Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 30

Wie massiv mittlerweile diese Bewegungen von Bankeinlagen in den südeuropäischen Banken in die Banken anderer europäischer Länder ist, zeigt zum Beispiel ein Artikel vom 21.5. in der Website “Zero Hedge” mit dem Titel “The Elephant In The Room: European Capital (Out)flows And Another €215 Billion In Spanish Deposit Flight.”

Die Grundanalyse der aktuellen Situation in Südeuropa und speziell der südeuropäischen Banken hat anscheinend Matt King von “Citigroup” geleistet.

Zur Citigroup erfahren wir im Wikipedia-Artikel zu diesem Finanzdienstleister (und zugleich Grossbank): “Die Citigroup Inc. ist ein Finanzdienstleister mit Hauptsitz in New York, der im Oktober 1998 durch die Fusion der Citicorp und der Travelers Group entstand. Im Zuge der Finanzkrise geriet die Bank, die neben der Bank of America, JP Morgan Chase und Wells Fargo zu den großen Vier Amerikas zählt, zunehmend in Schwierigkeiten.

Die Bank ist eine der 29 Großbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als „systemically important financial institution“ (systemisch bedeutsames Finanzinstitut) eingestuft wurden. Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital“.

So, und nun zurück zum Artikel mit dem Titel “The Elephant In The Room: European Capital (Out)flows And Another €215 Billion In Spanish Deposit Flight” .

In diesem Artikel äussert sich Matt King folgendermassen: “It is here where King’s observations, himself a member of a TBTF bank which would likely be dragged down in any cash outflow avalanche, are most disturbing: “In Greece, Ireland, and Portugal, foreign deposits have fallen by an average of 52%, and foreign government bond holdings by an average of 33%, from their peaks. The same move in Spain and Italy, taking into account the fall that has taken place already, would imply a further €215bn and €214bn in capital flight respectively, skewed towards deposits in the case of Spain and towards government bonds in the case of Italy….Economic deterioration, ratings downgrades and especially a Greek exit would almost certainly significantly accelerate the timescale and increase the amounts of these outflows.” That’s right: according to Citi there is a distinct likelihood that, all else equal, the domestic bank sector in Spain will see another €215 billion in deposit outflows.

And while Greece has seen a slow and steady bank run over the past 3 years, which has made it far more palatable for the local financial system, King believes that the days of “slow” outflows are now over: “we think the risks are skewed towards larger outflows occurring considerably more rapidly.” Now we won’t read too much into this, but following up on Jim Cramer’s Meet The Press interview from Sunday in which he explicitly predicted bank runs in Europe absent substantial and urgent policy changes, it appears that from a taboo, it has suddenly become all too cool to predict rapid and violent bank deposit flight in any but the priced to perfection scenario. Hopefully Spain is hip with all this sudden “coolness”…”.

Matt King scheint ein bedeutender Finanz- und Bankenanalyst zu sein, denn seine Diagnose und Prognose hinsichtlich Südeuropas und speziell hinsichtlich der Situation der südeuropäischen Banken wird auf zahlreichen englischsprachigen Websites wiedergegeben.

Hier habt ihr zum Beispiel einen Artikel vom 21.5. aus “The Economist” mit dem Titel “The euro zone crisis: Capital flight“, der sich ebenfalls auf Matt King bezieht.

Diese Kapitalflucht aus ganz Südeuropa (massiv mittlerweile auch aus Spanien und Italien) steht übrigens anscheinend in direktem Zusammenhang mit den “Target-2“-Salden des Eurosystems (ESZB) und der Europäischen Zentralbank (EZB) und den für sie haftenden jeweiligen nationalen Zentralbanken (darüber habe ich ja schon ausführlich geredet).

Dieser Artikel mit dem Titel “The euro zone crisis: Capital flight” scheint mir noch viel präziser und exakter als der obige zu sein.

Nun, “The Economist” ist auch eine renommierte Wochenschrift. Die Autoren, die für diese Website schreiben (online-edition von “The Economist”), haben wohl mehr Talent, komplexere Zusammenhänge in klare Worte zu fassen. Lest euch also diesen klaren und präzisen Artikel in Ruhe durch.

Gut, in diesem Artikel vom 21.5. mit dem Titel “The euro zone crisis: Capital flight” heisst es: “In A fascinating research note*, Matt King of Citigroup calculates the outflows of capital from various euro zone nations, in particular Italy and Spain. He concludes that Italy saw 160 billion euros exit in 2011, while Spain lost 100 billion euros, in a mixture of bank withdrawals and sales of government and corporate bonds. He thinks a further 200 billion euros could follow.

