Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 13

Paul Krugman denkt jetzt übrigens genau das, was ich seit einigen Tagen auch schon denke: Dass der Euro und die Eurozone in der nächsten Zeit zerbrechen werden und zwar wegen der “spanischen Zeitbombe“, von der ich schon geredet habe.

Hier habt ihr einen Artikel vom 15.4. von Paul Krugman in den “Opinion Pages” der “New York Times” mit dem Titel “Insane in Spain“.

Dieser Artikel ist ebenso kurz wie klar. Paul Krugman sagt in diesem Artikel folgendes: “So, the euro crisis is risk on again. And this time it’s centered on Spain — which in a way is a good thing, because now the essential craziness of the orthodox German-inspired diagnosis of the crisis is on full display.

For this is really, really not about fiscal irresponsibility. Just as a reminder, on the eve of the crisis Spain seemed to be a fiscal paragon: (hier kommt eine Grafik in diesem Artikel von Paul Krugman, die zeigt, dass Spanien bis zum Platzen der spanischen Immobilienblase sogar fiskalpolitisch wesentlich solider war als Deutschland und auch weniger Schulden als Deutschland hatte. Das heisst, im Fall von Spanien handelt sich gar nicht um eine “Staatsschuldenkrise“, wie die deutschen Ökonomen immer verallgemeinernd behaupten. Wie Paul Krugman ganz richtig sagt, lag in Spanien eine gigantische Immobilienblase vor, das war das Problem. Seht hierzu meinen Blogartikel: “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit“).

Paul Krugman in diesem Artikel weiter: “What happened to Spain was a housing bubble — fueled, to an important degree, by lending from German banks — that burst, taking the economy down with it. Now the country has 23.6 percent unemployment, 50.5 percent among the young.

And the policy response is supposed to be even more austerity, with the European Central Bank, natch, obsessing over inflation — and officials claiming that the incredibly foolish rate hike last year was actually something to be proud of.

I’m really starting to think that we’re heading for a crackup of the whole system” (Fettdruck von mir!)

Das heisst, Paul Krugman glaubt, dass der Euro in der nächsten Zeit zerbrechen könnte. Ich fürchte, er hat recht.

Im Grunde passt schon Spanien nicht wirklich unter den Euro-Rettungsschirm. Und Spanien wird wohl in den nächsten Monaten unter den Euro-Rettungsschirm gehen müssen, wenn die Entwicklung so weitergeht. Die Refinanzierungskosten Spaniens (beziehungsweise die Risikoaufschläge für die spanischen Staatsanleihen) sind in den letzten Monaten massiv hochgeschnellt.

Das ist für Spanien nicht bezahlbar und auf Dauer nicht verkraftbar. Und für die Sanierung des spanischen Bankensektors hat der spanische Staat in der jetzigen Situation nicht ausreichend Geld. Spanien steht im Prinzip schon mit einem Fuss im Euro-Rettungsschirm.

Was wir jetzt schon seit einiger Zeit beobachten, ist wahrscheinlich tatsächlich der “Todeskampf” Spaniens, das habe ich ja schon einmal so gesagt.

Und Mariano Rajoy und seine Mitstreiter (Kabinett Rajoy) handeln und reagiern kopflos in dieser ganzen Situation und sie sind übrigens auch einfach völlig überfordert (was ja leicht verständlich ist. Wer wäre in so einer verrückten Situation nicht überfordert?).

Im Klartext: Ich sehe schwarz, genau wie Paul Krugman auch.

Für Robin Wells (Ökonomin und Co-Autorin von Paul Krugman) ist die Sache ebenfalls klar: Die schwarz-gelbe Regierungskoalition unter Angela Merkel hat den Euro und die Euro-Zone an den Rand des Ruins gebracht.

In ihrem Artikel vom 14.5. “German voters must break the Merkel mindset that got them into this” sagt sie folgendes: “But what has become unavoidably clear is that Germany, the linchpin of the eurozone, has been hopelessly stuck in an attitude that makes the break-up of the eurozone almost unavoidable. If Germany cannot pull itself together to keep Spain in the euro, then the markets can no longer ignore the fact that the lack of leadership and governance is a fatal flaw in the system.

