Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Euro-Krise ist massiv zurückgekehrt 1

Tja, für die Leute, die in Deutschland wirklich etwas von Volkswirtschaftlehre verstehen (und das sind ganz bestimmt nicht Wolfgang Schäuble und Angela Merkel) war die “Eurokrise” sowieso nie vorbei. Seht hierzu zum Beispiel den ebenso kurzen wie erhellenden Artikel von “andena17” auf Otmar Scherer-Gennermanns Blog “Libri Logicorum” mit dem Titel “Eurokrise – Vergleich der Kuponzinssätze 10jähriger Staatsanleihen” vom 17. Januar dieses Jahres.

Fazit dieses Artikels von “andena17”, der das Auseinanderdriften der Kuponzinssätze für Staatsanleihen in der Eurozone seit dem Jahre 2008 analysiert: “So betrachtet bietet die derzeitige Situation nicht wirklich einen Grund zum Jubeln, sondern stellt wahrscheinlich nur eine kurze Verschnaufphase dar. Spanien muss nach wie vor die höchsten Zinsen seit 10 Jahren anbieten und ob sich Portugal oder Griechenland kurzfristig wieder eigenes Geld am Markt verschaffen können ist mehr als fraglich. So startet das Jahr 2012 eurokrisentechnisch im Prinzip so, wie das Jahr 2011 beendet wurde – mit tristen Aussichten“.

Paul Krugman und Joseph Stiglitz haben diese ganzen selbstgefälligen Verlautbarungen der Brüsseler Troika (EU-Kommission, EZB und IWF) und von Wolfgang Schäubles sowieso nie ernst genommen, und zwar zurecht. Diese beiden “New Keynesians” beobachten schon seit weit über einem Jahr mit einer Mischung aus Spott und Sorge die Entwicklung in der Euro-Zone und vor allem die zerstörerischen Effekte des Brüsseler und letztendlich deutschen Spardiktats gegenüber den europäischen Krisenländern Griechenland, Portugal, Italien, Spanien und Irland (PIIGS-Staaten).

Am  15. April dieses Jahres hat Paul Krugman in den “Opinion Pages” der “New York Times” den ebenso erhellenden wie zutreffenden Blogartikel “Europe’s Economic Suicide” veröffentlicht.

In diesem Artikel sagt Paul Krugman ganz klar: “Consider the state of affairs in Spain, which is now the epicenter of the crisis. Never mind talk of recession; Spain is in full-on depression, with the overall unemployment rate at 23.6 percent, comparable to America at the depths of the Great Depression, and the youth unemployment rate over 50 percent. This can’t go on — and the realization that it can’t go on is what is sending Spanish borrowing costs ever higher.

In a way, it doesn’t really matter how Spain got to this point — but for what it’s worth, the Spanish story bears no resemblance to the morality tales so popular among European officials, especially in Germany. Spain wasn’t fiscally profligate — on the eve of the crisis it had low debt and a budget surplus. Unfortunately, it also had an enormous housing bubble, a bubble made possible in large part by huge loans from German banks to their Spanish counterparts. When the bubble burst, the Spanish economy was left high and dry; Spain’s fiscal problems are a consequence of its depression, not its cause.  Nonetheless, the prescription coming from Berlin and Frankfurt is, you guessed it, even more fiscal austerity.       

This is, not to mince words, just insane. Europe has had several years of experience with harsh austerity programs, and the results are exactly what students of history told you would happen: such programs push depressed economies even deeper into depression. And because investors look at the state of a nation’s economy when assessing its ability to repay debt, austerity programs haven’t even worked as a way to reduce borrowing costs”.

Und genau so kommt es jetzt auch: Die Investoren in den Finanzmärkten und Börsen haben absolut kein Vertrauen in diese “selbstmörderische” Sparpolitik der Brüsseler Troika, Olli Rehns und vor allem Deutschlands gegenüber den südeuropäischen PIIGS-Staaten. Daher wird jetzt Spanien, das Land, das tatsächlich im Epizentrum der aktuellen europäischen Krise steht, von den Ratingagenturen massiv abgewertet. Spanien ist vor einigen Tagen von A auf BBB+ abgeratet worden (Hier habt einen Fernsehbericht vom 27.4. ín “Welt Online” mit dem Titel “Spanien stürzt nach BBB-Rating tiefer in die Krise“). Spanien befindet sich schon seit einiger Zeit in einer Rezession, die vor allem ein Ergebnis der absurden Brüsseler und vor allem auch deutschen Sparpolitik ist.

Wie die Sache jetzt in Spanien aussieht, darüber berichtet ein Artikel in der “Financial Times Deutschland” vom 27.4. mit dem Titel “Spaniens `gigantische Krise´ verschärft sich“.

