Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 40

Am 28.5. erschien in “Focus” ein Artikel mit dem Titel “Bankenkrise eskaliert: Spanien im Zentrum der Schuldenkrise.” Allerdings wird immer noch von der “Schuldenkrise” geredet. Von dem neoliberalen Horror-Wort “Schulden” wollen sich die deutschen Journalisten nicht trennen, auch wenn der ganze Inhalt des Artikels klar beweist, dass wir eine Bankenkrise in Spanien haben (hat mit Schulden wenig zu tun).

Nun gut, vielleicht wird man diese neoliberale Unwort “Schuldenkrise” irgendwann mal ganz durch das zumindest für Spanien korrekte Wort Bankenkrise ersetzen. In der obigen Titelzeile haben wir das Paradox, dass sowohl von der Schulden- als auch Bankenkrise geredet wird, der Inhalt des Artikel aber nur über die Bankenkrise berichtet.

Und das logisch so: Die Defizitziele von Brüssel spielen jetzt keine Rolle mehr. Was jetzt auf Spanien zurollt ist das “langsame Zugunglück” nach Nouriel Roubini, also möglicherweise ein schwerer systemischer Bankencrash in Spanien mit weltweiten Auswirkungen. Zu den Prophezeiungen von “Dr. Doom” Nouriel Roubini siehe unter anderem den Artikel aus dem Manager-Magazin vom 25.5. mit dem Titel “Italien und Spanien:EZB-Milliarden versickern in Bankbilanzen

Das wäre viel schlimmer als jedes noch so weit verfehlte Defizitziel.

Mariano Rajoy glaubt wieder mal, er kriegt das selbst in den Griff. Glauben tut´s ihm aber wohl keiner. Er wollte in den letzten Monaten schon vieles in den Griff kriegen, aber die spanische Situation wird immer dramatischer.

Mariano Rajoy gibt in diesem Artikel  mit dem Titel “Italien und Spanien:EZB-Milliarden versickern in Bankbilanzen” folgendes zum Besten: „Es wird für die spanischen Geldhäuser keine europäische Rettungsaktion geben“, erklärte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag. Nach Angaben der Budgetstaatssekretärin Marta Fernández Currás ist die Rekapitalisierung der Banken bereits angelaufen. Der Staat werde die Mittel zur Verfügung stellen, die notwendig seien. „Eine europäische Rettungsoperation ist nicht notwendig.“

Rajoy gab indes zu, dass Spanien es derzeit „sehr schwer“ habe, sich auf den Finanzmärkten frisches Geld zu beschaffen. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen zogen auf Rekordhöhen von mehr als 500 Basispunkte an. Das bedeutet, dass Spanien im Vergleich zu Deutschland – das unter Investoren als einer der kreditwürdigsten Schuldner gilt – zurzeit einen so hohen Zinsaufschlag wie noch nie seit der Euro-Einführung bieten muss: Während Deutschland mit aktuell 1,37 Prozent so wenig Zinsen wie noch nie für zehnjährige Schulden zahlt, muss Spanien mit rund 6,41 Prozent ein Vielfaches dessen und so viel Rendite wie selten zuvor bieten. Derart hohe Zinsniveaus gelten langfristig als nicht tragbar.

Nach Interpretation Rajoys hat dies allerdings nichts mit der Krise der Großbank Bankia zu tun. „Alle Welt weiß, dass Spanien alles daran setzt, sein Defizit zu reduzieren. Aber es herrscht eine allgemeine Ungewissheit wegen der Lage in Griechenland“, sagte der Regierungschef”.

Mariano Rajoy tut also, als wenn es noch um die Defizitziele geht. Und angeblich hat das Ansteigen der Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen nichts mit der Lage der spanischen Banken, sondern mit Griechenland zu tun.

Denkt mal drüber nach: Glaubt ihr das wirklich, was Mariano Rajoy hier behauptet? Für mich ist das “nonsense“, um die Wahrheit zu verschleiern: Der spanische Bankensektor ist eine “Zeitbombe” für das weltweite Bankensystem.

Und Mariano Rajoy will verschleiern, dass solche Risikoaufschläge auf Dauer für Spanien gar nicht finanzierbar sind. Und je mehr der spanische Bankensektor bergab geht, desto mehr werden diese Risikoaufschläge steigen.

Na, ja, lest euch diesen Artikel mit dem Titel “Bankenkrise eskaliert: Spanien im Zentrum der Schuldenkrise” vom 28.5. in Focus durch. Der ist ziemlich sachlich und die Lage ist tatsächlich schon seit längerem dramatisch für Spanien.

