Der deutsche “Sparwahn”: Dumm und verlogen 1

Ich habe ja vor über einem Monat in Madrid einen langen Artikel mit dem Titel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa” verfasst.

In diesem Artikel habe ich massiv die deutsche Sparpolitik in Südeuropa kritisiert, die zum Ergebnis hat, dass alle diese südeuropäischen Länder, auch Spanien, ökonomisch gesehen in eine Abwärtsspirale gezwungen werden. Mit diesen südeuropäischen Ländern geht es aktuell bergab, nicht zuletzt wegen der massiven Sparpakete, die diesen südeuropäischen Ländern von der “Troika” (Dreigespann aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank sowie Internationalem Währungsfonds) und Brüssel (Olli Rehn) und letztendlich Deutschland und der aktuellen schwarz-gelben Regierungskoalition aus CDU und FDP unter Angela Merkel (Kabinett Merkel II) aufgezwungen werden.

Allerdings verfolgt die aktuelle schwarz-gelben Regierungskoalition unter Angela Merkel auch in Deutschland selbst diesen harten Sparkurs. Die ganze ökonomische Philosophie und Praxis der aktuellen wirtschaftspolitisch völlig einseitig neoliberalen schwarz-gelben Regierungskoalition unter Angela Merkel reduziert sich sowohl binnenökonomisch in Deutschland als auch gesamteuropäisch (Deutschland hat in der “Europäischen Union” und in der Eurozone aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke eine dominierende Stellung) auf “sparen” und “vernünftig = sparsam” haushalten.

Angela Merkel hat für diese aktuelle deutsche Sparpolitik seit dem Bundesparteitag der CDU im Jahre 2008 unter anderem öfters das Bild der “schwäbischen Hausfrau” bemüht, und die neoliberale Lobby “Iniative Neue Soziale Marktwirtschaft” hat dieses Stichwort der “schwäbischen Hausfrau” aus dem Munde Angela Merkels mit Dankbarkeit und Begeisterung übernommen (siehe hierzu eine Webpage der INSM zur “schwäbischen Hausfrau“).

Nun, dass diese deutsche Sparpolitik in Südeuropa nur Schaden anrichten kann, habe ich schon in meinem Artikel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa” klar erläutert.

Auch in Deutschland selbst trägt diese Sparpolitik, die seit der rot-grünen Regierung Gerhard Schröder (1998-2005) verfolgt wird, nicht viel gute Früchte.

Deutschlands ökonomische Gesamtsituation ist schon seit längerer Zeit durch ein massives Handelsungleichgewicht geprägt. Deutschland verdient vor allem an seinen massiven Exporten, vor allem auch ins europäische Ausland (seht hierzu einen Artikel aus der “Frankfurter Rundschau” vom vergangenen Februar mit dem Titel “Deutschland knackt beim Export Billionenmarke” und einen Artikel aus dem “Handelsblatt” vom vergangenen März mit dem Titel “Exporte steigen stärker als erwartet“. Für den Monat Januar wies die Differenz zwischen Exporten und Importen einen kalender- und saisonbereinigten Überschuss von 14,2 Mrd. Euro auf).

Ein weiterer Artikel aus “FTD” vom zehnten April “Konjunkturdaten: Deutschland trotzt Schuldenkrise” gibt die Daten für den vergangenen Februar wider. Auch im Februar hat Deutschland im Exportbereich ein solides Umsatzplus erwirtschaftet. Dieser Artikel ist insofern interessant, als er zeigt, wohin jetzt die deutschen Exporte gehen: Die Exporte ins europäische Ausland sind kaum gewachsen, die Nachfrage nach deutschen Produkten kommt jetzt vor allem aus nicht-europäischen Ländern, vor allem aus Asien. Seht hierzu einen Artikel vom zehnten April in “Focus-Online” mit dem Titel “Asien beschert dem deutschen Export ein Rekordjahr“.

Hier habt ihr einen Artikel aus dem “Handelsblatt” vom 5. April mit dem Titel “Wir bleiben Gewinner bei der Globalisierung“.