How does he work this out? A key element is the Target 2 balances. Target 2 is the system for clearing payments within euro zone central banks. When a Greek depositor sends money to a German bank, the deal would be settled within Target 2. The Bundesbank ends up with a claim on the assets of the ECB; the Greek central bank with a liability. Since 2007, the German claim on the ECB has been steadily rising, while most other members have gone into deficit.

The Target 2 numbers, then, show the extent to which countries are becoming dependent on official financing. By subtracting the Target 2 flows from the balance of payments data, King calculates the extent of private sector flight. Spain was doing fine until last year, since when 100 billion euros, or 10% of GDP, has left the country; the 160 billion euro figure for Italy is also around 10% of GDP. While domestic bank depositors have kept their money at home, foreign deposits have been withdrawn. In Italy, foreigners have reduced their holdings of government bonds from 828 billion euros to 730 billion; in Spain from 240 billion euros to 200 billion. Foreign investors have also been selling Spanish mortgage-backed securities”.

Einen sarkastischen Artikel hat Paul Krugman in seinem Blog “The Conscience of a Liberal” am 20.5. unter dem Titel “Kings of Denial” veröffentlicht.

Ich zitiere hier aus diesem kurzen und sarkastischen Artikel mit dem Titel “Kings of Denial“: “Calculated Risk points us to remarks from Herman Van Rompuy, President of the European Council, in which he declares that Europe should stay the course because in aggregate it’s doing fine.

Indeed: (Und dann kommt ein Graphik, wie massiv die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone gestiegen ist seit dem Beginn der Euro-Krise Ende 2009. Sie ist von ca. 8% auf 11% gestiegen, Anmerkung von mir).

Paul Krugmans sarkastisches Fazit: “Hey, no problem except for those Greeks, who just need to try a little harder“.

Einen weiteren sehr witzigen Artikel zur Griechenland-Krise hat Paul Krugman am 18.5. in seinem Blog unter dem Titel “The Plan for Greece” veröffentlicht.

In diesem Artikel findet ihr eine Graphik, die sowohl die vom IWF “projektierte” und “geplante” Entwicklung der griechischen Schuldenquote als auch der griechischen  Arbeitlosenquote in Griechenland zeigt.

Ob man es glaubt, oder nicht: Seit dem Jahre 2007 sollte projektierter- und geplantermassen die Griechische Schuldenquote von 90% des BIP auf  ungefähr 190% des BIP anwachsen, um dann langsam wieder abzusinken. Übrigens war diese Prognose auch noch “overoptimistic”. Es ist dann fast noch schlimmer gekommen.

Und die griechische Arbeitslosenquote sollte von ungefähr 8% auf ca. 18% steigen. So das projektierte “Schockprogramm” des IWF.

Im Klartext: Unter Spar-Schrumpf-Kur der “Troika” sind sowohl die Schuldenquote als auch die Arbeislosenquote in Griechenland massiv gestiegen. Und das war im Prinzip sogar geplant so.

Paul Krugmans sarkastisches Fazit in diesem Artikel mit dem Titel “The Plan for Greece” :”Pain without end, amen“.

Nicolai Kwasniewski (nck) hat in “Spiegel Online” eine Graphik mit dem Titel “Was passiert, wenn Griechenland den Euro verlässt? ” veröffentlicht.

Schaut euch diese Graphik in Ruhe an. Alles, was Kwasniewski hier sagt, ist aus meiner Sicht korrekt. Und auch noch in eine hübsche interaktive Graphik gepackt.

Am 23.5. erscheint in “Focus-Online” eine Meldung der dpa mit dem Titel “Bundesbank warnt vor Griechenland-Krise – EZB-Hilfen nicht ausweiten“.

In diesem Artikel lässt die “Bundesbank” verlautbaren: “„Die aktuelle Entwicklung in Griechenland ist in hohem Maße besorgniserregend“, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank vom Mittwoch. Mit jüngsten Drohung aus Griechenland, die vereinbarten Reform- und Konsolidierungsmaßnahmen nicht umzusetzen, setze das Land die Fortführung der Finanzhilfen aufs Spiel. „Griechenland hätte die damit verbundenen Folgen zu tragen.“ Auch für den Euroraum und Deutschland wären die Herausforderungen „erheblich“, bei „vorsichtigem Krisenmanagement“ allerdings beherrschbar.

