Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 25

Was für ein “massiv bank saving exodus” mittlerweile in vielen Ländern Europas stattfindet, darüber berichtet auch ein Artikel vom 17.5. in der “Financial Post” mit dem Titel “Rattled Greeks not alone in massive bank savings exodus“.

Zur Lage in Griechenland bemerkt dieser Artikel: “The entire Greek banking system is in danger: the banks are now facing the worst of all outcomes, deposit flight,” said Arnaud Poutier, deputy CEO of IG Markets France. That flight started at least two years ago, as the debt crisis grew more serious.

Greece’s banks have lost 72 billion euros in deposits since the start of 2010, or about 30%, according to data compiled by Thomson Reuters. Five of Greece’s top banks saw 37 billion euros taken out last year, including 12 billion from EFG Eurobank and 8-9 billion apiece at National Bank of Greece, Piraeus and Alpha Bank”.

Also das griechische Bankensystem steht schon kurz vor dem Kollaps.

Aber die Sache betrifft nicht nur Griechenland. In diesem Artikel wird weiterhin berichtet: “It is not only Greeks who are worried about their savings. Data shows depositors have also taken flight from banks in Belgium, France and Italy. And on Thursday, Spain’s Bankia was reported to have seen more than 1 billion euros drained by its customers in the past week”.

Was die Bewegungen von Bankeinlagen in Europa insgesamt angeht, dazu wird in diesem Artikel berichtet: “Deposits shifted around Europe dramatically last year, analysis of data from more than 120 listed European banks show.More than 120 billion euros was taken from two banks in Belgium alone, including an exodus of customer deposits from Dexia which had to be bailed out and restructured. KBC also saw a big outflow.Some 90 billion euros was taken from France’s banks, including around 30 billion each from Credit Agricole and BNP Paribas. French banks were hit last year by their heavy exposure to Greece and concerns about their liquidity that forced them to accelerate plans to shrink.Worries the eurozone crisis would spread also saw about 30 billion euros in deposits leave Italian banks, although inflows to BBVA helped limit the net outflow from Spain.

Cash flooded into Britain; more than 140 billion euros was deposited in four big banks alone. The UK benefits from its position outside the eurozone and its Asia-focused banks HSBC and Standard Chartered are seen as particular safe-havens.

Other banks to see big inflows included Barclays, Germany’s Deutsche Bank, Switzerland’s Credit Suisse and UBS and Russia’s Sberbank and VTB”.

Das heisst, es finden jetzt zwischen den europäischen Ländern massive Kapitalbewegungen statt, und zwar in Richtung jener Länder, die als potentiell stabiler gelten oder die sich ausserhalb der Euro-Zone befinden.

Was für gigantische Risiken für Deutschland in dem europäischen Target-2-System stecken, darüber berichtet auch Günther Lachmann auf seinem Blog in einem Artikel vom 23. März mit dem Titel “Verharmlosung einer finanziellen Atombombe“.

Ich habe über diese Sache ja in diesem Blogartikel auch schon berichtet, dass die Zentralen Nationalbanken der Länder der Euro-Zone, die zahlungskräftig und leistungsfähig sind, schon seit längerem gegenüber den zentralen Nationalbanken der Länder der Euro-Zone, die angeschlagen sind (wie die südeuropäischen Länder Griechenland, Portugal, Spanien Italien) riesige Forderungen aufbauen, und zwar im Rahmen des “Target 2“-Systems. Das ganze läuft über das Eurosystem (ESZB) als Teil der EZB. Die Deutsche Bundesbank haftet mit 27% an den Verlusten der EZB.

Der “Bund der Steuerzahler Bayern e.V.”  schlägt zur Zeit in dieser Sache Alarm. In diesem Artikel “”Verharmlosung einer finanziellen Atombombe” vom 23. März 2012 im Blog von Günther Lachmann erfahren wir zu dieser Sache folgendes:

Das funktioniert so: Ein griechisches oder portugiesisches Unternehmen bestellt Waren in Deutschland, und die Bundesbank muss dafür sorgen, dass der deutsche Lieferant sein Geld bekommt.

