Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 7

Wer übrigens wissen will, wie humorvolle und selbstkritische Spanier diese ganze Entwicklung in Spanien seit den neunziger Jahren bewerten, vor allem seit der unglücklichen Reform der “Ley del suelo de España” durch den damaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar (Partido Popular) im Jahre 1998, die den damals schon vorhandenen Immobilienboom in Spanien nochmals explosionsartig anwachsen liess, dem empfehle ich das ebenso witzige wie aus ökonomischer Sicht ziemlich genau zutreffende Video von Aleix Saló mit dem Titel “Españistán, de la Burbuja Inmobiliaria a la Crisis”. Hier habt ihr eine Version mit englischen Untertiteln: “Españistán by Aleix Saló (with English subtitles/subtitulado al inglés)“.

Dieses Video findet ihr noch auf vielen anderen spanischen kritischen Websites (einfach “googeln”).

Eine weitere intelligente Analyse der aktuellen Euro-Krisen-Situation im Zusammenhang mit der spanischen Bankenkrise vom 12. 5. mit dem Titel ” HINTERGRUND/Euro-Schuldenkrise: Wie ansteckend sind die Patienten?” befindet sich im Finanzportal “finanztreff.de“. Hannes Breustedt, der anscheinend für dpa-AFX ( Nachrichtenagentur für Wirtschafts- und Finanznachrichten) arbeitet, hat diesen Artikel verfasst.

Das Interessante an dieser Analyse von Hannes Breustedt ist, dass sie vor allem den Focus auf den berüchtigten und schwer einschätzbaren “Contagion-Effekt” und auf ein mögliches Überschwappen der Krise auf Italien richtet, was mir vernünftig erscheint.

Zu den Folgen eines möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wird hier bemerkt: “Obwohl die von Griechenlands Banken ausgehenden Ansteckungsgefahren als überschaubar und weitgehend abgeschirmt gelten, könnten die Risiken immens sein. Hintergrund ist vor allem der psychologische Effekt, den ein Exit an den Märkten hätte: Bislang wurde die Eurozone als untrennbare Schicksalsgemeinschaft betrieben. Würde diese Einheit aufgebrochen, wäre es nur eine Frage der Zeit, wann Spekulanten auf den nächsten Aussteiger setzen. Der Freiburger Wissenschaftler und Wirtschaftsweise Lars Feld warnte deshalb eindringlich im ‘Handelsblatt’: Das Ende eines Mitglieds in der Währungsunion lade dazu ein, ‘auf den Austritt des nächsten Landes zu wetten’.

Genau so sehe ich das auch. Die Wetten auf die Pleite und den Austritt Griechenlands und Portugals aus der Euro-Zone laufen sicher schon lange, in den letzten Monaten haben sicher auch die Wetten auf die Pleite und den Austritt Spaniens aus der Euro-Zone eingesetzt. Und wenn es so weiter geht, wird man bald noch auf Italien wetten.

Welche Wetten zur Zeit im Fall der Spanien-Krise laufen, zeigt ein Artikel aus “Manager-Magazin” von Ende April mit dem Titel “Finanzinvestoren: Hedgefonds schlachten Spanien-Krise aus“.

In diesem Artikel wird erläutert, wie zur Zeit solche Wetten unter anderem der Hedgefonds “gegen Spanien” aussehen: “Einer der wenigen Fondsmanager, die ihre Anlagestrategie öffentlich erläutern, ist Louis Gargour vom Londoner Hedgefonds LNG Capital. Er kauft gerade Anleihen spanischer Firmen, die den Löwenanteil ihres Geschäfts im Ausland machen und damit von der Rezession und der Rekord-Arbeitslosenquote auf dem Heimatmarkt ein Stück weit unabhängiger sind, etwa Telefonica. “Das ist ein attraktives Telekom-Unternehmen mit starker Präsenz in den Schwellenländern, steigenden Umsätzen und ordentlichen Margen”, erläutert er.

Viele Anleger wüssten nicht zu unterscheiden zwischen dem hochverschuldeten Land und gesunden spanischen Firmen, die relativ günstig bewertet seien. Selbst wenn der spanische Aktienmarkt zusammenbricht, dürfte Telefonica mitsamt seiner Anleihen unterdurchschnittlich verlieren, lautet Gargours Kalkulation.