What accounts for this? I would argue that the heart of the problem lies in the political culture of Germany and the mindset of its political and economic elites, which have never been willing to admit to their own voters the sacrifices that must be undertaken in order to be the leader of Europe. Instead, they have led Germans to believe that they can have it both ways: enjoying the fruits of the eurozone while times were good, and lobbing the burden of adjustment onto others when times got bad”.

Das heisst, Robin Wells meint, dass Angela Merkel und die schwarz-gelbe Regierungskoalition, auch Wolfgang Schäuble und Guido Westerwelle, ihren Wählern nie klar gesagt haben, dass Deutschlands “european leadership” die Deutschen auch Geld kosten kann.

Stattdessen hat Angela Merkel ihren Wählern (aus CDU und FDP) den Eindruck vermittelt, man könne die Euro-Zone voll “abschöpfen” und alle Vorteile der Euro-Zone geniessen, ohne im Fall einer “Euro-Krise” (und die haben wir jetzt seit Ende 2009) auch finanziell und politisch Verantwortung für diese Euro-Zone und die Länder der Euro-Zone (auch die aktuelen Eurokrisen-Länder Südeuropas) zu übernehmen.

Und jetzt wollen Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und Guido Westerwelle ihren Wählern das nicht sagen, um nicht das Gesicht zu verlieren und sich bei ihren Wählern nicht unbeliebt zu machen. Robin Wells glaubt deshalb, dass Angela Merkel und die schwarz-gelbe Regierungskoalition wahrscheinlich einfach so weitermachen werden wie bisher.

Das heisst, Angela Merkel und ihre Mitstreiter werden – genau wie im Fall von Griechenland auch – keine politische und wirtschaftliche Verantwortung für Spanien übernehmen. Und wenn Spanien “fällt”, ist mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit das Spiel schon vorbei.

Meine eigene Erklärung für das Verhalten Angela Merkels, Wolfgang Schäubles, Olli Rehns und Guido Westerwelles und aller deutschen neoliberalen Ökonomen ist folgende:

Der Neoliberalismus ist im Prinzip einfach  eine Art Religion (genau wie der Kommunismus übrigens auch).

Und es ist beim Neoliberalismus genau wie bei allen anderen Religionen auch: Selbst wenn die Realität den Phantasmen der jeweiligen Religion klar widerspricht, bleiben die Anhänger der jeweiligen Religion “fest im Glauben“.

Und genau so ist es auch bei Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Guido Westerwelle und Olli Rehn. Das Problem ist nicht, dass die deutschen Neoliberalen “böse” sind. Sie sind letztlich einfach “religiöse Fanatiker“.

Und mit religiösen Fanatikern kann man in der Regel nicht diskutieren und man kann sie auch nicht von ihrem jeweiligen Glauben abbringen.

Ich fürchte, die deutschen neoliberalen Akteure werden so weitermachen wie bisher. Und der Euro und die Eurozone werden vielleicht bald zerbrechen.

Bei den Kommunisten war das übrigens genau so. Es war schon lange vor Zusammenbruch des Ostblocks klar, dass der Kommunismus auf wirtschaftlicher Ebene (Zentralverwaltungswirtschaft) einfach nicht funktioniert und der “Realsozialismus” damit schon lange gescheitert war. Trotzdem wurde einfach so weitergemacht, bis das System vor allem wirtschaftlich komplett am Ende war und Michail Gorbatschow die Sache in der Sowjetunion beenden musste.

Dazugelernt haben im Ostblock nur die Chinesen, und zwar mit grossem Erfolg. Angefangen hat damit Deng Xiaoping, der in den achtziger Jahren damit begonnen hat, den “Sozialismus Chinesischer Prägung” aufzubauen. Der berühmte Slogan Deng Xiaopings lautete: “Es spielt keine Rolle, ob die Katze schwarz oder weiß ist; solange sie Mäuse fängt, ist sie bereits eine gute Katze

Die Chinesen sind traditionell ein fleissiges und pragmatisches Volk, das am Erfolg orientiert ist und für das vor allem auch Bildung ein hoher Wert ist. Die chinesischen Familien erziehen ihre Kinder oft streng zum fleissigen und nachhaltigen Lernen und in den USA zum Beispiel haben wir heute einen hohen Anteil an chinesischen Studenten an den amerikanischen Elite-Universitäten. Übrigens haben wir auch in Freiburg, meiner Heimatstadt, sehr viele junge Chinesen, die an der Freiburger Uni studieren.

