Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 23

Auch die deutschen “Mittelstandsnachrichten” haben gestern, am 19.5., einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel “Angst vor Bank-Run: Monti will Barguthaben durch Fonds garantieren“.

Der Bank-Run in Südeuropa hat nach Angaben dieses Artikels schon begonnen.

In diesem Artikel heisst es: “1,8 Milliarden Euro hoben die Südeuropäer am Donnerstag von ihren Konten ab (hier) – die Angst vor einem Bankenrun, der das europäische Bankensystem gefährden könnte, nimmt zu. Besonders der italienische Premierminister, Mario Monti, fürchtet ähnliche Situationen auch in Italien, nachdem die wirtschaftliche Situation des Landes in den vergangenen Wochen von Investoren genauer unter die Lupe genommen worden ist”.

Und ein anderer Artikel der “Deutschen Mittelstandsnachrichten” vom 19.5. hat den Titel “G 8-Gipfel: Keine Einigung auf Strategie gegen Euro-Krise“.

In diesem Artikel heisst es: “Man konnte bei dem Gipfel den Eindruck gewinnen, dass sich die Staatsoberhäupter der G 8 damit abgefunden haben, dass sie diese Krise nicht mehr lösen können. Ob sie hoffen, dass noch ein Wunder geschieht, oder ob sie einfach nur noch gleichgültig das Urteil der Märkte erwarten – über die Motive für die beispiellose Untätigkeit haben wir keine Belege”.

Ich fürchte, der Autor dieser Zeilen hat völlig recht. Die Politiker – und zwar alle – machen nur noch eine “Politische Bühnenshow” für die Medien, während ich hier Tag für Tag an meinem Bildschirm über das Internet überprüfen kann, wie die ganze Euro-Zone rasend schnell auseinanderfällt

Die Politiker spielen nurTheater. Alles, was ich in den letzten Wochen hier im Internet recherchiert habe, deutet darauf hin, dass die Eurodämmerung (Paul Krugman) schon begonnen hat.

Und welche Variante der Eurodämmerung es sein wird, das wird man sehen. Es kann die Variante sein, die Paul Krugman in seinem Blogartikel “Eurodämmerung” anbietet, oder irgendeine andere.

Paul Krugman hat recht. Die europäischen und auch ausländischen Politiker haben “Europe’s Economic Suicide” teilweise bewusst erzeugt (Angela Merkel und Konsorten und Olli Rehn), teilweise auch stillschweigend gebilligt oder nichts Ernsthaftes dagegen unternommen.

Und sie schauen sich ein Fussballspiel auf dem G8-Gipfel in Camp David an und trinken Kaffee und diskutieren über Sparen oder Wachstum, während die Euro-Zone mit jedem Tag mehr auseinanderdriftet und auf den definitiven “Crash” zuläuft.

Hier habt ihr einen Artikel aus dem “Hamburger Abendblatt” vom 21.5. mit dem Titel “G8-Gipfel: Merkel erntet ein achtbares Unentschieden“.

Und wir erfahren, dass Angela Merkel sich auf diesem G 8-Gipfel gestern tatsächlich begeistert ein Fussballspiel angeschaut hat. Und sie hat anscheinden ein “unentschieden” für sich selbst erreicht, in dem sie im Moment Konjunkturpakete in Europa (neoliberal = “Wachstum auf Pump“/Keynesianisch =Deficit Spending) verhindert hat.

Einen ganz ähnlichen Artikel hat Robin Alexander für “Welt-Online” verfasst mit dem Titel “Verlängerung! Merkel mit gutem 1:1 in Camp David.”

Über diesem Artikel habt ihr sogar ein Photo mit diesen albernen Politikern, wie sie vor der Leinwand stehen und die Arme recken (wahrscheinlich, weil gerade ein Tor gefallen ist).

Das ganze ist ein Witz. Angela Merkel hält diese ganze Sache mit der Euro-Krise anscheinend tatsächlich für ein “Fussballspiel” zwischen den deutschen Neoliberalen und dem Rest Europas und den USA (die eher für klare Wachstumsmassnahmen und tendenziell auch für Konjunkturpakete sind).

Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini ist eine Legende. Er hat recht, der Zusammenbruch des spanischen und vielleicht gesamten südeuropäischen Bankensektors wird ein “Zugunglück in Zeitlupe” sein. Wir werden dieses Zugunglück in den nächsten Wochen und Monaten beobachten können.

Meine Prognose: Der “Crash” geht vom Zusammenbruch des spanischen Bankensektors (und wahrscheinlich auch sonstigen südeuropäischen Bankensektors) aus.

Einen phantastischen Artikel vom 29.3. mit dem Titel “Spanien-Misere lebensgefährlich für Deutschland” hat Günther Lachmann in “Welt-Online” veröffentlicht.

Lest euch selbst diesen Artikel genau durch. Er ist in gewisser Weise eine Kurzzusammenfassung meiner bisherigen Blogeinträge zur südeuropäischen Euro-Krise.

