Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 8

Und die Geldpolitik in dieser Situation zu lockern ist ebenfalls vernünftig, weil eines der Probleme in Europa die Geldnot gerade auch der europäischen Banken ist. Der neue EZB-Chef Mario Draghi hat schon etwas dagegen unternommen (darüber habe ich ja schon auch in diesem Blogartikel ausführlich berichtet) und meiner Meinung nach hat Mario Draghi völlig richtig gehandelt, als er den europäischen Banken, gerade auch den südeuropäischen Banken, Geld zum Minizins von 1% zur Verfügung gestellt und damit das europäische Banken- und Finanzsystem massiv mit Geld “geflutet” hat. Er hat mit diesem “Taschenspielertrick” die südeuropäischen Banken und damit indirekt den Euro vorläufig gerettet und vielleicht einen gefährlichen internationalen “Bankencrash” verhindert.

Schäuble wähnte sich also noch vor drei Wochen in der Position, die USA ermahnen und belehren zu können (Zumindest wollte er den deutschen Wählern suggerieren, dass Deutschland in einer Position sei, die führende westliche ökonomische und militärische Supermacht ermahnen und belehren zu können, nach dem Motto: “Wir sind wieder wer in der Welt”). Auch die Japaner hat er ermahnen und belehren wollen.

Jetzt klingt die Sache schon ganz anders. Jetzt redet Schäuble wieder von der Euro-Krise.

Wenn man mal von seiner politischen Karriere absieht, hatte Wolfgang Schäuble als höchste berufliche Position die eines Regierungsrates beim Finanzamt Freiburg inne, er hat also mal in der Steuerverwaltung einer mittelgrossen deutschen Provinzstadt gearbeitet. Und danach war er mal Rechtsanwalt beim Landgericht Offenburg (eine südbadische Provinzstadt in der Nähe von Freiburg).

Reicht das wirklich als Qualifikation, um eine schwere systemische ökonomische Krise in Europa erfolgreich lösen zu können? Ich bin da langsam ein bisschen skeptisch.

Der bisherige Verlauf von Wolfgang Schäubles wirtschaftspolitischen Massnahmen hinsichtlich der “Euro-Krise” und der Verlauf der Euro-Krise in Südeuropa, nicht zuletzt in Spanien, legen zumindest diesen Verdacht nahe, dass hier Schäubles Qualifikationen nicht wirklich ausreichen.

Gestern erschien ein Artikel in “Financial Times Deutschland” mit dem Titel “Austritt Griechenlands aus dem Euro “nicht tödlich“.

In diesem Artikel heisst es: “EZB-Banker Patrick Honohan hält den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für verkraftbar. Einem Medienbericht zufolge würde ein solcher Schritt den deutschen Steuerzahler 77 Mrd. Euro kosten.

Kann Griechenland im Euro -Raum bleiben? Das Wahldebakel schürt Zweifel an der Konsolidierungsfähigkeit des südeuropäischen Landes. Der irische EZ-Banker Patrick Honohan hält einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für verkraftbar. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker will Griechenland mehr Zeit zum Sparen geben. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnt mehr Sensibilität bei Verhandlungen mit dem hochverschuldeten Griechenland an. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) denkt über Konjunkturhilfen für Griechenland nach”.

Auch das Wahldebakel in Griechenland (Siehe hierzu einen Artikel aus “tagesschau.de” vom 6.5. mit dem Titel “Parlamentswahl in Griechenland: Debakel für die Regierungsparteien“) war absehbar.

Wenn ein Land ruiniert ist und die Bewohner des Landes leiden, nehmen die radikalen Kräfte in diesem Land meist zu. Wir kennen das selbst aus der deutschen Geschichte.

Adolf Hitler wäre ohne die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die “Deflationspolitik” von Heinrich Brüning nie an die Macht gekommen. Und in gewisser Weise haben Brüssel (Olli Rehn) und die Politiker der aktuellen schwarz-gelben Koalition unter Angela Merkel eine harte Sparpolitik – ähnlich wie die von Heinrich Brüning – in Griechenland “durchgeknüppelt“.

Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Griechen als Reaktion auf die desaströse wirtschaftliche Situation in ihrem Land radikale Politiker wählen, die diesen harten Brüsseler und deutschen Sparkurs nicht mehr unterstützen wollen.