Als Gegenpol hat Gargour Short-Positionen auf spanische Staatsanleihen aufgebaut, wettet also auf ihren Verfall. Das heißt: Wenn sich die spanische Schuldenkrise verschärft, verdient der Hedgefonds-Mann so oder so. Gargour versucht auch, an den Spreads zwischen kurzlaufenden und langlaufenden spanischen Staatsanleihen zu verdienen. Er kauft einjährige Bonds und wettet über Leerverkäufe auf fallende Kurse – also höhere Renditen – fünfjähriger Bonds. Je weiter sich die Papiere bei der Rendite auseinander entwickeln, desto besser für ihn.

Auf der einen oder anderen Seite fällt immer etwas ab, solange die Papiere nicht in dieselbe Richtung marschieren. In den vergangenen Tagen ging seine Rechnung auf: Die Investoren leihen Spanien am liebsten für einen sehr überschaubaren Zeitraum Geld, die Kurse der Kurzläufer steigen, die Rendite ist deutlich gesunken – ihr Abstand zu den Längerfristigen hat sich vergrößert und somit Gargours Spanne.

Andere Hedgefonds ticken ähnlich. Kaum einer verlässt sich darauf, dass die südeuropäischen Schuldenstaaten ihre Probleme schnell in den Griff kriegen. Man wettet genau auf das Gegenteil. “Der Ausblick für die Volkswirtschaften in der Peripherie bleibt trostlos”, erklärte der Hedgefonds BH Macro unlängst.

Viele gehen short auf spanische Banken, der Finanzsektor des Landes gilt als marode. Über neue Milliardenspritzen wird seit Wochen spekuliert. Selbst Schwergewicht Santander enttäuschte diese Woche mit seinen Quartalszahlen. Hedgefonds, die zu den heruntergeprügelten Aktienkursen der Institute nicht verkaufen wollen und erst einmal drinbleiben, bauen im Gegenzug Leerverkaufspositionen für andere spanische Aktien auf, um das Risiko zumindest zu begrenzen, berichten Insider.

“Der Markt ist im Moment sehr unruhig”, beschreibt Sandy Rattray vom Hedgefonds MAN Group die Lage. Dabei sei die Nervosität der Anleger eigentlich ein bisschen übertrieben. “Was wissen wir heute über Spanien, was wir vor drei Wochen noch nicht wussten?” MAN leistet sich ein vollautomatisches Computerprogramm, mit dem auffällige Preisentwicklungen und Trades an den Märkten beobachtet werden können. Quasi ein Seismograph”.

Einen fast gleichlautenden Artikel von ebenfalls Ende April zu den Machenschaften der Hedgefonds in Fall des südeuropäischen Eurokrisen-Lands Spanien findet ihr in der ntv-telebörse unter dem Titel “Profitieren von der Krise: Spanien lockt die Hedgefonds.”

Noch viel drastischer und klarer ist ein Artikel von Ende April aus den “Deutschen Wirtschaftsnachrichten” mit dem Titel “Hedge Fonds: Wetten gegen Spanien versprechen 300% Gewinn“.

In diesem Artikel heisst es:Die Analysten von Carmel Asset Management haben eine Kundenpräsentation vorgelegt, die die Zukunft Spaniens in düsteren Farben malt. So sehen sie das spanische Defizit als viel höher als offiziell zugegeben: Wenn man alle Defizit der Regionen zusammenzählt, kommt man laut Carmel bereits auf bis zu 90 Prozent Staatsschulden.

Eines der Hauptprobleme ist die Immobilien-Blase: Die Spanier haben ein Haus für jeden einzelnen spanischen Bürger gebaut, der in den kommenden zwei Jahrzehnten neu zur spanischen Bevölkerung hinzukommt. Das kann nicht gutgehen – weshalb der Hedge Fonds einen Preisverfall von 35 Prozent im Immobilienmarkt erwartet.

Die spanischen Banken schieben etwa 120 Milliarden Euro an faulen Krediten vor sich her. Noch wurde in keinem Institut eine Wertberichtigung vorgenommen. Außerdem sind die Banken praktisch ohne Ausnahme unterkapitalisiert. Wegen der durch das billige EZB-Geld erzwungenen Ankäufe von Staatsanleihen haben die Banken ihre Schulden und Schrottpapiere nicht reduziert, sondern im Gegenteil neue Risiken angehäuft.

