Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 37

Zur massiven Krise des europäischen Interbankenmarktes (seit dem Zusammenbruch der Lehman-Brothers-Bank im Jahre 2008), die bis heute anhält und dazu geführt hat, dass die europäischen Banken sich letztendlich seitdem hauptsächlich über die EZB und den “Target 2“-Mechanismus finanzieren, darüber habe ich ja ausführlich berichtet in Teil 34 dieses Blogartikels “Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble – die Euro-Krise ist zurück – Teil 34.”

Nun, zu dieser Geschichte sind weiterhin noch andere zahlreiche Informationen im Internet aufzufinden. Hier habt ihr einen Forschungsbericht der Uni Potsdam vom Jahre 2010 mit dem Titel “ZUR VERTRAUENSÖKONOMIK – Der Interbankenmarkt in der Krise von 2007-2009“. Was die Ursachen angeht, so ist dieses PDF eindeutig: Es fing mit der subprime-Krise in den USA und dem Ausbruch der globalen Finanzkrise 2007 an.

Seitdem ist der Interbankenmarkt sowohl in den USA als auch in Europa massiv in der Krise (mehr oder weniger eingefroren letztendlich aufgrund des enormen Vertrauensverlusts zwischen den Banken), wobei der Focus aktuell offensichtlich eindeutig auf dem europäischen Interbankenmarkt liegt.

Gut, wer Lust hat, kann sich dieses umfangreiche PDF mal durchlesen.

Was das Target2-System selbst angeht habt ihr einen Artikel vom 15. Mai mit dem Titel “Target-2-Wortverdreherei: Ein notwendiger Versuch der Entwirrung” auf dem Blog “Wirtschaftswurm”.

Da geht es darum, ob das”Target2“-System tatsächlich nur ein harmloser Verrechnungsmechanismus ist oder eben doch eine Form von Kreditvergabe.

Nun, ich habe die Frage eigentlich auch schon beantwortet: im Prinzip war das “Target 2“-System ein harmloser Verrechnungsmechanismus. Seitdem der Interbankenmarkt aber eingefroren ist, übernimmt er natürlich Kreditfunktionen, genau im Sinne eines Interbankenmarktes. Der “Target2“-Mechanismus ist im Prinzip ein harmloser Verrechnungsmechanismus, beziehungsweise ganz konkret das Echtzeit-Brutto-Clearingsystem (RTGS) des Eurosystems (ESZB). Seit dem Jahre 2008 ist er eine Art Ersatz für den ab 2008 eingefrorenen Interbankenmarkt.

Also, in diesem obigen Artikel  “Target-2-Wortverdreherei: Ein notwendiger Versuch der Entwirrung” wird erklärt, wie diese mit dem Target 2-Mechanismus konkret funktioniert: “Bereits vor knapp einem Jahr habe ich über das Target-2-System der Europäischen Zentralbank geschrieben und erklärt, wie es funktioniert. Alle grenzüberschreitenden Überweisungen im Eurosystem fließen über die Target-2-Konten, die die beteiligten Notenbanken bei der EZB haben, bevor sie beim endgültigen Empfänger landen.

Wenn z.B. ein Grieche in Deutschland Immobilien kauft, spielt sich auf den Target-2-Konten genau das Gleiche ab, was auf unseren Girokonten passiert, wenn ich Olaf Storbecks Schmucksammlung kaufe. Die Griechische Notenbank beansprucht genauso einen Überziehungskredit, wie ich es in dem Beispiel getan habe. Sie beansprucht ihn allerdings nicht bei der Deutschen Bundesbank, sondern bei der EZB. Dies hat auch Hans-Werner Sinn nicht genügend klargestellt.

Die Bundesbank ist andererseits tatsächlich Gläubiger, allerdings auch nicht Gläubiger der griechischen Notenbank, sondern wiederum der EZB. Die Bundesbank hat bei ihr ein Guthaben, aber Guthaben nennen wir lediglich die Kredite, die wir den Banken geben.

Und was sehen wir in Schritt 3? Tatsächlich findet eine Tilgung statt, indem der “Gläubiger” dem “Schuldner” Geld übergibt. Da ist nichts Mysteriöses daran, wenn man die EZB explizit berücksichtigt. Negative Target-2-Salden sind wie Überziehungskredite. Quod erat demonstrandum”.

Hier habt ihr einen relativ witzigen Artikel vom 10.5.2012 aus der Website “Alles Schall und Rauch” mit dem Titel “TARGET2 geht durch die Decke!