Und Lachmann sagt es klipp und klar: “Wenn Spanien kippt, ist das nämlich auch für deutsche Banken lebensgefährlich”.

Hier habt ihr einen weiteren Blogartikel von Günther Lachmann mit dem Titel “Europa zwischen Aufschwung und Selbstmord” vom 27. April.

In diesem Artikel bemerkt Lachmann in aller Klarheit über die aktuelle wirtschaftliche und soziale Lage in Europa und nicht zuletzt auch in Deutschland: “So bricht die Nachfrage der Industrie gerade weg. Von Aufschwung ist keine Spur (http://www.ftd.de/finanzen/:einkaufsmanagerindex-europas-industrie-schwaechelt-massiv/70026323.html ).

Der Einkaufsmanagerindex fiel im April um 1,7 auf 46,0 Zähler und landet damit auf dem tiefsten Stand seit 33 Monaten. Erst ab der 50-Punkte-Marke signalisiert der Index potenzielles Wachstum. Auch im Dienstleistungssektor fiel der Index um 1,3 auf 47,9 Punkte.

Die britische „Financial Times“ titelt denn auch „Rückschlag durch die Sparpolitik für Europas Regierungschefs“ und folgert: „Die Eurozone rutscht in eine tiefere Rezession.“

Auch hierfür gibt es handfeste Belege. Standard & Poor`s senkt die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen auf BBB+. Spaniens Staatsfinanzen sind inzwischen desolat. In diesem Jahr wird die Wirtschaftsleistung vermutlich um 1,5 Prozent schrumpfen. So fing es auch in Griechenland und Portugal an.

Italiens Wirtschaft dürfte in diesem Jahr ebenfalls um 1,2 Prozent schrumpfen. Erwartet wurde allenfalls ein Minus von 0,4 Prozent. Damit haben sich die auf die undemokratische „Expertenregierung“ von Präsident Mario Monti gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt.

Und nach einigen Jahren brutaler Sparpolitik nähert sich auch Irland wieder dem Abgrund. Finanzminister Michael Noonan senkt die Wachstumsprognose von 1,3 auf 0,75 Prozent, nachdem die Wirtschaft Ende des vergangenen Jahres bereits wieder geschrumpft war.  „Das Volk akzeptiert die Radikalkur wie einen Ablass für die Sünden vor dem Zusammenbruch“, schreibt die „Zeit“ über die darbenden Iren, die den Südeuropäern gern als Beispiel vor Augen geführt werden, weil diese für einen solchen „Ablasshandel“ nur wenig empfänglich sind.

Woher also sollte ein deutscher Aufschwung kommen? Wem sollen die Unternehmen ihre Waren künftig verkaufen? Den Griechen, den Portugiesen, den Iren oder den Spaniern, die allesamt kaum genug zum Leben haben? In der Vergangenheit bezahlten diese Länder den deutschen Exportboom mit Schulden. Das ist vorbei. Jetzt wird gespart.

Unter anderem deshalb sind heute so viele Menschen in Europa arbeitslos wie nie zuvor. Es sind fast 25 Millionen.

All das deutet nicht auf einen Aufschwung und nachhaltiges Wachstum, sondern eher auf eine heraufziehende Katastrophe hin. Wer immer etwas anders zu sehen meint, muss Anhänger einer mysteriösen Glaubensgemeinschaft sein  – oder ein Scharlatan.”

Also auch Günther Lachmann hält die deutschen Neoliberalen für eine Bande von Sektierern.

Hier habt ihr einen anderen Artikel aus dem Internet-Blog “Die Freie Welt”, schon von Ende März 2012, mit dem Titel “Euro-Dämmerung: Streik legt Spanien lahm“.

In diesem Artikel heisst es: “Ausgelöst wurde die Wirtschaftskrise 2008 vom Platzen der spanischen Immobilienblase. Die gesamte Wirtschaft des Landes mitsamt Bankensektor wurde mit in den Abgrund gezogen. Doch von einem Ende der Krise kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, der Brandherd greift europaweit um sich. Ein Großteil der Schulden von über 224 Milliarden Dollar liegt – man mag es kaum glauben – in Deutschland! (Fettdruck von mir!)

Im Klartext: Indem Angela Merkel Spanien “kaputtgespart” hat, hat sie den deutschen Banken vielleicht ein furchtbares Desaster eingebrockt, wenn das stimmt, was hier behauptet wird. Angela Merkel hat hier anscheinend auch noch ein “Eigentor” für Deutschland geschossen. Auch Günther Lachmann behauptet das.

Hier habt ihr einen Artikel aus den “Deutschen Wirtschaftsnachrichten” vom 18.5. mit dem Titel “Banken-Krise: Globalen Banken fehlen 566 Milliarden Dollar“.

In diesem Artikel heisst es: “Weil die größten Banken ihre faulen Kredite und risikoreichen Produkte nicht ausreichend reduziert haben, müssen sie in den kommenden sieben Jahren 566 Milliarden Dollar an Kapital zurücklegen – oder sich von ihren Assets trennen.

