Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 14

Wie ich schon zu Anfang dieses Blogartikels sagte, der Euro spaltet sich jetzt ganz klar. George Soros hat das ja in einem Interview in “Die Welt” mit dem Titel “Soros hält die Euro-Krise für `potenziell tödlich´” am 11.4 ganz klar so gesagt, und es stimmt auch. Und das bedeutet natürlich, dass der europäische Bankensektor sich ebenfalls spaltet, das ist ja wohl auch klar.

So läuft das.

In Griechenland war das übrigens schon im Februar 2010 so. Hier habt ihr einen Artikel aus dem “Manager-Magazin” vom Jahre 2010 mit dem Titel “Griechen bringen Milliarden in Sicherheit“.

Und mit der Verschärfung der Krise ziehen natürlich immer mehr Griechen ihr Geld von den griechischen Banken ab. Hier habt ihr einen Artikel aus der österreichischen “Die Presse.com” vom 15.5. mit dem Titel “Kapitalflucht: Griechen räumen ihre Bankkonten“. An einem Tag wurden in Griechenland 700 Millionen Euro an Einlagen abgezogen.

Dazu heisst es in diesem Artikel: “Wegen der politischen Krise ihres Landes bekommen die Griechen offenbar Angst um ihr Geld. Am Montag zogen sie 700 Mio. Euro an Einlagen von den griechischen Banken ab, wie aus einer Erklärung des Präsidenten Karolos Papoulias hervorgeht. „Die Banken sind sehr schwach“, beurteilte der Präsident die Lage des heimischen Finanzsektors”.

Hier habt ihr einen Artikel in “Welt-Online” vom 16.5. mit dem Titel “Griechische Zentralbank warnt Präsident vor Kapitalflucht, Panik“. Das griechische Bankensystem steht aufgrund der Kapitalflucht kurz vor einer Massenpanik und einem “run” auf die griechischen Banken.

Hier habt ihr einen Artikel aus den “Deutschen Mittelstandsnachrichten” vom November vergangenen Jahres mit dem Titel “Kapitalflucht: Banken suchen Hilfe bei der EZB und den Sparern“.

In diesem Artikel heisst es: “Italienische, spanische und portugiesische Banken verlieren Kapital im zweistelligen Prozentbereich. Nicht nur die institutionellen Anleger fliehen, sondern auch die kleinen Leute lösen ihre Konten auf. Nun bieten die Banken ihren Kunden auf einmal 4% Zinsen“.

Die reichen Leute haben in der Regel immer gute Finanzberater und retten ihren Arsch in der Regel immer. Wer meistens “draufgeht“, ist die Unter- und Mittelschicht. In allen diesen südeuropäischen Ländern leidet jetzt massiv die Unter- und Mittelschicht.

Die reichen Leute in diesen südeuropäischen Ländern (auch in Madrid) leben so wie überall reiche Leute auf der Welt: Abgeschottet und auf hohem Niveau. Ich bin auf die Partys dieser Leute in Madrid nie eingeladen gewesen. Ich habe nicht mal die Klamotten, die man braucht, um auf solchen Partys erscheinen zu können.

Die reichen Leute in diesen südeuropäischen Ländern tangiert diese ganze Euro-Krise in der Regel nicht mal. Wenn´s hoch kommt, beauftragen sie einen Wachdienst für ihre Villen, damit sie nicht von diesen “verarmten Pennern” belästigt werden. Und wenn es ganz hart kommt, verlassen sie eben das Land. Das ist Neoliberalismus (=HardcoreKapitalismus).

In Griechenland ist das anscheinend schon geschehen. Hier habt ihr einen Artikel aus der “Wirtschaftswoche” zu Griechenland vom 14.11. mit dem Titel “Kapitalflucht: Rette sich, wer kann“. Die Griechen, die jetzt ihr Geld abheben, sind die Griechen aus der Mittelschicht. Das Geld der Oberschicht ist schon viel früher ins Ausland gewandert.

In diesem Artikel heisst es:Ein Teil der abgezogenen Gelder mag für den täglichen Lebensunterhalt der notleidenden Griechen bestimmt sein. Ein Teil kommt aber auch in Deutschland an. So beobachtet Peter Heinrich, Vorstandschef der zum Volksbankenverbund zählenden Münchner Bank, „seit Ende Mai eine erhöhte Nachfrage unserer griechischstämmigen Kunden nach Geldanlagen in unserem Kreditinstitut“. Das Schwarzgeld der Unternehmer, Freiberufler und hohen Beamten, die Fakelaki (Schmiergeld) entgegennehmen können, sei „längst in der Schweiz und von da wahrscheinlich weiter nach Singapur“, sagt Kallos, „das kleine Geld der braven Leute aber kommt nach Deutschland, daran ist nichts illegal“. Sauber Erspartes brauche man nicht zu schmuggeln: Man fahre nach München, wo der Bruder lebe, eröffne ein Konto und überweise es.

