Der deutsche “Sparwahn”: Dumm und verlogen 8

Es wird heutzutage oft von der “Krise der Geisteswissenschaften” geredet. Das ist alles dummes Geschwätz. Es gibt bis heute junge Menschen, die mit Begeisterung lesen und schreiben und die Bücher lieben.

Ich war einer dieser jungen Menschen in den achtziger Jahren an der Freiburger Universität, und ich bin bis heute aus Überzeugung und mit Begeisterung Geisteswissenschaftler. Ich würde mit keinem Ingenieur oder Programmierer tauschen, obwohl ich arbeitslos bin und wenig Geld habe.

Was wir tatsächlich haben ist eine Krise der Finanzierung (!) der Geisteswissenschaften, und zwar nicht nur an den Unis, sondern überall, wo geisteswissenschaftliche Arbeit geleistet wird, in den Medien (zum Beispiel auch an den Zeitungen) und in den Verlagen und in noch vielen anderen Bereichen, in den traditionell Geisteswissenschaftler arbeiten, auch an den Schulen.

Auch da sind wir Geisteswissenschaftler “zweite Wahl“. Die Naturwissenschaftler, Betriebswirtschaftler und Mathematiker werden mit Handkuss genommen und dürfen sich die Lehrerstellen aussuchen. Die Geisteswissenschaftler an den Schulen sind froh, wenn sie irgendeine eine Stelle bekommen, egal wo und egal wie. So ist es in fast allen Bereichen, in denen Geisteswissenschaftler arbeiten können.

Wie die tatsächliche “Krise der Geisteswissenschaften” aussieht, berichtet dieser kleine Artikel aus “Zeit Online” mit dem Titel  “Eine Krise, die fürs Leben prägt“.

Untertitel dieses Artikels: Viele Geisteswissenschaftler beenden ihr Studium mit dem Antrag auf Hartz IV. Was macht das eigentlich mit ihnen?

Dann kommt ein Fallbericht einer “Anna Günther” (Name geändert) und das Fazit des Artikels:Oft heißt es, Hochschulabsolventen seien die Gewinner der Gesellschaft. Die Rate der Arbeitslosen unter ihnen ist geringer als in jeder anderen Bildungsschicht. Knapp 78 Prozent der Geisteswissenschaftler aber finden wie Anna Günther (Name geändert) nach dem Abschluss nicht sofort einen regulären Job, zeigt eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung. Und auch ein Jahr nach dem Abschluss geht nur die Hälfte von ihnen einer regulären Beschäftigung nach. Selbst nach fünf Jahren liegt die Quote der abhängig Beschäftigten nur bei 70 Prozent. Bei den Absolventen der Ingenieurwissenschaften haben hingegen 90 Prozent schon nach zwei Jahren einen festen Arbeitsvertrag“.

Vielleicht sollte seine “Magnifizenz” Professor Dr. Dr. hc. Hans-Jochen Schiewer mal über dieses Thema mit ein paar BZ-Journalisten reden. Ein Artikel über dieses Thema würde wohl weiss Gott wahrhaftiger und vernünftiger ausfallen als diese albernen Jubelgesänge über die Freiburger “Exzellenzuniversität“.

Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Verantwortlich für die Finanzen an den deutschen Universitäten ist der deutsche Staat. Und wenn eine neoliberale Politik in Deutschland die Einnahmenseite des Staates massiv reduziert (in dem sie die Spitzensteuersätze, die Unternehmenssteuersätze und die Abgaben für Kapitalanleger in Deutschland massiv runterfährt) dann müssen eben auch die deutschen Universitäten darunter leiden und sie verlieren dann eben an Niveau und internationaler Bedeutung.

Hier habt ihr zum Beispiel einen Artikel aus “Spiegel-Online” vom Dezember 2009 mit dem Titel “Steuern und Sozialabgaben: Arbeitnehmer schultern immer mehr Lasten“. Und in diesem Artikel heisst es: ” Was viele Arbeitnehmer ohnehin als gefühlten Trend im Alltag wahrnehmen, ist nun durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt: Ihre Belastung durch Steuern und Sozialabgaben steigt stetig, die Löhne dagegen sinken. Arbeitnehmer hätten in den vergangenen fünf Jahren unter dem Strich immer weniger verdient.

Als “einmalig” in der Geschichte der Bundesrepublik wertete das Institut das Phänomen, das die Löhne hierzulande auch nach dem 2004 einsetzenden Aufschwung weiter gesunken sein.  Andere Gruppen dagegen würden zunehmend entlastet, teilte das Institut am Mittwoch in Berlin mit. Die Einkünfte von Unternehmern und Kapitalanlegern seien seit 2003 “stark” gestiegen. Im Detail sieht die DIW-Berechnung wie folgt aus: Von 2003 bis 2008 habe das Lohnplus der deutschen Arbeitnehmer stets unter der Inflationsrate gelegen. Den Beschäftigten blieb also unter dem Strich weniger Geld.

