Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 9

Wie die internationalen Investoren die massiv wiedergekehrte Euro-Krise in Griechenland und den Zustand und die Zukunft des Euro und der Euro-Zone allgemein einschätzen, erfahren wir am 14.5 in einem Artikel in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Griechenland-Krise drückt Euro auf Vier-Monats-Tief“.

In diesem Artikel heisst es wörtlich: “Es ist der tiefste Stand seit Mitte Januar: Zum Wochenbeginn ist der Euro unter die Marke von 1,29 Dollar gefallen. Im Tief kostete die Gemeinschaftswährung 1,2879 US-Dollar. Die verfahrene Lage nach der Parlamentswahl in Griechenland beunruhigt die Anleger. Sie sorgte auch für eine negative Vorgabe der US-Börsen.

In Athen war es auch über das Wochenende nicht gelungen, eine Regierung zu bilden, die zu den vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen steht. Am Sonntag waren Unterredungen mit den drei größten griechischen Parteien weitgehend ohne Ergebnis geblieben. Damit werden ein abermaliger Zahlungsausfall oder gar ein Austritt des Landes aus dem Währungsraum wahrscheinlicher”.

Das heisst, das “Griechenland-Debakel” beschädigt massiv den Euro und sorgt sogar für negative Vorgaben an den US-Börsen.

Ansonsten lässt die neue “WirtschaftsweiseClaudia-Maria Buch in eben diesem Artikel folgendes verlautbaren: “Die neue Wirtschaftsweise Claudia Buch schließt einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nicht aus: “Die Geschäftsbanken dürften einen Teil der direkten Lasten, die mit Griechenland verbunden waren, verarbeitet haben”, sagte sie dem “Handelsblatt”.Zwar gebe es auch weitere Risiken, die schwer zu beziffern seien. “Aber das kann im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass wir jedem Land immer und um jeden Preis helfen müssen”, so Buch. “Die Bedingungen, zu denen Europa Griechenland beisteht, liegen seit Monaten klar auf dem Tisch. Jetzt ist es Sache der Griechen, sich darauf einzulassen”, sagte Buch”.

Tja, diese “harten Sprüche” von deutschen Ökonomen kennen wir ja schon. Das Problem ist nur, dass der “Rausschmiss” Griechenlands das Vertrauen der Investoren in den Euro und die Euro-Zone und vor allem das Vertrauen in die restlichen südeuropäischen Krisenländer Portugal, Spanien und Italien massiv schwächen wird. Das geschieht ja jetzt schon, die Überschrift dieses Artikels aus “Spiegel-Online” “Griechenland-Krise drückt Euro auf Vier-Monats-Tiefist ja wohl schon deutlich genug.

Wenn Claudia Buch tatsächlich meint, dass die Euro-Zone und ihre aktuellen Regierungen, nicht zuletzt die schwarz-gelbe Regierung unter Angela Merkel, sich tatsächlich auf dieses gefährliche Spiel einlassen sollten, dann nur zu.

Hier habt ihr einen anderen Artikel aus “Spiegel-Online” vom 14.5. mit dem Titel “Möglicher Euro-Austritt Testfall Griechenland” von Carsten Volkery.

In diesem Artikel heisst es: “Die Ansage aus Brüssel und Berlin ist klar: Wenn Griechenland sich nicht an die Sparvorgaben hält, wird der Geldhahn zugedreht. Ein Staatsbankrott wäre die Folge, die griechische Regierung müsste die Drachme wieder einführen. Im Unterschied zum vergangenen Jahr sorgt dieses Szenario aber inzwischen kaum noch für Aufregung. Was vor wenigen Monaten von Ökonomen und Politikern noch als Anfang vom Ende der Euro-Zone beschrieben wurde, gilt plötzlich als gangbarer Weg – und zwar nicht einmal als der schlechteste”.

Was dann aber Carsten Volkery in diesem Artikel in “Spiegel-Online” dann weiter bemerkt, widerspricht aber seiner eigenen Behauptung, der “Rausschmiss” sei nicht mal der “schlechteste” Weg.

Denn in diesem Artikel heisst es dann weiterfolgend: “Die Kosten eines Austritts Griechenlands wären dennoch gewaltig. Die EU-Länder müssten Dutzende Milliarden abschreiben. Allein die Bundesregierung wäre laut Schätzungen zwischen 50 und 80 Milliarden Euro los, wenn Athen seine Kredite nicht mehr bedienen würde”.