Da habt ihr auch ein Diagramm dazu, wie die “Target 2“-Salden in der letzten Zeit hochgeschossen sind.

Und in diesem Artikel – der natürlich warnend ist – heisst es ironisch: “Eine Kritik an diesem Ungleichgewicht wurde bisher immer mit dem Argument abgeschmettert, ein Währungszusammenbruch ist undenkbar und ausgeschlossen. Nach dem Motto, was nicht sein darf, kann nicht sein. Da wäre ich in der heutigen Situation nicht mehr so sicher. Wenn Griechenland, Portugal oder erst recht Spanien zahlungsunfähig werden, dann geht die Lawine los die alles mitreisst.

Auch wenn nichts passiert und die Eurozone “koste es was es wolle” zusammengehalten wird, wie sollen diese Schulden jemals zurückgezahlt werden? Da müsste ja Deutschland aufhören Exportweltmeister zu sein und nur noch Produkte von den anderen EU-Ländern kaufen, damit sich der Saldo mit der Zeit ausgleicht. Soviel Wein, Tomaten, Olivenöl und Spaghetti können sie gar nicht in sich stopfen (lach)”.

Tja, für ein paar Hundert Milliarden Euro Wein, Tomaten, Olivenöl und Spaghetti, da wird Deutschland richtig satt, das kann man schon sagen.

Und da die Krise in Südeuropa immer heftiger wird, schiessen natürlich auch die “Target2”-Forderungen der Bundesbank in die Höhe. Siehe dazu den Artikel aus der FAZ vom 10.4.2012 mit dem Titel “Target II Forderungen der Bundesbank nehmen zu.”

In diesem Artikel heisst es wörtlich: “Die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems „Target II“ haben im März beschleunigt zugenommen. Wie aus Daten der Bundesbank hervorgeht, beliefen sie die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB per 31. März 2012 auf 615,592 Milliarden Euro gegenüber 547,047 Milliarden Euro Ende Februar. Die Target-Forderungen nahmen damit um 12,5 Prozent zu, nachdem sich der Zuwachs im Februar auf 9,8 Prozent belaufen hatten”.

Ihr habt dranhängend an diesem obigen FAZ-Artikel mit dem Titel “Target II Forderungen der Bundesbank nehmen zu” vom 10.4. einen weiteren FAZ-Artikel vom 1.3. mit dem Titel “Euroraum: Das Problem der „Target II“-Salden.”

Und wie wir weiterverlinkt dann erfahren, macht sich Bundesbankchef Jens Weidman eben doch grosse Sorgen wegen des “Target 2“-Systems. Dort finden wir nämlich einen weiteren FAZ-Artikel vom 29.2.mit dem Titel “Schuldenkrise: Die Bundesbank fordert von der EZB bessere Sicherheiten“.

In diesem Artikel heisst es kurz und knapp: “Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, vor den wachsenden Risiken im Eurosystem gewarnt und eine Rückkehr zu den Sicherheitenregeln vorgeschlagen, die vor dem Beginn der Finanzkrise galten. In einem Brief, dessen Inhalt der F.A.Z. bekannt ist, nimmt Weidmann ausdrücklich auf die wachsenden Target-Forderungen Bezug. Er schlägt eine Besicherung dieser Forderungen der EZB gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Eurosystems vor, die einen Wert von mehr als 800 Milliarden Euro erreicht hätten. Die Vorschläge zur Sicherheitenpolitik könnten zu neuerlichen Auseinandersetzungen in der EZB führen, kurz nachdem sie im zweiten Langfristtender den Banken am Mittwoch 530 Milliarden Euro für die außergewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren verschafft hat.

Der Brief zeugt von der wachsenden Unruhe in der Bundesbank, deren über das Target-Zahlungsverkehrssystem aufgelaufene Forderung mit knapp 500 Milliarden Euro der mit Abstand größte Posten in der Bilanz ist. Weidmann warnt in dem Brief an Draghi vor einem Reputationsverlust und regt eine Debatte über die Risiken an. Sollte ein Teil dieser Forderungen ausfallen, könnten die Notenbanken des Eurosystems die Verluste möglicherweise nicht tragen und die Eurostaaten würden sie möglicherweise nicht ausgleichen, schreibt Weidmann”.

Also auch Jens Weidmann hat jetzt Muffesausen. An diesen Artikel mit dem Titel “Schuldenkrise: Die Bundesbank fordert von der EZB bessere Sicherheiten” vom 29.2. weiterverlinkt findet ihr noch zahlreiche andere Artikel zum Target2-Thema.