Hier habt ihr einen Artikel aus “FTD” zu diesem Thema mit dem Titel “Darf es Harvard oder Princeton sein?

In diesem Artikel heisst es: “Wer in China Geld und Ambitionen hat, schickt die Kinder zum Studium ins Ausland. In den USA bilden Chinesen längst die größte Gruppe internationaler Studenten. Im Studienjahr 2010/11 waren 157.558 Chinesen an US-Colleges und Unis eingeschrieben, 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor”.

Chinas Bruttoinlandsprodukt (6.988.470) ist jetzt schon doppelt so gross wie  das von Deutschland (3.628.623) und fast schon halb so gross wie das der USA (15.064.816) mit einer Wachstumsrate (ob man es glaubt oder nicht!) von 9.47% im Jahr 2011. Zum Vergleich Wachstumraten von ein paar anderen Ländern: USA 1,53 %, Deutschland 2,73% (Europäische Union: 1,69%) Welt insgesamt: 3,96% (Siehe hier eine Wikipedia-Artikel “Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt” mit den jeweiligen Wachstumsraten).

Aber die Voraussetzung für eine klare Änderung der deutschen (Angela Merkel und ihre Mitarbeiter: Kabinett Merkel II) und Brüsseler (Olli Rehn und Troika) gegenüber den PIIGS-Staaten ist natürlich, da hat Robin Wells völlig recht, dass Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und Guido Westerwelle ihren deutschen Wählern auch ganz klar sagen, dass die Sache Geld kosten wird. Denn ohne Geld ist Südeuropa nicht zu retten, zumindest jetzt nicht mehr (Hätte man die Eurokrise von Anfang an besser “gemanagt”, hätte die Sache vielleicht gar nicht so teuer sein müssen).

Was übrigens Paul Krugman auch ganz klar sagt (und ich habe es auch oft genug gesagt) ist, dass das Grundproblem aller dieser europäischen PIIGS-Staaten (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland) das folgende ist: Sie können in ihrer aktuellen wirtschaftlichen Krisensituation nicht abwerten (weil der Euro eine Gemeinschaftswährung ist).

Aber in einer wirtschaftlichen Krisensituation ist eine Währungsabwertung ein klassisches und wirksames Mittel, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden und die eigenen Exporte zu verbilligen und damit zu steigern (und die Importe natürlich damit zu verteuern).

Im Klartext: Die griechischen Waren wären dann in den anderen Ländern billiger, die ausländischen Waren in Griechenland teurer. Dadurch werden die eigenen Waren wieder konkurrenzfähiger.

Und das ist ein massives Problem. Hätten diese Länder wieder ihre eigene Währung, hätten sie vielleicht gute Möglichkeiten, sich wieder zu erholen. Stattdessen müssen diese europäischen Krisenländer in der aktuellen Situation ihre eigene Arbeit abwerten (ein Versuch, so wieder konkurrenzfähiger zu werden. Man betreibt so “Lohndumping” und versucht die ausländischen Löhne so zu “unterbieten”)

Das heisst, die sogenannten “Strukturreformen” in diesen südeuropäischen Krisenländern bestehen darin, dass man die Gewerkschaften in diesen Ländern massiv schwächt, die Löhne massiv absenkt und den ganzen Arbeitsmarkt in diesen Ländern “dereguliert” und “flexibilisiert”, alles zu Ungunsten der Arbeitnehmer, die in der Regel dann für einen Apfel und ein Ei arbeiten müssen, vorausgesetzt, sie finden überhaupt Arbeit (in allen diesen südeuropäischen Ländern steigt zur Zeit die Arbeitslosigkeit rasant).

Und ausserdem sind diese sogenannten “Strukturreformen” offensichtlich in den südeuropäischen Ländern volkswirtschaftlich gesehen bisher völlig erfolglos. In keinem südeuropäischen Land hat das bisher etwas gebracht, weder in Griechenland und offensichtlich auch nicht in Portugal, in Spanien sehe ich auch keine Erfolge, und in Italien geht es jetzt auch bergab.