In diesem Artikel in “FTD” heisst es wörtlich:Die spanische Krise nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Die Arbeitslosenquote stieg im ersten Quartal auf 24,4 Prozent, teilte das Statistikamt am Freitag in Madrid mit. Das ist der höchste Stand seit den frühern 90ern. Ende 2011 lag sie noch bei 22,9 Prozent. Spanien hat die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Außenminister José Manuel Garcia-Margallo fand drastische Worte für die Lage: “Das sind schreckliche Zahlen für uns alle, und sie sind furchtbar für die Regierung…Spanien steckt in einer Krise gigantischen Ausmaßes. Zuvor waren die Spanier am Anleihemarkt wieder unter Druck geraten. Mit Verkäufen reagierten die Investoren auf die Herabstufung des südeuropäischen Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Zehnjährige spanische Bonds  rutschten um 1,16 Punkte auf 98,8 Punkte ab und rentierten damit wieder über der für die Refinanzierung kritischen Marke von sechs Prozent. Auch der Euro geriet unter Druck und fiel bis auf 1,3156 Dollar. Vor der Nachricht hatte die Gemeinschaftswährung um 1,3240 Dollar notiert.  S&P hatte unter Verweis auf erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen auf BBB-plus abgewertet. Den Ausblick setzte sie auf Negativ. `Diese Herunterstufung zeigt, dass die europäischen Regierungen immer noch damit kämpfen, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen´, sagte Analyst Philippe Gijels von BNP Paribas Fortis.  `Wir werden wohl weitere Downgrades anderer Ratingagenturen sehen´. Die Märkte sollten sich auf weitere Negativ-Nachrichten einstellen. `Die Konsolidierungsphase an den Märkten wird noch ein Stück anhalten´.

Zuvor waren die Spanier am Anleihemarkt wieder unter Druck geraten. Mit Verkäufen reagierten die Investoren auf die Herabstufung des südeuropäischen Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Zehnjährige spanische Bonds  rutschten um 1,16 Punkte auf 98,8 Punkte ab und rentierten damit wieder über der für die Refinanzierung kritischen Marke von sechs Prozent. Auch der Euro geriet unter Druck und fiel bis auf 1,3156 Dollar. Vor der Nachricht hatte die Gemeinschaftswährung um 1,3240 Dollar notiert”.

Einen gleichlautenden Artikel findet ihr ebenfalls am 27.4. in “Focus” unter dem Titel “Ratingagentur Standard & Poor’s stuft Spanien herab“.

Auch die spanischen Banken sind heute, am 30.4., von Standard & Poor´s  (S&P) abgeratet worden, der Banco Santander auf A-  und der BBVA auf BBB+.

In einem Artikel in “Focus” mit dem Titel “S&P stuft spanische Banken ab – Folge der Abwertung Spaniens” wird darüber berichtet.

In diesem Artikel in “Focus” heisst es völlig zutreffenderweise: “Die Abstufung der Finanzinstitute sei eine Folge der in der vergangenen Woche bekannt gegebenen skeptischeren Bewertung Spaniens, teilte S&P am Montag in Madrid. Die Bonitätsnoten für die beiden Großbanken BBVA und Santander wurden dabei wie für das Land Spanien selbst um zwei Stufen reduziert. Santanders langfristige Schulden werden jetzt mit der Note „A-„ und damit etwas besser als die Verbindlichkeiten Spaniens eingestuft. BBVA habe jetzt mit „BBB+“ die gleich Bewertung wie Spanien. Die spanischen Banken leiden unter dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts und gelten derzeit als einer der größten Problemfälle innerhalb der europäischen Schuldenkrise. Der Sektor ist geprägt von den beiden Großbanken sowie zahlreichen kleineren Instituten, die größtenteils regional tätig sind. Zudem hat das Land einen großen Sparkassensektor. Von den vielen Sparkassen mussten in der Schuldenkrise bereits einige Institute vom Staat gerettet werden. Der gesamte Bereich soll größtenteils neu sortiert werden”.

Dadurch, dass Spanien massiv abgeratet wird, steigen aber auch die Zinsen für spanische Anleihen auf den Finanzmärkten. Diese Zinsen sind jetzt, wie “FTD” völlig zutreffend in dem schon obengelinkten Artikel “Spaniens `gigantische Krise´ verschärft sich” berichtet, bei der kritischen Marke von über 6% angelangt. Spätestens wenn die “Schallmauer” von 7% erreicht ist, wird das für Spanien so auf Dauer nicht mehr finanzierbar sein, womit der Zeitpunkt näher rückt, an dem Spanien womöglich unter den “Euro-Rettungsschirm” muss, mit allen Folgen, die das haben wird.

Auch “Focus” berichtete schon Mitte April in einem Artikel mit dem Titel “Zinsen für spanische Anleihen über kritischer Marke“, “dass das gegen Schuldenkrise und Rezession kämpfende Spanien an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck gerät“. Und in diesem Artikel heisst es ganz klar: “Viele Experten halten ein Niveau von mehr als sechs Prozent für langfristig untragbar“.