Hier habt ihr einen Artikel von Focus vom 28.5. mit dem Titel “Kurssturz von Bankia: Spanische Bankenkrise dämpft Aktienmärkte.” So, der Niedergang der spanischen Banken dämpft natürlich die Aktienmärkte. Und die spanischen Staatsanleihen will zunehmend keiner mehr haben (womit die Risikoaufschläge steigen) während die Bundesanleihen einen historischen Tiefstand der Risikoaufschläge erleben. Was schliessen wir daraus? Ganz einfach, die Anleger flüchten aus den spanischen Anleihen (die wohl der wegen der Bankenkrise als immer unsicherer gelten) und gehen in die als sicher gehenden deutschen Anleihen hinein. Würde ich wohl auch so machen, obwohl ich Halbspanier bin.

Na, ja, lest euch auch diesen recht sachlichen und vernünftigen Artikel “Kurssturz von Bankia: Spanische Bankenkrise dämpft Aktienmärkte” in Ruhe durch.

Ein Artikel aus dem “Handelsblatt” mit dem Titel “Spanische Bankenkrise belastet Dax“vom 28.5. berichtet, dass die spanische Bankenkrise den Dax belastet.

In diesem Artikel heisst es wörtlich: “Die spanische Bankenkrise dämpfte heute jegliche Euphorie und sorgte am Rentenmarkt für einen Ausverkauf spanischer Staatsanleihen. Auch die schwachen italienischen Konjunkturdaten taten ihr übriges. So sank die Unternehmensstimmung auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Dagegen fiel die jüngste italienische Anleihe-Auktion wie erwartet aus und lieferte dem Markt kaum Impulse“.

Weiter heisst es in diesem Artikel: “Erschüttert von mehreren Hiobsbotschaften gerät Spanien zusehends in den Strudel der Schuldenkrise. Das Land erlebe gerade einen „extrem schwierigen Moment“, räumte Ministerpräsident Mariano Rajoy auf einer Pressekonferenz ein. Die Märkte reagierten verunsichert, die Renditen spanischer Staatsanleihen schnellten in die Höhe und der Risikoaufschlag für die Papiere schoss auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Die Titel des Sparkassen-Konzerns Bankia brachen zeitweise um 29 Prozent ein und schlossen 13 Prozent niedriger. Das zog auch den Madrider Leitindex nach unten, er verlor zwei Prozent. Andere spanische Banken wie Banco Popular kamen ebenfalls unter die Räder, sie büßten sieben Prozent ein, Sabadell rutschten um 5,3 Prozent. Bankia hatte am Freitag den Staat um weitere 19 Milliarden Euro bitten müssen, um zu Überleben.

Und wieder das Wort “Schuldenkrise”, von dem sich die deutschen Journalisten einfach nicht trennen wollen, ersetzt es einfach durch “Bankenkrise”, dann stimmt die Sache auch. Was jetzt passiert, hat nichts mehr mit Spaniens Schulden, sondern nur noch mit Spaniens Banken zu tun. Und das war schon lange, dass genau das Spaniens Problem ist: Es resultiert aus der geplatzten Immobilienblase, die ab Ende 2007 geplatzt ist.

Seien wir ehrlich: Das sieht alles ganz schlecht aus, aber es war so zu erwarten. Spanien ist tatsächlich das “Epizentrum” der Krise (Paul Krugman: “Europe´s Economic Suicide“) und wir haben dort eine “Bankenzeitbombe” oder nennt es meinetwegen ein “langsames Zugunglück” (Nouriel Roubini).

Hier habt ihr heute auch einen guten Artikel zu diesem Thema vom 28.5. in ntv mit dem Titel “”Keine EU-Hilfe nötig:”Spanien in der Bankenkrise.”

Auch hier werden im wesentlichen die Fakten berichtet, die ich schon aufgeführt habe. Dass so viele Artikel heute zu diesem Thema kommen, zeigt, dass die deutschen Journalisten jetzt langsam begriffen haben, dass vom spanischen Bankensektor aus eine grosse systemische Bankrise droht.

Hier habt ihr einen Artikel aus der österreichischen “Die Presse.com” vom 29.5. mit dem Titel “Spanische Bankenkrise: Milliarden-Verlust statt Gewinn.”

In diesem Artikel heisst es unter anderem: “Der Mutterkonzern der maroden Sparkasse Bankia, BFA, musste das Ergebnis korrigieren. Von 41 Millionen Euro Gewinn auf ein Minus von 3,3 Milliarden Euro.

Hier habt ihr einen ähnlichen Artikel aus der “Handelszeitung” vom 28.5. mit dem Titel “Spanien will Bankenkrise alleine meistern“. Auch die Handelszeitung scheint nicht wirklich an die Verlautbarungen von Mariano Rajoy zu glauben. Und ich glaube schon lange nicht mehr an seine Verlautbarungen, beziehungsweise ich habe noch nie wirklich an sie geglaubt.