Siehe zu diesem ganzen Themenkomplex der sogenannten “Strukturreformen” in den südeuropäischen Ländern nochmals das intelligente PDF der Friedrich-Ebert-Stiftung von Zoe Lanara mit dem Titel “Griechische Gewerkschaften und die Krise“.

Paul Krugman meint daher, dass Griechenland im Falle eines Austritts aus der Euro-Zone durch die dann erfolgende Abwertung der wiedereingeführten Drachme vielleicht sogar deutlich profitieren könnte. Das heisst, am Ende wäre es für die Griechen sogar besser, wenn sie aus der Euro-Zone austreten. Auch ich denke, dass das durchaus so sein könnte.

Hier habt ihr einen Artikel von Paul Krugman vom 15.5 mit dem Titel “More on Greek and Argentine Exports“. Das Fazit in diesem Artikel von Paul Krugman: “People who say that Greece can’t benefit from devaluation because it doesn’t have any exports just haven’t done their homework“.

Am 14.5. hat Paul Krugman einen Artikel mit dem Titel “Exit and Exports” zum Thema eines möglichen Austritts der Griechen aus der Euro-Zone veröffentlicht.

In diesem Artikel sagt Paul Krugman: “In particular, I keep reading that Argentina’s example is irrelevant, because Greece has hardly any exports. I don’t know where that comes from, but it just ain’t so”.  (Und dann kommt eine Grafik, die zeigt, dass Griechenland durchaus Exporte  hat. Und natürlich hat Griechenland auch eine Tourismus-Industrie, deren Preise dann für die Touristen aus der Euro-Zone im Fall einer Abwertung der Drachme deutlich günstiger als bisher wären).

Paul Krugmans Fazit in diesem Artikel: “What is true is that Greece doesn’t export a lot of goods. But it exports a lot of services — shipping and tourism (pdf). How might these respond to the devaluation of the new drachma? Shipping volumes presumably wouldn’t change much — but since the prices would be in euros and dollars, they’d be worth more relative to Greek GDP, so that would be a boost. Tourism — well, cheaper hotels could attract a lot of British and German package tours, as long as the political situation isn’t that chaotic. This isn’t a prediction that everything will be fine, but it is a caution that the pessimism about Greek prospects once the turmoil is past may be overdone.”

Das heisst, wenn die griechische politische und soziale Situation halbwegs stabil bleiben sollte, könnte Griechenland im Fall eines geregelten und kontrollierten Austritts aus der Euro-Zone vielleicht sogar von dem Austritt deutlich profitieren.

Auch bei den anderen südeuropäischen Krisenstaaten (Portugal, Spanien, Italien) könnte durchaus auch solch ein Effekt eintreten. Entscheidend wäre allerdings immer, dass die politische und soziale Situation in diesen Ländern stabil bleibt und der Euro nicht einfach “zerbricht“. Die “Austritte” dieser südeuropäischen Krisenländer müssten “geregelt” und “kontrolliert” sein und sie würden dann natürlich immer noch Mitglied der EU bleiben, bekämen also weiterhin finanzielle Hilfen von der EU.

Paul Krugman meint sowieso, dass der Moment der “Eurodämmerung” (Wagner: Götterdämmerung) vielleicht schon gekommen ist. Seht hierzu seinen Artikel “Eurodämmerung” vom 13. 5. In diesem Artikel erklärt Paul Krugman, wie “The end of the game” vielleicht aussehen könnte:

“Some of us have been talking it over, and here’s what we think the end game looks like:

1. Greek euro exit, very possibly next month.

2. Huge withdrawals from Spanish and Italian banks, as depositors try to move their money to Germany.

3a. Maybe, just possibly, de facto controls, with banks forbidden to transfer deposits out of country and limits on cash withdrawals.

3b. Alternatively, or maybe in tandem, huge draws on ECB credit to keep the banks from collapsing.

4a. Germany has a choice. Accept huge indirect public claims on Italy and Spain, plus a drastic revision of strategy — basically, to give Spain in particular any hope you need both guarantees on its debt to hold borrowing costs down and a higher eurozone inflation target to make relative price adjustment possible; or:

4b. End of the euro.

And we’re talking about months, not years, for this to play out” (Fettdruck von mir!).

Das heisst, auch Paul Krugman glaubt, dass diese ganze Sache nur noch eine Frage von Monaten ist. Das habe ich ja gestern auch schon so gesagt.