Die FAZ hat ihr anscheinend eine Art Dossier zu diesem Thema zusammengelinkt.

Also wie es scheint, macht dieses Target 2-Thema schon relativ lang die Runde, auch in den deutschen Medien. Und je schlimmer die Krise in Südeuropa ist, umso mehr Forderungen baut die EZB (und letztlich auch die Bundesbank) über das Target2-System auf.

Wie es ganz konkret in letzter Zeit in Spanien und Italien aussieht, darüber berichtet ein Artikel vom 18.4. in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Neue Target-Zahlen Spaniens: Notenbank-Schulden steigen drastisch an“.

Hier habt ihr einen Artikel vom 6.3 in “FTD” mit dem Titel “Schuldenkrise: Target 2 und die Milliarden-Marginalie“.

Diese FTD-Autoren argumentieren so, dass das “Target2“-System den Zusammenhalt der Euro-Zone vorerst gerettet hat. Und sollte die Euro-Zone auseinanderbrechen, wären die “Target2“-Salden nur eine Milliarden-Marginalie innerhalb der Gesamtkatastrophe.

Dieser Artikel vom 6.3. wörtlich: “Denn natürlich werden sich die Target-Salden ausgleichen, sobald das Vertrauen und damit das Kapital in die Peripheriestaaten zurückkehrt. Falls aber nicht, gibt es gute Gründe, über Target-Salden wehmütig zu lächeln. Sie wären dann eine Marginalie in einer viel größeren Katastrophe.”

Nun gut, so kann man die Sache auch sehen.

Dass in der Euro-Zone allgemein die Banken unter Druck sind, weil ihr sie wenig Kapital haben und Mühe haben, den von der Bankenaufsicht geforderten Eigenkapitaleinteil aufzubringen, darüber habe ich ja schon berichtet.

Hier habt ihr einen Artikel vom 6.1. aus der “Frankfurter Rundschau” mit dem Titel “Bankenkrise: Unicredit aus Italien ist der Vorbote der Krise“. In diesem Artikel heisst es kurz und knapp obenstehend: “Am Beispiel der italienischen Unicredit zeigt sich, wie heikel Kapitalerhöhungen für Kreditinstitute derzeit sind. “Die Banken sind alle unter Druck“, sagt ein Analyst“. Ansonsten könnt ihr euch ja mal diesen Artikel in Ruhe durchlesen.

Ansonsten wieder zum “Epizentrum” der Eurokrise (Paul Krugman: “Europe’s Economic Suicide“), ich rede von Spanien.

Dort werden die Krisenbanken immer weiter lustig abgeratet. Hier habt ihr einen Artikel in “Focus” vom 25.5. mit dem Titel “Spanische Bankenkrise immer schlimmer – Bankia nun Ramsch.”

Wie es aktuell im spanischen Bankensektor aussieht, dazu berichtet dieser Artikel: “Die Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P) stufte die Bonität der schwer angeschlagenen Bankia am Freitag auf Ramschniveau herab. Dassselbe Schicksal erlitten die Schuldtitel von Banco Popular Espanol. Insgesamt senkte die Agentur über fünf spanische Geldhäuser den Daumen, nachdem sich die Agentur die Institute bereits Ende April als Folge der Abstufung Spaniens vorgeknöpft hatte.

Die beiden großen börsennotierten Banken, Santander und BBVA , blieben diesmal allerdings verschont und behielten ihr Rating von Ende April bei, als die Einstufung um zwei Stufen reduziert worden war. Die Bonitätsnoten für die beiden Großbanken BBVA und Santander liegen demnach weiterhin bei „BBB+“ beziehungsweise „A-„. Der Ausblick ist bei beiden Geldhäusern negativ.

Die spanischen Banken leiden unter dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts und gelten derzeit als einer der größten Problemfälle innerhalb der europäischen Schuldenkrise. Der Sektor ist geprägt von den beiden Großbanken sowie zahlreichen kleineren Instituten, die größtenteils regional tätig sind. Zudem hat das Land einen großen Sparkassensektor. Von den vielen Sparkassen mussten in der Schuldenkrise bereits einige Institute vom Staat gerettet werden. Der gesamte Bereich soll größtenteils neu sortiert werden.”

Ich sage jetzt ja schon seit Tagen, dass in Spanien eine “Bankenzeitbombe” tickt. Nouriel Roubini sieht das übrigens genauso. Und wenn nicht schnell gehandelt wird, geht diese Bombe demnächst gnadenlos hoch.

Wie es dazu kommen konnte, da verweise ich euch nochmals auf meinen Blogartikel: “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit.”

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