Weiterhin heisst es in eben diesem Artikel aus “FTD” mit dem Titel “Austritt Griechenlands aus dem Euro “nicht tödlich“: “Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist nach Einschätzung des irischen EZB-Bankers Patrick Honohan verkraftbar. Dies könnte technisch realisierbar sein, würde aber das Vertrauen in die Euro-Zone als Ganzes beschädigen, sagte der Chef der irischen Zentralbank am Samstag bei einer Veranstaltung in Tallinn. “Es ist nicht notwendigerweise tödlich, aber auch nicht attraktiv”, sagte Honohan.

Nach Berechnungen der “WirtschaftsWoche” würde ein Austritt den deutschen Steuerzahler etwa 77 Milliarden Euro kosten. Dabei wird angenommen, dass Griechenland in diesem Falle seine Schulden nicht mehr bedient. Die Summe ergibt sich dem Magazin zufolge aus bilateralen Hilfskrediten und dem Anteil Deutschlands an Krediten des Euro-Rettungsfonds EFSF und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie an Verlusten der Europäischen Zentralbank (EZB), die größter Gläubiger Griechenlands ist. Insgesamt ergebe sich für die Euroländer eine Summe von 276 Milliarden Euro”.

Im Klartext: Ein “Rausschmiss” Griechenlands aus der Euro-Zone wäre also nicht billig und würde das Vertrauen in die Euro-Zone allgemein deutlich beschädigen. So wie der irische EZB-Banker Patrick Honohan sehe ich das auch.

Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Joachim Poß verlautbart in demselben Artikel in “FTD” folgendes:Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, hat sich gegen Spekulationen über einen etwaigen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ausgesprochen. “Es mag sein, dass die Euro-Zone etwas besser aufgestellt ist, aber ich befürchte, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone immer noch einen Flächenbrand verursachen könnte. Man kann Griechenland einfach nicht isoliert betrachten”, sagte Poß dem “Tagesspiegel am Sonntag”.

Genau so wie Joachim Poß sehe ich das auch und so habe ich es in diesem Blogartikel auch erklärt.

Weiterhin erfahren wir in diesem Artikel:Auch der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, warnte vor der Gefahr eines Ansteckungseffekts auf andere Staaten, falls Griechenland aus der Euro-Zone austritt. “Griechenland stellt zwar einen Sonderfall dar”, sagte er dem “Focus”. Es bestehe aber die Gefahr, dass Investoren den Austritt weiterer Länder befürchten und die Zinsen dieser Staaten kräftig anziehen. Es sei fraglich, “ob die internationalen Finanzmärkte im Falle eines Austritts Griechenlands die Lage differenziert genug betrachten werden“.

Genau das glaube ich auch. Wieso sollten internationale Anleger wissen, dass Griechenland ein “Sonderfall” (?!)  ist und die Sache “differenziert” (?!) betrachten?

Diese internationalen Anleger werden das denken, was die meisten Leute nach einem Rausschmiss Griechenlands denken werden: Wenn Griechenland rausgeflogen ist, wird Portugal (ein Land, das nicht wirklich deutlich besser als Griechenland dasteht) bald folgen und dann natürlich auch Spanien (ein Land, das in mancher Hinsicht – Arbeitslosenzahlen! – sogar schlechter als Griechenland dasteht). Und Spanien reisst dann womöglich noch Italien hinterher und damit wäre dann der Euro und die Euro-Zone erledigt und Geschichte.

Der “Contagion-Effekt” ist im Falle eines Rausschmisses von Griechenland aus der Euro-Zone mehr als absehbar. Wenn Griechenland rausfliegt, purzeln Portugal, Spanien und vielleicht auch Italien nach.

Der Euro hat nur international so viel Gewicht, weil er fast alle bedeutenden europäischen Länder und einen grossen Binnenmarkt umfasst (Nach dem US-Dollar ist der Euro heute die wichtigste Reservewährung der Welt).

Hat jedes Land wieder seine eigene Währung, werden die europäischen Länder währungstechnisch wieder bedeutungslos sein und Europa hat dann international und wirtschaftlich gesehen nicht mehr das Gewicht wie heute. Auch die wiedereingeführte D-Mark wird dann wieder international bedeutunglos sein und Deutschland wird dann seinen bisher eindeutig wichtigsten Exportmarkt (die Euro-Zone) verlieren oder zumindest auf diesem europäischen Exportmarkt unter wesentlich schlechteren Bedingungen operieren müssen.

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