„So entsteht (täglich) ein Erstattungsanspruch gegen die Auftrag gebende ausländische Zentralbank“, schreibt der Steuerzahlerbund. Dieser werde nach den Target-2-Regeln um 24 Uhr gelöscht. Zum Ersatz dafür erhalte die Bundesbank eine Forderung in gleicher Höhe gegen die Europäische Zentralbank (EZB) zugewiesen. Da die ausländische Zentralbank einen Zahlungsauftrag erteilt habe, ohne tatsächlich selbst zu zahlen, erhalte sie eine entsprechende Verbindlichkeitgegen die EZB zugewiesen. „Dieser Mechanismus erzeugt zwangsläufig Dauerkredit“, schreibt Hohenau.

Auf diese Weise haben sich von 2007 bis heute 865 Milliarden Euro an Forderungen gegenüber anderen EU-Ländern in der Bilanz der Bundesbank angesammelt. Das ist mehr als doppelt soviel wie der gesamte Staatshaushalt der Bundesrepublik. Diese Summe sei entstanden, so der Steuerzahlerbund, weil zwar Auszahlungsaufträge an die ausländischen Zentralbanken erteilt wurden, diese selbst aber nicht bezahlt worden seien. In der Vergangenheit hatte die Bundesbank auf Nachfragen von „Welt Online“ stets behauptet, daraus ergebe sich kein Risiko für den deutschen Steuerzahler.

Der Steuerzahlerbund indes sieht das nun anders: „Die Bundesbank hat es zugelassen, dass über den Target-2-Mechanismus aus ihrem Vermögen, also aus dem deutschen Bürgervermögen, inzwischen 560 Milliarden Euro herausoperiert und durch zweifelhafte Forderungen geringerer Sicherheit gegen die EZB ersetzt wurde“, schreibt Hohenhau. „Wäre dem schon 2007 von der Bundesbank Einhalt geboten worden, gäbe es diese Situation nicht.“

Im Übrigen könne Bundesbank-Präsident Weidmann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er selbst „den Euro-System-Kollaps real für möglich“ halte. Diesen Schluss zieht der Steuerzahlerbund aus einem besorgten Brief, den Weidmann an den EZB-Präsidenten Mario Draghi, in dem er diesen vor steigenden Risiken im System der Notenbanken gewarnt und unter Bezug auf die Target-2-Salden einen Forderungsausfall thematisiert habe.

Der Behauptung Weidmanns, letztlich würden sich die Risiken aus dem Target-2-System auf alle Notenbanken der Euro-Zone verteilen, hält Hohenhau einen beispielhaft durchgerechneten Zahlungsausfall Griechenlands, Italiens und Spanien entgegen. Deren Target-2-Schulden betrugen im Februar 485 Milliarden Euro. Bei einem Zahlungsausfall sei das Eurosystem ESCB als Ganzes geschädigt, schreibt Hohenhau, daher müssten die Verluste auf die restlichen Länder neu aufgeschlüsselt und verteilt werden. In diesem Fall müsse Deutschland rund 40,3 Prozent des gesamten Zahlungsausfalls tragen, die anderen Staaten zusammen 59,7 Prozent.

„Wir schätzen das Ausfallrisiko aufgrund geringere Sicherheiten auf 50 bis 75 Prozent“, so der Steuerzahler-Präsident. Schon bei nur einem Ausfallrisiko von 50 Prozent betrage der Anteil der Bundesbank 97 Milliarden Euro. Falle nur Griechenland aus, sei die Bundesbank mit 15 Milliarden Euro betroffen. „Sollten neben Griechenland weitere Euro-Länder zahlungsunfähig werden, verläuft die Haftungskurve exponentiell“, warnt Hohenhau”.

Im Klartext: Wenn Südeuropa Pleite geht (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien), dann drohen Deutschland (beziehungsweise der Bundesbank) auch von dieser Seite, vom “Target 2“-System her, riesige Verluste. Das europäische Bankensystem spaltet sich schon seit längerem (wie die Eurozone und der Euro allgemein). Und Teil dieses europäischen Bankensystems ist natürlich die EZB und das Eurosystem (ESZB) und “Target 2“.