Spanien hat die höchste Arbeitslosigkeit aller Staaten in der entwickelten Welt. Die Wirtschaft ist international nicht wettbewerbsfähig, weil der Arbeitsmarkt massiv von den Gewerkschaften dominiert wird. All diese Probleme machen aus Carmel-Sicht eine Rettung Spaniens durch die europäischen Rettungsfonds unmöglich: Spanien allein würde 60 Prozent der in EFSF und ESM vorhandenen Mittel in Anspruch nehmen, um gerettet zu werden. (…).

Mit diesem Fundamentdaten stellt sich Spanien jedoch für Carmel als das ideale Spekulationsobjekt dar. Die Analysten erwarten 300 Prozent Gewinn, wenn man nun Kreditausfallversicherungen (CDS) gegen Spanien abschließt. „Pain in Spain“ nennen die Leute von Carmel ihren Plan. Im Falle des Scheiterns Spaniens innerhalb der nächsten zehn Jahre wird sich für Investoren der Fall allerdings zum „Gain in Spain“ entwickeln”.

Tja, das ist der heutige, auch computer- und internetgestützte globale Finanzmarkt-Kapitalismus. Ich will das gar nicht moralisch bewerten. In diesem Bereich gibt es auch Genies und Philanthropen wie George Soros. Aber so sieht es aus.

Gut, zurück zum Artikel vom 12.5. mit dem Titel ” HINTERGRUND/Euro-Schuldenkrise: Wie ansteckend sind die Patienten?” in finanztreff.de von Hannes Breustedt (dpa-AFX).

Zu den Risiken im spanischen Bankensektor heisst es in diesem Artikel vom 12.5. in “finanztreff.de” von Hannes Breustedt : “Die faulen Kredite der Geldhäuser sind eine Blackbox. Gerade das macht die Finanzmärkte so nervös. ‘Was in den spanischen Banken los ist, davon haben wir keine Ahnung’, heißt es laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins ‘Der Spiegel’ in Bundesbankkreisen. Fest steht: Die spanischen Banken wanken. Dem Bericht nach sitzen sie auf Krediten von rund einer Billion Euro, die am maroden Immobiliensektor hängen und brauchen deshalb dringend frisches Kapital als Risikopuffer. Die Schätzungen reichen von 50 Milliarden bis zu 200 Milliarden Euro”.

Hinsichtlich der von Mariano Rajoy geplanten Bankenreform stellt dieser Artikel trocken (und meiner Meinung nach zutreffenderweise) fest: “Die Skepsis ist groß“.

Hinsichtlich der Notwendigkeit eines Hilfsprogramms für Spanien heisst es in diesem Artikel: “Experten können sich ein solches Szenario durchaus vorstellen. ‘Wir halten es für wahrscheinlich, dass Spanien dieses Jahr eine Art von Troika-Programm beantragen wird’, sagte Citigroup -Chefvolkswirt Willem Buiter bereits im vergangenen Monat. Allerdings geht der Ökonom nicht davon aus, dass das Land vollkommen vom Kapitalmarkt abgeschnitten wird. Buiter erwartet, dass sich Spanien – anders als Griechenland, Irland und Portugal – zumindest zum Teil weiter bei privaten Investoren Geld besorgen kann und lediglich zusätzliche Hilfen aus den Rettungsfonds ESM und EFSF oder vom Internationalen Währungsfonds erhalten würde”.

Hinsichtlich der Risiken einer spanischen Bankenpleite stellt dieser Artikel von Hannes Breustedt (meiner Meinung nach ebenfalls völlig zutreffenderweise) fest: “Die Gefahr eines Übergreifens auf den Rest des Euroraums hat sich zwar zuletzt verringert, da ausländische Investoren in großem Stil spanische Anleihen abgestoßen haben. Da ein Großteil der Papiere nun bei spanischen Banken liegt, ballen sich dort jedoch noch größere Risiken. Um zu sehen, wie kritisch Investoren die Ansteckungsrisiken bewerten, reicht ein Blick auf Anleihemärkte. Im Fahrwasser der steigenden Renditen für spanische Titel ziehen auch die italienischen Pendants an – und in Rom liegt der Kern des Euro-Problems”.

