Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 27

Jetzt ist übrigens auch der Moment gekommen, an dem klar sichtbar wird, wie schwachsinnig von Anfang an das Gerede der “Staatsschuldenkrise” war. Die Euro-Krise war nie einheitlich eine “Staatsschuldenkrise

In dem wirklich qualitativ eher minderwertigen Wikipedia-Artikel zur “Staatsschuldenkrise” heisst es: “Mit Staatsschuldenkrise im Euroraum (auch Schuldenkrise oder Euro-Krise genannt) werden Verschuldungskrisen einiger Mitgliedstaaten der Eurozone bezeichnet, die den Zahlungsverpflichtungen aus ihrer Verschuldung ohne Unterstützung Dritter nicht mehr nachkommen können”.

Das ist verallgemeinerndes und unpräzises Gerede.

In Spanien hatten wir überhaupt nie eine Verschuldungskrise.

Was wir in Spanien hatten war eine wahnwitzige Immobilienblase. Und genau daran könnte jetzt Spanien in den nächsten Wochen zu Grunde gehen, wenn es nicht zu einem “Bail-Out” der spanischen Banken kommt. Und wenn Spanien in die Pleite geht, käme es dann auf jeden Fall zu einer weltweite schweren Bankenkrise (wegen der Pleite von spanischen Grossbanken wie dem “Banco Santander“). Und der Euro könnte dann auch noch zerbrechen. Was das bedeutet, habe ich oft genug erklärt (“Doomsday” für alle Länder in der Euro-Zone).

Wer das übrigens seit Mai 2011 (!) genau wusste, war Paul Krugman. Hier habt ihr einen Artikel aus Paul Krugmans Blog “The Conscience of a Liberal” mit dem Titel “Fiscalization and Hellenization.”

Paul Krugman gibt uns in diesem Artikel auch indirekt die ideologischen Gründe, warum immer von einer “Staatsschuldenkrise” geredet wurde: Um die Europäer gegeneinander aufzuhetzen, nach dem Motto: “Diese bösen südeuropäischen Verschwender (?!) sind an allem Schuld“.

Tatsächlich waren in den südeuropäischen Kriseländern deutlich unterschiedliche Ursachen für die Krise des jeweiligen südeuropäischen Landes aufzufinden.

So, also in diesem Artikel “Fiscalization and Hellenization” sagt Paul Krugman folgendes (und er zitiert hier noch ein paar andere Leute, die im Mai 2011 schon Durchblick hatten):

Kevin O’Rourke leads us to a good complaint by Colm McCarthy about the ECB’s handling of the eurozone crisis. McCarthy tells us that

it is dispiriting to have to listen to lectures from ECB officials who appear to regard the European banking crisis as essentially a morality play about fiscal policy.

and O’Rourke adds,

By confusing fiscal and banking crises in the public mind, the ECB is also fuelling anti-EU sentiment in the core, since core taxpayers understandably resent the notion that they should subsidize feckless peripheral taxpayers. By contrast, greater honesty about the fact that we have a Europe-wide banking crisis would make taxpayers everywhere realise that they have common interests, and a common enemy, namely an out-of-control financial sector. In such a scenario, ‘Europe’ might be seen by ordinary voters as having something positive to contribute, since cross-border banking requires cross-border regulation. Right now, however, ‘Europe’ is seen as a big part of the problem, in the case of the ECB correctly so.

Indeed. The fiscalization and Hellenization of the crisis — the insistence by European officials that it’s all about fiscal irresponsibility, and that Greece is the exemplar of everything that went wrong — is a sight to behold, and not a pretty one”.

Yes, Greece had big debts and deficit. Portugal had a significant deficit, but debt no higher than Germany. And Ireland and Spain, which were actually in surplus just before the crisis, appeared to be paragons of fiscal responsibility — the former, said George Osborne, was

a shining example of the art of the possible in long-term economic policymaking.

We know now that the apparent fiscal health of Ireland and Spain rested largely on housing bubbles — but that was by no means the official view at the time. And nothing I’ve seen explains how new fiscal rules would prevent a similar crisis from happening again.

The way European officials are aggressively rejecting the obvious facts, and insisting on a story that fits their preconceptions, never mind the data, is striking. Why, they’re behaving almost like … Americans” (Der letzte Satz ist ironisch und selbstkritisch, Anmerkung von mir!).

Und in diesem Artikel von Paul Krugman mit dem Titel “Fiscalization and Hellenization” findet ihr in einer Graphik mit dem Schuldenstand beim Ausbruch der Euro-Krise Anfang 2009 von den verschiedenen Euro-Krisenländern und auch von Deutschland. Italien wird in dieser Graphik nicht aufgeführt, weil im Mai 2011 Italien noch als “gesund” galt. Nun, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Angela Merkel und Konsorten, Olli Rehn und die “Troika” haben seitdem mit ihrem Spardiktat für Südeuropa deutliche “Fortschritte” (?!) in Südeuropa erreicht.