Hier habt ihr einen Artikel von MMnews vom 9.5.2012 mit dem Titel “Target 2 – Neuer Rekord: 644 Milliarden.”

In diesem kurzen Artikel heisst es: “Target2 – kaum jemand begreift die wahren Ausmaße und die Konsequenzen dieser Verrechnungsmethode zwischenn Banken, Notenbanken und der EZB. In den Medien wird oft verharmlost. Doch Target2 ist nichts anderes als eine finanzielle Atombombe, deren Folgen am Ende der deutsche Steuerzahler zu tragen hat – via Plünderung der Deutschen Bundesbank.

Auch im April setzte Target 2 seine Rekordfahrt weiter fort. Die Target Salden der Bundesbank stiegen auf 644,18 Milliarden Euro, ein Plus in einem Monat von mehr als 28 Milliarden Euro. Auf Jahressicht stieg Target 2 über 100% oder über 300 Milliarden Euro. Im April 2011 belief sich Target 2 “noch” auf 309 Milliarden Euro.

Gewährt die Deutsche Bundesbank nicht ständig weiter Dauerkredit an die EZB via Target-2 bzw. kommen von Deutschland nicht ständig neue Garantien, ist es mit dem Euro und damit der EZB vorbei! Den Schaden hätten dann die Bürger und Steuerzahler!

Hier habt ihr einen Artikel aus “tagesschau.de” mit dem Titel “Target 2 – Ein Gespenst geht um in Europa” vom 3.4.2012 von Ingo Nathusius (HR).

Dieser Artikel endet mit den folgenden sarkastischen Bemerkungen: “Problematisch wird das in zwei Fällen. Erstens: Die Sicherheiten, mit denen Griechenland & Co für das billige Geld bürgen, werden sauer. Dann kommt es zu Zahlungsausfällen, für die die 17 nationalen Notenbanken anteilig haften – die Bundesbank mit 27 Prozent. Das zweite Problem-Szenario: Griechenland steigt aus der Euro-Zone aus. Das wird nur geschehen, wenn das Land wirtschaftlich noch mehr an Boden verliert. Dann dürfte auch ein Großteil der “Target-2”-Forderungen verloren sein. Die übrigen nationalen Notenbanken haften, siehe oben.

Bemerkenswert: Offiziell hält die Deutsche Bundesbank das zweite Szenario für praktisch unmöglich. Im gerade veröffentlichten Geschäftsbericht für 2011 befasst sie sich aber an zwei Stellen ausführlich und detailliert mit dieser offiziellen Unmöglichkeit”.

Übrigens: Ingo Nathusius redet hier von Griechenland & Co. Und da gehören vielleicht bald auch Portugal, Spanien und Italien dazu, wenn Angela Merkel und Konsorten so weitermachen (letztere beide Länder jeweils viertgrösste und drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone).

Na denn viel Spass, sag ich nur. Ich habe es ja immer gesagt: Alle europäischen Banken sind nicht zuletzt auch über die gemeinsame Währung, den Euro, massiv miteinander verkoppelt. Die ganze Euro-Zone und nicht zuletzt ihr Bankensystem ist ein komplexes System, in dem alle Teile miteinander zusammenhängen und sich miteinander bedingen, durchaus auch im Sinne der Systemtheorie. “Target 2” und das Eurosystem (ESZB) gehören zu diesen strukturellen Verkopplungen dazu.

Das gilt übrigens auch für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Euro-Zone. Die bewegt sich jetzt natürlich, ausgehend von der tiefen Krise in den südeuropäischen Ländern, zunehmend in eine Rezession rein.

Und die Leute, die sich damit auskennen, sind sicher, dass diese Rezession am Ende auch auf Deutschland übergreifen wird. Auch Günther Lachmann glaubt das ja.

Hier habt ihr einen Artikel aus “Reuters Deutschland” vom 15.4. mit dem Titel “Euro-Zone wirtschaftlich immer tiefer gespalten” auf der Website von “Reuters Deutschland“.

In diesem Artikel heisst es: “Boom in Deutschland, Stagnation in Frankreich, Rezession in Italien & Co: Der wirtschaftliche Riss in der Euro-Zone wird immer größer.