Angela Merkel redet von irgendwelchen “Verschnaufpausen” und merkt nicht, dass “The end of the game” vielleicht schon gekommen ist (Seht hierzu den Artikel aus dem “Hamburger Abendblatt” mit dem Titel “Spanien immer tiefer im Krisenstrudel“).

Wie recht Paul Krugman damit hat, dass in Spanien vielleicht bald eine massive Kapitalflucht stattfinden wird (Punkt 2. Huge withdrawals from Spanish and Italian banks, as depositors try to move their money to Germany) zeigt der Artikel aus der österreichischen “Die Presse.com” von Mitte April mit dem Titel “In Spanien läuft eine Kapitalflucht“. Die Kapitalflucht hat in Spanien anscheinend schon längst begonnen.

In diesem Artikel heisst es: “Unter “Target 2” wird ein Clearingmechanismus verstanden, über den die Euro-Zentralbanken die laufenden Kapitalströme ausgleichen. Seit 2010 klaffen die Salden, die in den Jahren davor um die Nulllinie pendelten, immer stärker auseinander: Auf der einen Seite die deutsche Bundesbank, die mittlerweile mehr als 600 Milliarden Euro Forderungen aufgebaut hat (sowie die ebenfalls hoch aktiven Zentralbanken der Niederlande, Finnlands und Luxemburgs) – und auf der anderen Seite die Notenbanken Italiens, Spaniens und anderer Südländer, die der EZB Hunderte Milliarden schulden.

Österreich, das ja eigentlich eine aktive Leistungsbilanz hat, weist bei Target 2 übrigens einen milliardenschweren Verbindlichkeitsüberschuss auf. Die Nationalbank will das Thema gar nicht kommentieren – es handle sich um einen reinen Ausgleichsmechanismus, der sich über die Zeit wieder ausgleichen werde, wird beruhigt.

Der immer stärker negative Target-2-Saldo der Spanier weise nicht nur auf eine negative Handelsbilanz hin, sondern auch darauf, “dass in Spanien eine Kapitalflucht läuft”, sagte Kapitalmarktexperte Blasnik. “Die Märkte kommen immer mehr zum Schluss, dass sich die spanische Regierung in größeren fiskalischen Kalamitäten befindet als bisher angenommen. Denn es liegt klar auf der Hand, dass die spanischen Banken noch viel mehr staatliche Unterstützung benötigen werden.”

Im Klartext: Die wohlhabenden Spanier schaffen schon seit geraumer Zeit ihr Geld ins Ausland. Und damit stehen dann die spanischen Banken zunehmend ohne Geld da, und wie der Wiener Kapitalmarktexperte Blasnik ganz klar sagt, wird die Folge davon sein, dass die spanischen Banken noch viel mehr finanzielle Hilfen benötigen werden als bisher geplant, wenn es so weiter geht.

Und die starken deutschen, niederländischen, finnländischen und luxemburgischen nationalen Zentralbanken bauen zur Zeit riesige Forderungen über das Target 2-System auf, und die spanischen und wohl auch italienischen, portugiesischen und griechischen nationalen Zentralbanken (Blasnik redet hier von den italienischen und spanischen Banken und den Banken anderer Südländer) bauen riesige Verbindlichkeiten auf.

Target 2” ist Teil des des Eurosystems (ESZB) und letztlich der EZB. Und die Bundesbank haftet mit 27% für die eventuellen Verluste der EZB. 

Falls diese südeuropäischen, griechischen, portugiesischen und vor allem spanischen und italienischen Zentralbanken Pleite gehen, bleiben die Gläubiger-Zentralbanken, die diese riesigen Forderungen aufgebaut haben, auf ihren Forderungen natürlich sitzen und das Geld ist weg. Das heisst, bei dieser Spaltung des europäischen Bankensektors steht auch für die Gläubigerzentralbanken – wie zum Beispiel für die Deutsche Bundesbank – einiges auf dem Spiel. Und für die Bundesbank steht am Ende einfach der deutsche Wähler und Steuerzahler ein.

Hier habt ihr ein Artikel der FAZ vom November 2o11 mit dem Titel “Euro-System: Kapitalflucht aus Italien steigert Bundesbankrisiko“.

