genau dieses Zitat hat die FTD-Redaktion im Vordergrund platziert. Ich glaube, was die FTD-Redaktion hier suggerieren will, ist, dass ein Austritt Griechenlands gar nicht so schlimm wäre.

Aber dann hat die FTD-Redaktion “Dr. Doom” Nouriel Roubini falsch interpretiert.

Was Nouriel Roubini hier sagt, ist eigentlich etwas ziemlich Dramatisches: Er sagt, dass Portugal und Spanien fast schon in der gleichen Situation wie Griechenland sind.

Das heisst, er sagt im Grunde, als nächstes könnten diese beiden südeuropäischen Länder Portugal und Spanien in die Pleite gehen, sogar wenn Griechenland nicht aus der Euro-Zone austritt (und ich glaube das mittlerweile auch. Ich bin zum Beispiel ziemlich sicher, dass Spanien in den nächsten Monaten Pleite gehen könnte, selbst wenn Griechenland nicht aus der Eurozone austritt).

Paul Krugman glaubt ja auch, dass Spanien das “Epizentrum” der Krise ist. Seht hierzu nochmals seinen Artikel vom 15.4. mit dem Titel “Europe´s Economic Suicide“. Das heisst die “Eurodämmerung” (13.5.) nach Paul Krugman muss nicht mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone beginnen. Sie könnte durchaus auch mit einer Pleite der spanischen Banken und einer daraus folgenden weltweiten Bankenkrise beginnen. Und was das bedeutet, habe ich schon klar erklärt.

Nouriel Roubini sagt in diesem Artikel ausserdem noch folgendes: “Griechenland müsste zudem seine Staatsschuld erneut restrukturieren. Dabei müssten die Forderungen der Troika (EU, IWF und EZB) gegenüber Griechenland nicht reduziert, aber ihre Laufzeit um ein Jahrzehnt verlängert und der Zinssatz gesenkt werden. Auch weitere Schuldenschnitte von Privatgläubigern wären erforderlich, beginnend mit einem Moratorium auf Zinszahlungen”.

Also da macht sich Nouriel Roubini, glaube ich, Illusionen. Wenn Griechenland aus der Euro-Zone austritt und “Pleite” geht, glaube ich nicht, dass die griechischen Schulden in absehbarer Zeit von Griechenland zurückgezahlt werden können. Ich fürchte, man müsste den Griechen diese Schulden mehr oder weniger gänzlich erlassen.

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