Und: Das Griechenland-Problem wäre dann auch auf finanzieller Ebene für die EU und auch für Deutschland immer noch keineswegs gelöst. Dazu gibt es ebenfalls einen Artikel aus “Spiegel-Online” vom 13.5. mit dem Titel “Bundesfinanzministerium: Griechenland soll auch nach Euro-Austritt Hilfsmilliarden bekommen“.

In diesem Artikel heisst es ganz klar: “Bleibt Griechenland Mitglied in der EU, hätten sie Anspruch auf Hilfen aus Brüssel, wie sie auch anderen EU-Ländern mit eigener Währung in Schieflage zustehen. Diese würden dann nicht mehr nur von den Ländern der Euro-Zone finanziert, sondern von allen 27 EU-Mitgliedstaaten”.

Das heisst, nach dem “Rausschmiss” Griechenlands müssten wir weiterzahlen, denn Griechenland tritt zwar dann aus der “Euro-Zone” aus, ist aber selbstverständlich dann immer noch Mitglied der EU und hat damit natürlich weiterhin Anspruch auf finanzielle Hilfen der EU-Mitgliedsstaaten, auch Deutschlands.

Ich hoffe, Wolfgang Schäuble und Olli Rehn lernen aus diesem “Griechenland-Debakel” (an dem sie selbst massiv mitschuldig sind) und sind dann in Zukunft wenigstens in Hinblick auf Portugal, Spanien und Italien vorsichtiger, wenn Griechenland tatsächlich aus der Euro-Zone rausfliegen sollte.

Wie die aktuellen Konjunkturerwartungen in Europa aussehen, zeigt ein Artikel aus “Spiegel-Online” vom 10.5. mit dem Titel “Konjunkturbarometer Stimmung in der Euro-Zone bessert sich“. Wenn man dann den Artikel durchliest, empfindet man den Titel dieses Artikel allerdings eher als irreführend.

In diesem Artikel heisst es: “Das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone hat sich aufgehellt. Der entsprechende Konjunkturindex des Ifo-Instituts stieg im zweiten Quartal von 84,8 auf 100,3 Punkte. Der langfristige Durchschnitt von 109 Punkten ist aber noch längst nicht erreicht, was auf eine weiterhin angespannte Lage hindeutet.

Das Institut für Wirtschaftsforschung befragt für den Index in Zusammenarbeit mit der Internationalen Handelskammer in Paris (ICC) regelmäßig 279 Experten. Die aktuelle Lage wurde nur wenig besser beurteilt als im ersten Quartal. Deutlich optimistischer schätzen die Experten die Lage in den kommenden sechs Monaten ein.

Die wirtschaftliche Lage im Euro-Raum sei sehr unterschiedlich, teilte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn mit. In Deutschland und Estland herrsche weiterhin eine gute, in Finnland eine zufriedenstellende Wirtschaftslage.

Nicht zufriedenstellend sei die Situation dagegen in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Düster beurteilten die Experten die Lage in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien. Hier wirken sich die hohe Verschuldung und die wachsende Arbeitslosigkeit besonders negativ aus.

Die niederländische Notenbank ist wesentlich pessimistischer. In ihrem Halbjahresbericht warnt sie vor einem steigenden Risiko einer verlorenen Dekade in Europa – ähnlich wie in Japan in den neunziger Jahren würde die Wirtschaft in einem solchen Szenario ein Jahrzehnt lang fast überhaupt nicht wachsen”.

Was Hans-Werner Sinn (Albrecht Müller: “Unsinn von Sinn“) in diesem Artikel behaupet, ist verdrehend: Nicht die hohe Verschuldung wirkt sich in den südeuropäischen Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien und Italien negativ aus, sondern die in diesen Ländern gnadenlos durchgeknüppelte Brüsseler und deutsche Sparpolitik. Das habe ich ja in diesem Blogartikel schon ausführlich erläutert.

Und Hans-Werner Sinn gibt indirekt mit seinen Aussagen in diesem Artikel zu, dass der Euro und die Euro-Zone sich jetzt ganz klar spalten. Und so ist es auch, das habe ich ja in diesem Blogartikel schon klar erläutert.