Und wenn ihr euch jetzt diese Graphik in diesem Artikel “Fiscalization and Hellenization” anschaut, war der Schuldenstand Spaniens und Irlands sogar deutlich niedriger als der Schuldenstand Deutschlands. Griechenland und Portugal hatten aber tatsächlich einen recht hohen Schuldenstand, zumindest deutlich höher als Deutschland. Also im Fall von Griechenland und Portugal könnte man vielleicht von einer “Staatsschuldenkrise” reden. Diese Länder haben wohl tatsächlich ein Stück weit “auf Pump” gelebt.

Im Fall von Spanien und Irland war das keineswegs so. Wenn überhaupt, könnte man im Fall von Spanien von einer “Privatverschuldungskrise” reden. Denn die spanischen Haushalte sind zum grössten Teil alle massiv verschuldet, wegen der idiotischen Käufe von in der Regel weit überteuerten Immobilien. (Über diese ganze Sache habe ich ausführlich in meinem Artikel “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit” berichtet).

Der Grund für dieses Phänomen: In Spanien und Irland gab es jeweils eine Immobilienblase. Und solange der Immobilienboom anhielt, hatten diese Länder massig Geld und brauchten natürlich kaum Schulden machen.

Die Schulden für Irland und Spanien kamen für Spanien erst nach dem Platzen ihrer jeweiligen Immobilienblase.

Das heisst, fiskalpolitisch gesehen waren die Iren und Spanier sogar bis zum Platzen ihrer jeweiligen Immobilienblase “sparsamer” als die Deutschen.

Das war aber nur eine Illusion. Das ganze Wachstum in diesen Ländern beruhte eben im wesentlichen nur auf dem Anwachsen der jeweiligen Immobilienblase. Zumindest in Spanien war das eindeutig so. Der ganze spanische “Reichtum” (?!) ab den neunziger Jahren war im wesentlichen ein Produkt der massiven Immobilienspekulation in Spanien. Sehr hierzu nochmals meinem Artikel “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit“.

Für den “Fall Irland” halte ich mich hier etwas zurück. Ich kenne dieses Land einfach nicht genug.

Aber Paul Krugman behauptet in diesem Artikel “Fiscalization and Hellenization“, dass es sich im Fall von Irland ähnlich verhalten habe.

Und noch etwas sagt Paul Krugman völlig zutreffenden in diesem Artikel “Fiscalization and Hellenization“: “By contrast, greater honesty about the fact that we have a Europe-wide banking crisis would make taxpayers everywhere realise that they have common interests, and a common enemy, namely an out-of-control financial sector“.

Das heisst mit diesem Gerede von der “Staatsschuldenkrise” sollte der europäische Durchschnittsbürger davon abgehalten werden zu begreifen, dass es sich bei dieser Euro-Krise im Kern um eine “Europe-wide banking crisis” und die Konsequenzen eines “out-of-control financial sector” handelt.

Würden die Europäer nämlich das begreifen, und das sagt Krugman auch ganz klar, dann würden sie feststellen, “that they have common interests, and a common enemy, namely an out-of-control financial sector.”

Und dieser “out-of-control financial sector” ist das direkte Resultat der weltweiten neoliberalen Revolution, die Anfang der achtziger Jahren in England (Margaret Thatcher) und den USA (Ronald Reagan) begonnen hat. Über diese neoliberale Revolution und ihre Hintergründe habe ich ja in meinem Blogartikel schon ausführlich geredet. Und ein zentrales Merkmal dieser neoliberalen Revolution war die völlige Deregulierung des “financial sectorsweltweit.

Und natürlich war dieser “out-of-control financial sector” auch die Ursache für die globale Finanzkrise ab 2007. Und diese globale Finanzkrise ab 2007 ging von der amerikanischen Immobilienblase aus, die im Jahre 2007 geplatzt ist.

Und  („Dr. Doom“ = „Dr. Untergang“) Nouriel Roubini weiss das natürlich genau.

Das heisst, der ganze “Sparfaschismus” von Angela Merkel und Konsorten (Deutschland) und Olli Rehn (Brüssel) soll uns unter anderem davon abhalten zu begreifen, was der Kern der ganzen aktuellen Euro-Krise ist: “An out-of-control financial sector” als Ergebnis der weltweiten neoliberalen Revolution ab Anfang der achtziger Jahre. Siehe hierzu auch meinen Blogartikel: “Die Ursachen und Folgen der neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren

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