Hinsichtlich der Gefahr eines möglichen “Flächenbrands“, der dann von Spanien ausgehen und wahrscheinlich auf Italien übergreifen würde, heisst es in diesem Artikel (wohl ebenfalls völlig zutreffend): “Die Einschätzungen, ob und wie lange Spanien unter den Euro-Rettungsschirm passen würde, gehen auseinander. Bei Italien gibt es dagegen keinen Zweifel: Die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum ist zu groß, um aufgefangen zu werden. ‘Keine Brandschutzmauer ist hoch genug, um Italien abzuschirmen’, betont Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Italiens Anleihemarkt hat ein Volumen von 1900 Milliarden Euro, Spanien bringt es lediglich auf rund 700 Milliarden Euro. ‘Rom ist der Schlüssel zur Lösung der Schuldenkrise’, so Berenberg-Experte Schmieding. Der Weg nach Rom führt im Fall der Euro-Krise über Madrid”.

So sehe ich das auch. Einige Finanz- und Wirtschaftsexperten meinen, dass der Euro fällt, wenn Spanien fällt. Andere meinen, der Euro könnte es überleben, wenn Spanien fällt. Spanien ist die viertgrösste Volkswirtschaft in der Euro-Zone. Wenn aber Italien fällt, die drittgrösste Volkswirtschaft in der Euro-Zone, ist das Spiel definitiv verloren. Und es besteht die Gefahr, dass Italien mitgerissen wird, wenn Spanien fällt.

Spanien passt vielleicht also noch unter den “Euro-Rettungsschirm“. Italien passt aber auf keinen Fall mehr unter den “Euro-Rettungsschirm“. Muss Italien unter den “Euro-Rettungsschirm“, ist das Spiel aus und der Euro dahin.

Denselben Artikel von Hannes Breustedt findet ihr übrigens auch in “Focus” am 12.5. unter dem Titel “HINTERGRUND/Euro-Schuldenkrise: Wie ansteckend sind die Patienten?

Schon Mitte April stellte die dpa-Meldung in “ntv” mit dem Titel “Finanzinvestoren fehlt Vertrauen – Spanien gerät in Krisensog” fest: “Im Fahrwasser Spaniens verschlechterte sich auch die Lage am Rentenmarkt Italiens, allerdings nicht ganz so stark wie im südeuropäischen Land. Auch liegt das Renditeniveau mittlerweile unter dem Niveau in Spanien“.

Das heisst, Spanien zieht tatsächlich Italien jetzt schon effektiv mit herunter. Ob Spanien im Fall einer Pleite Spaniens dann Italien tatsächlich mit in den Keller reissen kann, wird man sehen. Die Sache ist auf jeden Fall riskant und unberechenbar, so schätze ich das ein.

Wie wenig Vertrauen der in Spanien “durchgeknüppelte” Brüsseler und deutsche Sparkurs in Kombination mit dem durch die geplatzte spanische Immobilienblase massiv beschädigten spanischen Bankensektor unter den Bank-Experten geniesst, zeigt eine Meldung aus “ntv” vom 12.5 mit dem Titel “Dax-Vorschau: Anleger zittern mit Athen“. Im übrigen zeigt sich jetzt auch, dass die Euro-Krise in Griechenland ebenfalls keinesfalls bewältigt ist, sondern massiv weiterschwelt.

In diesem Artikel in “n-tv” heisst es: “Die Euro-Krise lässt die Anleger am deutschen Aktienmarkt nicht los: Das hoch verschuldete Spanien gerät stärker ins Straucheln, und dem Pleite-Kandidaten Griechenland droht ein Ende der Finanzhilfen, sollte das Land unter einer neuen Regierung von seinen Sparzusagen abweichen. Die Stimmung unter den Anlegern sei getrübt, und das dürfte sich auch in der neuen Woche im Dax bemerkbar machen, prognostiziert Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Auf Wochensicht hatte der deutsche Leitindex zwar 0,3 Prozent hinzugewonnen, jedoch nur dank einer starken Erholungsbewegung am Freitagnachmittag nach überraschend starken US-Konjunkturdaten.

Analysten der Landesbank Berlin gehen davon aus, dass die seit Mitte März andauernde Talfahrt des Dax – seitdem hat er mehr als neun Prozent verloren – noch nicht beendet ist. (….).