Die größeren Vermögen sind längst im Ausland“, sagt auch Vermögensverwalter Bert Flossbach. Für den Griechenland-Kenner ist es „kein Wunder, dass, wer kann, sein Geld längst ins Ausland geschafft hat. Es gibt eine wachsende Angst, dass die Drachme wieder eingeführt wird, die Inflation eskaliert und die Rentenversicherungen wertlos werden; als Folge gibt es dort so gut wie kein privates Millionenvermögen mehr, das nicht zumindest zum Großteil längst ins Ausland verbracht worden wäre.

Was jetzt in Deutschland, Österreich, Australien und anderswo ankommt, ist das Geld der Mittelschicht. “ Ein Privatbankier aus Genf bestätigt: „Die Reichen sind in jedem Land der Erde besser vernetzt als der Durchschnitt. Da gibt es den Ratschlag des Lokalpolitikers, den Tipp des Bankdirektors an die Unternehmer-Witwe aus dem Golfclub. Diese Leute haben nicht gewartet, bis die Lage eskalierte.“ So war es auch bei der Argentinien-Pleite 2001/02: „Während das Land in die Krise schlitterte, erlebten das Nachbarland Uruguay, Rio und Miami einen Immobilienboom, weil reiche Argentinier ihre Dollar-Vermögen dort investierten. Warum sollte das ausgerechnet in Griechenland anders laufen?“

Tatsächlich berichten Makler in London, dass das Interesse von wohlhabenden Griechen an Luxusimmobilien in den letzten 18 Monaten deutlich zugenommen habe. „Reiche Griechen haben sich hier schon immer gern niedergelassen. Aber während sich bisher rund 20 Käufer im Quartal bei uns meldeten, sind es jetzt 40“, sagt Liam Bailey von der Maklerfirma Knight Frank. Besonders begehrt sind Häuser in den Edelvierteln Chelsea, Kensington und Knightsbridge mit einem Kaufpreis von drei Millionen Pfund und mehr. „Gezahlt wird meist in bar – die Griechen nehmen keine Hypothek in Anspruch“, sagt Bailey. Panos Koutso-Giannakis, ein Makler griechisch-australischer Abstammung, sagte dem US-Sender CNN: „Manche Griechen kaufen, ohne die Immobilie zu besichtigen. Einer meiner Kunden hat 1,3 Millionen Dollar für eine Wohnung überwiesen, die er nie gesehen hat.“ Aber auch Deutschland ist gefragt: „In den vergangenen zwei Jahren haben wir vermehrt Anfragen griechischer Mandanten nach Immobilien in Deutschland“, sagt Aris Kapsalis, Anwalt bei Kosmidis & Partner in Thessaloniki”.

Tja, es ist genauso, wie ich es euch gesagt habe.

Übrigens: Anscheinend haben in allen diesen südeuropäischen Länder, nicht nur in Griechenland, auch die “kleinen Leute” die Lage langsam begriffen. Seht hierzu nochmals den Artikel in den “Deutschen Mittelstandsnachrichten” mit dem Titel  Kapitalflucht: Banken suchen Hilfe bei der EZB und den Sparern.

Hier habt ihr einen Artikel in der Website “Querschüsse” vom 24. April mit dem Titel “Portugal: negativer Target2 Saldo steigt um 10,561 Mrd. Euro“.

In diesem Artikel heisst es: “Wie die portugiesische Zentralbank Banco de Portugal in ihrer monatlichen Bilanz mitteilte stieg die Target2 Verbindlichkeit im Monat März um 10,561 Mrd. Euro zum Vormonat, auf -74,539 Mrd. Euro und damit auf ein neues Allzeithoch. Damit steigt nach vielen Monaten einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau auch in Portugal in Folge der LTRO2-Injektion die Target2 Verbindlichkeit  erstmals wieder kräftig an. Die Kreditgewährung (Zentralbankgeld) aus LTRO2 wurde genutzt um via Target2 das Zentralbankgeld zu verbringen und damit wurde auch in Portugal mit LTRO2 primär die Kapitalflucht angefeuert“.

Hier habt ihr einen Artikel aus “Spiegel-Online” vom vergangenen Februar mit dem Titel “Südeuropäer verschieben Geld über die Alpen“. Lest euch mal diesen Artikel in Ruhe durch. Nicht nur die Griechen, auch die Portugiesen, Spanier und Italiener schaffen ihr Geld aus ihren Ländern massiv raus.