Und die niederländische Notenbank spricht in diesem Artikel Klartext und sagt in ihrem Halbjahresbericht das, was ich schon seit Monaten denke: Sie warnt vor einem steigenden Risiko einer verlorenen Dekade in Europa – ähnlich wie in Japan in den neunziger Jahren würde die Wirtschaft in einem solchen Szenario ein Jahrzehnt lang fast überhaupt nicht wachsen.

Genau das fürchte ich auch.

Hier habt ihr einen Artikel aus der “Berliner Morgenpost” vom 14.5. mit dem Titel “Für Deutschland wird es teuer“. Die Kosten für Deutschland könnten sogar die 100-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten, das sagt Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Dekabank, in diesem Artikel ganz klar.

Ansonsten lässt Ulrich Kater in diesem Artikel verlautbaren: “Die Kosten eines Austritts seien zwar nicht gerade gering und ein Alleingang Griechenlands würde das Chaos wohl vergrößern, sagt Ökonom Kater. “Die Meinung, dass der Euro einen Austritt Griechenlands nicht verkraften würde, ist aber falsch”, glaubt der Ökonom. So sei die Ansteckungsgefahr auf andere Länder gering. Griechenland sei ein Einzelfall. In den anderen Mitgliedsländern gebe es nach wie vor politische Unterstützung für die notwendigen Reformen. “Ein solcher Austritt mit all seinen schlimmen Folgen könnte sogar eine starke disziplinierende Wirkung auf die anderen Mitglieder bewirken”, so Kater“.

Ich fürchte, Ulrich Kater macht sich nicht ganz klar, dass die Euro-Krise in Südeuropa nicht im wesentlichen ein “Disziplinproblem” (?!) ist (als Deutscher denkt man ja “volkspsychologisch“, dass die Deutschen “diszipliniert” und die Südeuropäer “undiszipliniert” sind).

Aber das Problem in den südeuropäischen Krisenländern ist im wesentlichen das Ergebnis einer falschen europäischen Wirtschaftspolitik in diesen Ländern. Man hat dort einen Brüsseler und deutschen harten Sparkursdurchgeknüppelt” mit allen jetzt eintretenden desaströsen Folgen.

Und wenn man das in Portugal und Spanien so weitermacht, wird die Sache mit ziemlicher Sicherheit genau so enden wie in Griechenland, ganz egal, ob die Portugiesen und Spanier “diszipliniert” sind oder eben nicht.

Und ein “Einzelfall” (?!) ist Griechenland in gewisser Weise schon. Aber auch Portugal und Spanien könnten schnell zu einem dramatischen “Einzelfall” (?!) werden, wenn so weitergemacht wird wie bisher.

Weiterhin warnt Ökonom Ulrich Kater in eben diesem Artikel aus der “Berliner Morgenpost” jedoch davor, Griechenland Zugeständnisse zu machen. “Ein Nachverhandeln in dieser Situation würde anderen Ländern nur Anreize bieten, über radikale Wahlentscheidungen den bisherigen Krisenplan auszuhebeln.”

Hier beweist Ulrich Kater, dass er keine Ahnung von Südeuropa hat. In Griechenland gab es seit jeher ein Potential für radikale Parteien und es gab dort schon immer vor allem eine radikale Linke, die öfters “Randale” in Griechenland veranstaltet hat, auch schon vor der Euro-Krise.

Schaut euch mal die Wikipedia-Einträge zur “Kommunistischen Partei Griechenlands” und zur  “SYRIZA” durch. Und lest auch mal im Wikipedia-Artikel “Linksextremismus” den Abschnitt zu Griechenland durch. Schaut euch mal den Wikipedia-Eintrag zur griechischen revolutionären Terrorgruppe “17. November” durch, wie viele Attentate und Anschläge es da zwischen 1975 und 2000 gegeben hat.

Hier habt ihr einen Artikel zu den Hintergründen der griechischen revolutionären Terrorgruppe 17. November, in dem es heisst: “Für Hinweise auf die Identität der Mitglieder des 17. November bot die griechische Polizei umgerechnet 2,9 Millionen € die Athener US-Botschaft gar 5,5 Millionen €. Trotzdem konnte lange Jahre kein Mitglied der Gruppe gefasst werden. Dieses Charakteristikum war immer wieder Anlass für Spekulationen über eine Verbindung der Gruppe in die höchsten Kreise griechischer Politik, namentlich zur sozialdemokratischen PASOK: “Personen in der griechischen Regierung kennen Mitglieder des 17. November”, erklärte etwa der CIA-Chef a.D. James Wollsey der griechischen Wochenzeitung “To Pontiki” nach dem Anschlag auf den britischen General. Der amerikanische Geheimdienst verortete in seinem aktuellen Bericht an die US-Regierung Griechenland zusammen mit Pakistan unter den Ländern, die “nicht vollständig gegen den Terrorismus kooperieren”.