Der Währungsunion schrammte nur dank des überraschend kräftigen Wachstums in Deutschland an einer Rezession vorbei. Experten warnen aber, dass sich Europas größte Volkswirtschaft nicht auf Dauer von der Konjunkturflaute in den Krisenstaaten abkoppeln kann. Die Rufe nach einem Konzept für mehr Wachstum und Beschäftigung werden deshalb lauter.

Boomende Exporte und kauffreudige Verbraucher ließen das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal steigen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Ende 2011 war es noch um 0,2 Prozent geschrumpft – zum ersten Mal seit fast drei Jahren. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von Rezession. “Deutschland hat die konjunkturelle Schwächephase im Winterhalbjahr zügig überwunden”, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

Weiter heisst es in diesem Artikel: “Das Comeback ihrer mit Abstand größten Volkswirtschaft rettete die Euro-Zone vor einer neuen Rezession: Die Wirtschaftsleistung stagnierte, nachdem sie am Jahresende noch um 0,3 Prozent gefallen war. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich tritt ebenfalls auf der Stelle. Schlimmer sieht es in den Krisenländern aus: Die spanische Wirtschaft schrumpfte wie schon am Jahresende um 0,3 Prozent. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt gar um 0,8 Prozent ein. Das war schon der dritte Rückgang in Folge. Auch Portugal findet nicht aus der Rezession: Hier gab es ein Minus von 0,1 Prozent. Ganz zu schweigen von Griechenland: Binnen Jahresfrist brach die Wirtschaft um 6,2 Prozent ein.

Weil die im Kampf gegen die Schuldenkrise geschnürten Sparpakete immer mehr Euro-Länder in die Rezession stürzen, werden auch in Deutschland die Rufe nach einem Konjunkturpaket lauter. Mit Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück forderten die drei Spitzenmänner der SPD in einem ihrer seltenen gemeinsamen Auftritte ein europäisches Wachstums- und Beschäftigungsprogramm. Sie plädieren dafür, transeuropäischer Infrastrukturprojekte in den Bereichen Energie, Verkehr und Informationstechnologien auszubauen – besonders in Südeuropa.

Auch der neue französische Präsident Francois Hollande will das Wachstum stärker fördern. Deutschland und Frankreich werden sich nach den Worten des CDU-Politikers Peter Altmaier noch vor der Sommerpause auf eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung der Schuldenkrise verständigen. “Ich bin sicher, dass wir uns bis spätestens Ende Juni auf ein gemeinsames deutsch-französisches Vorgehen einigen können”, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in einem Reuters-Interview. Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollten noch am Abend in Berlin treffen. Die Krise in vielen Euro-Ländern wird früher oder später auch Deutschland treffen, sind sich Experten einig. “Deutschland schlägt sich deutlich besser als der Rest der Euro-Zone”, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. “Aber ich glaube nicht, dass es in dem Tempo weitergeht.” Etwa 40 Prozent der Exporte gehen in die Währungsunion. Zuletzt waren sie bereits stark gesunken. Einige Branchen spüren den Gegenwind bereits. So kämpfen in der deutschen Stahlindustrie die Branchenführer ThyssenKrupp und Salzgitter mit Verlusten. Sie führen das explizit auf die Schuldenkrise zurück.”

Also die aktuelle “Troika” in der SPD hat begriffen, was in Südeuropa los ist. François Hollande auch. Mario Monti anscheinend auch. Barack Obama sowieso schon lange. Die übrigen G-8-Staaten auch.

Nur Angela Merkel und Konsorten bestehen auf ihrem “Sparwahn”. Und Angela Merkel und Konsorten begreifen nicht, dass dieser Niedergang Südeuropas, den sie mit ihrem “Spardiktat” ausgelöst haben, auf allen Ebenen auf Deutschland und natürlich auch auf alle anderen Länder in der Euro-Zone zurückschlagen wird.

Das heisst, am Ende bestraft Angela Merkel ihr eigenes Land und ihre eigenen Wähler und die gesamte Euro-Zone, wenn sie so weitermacht.

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