Trotz des Aufschwungs sei der Anteil der Löhne und Gehälter am gesamten Volkseinkommen so auf ein historisches Tief von 61 Prozent gesunken. Zugleich aber stieg die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben bei den Arbeitnehmern auf mehr als 50 Prozent, wie das DIW mitteilte. Damit trugen sie die Hauptlast der staatlichen Forderungen in Deutschland.

Eine entgegengesetzte Entwicklung stellte das DIW dagegen bei Selbständigen und Kapitalanlegern fest. Auch Beamte hätten überdurchschnittlich profitiert, weil sie vergleichsweise wenige Abgaben leisten müssen. Zwar sei eine solche Entwicklung in Boomzeiten normal, sie verlief aber laut DIW “rasant”.

Eine Ironie an dieser ganzen Sache ist, dass die deutsche Professorenschaft in der Regel fast durchwegs politisch konservativ und wirtschaftspolitisch neoliberal ist, also in der Regel genau die Politiker wählt, deren Ziel es ist, den deutschen Staat und damit auch die deutschen Universitäten “runterzusparen” und die in der Regel auch den Beamtenstand selbst oft als “parasitär” betrachten (die “hohen” Beamtenpensionen!) und die am liebsten alle Beamte in gewöhnliche Angestellte verwandeln würden.

Auch Gerhard Schröder, der erste knallhart neoliberale Bundeskanzler in Deutschland (1998-2005) hat in seiner miesen Szene von neoliberalen Wirtschaftsführern und neoliberalen Ökonomen im Jahre 1995 klar punkten können, als er die Lehrer als “faule Säcke” beschimpft hat.

Hier habt ihr eine kritischen Artikel aus “Die Zeit” vom Jahre 1995 mit dem Titel “Faule Säcke?” zu diesen unverschämten Äusserungen von Gerhard Schröder. Gerhard Schröder war nichts weiter als ein korrupter Gauner. Zu seinen Spiessgesellen zählt unter anderem der windige Finanzhai und “Drückerkönig” Carsten Maschmeyer und der brutale russische Diktator Wladimir Putin.

Von solchen heruntergekommenen und korrupten Gaunern wie Gerhard Schröder, der sich von einem windigen Finanzhai wie Carsten Maschmeyer und von einem brutalen Diktator wie Putin bezahlen lässt (unter anderem als “Berater”(?!) für eine Tochtergesellschaft von Putins “Gazprom“) müssen sich die deutschen Beamten und konkret die Lehrer, die einem uralten und traditionell angesehenen Beruf nachgehen, in Zeiten des “Neoliberalismus” beschimpfen lassen.

Zu Carsten Maschmeyer siehe unter anderem meinen Blogartikel “Carsten Maschmeyer: Der `Drückerkönig´des AWD“.

Auch seine “MagnifizenzProfessor Dr. Dr. hc.  Hans-Jochen Schiewer biedert sich anscheinend mit seinen albernen Jubelreden in irgendwelchen Freiburger Provinzblättern wie der “Badischen Zeitung” lieber der aktuellen deutschen neoliberalen Politik an, anstatt die Dinge beim Namen zu nennen und über die offensichtliche Unterfinanzierung der deutschen Universitäten zu reden.

Aber die massive Auszehrung der Einnahmenseite des deutschen Staates durch die neoliberale Politik spätestens seit der Regierung Gerhard Schröder (1998-2005) beschädigt natürlich auch noch viele andere Bereiche, die traditionell vom Staat finanziert werden. Da gehören zum Beispiel auch die vielen Sozialleistungen dazu, die der deutsche Staat anbietet.

Wenn also unter der Regierung Gerhard Schröder (1998-2005) zugleich auch ein deutlicher Sozialabbau stattgefunden hat (Agenda 2010) und scharfe Arbeitsmarkreformen (Hartz-Konzept) den Druck auf die Arbeitnehmer massiv erhöhen und die meisten Arbeitsplätze allgemein zugunsten der Arbeitgeber prekärer, schlecht bezahlter und unsicherer gemacht haben, dann sollte das niemanden wundern. Das ist eigentlich ganz in der Logik des neoliberalen Systems. Peter Hartz ist übrigens auch einer der vielen windigen Freunde von Gerhard Schröder und wurde im Jahre 2007 rechtskräftig wegen Untreue verurteilt.

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