In diesem Artikel heisst es:Die Kapitalflucht macht sich in Forderungen und Verbindlichkeiten des Zahlungsverkehrssystems Target bemerkbar. Von Ende Juli bis Ende September sind diese Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Euro-System von 343 auf 449 Milliarden Euro gestiegen“.

Weiter heisst es in diesem Artikel: “Die Target-Verbindlichkeiten (Target 2) beziehungsweise im Fall der Bundesbank Target-Forderungen entstehen unter anderem, wenn Geld von den Banken eines Landes abgezogen und in ein anderes Euroland überwiesen wird. In normalen Zeiten werden solche Abflüsse finanziert durch zusätzliche private Kredite des empfangenden Bankensystems an die Banken, die Abflüsse verzeichnen.

Deshalb waren die Target-Forderungen der Bundesbank vor 2007 kaum der Rede wert. Seitdem jedoch Misstrauen unter den Banken herrscht, besonders gegenüber solchen aus finanzschwachen Euroländern, trocknet der private Kredit aus. Die Banken, denen misstraut wird, weichen auf Kredite der Zentralbanken des Euro-Systems aus, und das Euro-System baut so Verbindlichkeiten gegenüber den nationalen Notenbanken auf, in die das Kapital abfließt. Sollte es in dieser Kette zu Zahlungsausfällen kommen, würden die trotz der Besicherung mit Wertpapieren zu erwartenden Verluste gemäß den Kapitalanteilen an der EZB auf alle Notenbanken des Euro-Systems umgelegt. Die Bundesbank trägt die Risiken für die 449 Milliarden Euro an Target-Forderungen also nicht allein, aber auf sie würde ein großer Teil der Verluste entfallen.

Im Umfeld der Bundesbank wird vermutet, dass der starke Anstieg der italienischen Target-Verbindlichkeiten nur zum geringen Teil mit dem Leistungsbilanzdefizit des Landes zu erklären ist. Der Löwenanteil sei wohl auf die große Nervosität auf den Finanzmärkten zurückzuführen. Eine ähnliche Erklärung ist auch vom Münchener Ökonomen Hans-Werner Sinn zu hören. Die italienischen Anleger verkauften ihre Vermögenswerte, schrieb Sinn in einem Zeitungsbeitrag. Die Banken bezahlten sie mit dem Geld aus den Target-Krediten. Schließlich verwendeten die italienischen Anleger das Geld, um in Deutschland Aktien oder andere Wertobjekte zu kaufen. Hinter der Staatsschulden- und Bankenkrise stecke eine Zahlungsbilanzkrise, die in den Targetsalden ihren Ausdruck findet. sagte Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank”.

Ich habe es ja schon am Anfang meines Blogartikels klar erklärt: Das Zerbrechen des Euro (wenn es tatsächlich passieren sollte) wird ziemlich katastrophale Erschütterungen auch im Banken- und Finanzsektor und natürlich auch bei den jeweiligen nationalen Zentralbanken wie die Deutsche Bundesbank auslösen (die anteilig für die EZB einstehen und die dann natürlich “Geschichte” wäre).

Die Wiedereinführung der D-Mark als Folge womöglich noch eines unkontrollierten Zerbrechens des Euros wäre in der Tat eine Katastrophe.

Seht hierzu nochmals den Artikel aus dem “Handelsblatt” vom August 2011 “Wiedereinführung der D-Mark wäre Katastrophe“.

In diesem Artikel heisst unter anderem: “Eine Finanzkrise in Deutschland als Folge einer D-Mark-Wiedereinführung befürchtet Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studie (CEPS). Schließlich hielten Banken viele Anleihen aus anderen Euro-Ländern, die sie vermutlich weitgehend abschreiben müssten, wenn die neue D-Mark gegenüber anderen Währungen aufwerte: „Das Finanz- und Bankensystem bräche komplett zusammen“, sagte Gros. „Die Banken würden sich untereinander kein Geld mehr leihen, die Unternehmen bekämen keine neuen Kredite mehr und die Institute würden die ausstehenden Kredite einfordern. Die deutsche Volkswirtschaft würde massiv einbrechen, vielleicht nur um 20 Prozent, vielleicht aber auch um 30 Prozent.“

Tja, dem ist nicht hinzuzufügen.

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