Die Lage in Griechenland wird ebenso wie das Euro-Sorgenkind Spanien zentrales Thema des Treffens der Euro-Finanzminister am Montag sein. Spanien kommt ohne neue harte Einschnitte nach Prognose der EU nicht aus dem Schuldensumpf heraus. Zugleich macht der angeschlagene Bankensektor, der noch unter den Nachwehen einer vor vier Jahren geplatzten Immobilienblase leidet, weiter Probleme. “Kein guter Mix für einen ernsthaften Anlauf, das Vertrauen der Märkte zurück zu gewinnen”, urteilen die Experten der Metzler Bank. Wie groß das Misstrauen ist, zeigte sich in der abgelaufenen Woche auch an der Entwicklung der Renditen der zehnjährigen spanischen Papiere. Sie kletterten in der Spitze bis auf 6,2 Prozent – ein Niveau, das sich der klamme Staat auf Dauer nicht leisten kann” (Fettdruck von mir!).

Das heisst, auch die deutschen Banker glauben genauso wenig wie die Akteure auf den Finanzmärkten an diese Strategie von harten Brüsseler und deutschen Sparmassnahmen in Spanien in Kombination mit den hilflosen Versuchen Mariano Rajoys (Partido Popular) und seiner Mitstreiter (Kabinett Rajoy), den angeschlagenen spanischen Bankensektor in den Griff zu bekommen.

Und was Griechenland angeht, so bereiten sich die internationalen Banken anscheinend schon seit geraumer Zeit auf den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung der Drachme vor. Siehe hierzu einen Artikel in BoerseGo.de vom 11.5. mit dem TitelBanken bereiten Wiedereinführung der Drachme vor“. Wenn das passiert, ist natürlich Portugal der nächste Kandidat und dann kommt Spanien.

Die Ratingagentur Fitch hat übrigens am 11.5. vor dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. Hier habt ihr einen dpa-Artikel in “Focus” vom 11.5. mit dem Titel “EU – Fitch warnt Währungsraum vor Euro-Austritt Griechenlands“.

In diesem Artikel in “Focus” heisst es wörtlich: “Die Ratingagentur Fitch hat eindringlich vor den Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus dem Euroraum gewarnt. In diesem Fall würden vermutlich alle Bonitätsnoten im Euroraum – also auch die erstklassige Note Deutschlands – unter verschärfte Beobachtung („Rating Watch Negative“) gestellt.

Das teilte Fitch am Freitag mit. Die Folgen eines Austritts Griechenlands seien sehr ungewiss, begründet die Agentur ihre Warnung. Die größte Gefahr einer unmittelbaren Bonitätsabstufung sieht die Ratingagentur für Euroländer, die ohnehin einen negativen Ausblick aufweisen. Dies sind Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Irland, Belgien, Slowenien und Zypern. Ob und wie stark die Ratings tatsächlich sinken würden, hänge wesentlich von der Reaktion der europäischen Politik auf einen Austritt Griechenlands ab, so Fitch. Zudem sei entscheidend, ob ein Übergreifen auf andere Länder verhindert werden könne”.

Das heisst, der Austritt Griechenlands würde wohl die Ratings der europäischen Länder durch die Ratingagenturen runterreissen, vor allem natürlich die Ratings der südeuropäischen Krisenländer (Portugal, Spanien, Italien), die sowieso schon schlecht sind. Hier habt ihr nochmals einen Überblick über die weltweiten Ratings in der österreichischen “Die Presse.com” unter dem Titel “USA/EU: Welche Länder noch ein AAA-Rating haben“.

So sieht´s aus.

Währenddessen glaubt Wolfgang Schäuble weiterhin an seine “Sparstrategie und seine “Konsolidierungspolitik” (?!). Er glaubt (!) auch an die Widerstandsfähigkeit der Euro-Zone. Seht hierzu den Artikel aus der Süddeutschen vom 11.5 mit dem Titel “Finanzminister glaubt an Widerstandfähigkeit der Eurozone – Schäuble hält Euro-Austritt Griechenlands für verkraftbar.”

Schäuble lässt in diesem Artikel folgendes verlautbaren: “Die Euro-Zone ist nach Auffassung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) heute stabiler als vor zwei Jahren. Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum könne sie notfalls verkraften. “Wir haben in den letzten zwei Jahren viel gelernt und Schutzmechanismen eingebaut”, sagte Schäuble der Rheinischen Post vom Freitag”. “Die Vorstellung dass wir nicht in der Lage wären, kurzfristig auf etwas Unvorhergesehenes zu reagieren, ist falsch”, betonte Schäuble und fügte hinzu: “Europa geht so schnell nicht unter.” Die “Ansteckungsgefahren” für andere Länder der Eurozone seien geringer geworden, die Eurozone insgesamt sei widerstandsfähiger geworden”.