In diesem Artikel heisst es: “Demnach begann in Griechenland der Kapitalabzug im Frühjahr 2010 – praktisch zeitgleich mit der Verabschiedung des ersten Rettungspakets. Die Flucht aus Portugal folgte mit minimaler Verzögerung – offenbar ahnten die Investoren, dass das Land als nächstes in Schwierigkeiten geraten könnte.

Besonders beunruhigend ist, dass seit Mitte 2011 auch Italien und Spanien in großem Umfang Geld verlieren. Diese Tendenz setzte sich auch zum Jahresende fort, nachdem die EZB den europäischen Banken eine 500-Milliarden-Spritze gewährt hatte. In Italien und Spanien aber wuchs das Minus im Dezember um jeweils rund 40 Milliarden. “Der Abfluss wird stärker”, folgert der Commerzbank-Experte. Die Kapitalströme zeigten, dass Investoren nicht an den Erfolg der Rettungspakete glauben”.

Auch im Bereich der europäischen Staatsanleihen finden auch schon länger massive Verschiebungen statt.

Die Anleger flüchten vor allem aus den spanischen und italienischen, teilweise aber auch schon aus den französischen Anleihen. Seht hierzu in den “Deutschen Wirtschaftsnachrichten” den Artikel vom 16.4. mit dem Titel “100 Milliarden Euro weg: Massive Kapitalflucht aus europäischen Bonds.”

In diesem Artikel heisst es: Die Kapitalflucht aus den europäischen Staatsanleihen hat in den vergangenen Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Nach Berechnungen der FT haben institutionelle Anleger seit 2010 etwa 100 Milliarden Euro aus den Bondmärkten abgezogen. Betroffen sind vor allem Spanien, Italien und Frankreich”.

Das heisst, auch im Bereich der Staatsanleihen spaltet sich ganz klar die Euro-Zone. Die Euro-Zone driftet schon seit vielen Monaten gnadenlos auseinander. Und der Riss liegt zwischen Südeuropa und Mitteleuropa und Nordeuropa.

Und die Franzosen (im südlichen Mitteleuropa oder nördlich Südeuropa liegen und auch geographisch eine Sonderstellung einnehmen) nehmen eine prekäre Mittelstellung ein und “schwanken” im Mittelbereich zwischen Süd- und Mittel- und Nordeuropa etwas angeschlagen herum. Das habe ich ja schon in diesem Blogartikel ausführlich erklärt.

Aber um auf das Thema der Kapitalflucht zurückzukommen: Wie heisst es so schön: “Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“.

Die reichen Ratten riechen den Braten in der Regel ganz schnell (sie haben meist sehr gute Finanzberater). Und wenn die Sache dann offensichtlicher wird, riechen auch die durchschnittlichen Ratten den Braten und bringen ebenfalls ihr Geld weg.

Man muss es ganz klar sagen: Alles, was im restlichen Südeuropa lief und weiter läuft, geht ziemlich parallel zur damaligen Entwicklung in Griechenland ab 2010. In Portugal fing es nur kurz darauf ebenso an . Und in Spanien und kurz später in Italien fing es dann auch ebenso an. Sogar Frankreich ist in gewisser Weise schon betroffen und leicht angeschlagen.

Um auf Paul Krugman und die Griechische Finanzkrise zurückzukommen: Wie lange schon Paul Krugman das Desaster hat kommen sehen, zeigt ein Blogartikel von ihm vom April 2010 mit dem Titel “How Reversible Is The Euro?“, der sich nicht zuletzt um die schon damals klar sichtbare “Griechische Finanzkrise” dreht.

Dieser Artikel von Paul Krugman endet mit der Bemerkung: “And if Greece is in effect forced out of the euro, what happens to other shaky members? I think I’ll go hide under the table now“.

Und jetzt ist der Moment gekommen, Griechenland wird vielleicht aus dem Euro rauskatapultiert, und die “other shaky members” (vor allem Portugal, Spanien, Italien: Die südeuropäischen PIIGS-Staaten) sind natürlich massiv bedroht. Das heisst, Paul Krugman war sich des “Contagion-Effekts” immer völlig bewusst.

Und mir geht´s jetzt so, wie Paul Krugman in diesem Artikel andeutet: Es ist Zeit, in Europa in “Deckung” zu gehen.

Am privilegiertesten sind da die Deutschen. Deutschland hat dieses Spiel in den letzten beiden Jahren gelenkt und Deutschland steht dennoch wirtschaftlich in Europa immer noch am besten da. So ist das.

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