Der deutsche “Sparwahn”: Dumm und verlogen 7

In der Tat, für die vielen Prüflinge in den geisteswissenschaftlichen Fächern an der Freiburger Uni, auch für die Doktoranden, sind dies sicher zumindest “aufregende” Zeiten, wenn sie oft monatelang nicht wissen, wann sie endlich geprüft werden. Hier trifft der Freiburger Unirektor Professor Dr. Dr. hc. Hans-Jochen Schiewer auf ungewollt selbstironische und sarkastische Weise den Nagel auf den Kopf.

Und vielleicht kann Professor Dr. Dr. hc. Hans-Jochen Schiewer ein paar Provinzjournalisten von der “Badischen Zeitung” mit seinen Jubelreden überzeugen, vielleicht kaufen die Leser der “Badischen Zeitung” ihm diesen Quatsch sogar ab. Aber die Realität ist: Die Freiburger Universität ist international auf Platz 189.

Nennen wir die Dinge beim Namen: Die Zeiten eines Edmund Husserls und eines Martin Heideggers sind längst vorbei. Und das merkt nicht nur im Fachbereich Philosophie an der Freiburger Uni, sondern sicher auch in allen anderen geisteswissenschaftlichen Fächern. Die Ursache für diese Misere ist nicht das “Unvermögen” (?!) der Professoren. Viele Professoren in den geisteswissenschaftlichen Fächern, auch im Fachbereich Philosophie, mühen sich redlich um Qualität in Lehre und Forschung.

Die Ursache für die aktuelle Misere an den deutschen Universitäten sind vor allem die Finanzen. Hochklassige Forschung und hochklassige Lehre, auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern, kosten nun mal viel Geld. Und wenn das notwendige Geld einfach nicht da ist, dann kann man an der aktuelle Misere vor allem auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern an den deutschen Universitäten, auch an der Freiburger Universität, nicht viel ändern oder verbessern.

Hier habt ihr ein Dossier von Ulrich Grothus, der seit 2004 Leiter der Außenstelle des DAAD in New York ist. In diesem Dossier mit dem Titel “Amerika, Du hast es besser?” (ein bekanntes Goethe-Zitat) vergleicht Grothus das deutsche mit dem amerikanischen Hochschulsystem. Strukturell und auch in manch anderer Hinsicht sind die Unterschiede eigentlich nicht so gross, das sagt Grothus klar.

Nur in einem Bereich gibt es einen ganz massiven Unterschied: Im Bereich der Finanzen.

Grothus in diesem Artikel wörtlich: “Der frappierendste (und vielleicht am schwersten aufzuholende) Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Hochschulen ist wohl die finanzielle Ausstattung. 2005 verfügten öffentliche Hochschulen mit vierjährigen Studiengängen (also ohne Community Colleges) über 26 000 Dollar pro Student, private sogar über 38 000 Dollar (jeweils ohne Einnahmen aus der Krankenversorgung). Deutschen Hochschulen standen im selben Jahr knapp 11 000 Euro pro Student zur Verfügung, nach Kaufkraftparitäten entspricht das etwa 12 000 Dollar. Ein Großteil des Unterschieds in der Ressourcenausstattung entfällt auf Studiengebühren, Spenden und Einnahmen aus früherer gespendetem Vermögen: Allein aus Studiengebühren nahmen öffentliche US-Hochschulen 2005 durchschnittlich 4 600 Dollar pro Student ein, private 12 000 Dollar“.

Das ist der eigentliche massive Unterschied zwischen den amerikanischen Eliteuniversitäten (die zum grössten Teil Privatuniversitäten sind) und den deutschen Unis, auch den sogenannten “Exzellenzuniversitäten“.

Die paar Millionen, die diese deutschen “Exzellenzuniversitäten” zusätzlich bekommen, würden bei den amerikanischen Eliteuniversitäten unter “peanuts” laufen.

Professor Dr. Dr. hc. Hans-Jochen Schiewer, der aktuelle Rektor der Freiburger Universität, redet in diesem schon obengelinkten BZ-Artikel “Ein Jahr Exzellenzuni: Das sind unberechenbare Zinsen” enthusiastisch von 108 Millionen Euro zusätzlich über fünf Jahre.

Ein Rektor einer amerikanischen Eliteuniversität würde über so eine Summe gar nicht reden oder damit zur örtlichen Presse gehen. Für diese amerikanischen Eliteuniversitäten, die oft ein riesiges Stiftungsvermögen verwalten, ist solch eine Summe über fünf Jahre im Prinzip “peanuts“. Ich nehme an, seine “MagnifizenzProfessor Dr. Dr. hc. Hans-Jochen Schiewer will sich mit solchen Verlautbarungen auch politisch im “Ländle” beliebt machen und unter anderem den Freiburgern das Gefühl geben, hier in Freiburg laufe etwas ganz Grossartiges und Wunderbares.

Nur um euch mal die “amerikanischen” Dimensionen klar zu machen: Die Harvard University in Cambridge, Massachussetts ist die reichste Universität der Welt. Sie hat ein privates Stiftungsvermögen von ca. 32 Milliarden (!) Dollar. Über 100 Millionen Euro wird an der Harvard University nicht geredet. Das sind “peanuts“.

Tatsache ist, dass wir hier in Freiburg eine im internationalen Ranking mittlere Uni mit international betrachtet eher durchschnittlicher finanzieller Ausstattung haben (zumindest im Vergleich mit den englischen und amerikanischen Eliteuniversitäten). Das ist nicht schlecht, aber grossartig ist es auch nicht.

Und mit der Harvard University kann sich die Universität Freiburg überhaupt nicht vergleichen, einfach deshalb, weil solche amerikanischen Elite- und Privatuniversitäten unermesslich reich sind und praktisch völlig unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten haben.

Und einen Edmund Husserl oder einen Martin Heidegger haben wir hier nicht mehr, wir haben in Freiburg keine universitäre Philosophen mit sehr weitreichender Wirkung in die internationale Philosophen- und Literatenszene mehr.

Und in den anderen geisteswissenschaftlichen Fächern sieht es auch nicht anders aus. Der Grund für den Zustand, in dem sich die Freiburger und auch die anderen deutschen Universitäten befindet, sind unter anderem auch einfach die Finanzen.

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