Hier habt ihr einen Artikel aus “Managermagazin-Online” vom 28.5. ebenfalls zu diesem Thema mit dem Titel “Madrid lehnt Hilfe ab: Spanien tief im Strudel der Bankenkrise.”In diesem Artikel heisst es: “Spaniens Bankenkrise erinnert immer mehr an die Entwicklung in Irland. In beiden Ländern waren Geldhäuser nach dem Platzen einer Immobilienblase in Bedrängnis geraten. In Irland sprang die Regierung den Banken frühzeitig bei, musste dazu aber unter den internationalen Rettungsschirm schlüpfen.

In Spanien dagegen blieb das wahre Ausmaß der “faulen” Immobilienkredite lange Zeit verborgen. Die Geldhäuser hofften offenbar darauf, dass die Krise rasch überwunden werde und sie die Finanzprobleme aus eigener Kraft lösen könnten. Diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Die Aktien von Bankia waren am Montag nicht einmal mehr ein Drittel des Betrags wert, zu dem sie im Juli 2011 an die Börse gebracht worden waren”.

Die Krise der teilverstaatlichten Bank weckt neue Befürchtungen, dass Spanien – die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone – vollends in den Strudel der europäischen Schuldenkrise gezogen wird und internationale Hilfe in Anspruch nehmen muss. Am Pfingstmontag stiegen die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Anleihen gegenüber als sicher geltenden deutschen Papieren auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. “Das Gespenst einer europäischen Rettungsaktion ist zurück”, schrieb die Zeitung “El País”.

Meine Prophezeiung zu dieser Sache: Die europäische Rettungsaktion wird kommen müssen. Ich fürchte, dass es genauso kommt, wie Nouriel Roubini prophezeit, nach und nach wird klar werden, dass die Zahl der in den spanischen Banken lagernden “faulen” Immobilienkredite riesengross ist. Das Volumen kann man schwer abschätzen, aber es können durchaus Hunderte von Milliarden Euro sein.

Hier habt ihr zum Beispiel einen Artikel aus “FTD Mobil” vom 18.5. mit dem Titel “Land in der Krise: Spaniens Misere“.

In diesem Artikel heisst es: “In Spanien leiden die Banken unter dem Zusammenbruch des Baubooms vor vier Jahren. In ihren Bilanzen lagern unzählige faule Kredite, die sie für den Wohnungsbau gewährt hatten und die nicht zurückgezahlt werden können. Nach Angaben der Regierung beläuft sich das Gesamtvolumen der Immobilienkredite in Spanien auf etwa 320 Mrd. Euro.

Volkswirte der Citigroup kommen in einer Analyse jedoch auf eine wesentlich höhere Summe: Demnach sitzen die spanischen Geldhäuser auf Krediten von rund 1000 Mrd. Euro, die am Immobiliensektor hängen. Die Schätzungen, wie viel davon ausfallgefährdet ist, reichen von 50 Mrd. bis zu 200 Mrd. Euro. Das Kapitalloch der spanischen Geldhäuser insgesamt wird auf mindestens 30 Mrd. Euro geschätzt”.

Also nach Schätzung der “Citigroup” könnte in Spanien ein Volumen an “faulen” Krediten im Umfang von 200 Milliarden Euro vorliegen. Vielleicht aber auch mehr. Wer weiss das schon? Sowas ist schwer abzuschätzen.

Hier habt ihr einen Artikel aus “heute.de” vom 28.5 mit dem Titel “Spanien im Strudel der Bankenkrise.”

Ich selbst habe seinerzeit die spanische damalige Situation vor ungefähr knapp drei Monaten in einem Blogartikel “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit” analysiert. Und schon damals hatte ich den Verdacht, dass den spanischen Banken das Wasser bis zum Hals steht. Jetzt steht das Wasser noch höher, kurz vor der Nasenwurzel. Und noch ein paar Zentimeter mehr, und die spanischen Banken “saufen” ab. Das ist mein Verdacht. Und man muss sofort etwas tun, um diese Banken zu stabilisieren. Aber das ist Aufgabe der Politik. Und es setzt voraus, dass Mariano Rajoy so vernünftig ist und auch zugibt, welches Problem das Land hat: Das Problem einer drohenden schweren Bankenkrise mit gravierenden Auswirkungen auf den ganzen internationalen Bankensektor. Und  er muss die anderen EU-Länder um Hilfe bitten.

Bisher gibt Mariano Rajoy sich aber anscheinend immer noch irgendwelchen Illusionen hin, scheint mir.

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