Tja, mit dem Glauben ist das so eine Sache. Man kann an alles Mögliche glauben.

Ich erinnere nur daran, was Wolfgang Schäuble vor knapp drei Wochen in der “Süddeutschen”  in einem Artikel vom 20.4 mit dem Titel “430 Milliarden Dollar für den IWF” verlautbaren liess.

In diesem Artikel wird berichtet, dass Schäuble bei der gemeinsamen Frühjahrstagung des Währungsfonds und der Weltbank am Freitag in Washington folgendes sagte: “Schäuble forderte zugleich die USA, Japan und andere große Volkswirtschaften auf, mehr zur Überwindung der Finanzkrise zu tun. Manche Staaten zeigten lieber mit dem Finger auf Europa, statt ihre eigenen Probleme zu lösen, sagte er. Das sei nicht hinnehmbar. Europa sei gezielt gegen die Ursachen der Finanzmarktturbulenzen – zu hohe Staatsschulden und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder – vorgegangen und stehe damit nicht mehr im Zentrum der Krise (Fettdruck von mir!). Nun müssten auch alle anderen Mitspieler ihre Aufgaben erledigen.

Schäuble nannte keine Namen, es war aber klar, dass er sich insbesondere auf die USA bezog. Diese haben im Gegensatz zu vielen anderen G-20-Staaten bisher kaum etwas unternommen, um ihre im Jahr 2010 eingegangene Verpflichtung zu erfüllen, das Haushaltsdefizit bis 2013 zu halbieren. Das Gleiche gilt für Japan. Die Regierung von Präsident Barack Obama beteiligt sich auch nicht an der Errichtung des neuen IWF-Schutzschirms, obwohl gerade Washington wiederholt “höhere Brandmauern” verlangt hatte. Stattdessen kommen aus den USA immer wieder Forderungen, die Europäer sollten kreditfinanzierte Konjunkturprogramme auflegen und die Geldpolitik noch weiter lockern. “Es ist eine verbreitete Unsitte, dass man seine Probleme auf andere abschiebt”, sagte Schäuble. Europa dürfe kritisiert werden, stehe aber nicht als Sündenbock für die Versäumnisse anderer bereit”.

So, vor drei Wochen meinte Wolfgang Schäuble, Europa und die Euro-Krise seien nicht mehr im Zentrum der “Krise” (?!) und dürfe nicht als “Sündenbock” missbraucht werden. Welche Krise meint Schäuble eigentlich damit? Die USA und Japan haben natürlich auch Probleme. Aber die Euro-Krise ist hier in Europa.

Und was die USA fordern, ist absolut vernünftig und ganz im Sinne eines “New Keynesian” wie Paul Krugman und Joseph Stiglitz. Kreditfinanzierte Konjunkturprogramme könnten durchaus ein Teil der möglichen Lösung sein und entsprechen dem keynesianischen Prinzip des “Deficit spending” (dies könnte eine Massnahme neben anderen Massnahmen wie Strukturreformen etc. sein).

Was im deutschen Artikel zum “Deficit Spending” gesagt wird, dass dieses Prinzip des “Deficit Spending” nicht auf John Maynard Keynes, sondern auf die “New Keynesians” zurückgeht, ist Quatsch.

Natürlich geht diese Idee letztendlich auf John Maynard Keynes zurück, dessen Grundgedanke immer war, eine “antizyklische” Wirtschaftspolitik im Falle einer Rezession zu betreiben. Und zu diesen “antizyklischen” Massnahmen gehört natürlich auch das “Deficit Spending”. Schaut euch bitte mal den englischen Wikipedia-Artikel zum “Deficit Spending” an. Da wird auch klar gesagt, dass diese Idee letztendlich auf John Maynard Keynes zurückgeht.

Praktisch alle Ideen der “New Keynesians” gehen auf John Maynard Keynes zurück, deswegen nennt man sie auch “New Keynesians”. Übrigens glauben auch die Vertreter der “Mainstream Economics” (die neoklassische mit keynesianischen Ansätzen kombinieren) an dieses Prinzip des “Deficit Spending” und natürlich auch die “Post-Keynesians“. Zu den wenigen, die nicht daran glauben, zählen die Monetaristen und Neoliberalen. Und genau diese Leute dominieren bisher auf doktrinäre und dogmatische Weise komplett die deutsche Wirtschaftspolitik.

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