Dennoch warnt die Bundesbank, dass ein Aufweichen der getroffenen Vereinbarungen mit Griechenland das Vertrauen in bestehende Vereinbarungen und Verträge im Währungsraum beschädigen würde. Zudem würden die Anreize für Reform- und Konsolidierungsmaßnahmen stark geschwächt. „Der bestehende Ordnungsrahmen von Haftung, Kontrolle und Eigenverantwortlichkeit der Mitgliedstaaten würde dann grundlegend in Frage gestellt.“

Angesichts dieser Risiken plädiert die Bundesbank dafür, die Hilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) für Athen nicht signifikant auszuweiten. „Das Eurosystem hat bei der umfangreichen Liquiditätsbereitstellung an Griechenland auf die Umsetzung der Programme vertraut und damit letztlich erhebliche Risiken übernommen“, konstatiert die Bundesbank. Über weitere finanzielle Hilfen und die Übernahme der entsprechenden Risiken sollten vielmehr die Parlamente und Regierungen der Mitgliedstaaten verhandeln”.

Tja, das mag ja alles schön und gut sein. Auch die “Bundesbank” (Jens Weidman) will wieder Härte demonstrieren. Ich finde diese Verlautbarungen der Bundesbank aber einfach verdrehend.

Hätten die Griechen tatsächlich, wie hier gefordert, Haftung, Kontrolle und Eigenverantwortlichkeit in den letzten Jahren gehabt, hätten sie doch nie diesen absurden Sparkurs in ihrem Land “durchgeknüppelt“.

Seitdem Griechenland unter dem Euro-Rettungsschirm (April 2011) ist, haben doch de facto Olli Rehn (Brüssel) und Angela Merkel und Konsorten (Deutschland) und die “Troika” die Haftung, Kontrolle und Verantwortlichkeit für Griechenland.

Die Griechen haben doch nur getan, was Brüssel (Olli Rehn) und Deutschland (Angela Merkel und Konsorten) und die Troika von ihnen verlangt haben. Das gilt übrigens auch für alle anderen südeuropäischen Krisenstaaten.

Alle Regierungen in diesen Ländern (aktuell: Portugal: Pedro Passos Coelho Spanien: Mariano Rajoy Italien: Mario Monti) machen doch schon seit geraumer Zeit nur das, was Brüssel (Olli Rehn), Deutschland (Angela Merkel und Konsorten) und die “Troika” von ihnen verlangen, im Prinzip seit Ausbruch der Euro-Krise. Mit den Ergebnissen, die wir jetzt alle sehen können (drohende Pleite Südeuropas).

Und noch was: Jens Weidmann klopft hier “harte Sprüche“, er äussert sich aber seit zwei Tagen nicht zum einzig interessanten Thema im Zusammenhang mit der Krise der südeuropäischen Banken und der Bundesbank (auf das ich seit zwei Tagen massiv hinweise): Ich rede von den massiv ansteigenden “Target 2“-Salden (Forderungen auf der deutschen Seite – Bundesbank – und Verbindlichkeiten auf Seiten der südeuropäischen nationalen Zentralbanken).

Und natürlich sind die massiv steigenden “Target2“-Salden letztendlich auch ein Ergebnis der Brüsseler und deutschen Sparpolitik in Griechenland und in Südeuropa allgemein.

Denn je mehr Griechenland und ganz Südeuropa in den Keller gerutscht ist, um so mehr ist es zur Kapitalflucht in Griechenland und Südeuropa allgemein gekommen und umso mehr sind die Banken in Griechenland und in Südeuropa allgemein in Schwierigkeiten geraten. Und seitdem bauen die südeuropäischen Banken (beziehungsweise ihre jeweiligen zentralen Nationalbanken) riesige Verbindlichkeiten gegenüber der EZB (und indirekt damit auch der Bundesbank) im Rahmen des “Target 2“- Systems auf.

Im Fall einer Pleite Griechenlands sagt Kwasniewski klar, würden die Verluste allein für Deutschland 80 Milliarden Euro betragen.

Schaut euch zum Thema der “Target 2“-Salden und der potentiellen Milliardenverluste für Deutschland nochmals die intelligente interaktive Graphik mit dem Titel “Was passiert, wenn Griechenland den Euro verlässt?” von Nicolai Kwasniewski (nck) an.

Creative Commons LizenzvertragTrotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Euro-Krise ist massiv zurückgekehrt 30Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s