Alleine den 29 größten Banken der Welt fehlen 566 Milliarden Dollar, um die Risiken ihrer Anlagen ausreichend abdecken zu können. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Ratingagentur Fitch. Die Risiken der Banken seien bisher nicht reduziert, sondern lediglich von einem System ins andere verschoben worden, sagte der Analyst Martin Hansen dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Demnach müssen die systemrelevanten Banken bis zum Jahr 2019 entweder das fehlende Kapital auftreiben, oder sich von faulen Papieren im Wert von 5,5 Billionen Dollar trennen. Davon betroffen sind unter anderem die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die vier größten britischen Banken.”

Also die Deutsche Bank ist auch betroffen.

Hier habt ihr einen Artikel aus Finanznachrichten.de vom 27.4. mit dem Titel “Bedroht spanische Immobilienkrise Commerzbank?“.

In diesem Artikel heisst es: “Vor drei Jahren Markt in Spanien kollabiert. Jetzt müssen die spanischen Banken massenhaft faule Immobilienkredite abschreiben. Bei der Bank Banco Popular und auch die Bank Santander bricht zu Jahresbeginn der Gewinn ein. Laut Schätzungen von Morgan Stanley brauchen spanische Banken wohl 50 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital. Noch kann sich Spanien erfolgreich auf dem Kapitalmarkt Geld besorgen. Doch die Renditen für zehnjährige Anleihen erreichen die Marke von sechs Prozent. Von einer weiteren Krise auf dem Anleihemarkt wären alle europäischen Banken betroffen – auch die deutschen. Vor allem die Investoren der Commerzbank sind besorgt. Laut Professor Wolfgang Gerke steht aber auch die Deutsche Bank nicht opimal da: “Die Bank hat einige große Probleme zu bewältigen.”

Also hier heisst es ganz klar: “Von einer weiteren Krise auf dem (spanischen!) Anleihemarkt wären alle europäischen Banken betroffen – auch die deutschen” (Insbesondere wohl die Commerzbank und die Deutsche Bank).

Das Gleiche behauptet ja auch der Artikel in Welt-Online mit dem Titel “Spaniens Immobilien sind der Fluch des Südens“, dass die spanische Immobilienkrise die deutschen Banken schwer trifft. Es ist sogar eine Grafik dabei mit dem Engagement deutscher Banken in Spanien. Da geht es um richtig fette Summen.

Und das behauptet ja auch Günther Lachmann in seinem Artikel “Spanien-Misere lebensgefährlich für Deutschland“.

Günther Lachmann sagt wörtlich: “Wie sehr die spanische Krankheit die anderen Euro-Staaten treffen wird, zeigt ein Blick auf die Liste der Gläubiger. „51 Milliarden Dollar an spanischen Schulden liegen demnach in Großbritannien, 187 Milliarden in den USA, 224 Milliarden in Frankreich und 244 Milliarden Dollar in – surprise, surprise! – Deutschland“, schreibt der „Tagesanzeiger“ und fügt süffisant hinzu: „Ob Frau Merkel sich dessen bewusst ist?“

Und es kann eigentlich auch nicht anders sein. Wenn spanische Grossbanken unter der Masse der “faulen” Immobilienkredite zusammenkrachen, wird es für alle anderen europäischen Banken und alle anderen Länder Europas wohl gefährlich.

Wie die Entwicklung in “Euroland” zur Zeit aussieht, zeigt der Blog “ft.com/alphaville” in einem Artikel vom 16.5. mit dem Titel “Tis an ugly morning in euroland“.

Die Grafiken in diesem Artikel zeigen es klar: Die Risikoaufschläge für spanische und italienische Staatsanleihen schiessen hoch, während die für deutsche Staatsanleihen massiv sinken (also alle Anleger “flüchten” in die deutschen Staatsanleihen). Und der “Euro” stürzt einfach ab und verliert gegenüber dem Dollar immer weiter an Wert. Die Euro-Zone driftet jetzt komplett auseinander.

Paul Krugman hat es schon vor längerer Zeit mit grosser Ironie gesagt in einem Artikel vom November 2011 mit dem Titel “This Is The Way The Euro Ends“.

Dieser Artikel beginnt mit dem sarkastischen Satz: “This is the way the euro ends. Not with a bang but with bunga-bunga”.

Und in diesem Artikel stellt Paul Krugman kühl fest: “A eurozone built on one-sided deflationary adjustment will fail. That seems certain. If the leaders of the eurozone insist on that policy, they will have to accept the result”.

In den nächsten Monaten werden alle Europäer die “results” dieser “one-sided deflationary adjustments” akzeptieren müssen, auch die Deutschen, die vielleicht gedacht haben, sie wären die Gewinner bei diesem Spiel und kämen ungeschoren davon.

Doch das ist eine Illusion. Wenn die Euro-Zone zerbricht, wird es keine Gewinner geben, sondern nur Verlierer. Das ist die Wahrheit.

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