Und weiterhin heisst es in diesem Artikel:Mit ihrem “patriotischen Antiimperialismus” (so die Zeitung sooderso) standen die Kombattanten des 17. November nicht allein. In einer Meinungsumfrage bekundeten 1991 knapp 60 Prozent der Befragten, hauptsächlich Wähler/innen der PASOK wie der Kommunistischen Partei, Zustimmung zu den politischen Zielen der Gruppe“.

In Portugal und Spanien gibt es das eher nicht. In Spanien hat es trotz der mittlerweile absolut desaströsen wirtschaftlichen und sozialen Situation bisher nicht mal gewaltsame Ausschreitungen bei Demonstrationen gegen die Sparpolitik in ihrem Land gegeben oder sonst irgendeine “Randale” gegen die aktuell konservative Regierung von Mariano Rajoy oder das Brüssler und deutsche Spardiktat.

Und in Portugal ist es genau gleich und auch hier haben wir aktuell eine sozialdemokratische Regierung unter Pedro Passos Coelho. Und die Linksradikalen und Kommunisten ebenso wie die Rechtsradikalen haben zumindest bisher in Portugal und Spanien keinen massiven Zulauf und ich schätze diese Gefahr in Portugal und Spanien als eher gering ein.

Ich werde Ulrich Kater jetzt verraten, was die Portugiesen und Spanier machen werden (und schon seit Ausbruch der Euro-Krise zunehmend machen): Die begabten und gutausgebildeten Portugiesen und Spanier werden das Land verlassen. Das geschieht übrigens schon seit vielen Monaten. Wir haben in diesen Ländern einen massiven “Braindrain“.

Hier habt ihr einen Artikel aus “Telepolis” von Mitte Februar dieses Jahres mit dem Titel “Brain Drain: Portugal blutet aus“. Und in Spanien und Griechenland ist es natürlich genau das Gleiche. Hier habt ihr einen Artikel vom 6.2. in der Website “Think Spain” mit dem Titel “Spanish brain drain turns into an exodus“. In Griechenland hat die Sache schon im Jahre 2010 begonnen. Hier habt ihr einen Artikel aus “Spiegel-Online” vom August 2010 mit dem Titel “Brain-Drain in Griechenland: Junge Akademiker wollen flüchten.”

Und ansonsten werden die traditionell starken Familien- und Freundesbande in Portugal und Spanien dafür sorgen, dass die arbeitslosen Portugiesen und Spanier in ihren jeweiligen Ländern irgendwie überleben können (das ist jetzt schon so: In Portugal und Spanien gibt es kein Hartz IV oder sonst irgendein System, das die Arbeitslosen in diesen Ländern wirksam “auffängt“).

In Griechenland ist das übrigens anscheinend ganz ähnlich, schaut euch hierzu den Artikel von Niels Kadritzke mit dem Titel “Griechische Stimmen” vom 11.5. in der “Le Monde diplomatique” an.

Ulrich Kater reduziert die Sache auf “Disziplin” und “Disziplinierung“. Was das übrigens mit volkswirtschaftlichem und wirtschaftspolitischem Denken zu tun haben soll, soll Ulrich Kater mir mal bei Gelegenheit erklären. Für mich ist das primitivste “Volkspsychologie” (an die ich sowieso nicht wirklich glaube).

Ulrich Katers Ansichten mögen bei den “Preussen” hier in Berlin gut ankommen, verfehlt aber völlig den Kern des Problems mit der Euro-Krise in Südeuropa.

Was in Griechenland zur Zeit passiert, beschreibt unter anderem Wolfgang Lieb in einem Artikel in den “Nachdenkseiten” mit dem Titel “Griechenland in der `Todesspirale´”.

Und diese “Todesspirale” (oder “Teufelskreis“: “circulus vitiosus“) dreht sich unverändert weiter und zieht Griechenland gnadenlos in den Abgrund. Lest euch vor allem die zahlreichen Artikel auf den “Nachdenkseiten” zu Griechenland durch. Da wird auf kritische und intelligente Weise Klartext geredet.

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