Wenn die Spanier unter den “Euro-Rettungsschirm” müssen, bedeutet das für die Spanier eine demütigende Brüsseler und letztendlich auch von Deutschland beherrschte ökonomische Euro-Diktatur. Für Europa und den Euro hat das dann zur Folge, dass dann natürlich noch viel mehr Geld für die berühmt-berüchtigte “Europäische Brandmauer” und wohl auch den “Euro-Rettungsschirm” besorgt werden muss (siehe hierzu den Artikel aus “Welt-Online” mit dem Titel “Die Billionen-Brandmauer“) und allgemein das Ende des Euro immer näher rückt. Irgendwann einmal bricht der Euro dann einfach auseinander, wenn Brüssel und auch Deutschland konsequent die falsche “europäische” (?!) Wirtschaftspolitik (=hirnlose Sparpolitik) in Europa betreiben.

Wenn Brüssel und auch Deutschland weiter eine falsche ökonomische Politik in Europa betreiben, also weiterhin in den südeuropäischen Krisenländern einen gnadenlosen Sparkurs durchknüppeln, wird keine noch so hohe “Brandmauer” den Euro retten.

Der stellvertretende Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) David Lipton hat in einem Interview mit dem Titel “Auf und Ab der Märkte interessiert mich nicht” in “Welt-Online” am 24. April ganz klar gesagt: “Das Entscheidende ist, dass die Euro-Länder ihre Hausaufgaben machen. Wenn die Euro-Länder nicht ihre Hausaufgaben machen. Wenn sie die richtigen Wirtschaftsmassnahmen auf den Weg bringen, sind die Rettungsschirme gross genug. Tun sie das nicht, gibt es keine Brandmauer auf der ganzen Welt, die jemals hoch genug sein wird”.

Wenn Spanien tatsächlich demnächst unter den “Euro-Rettungsschirm” muss, hat Wolfgang Schäuble komplett versagt, und mit ihm die ganze Truppe an neoliberalen deutschen Ökonomen, die diesen harten Sparkurs in Spanien für richtig halten. Und der von Paul Krugman und Joseph Stiglitz schon seit längerem prophezeite “Selbstmord Europas” rückt damit wieder ein gutes Stück näher.

Ich habe ja während meines Aufenthaltes in Madrid von Februar bis April diesen Jahres das aktuelle deutsche Spardiktat in den südeuropäischen Krisenstaaten in einem langen Blogartikel mit dem Titel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa” analysiert. Irland habe ich damals aus meiner Analyse rausgelassen, weil ich vor allem ein sehr guter Kenner Südeuropas bin. Ich bin Halb-Spanier und Halb-Madrider und kenne Spanien wie meine Westentasche, in jeder Hinsicht, auch in ökonomischer Hinsicht. Seht zu meiner Person den Blogartikel “Who I am: My CV“.

Über die schweren Fehler der spanischen Wirtschaftspolitik ab spätestens den neunziger Jahren (Immobilienblase!)  habe ich in meinem Artikel “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit” berichtet.

Auch ich habe damals wohl mit diesen Artikeln “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa” und “Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit” den Nagel auf den Kopf getroffen.

Sehr freuen kann ich mich nicht darüber. Meine “zweite HeimatSpanien versinkt zur Zeit gnadenlos in einer ökonomischen Abwärtsspirale, vor allem Dank der schwachsinnigen Sparpolitik der aktuellen schwarz-gelben Regierungskoalition unter Angela Merkel gegenüber den südeuropäischen Krisenstaaten (südeuropäische PIIGS-Staaten), auch Spanien.

Ich habe von Angela Merkel selbst und auch ihrer Truppe an schwarz-gelben Politikern und ihrer Entourage aus neoliberalen Lobbys und Ökonomen sowieso nie viel gehalten, auch nicht von Wolfgang Schäuble, der mir nie besonders gut gefallen hat, auch nicht in seinen früheren politischen Funktionen. Zu den Lobbys im Umfeld von Angela Merkel siehe mein Blogartikel: “Lobbys, PR-Agenturen und ihr Einfluss auf die Medien und die Politik in Deutschland“.

Meiner Meinung nach schadet der aktuelle deutsche “Sparwahn” sogar massiv den Deutschen selbst (seht hierzu meinen Blogartikel “Der deutsche `Sparwahn´: Dumm und verlogen“). Und wenn der Euro erst mal zerbrochen ist, wird das vielleicht auch für Deutschland nicht so lustig sein. Und Spanien ist ein recht grosses und auch ökonomisch bedeutendes Land (viertgrösste europäische Volkswirtschaft), was die aktuelle Situation dramatisch erscheinen lässt.

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