Die deutschen Exportzahlen sind weiter deutlich am Wachsen, im letzten Quartal legten sie um 5,6 % auf 269 Milliarden Euro zu. In diesem Artikel heisst es: “Handelspartner außerhalb Europas werden für Deutschlands Exporteure immer wichtiger. Im vierten Quartal 2011 nahmen die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich um 10,3 Prozent auf 113,4 Milliarden Euro zu. Das geht aus einer veröffentlichten Aufstellung des Statistischen Bundesamtes hervor”. Und weiter: “Zu Jahresbeginn profitierten heimische Firmen vor allem von der starken Nachfrage aus Brasilien, Indien, Russland und China (BRIC-Staaten). Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU legten im Januar dreimal stärker zu als die Exporte in die EU-Staaten”. Das heisst, die BRIC-Staaten werden immer wichtiger, während der europäische Kernmarkt an Bedeutung verliert. Und die südeuropäischen Krisenstaaten werden in der aktuellen Krise natürlich unbedeutend.

Im Klartext: Angela Merkel ruiniert die europäischen Krisenstaaten mit ihrem harten Spardiktat, aber sie (und die deutsche Exportindustrie, die hinter ihr steht) ficht das nicht an, Deutschland verscherbelt jetzt seine Produkte vor allem an die rasch wachsenden Schwellenländer (vor allem an die sogenannten BRICS-Staaten).

Wohin die aktuelle Entwicklung in Deutschland geht, zeigt auch ein IMK-Report vom September 2010 “Going East: Deutschland setzt auf Handel mit China und den Ländern Mittel- und Osteuropas“. Dieses PDF der IMK mit dem Titel “Going East: Deutschland setzt auf Handel mit China und den Ländern Mittel- und Osteuropas” zeigt klar, wie sich der deutsche Aussenhandel seit 1995 entwickelt hat: Explosiv.

Dieses PDF der IMK wörtlich: “In den vergangenen 15 Jahren hat der Außenhandel für die deutsche Wirtschaft enorm an Bedeutung gewonnen. Von 1995 bis 2008 nahm der grenzüberschreitende Waren- und Dienstleistungsverkehr preisbereinigt um 136 % zu. Die Ausfuhren stiegen dabei um 159 %, während die Einfuhren lediglich um 114 % zulegten. Mit einem Zuwachs von durchschnittlich 6,9 % pro Jahr expandierte der Außenhandel in diesem Zeitraum deutlich schneller als die deutsche Wirtschaft insgesamt, die nur um durchschnittlich 1,6 % pro Jahr zulegte. Dies führte zu einer merklich gestiegenen Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Ausland. (…). Mit dem Auseinanderdriften der Export- und der Importentwicklung ging ein sprunghafter Anstieg und eine kontinuierliche Ausweitungder Exportüberschüsse einher: Von 7,3 Mrd. Euro im Jahr 2000 erhöhten sich diese auf 166 Mrd. Euro im Jahr 2008, was einer Zunahme um mehr als den Faktor 20 entspricht. Dies wird zu Recht als ein struktureller Überschuss interpretiert. (…). Der mit Abstand größte Absatzmarkt für deutsche Exporteure ist die Europäische Union (EU27). Ihr Anteil am gesamten Warenexport, der sich im Jahr 2008 auf 984 Mrd. Euro belief, betrug rund 63 % (622,6 Mrd. Euro). (…) Die deutschen Exportschlager  sind Autos, Maschinen und Chemie. Die Zusammensetzung der deutschen Ausfuhren und Einfuhren konzentriert sich traditionell auf nur wenige Warengruppen. Auf Basis der Werte, die dem Güterverzeichnis für Produktionsstatistiken Ausgabe 2009 (GP 2009) entnommen sind, ergibt sich für das Jahr 2008 folgendes Bild: Exportschlager sind Kraftwagen und Kraftwagenteile (17,2 %), Maschinen (16,3 %) sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse (14,1 %). Allein diese drei Warengruppen machten 2008 fast die Hälfte aller Warenexport  aus. Nimmt man noch Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse (8,4 %), Metalle (5,7 %) sowie elektrische Ausrüstungen (6 %) dazu, dann entfielen auf diese sechs Warengruppen knapp 68 % der deutschen Güterexporte”.

Und wohin die deutschen Exporte seit Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahre 2007 und dem Ausbrechen der Euro-Krise spätestens ab dem Jahr 2009 zunehmend gehen, sagt dieses PDF der IMK mit dem Titel “Going East: Deutschland setzt auf den Handel mit China und den Ländern Mittel- und Osteuropas” auch ganz klar: Sie gehen zunehmend in Richtung China und Asien.

Mittel- und Osteuropa bleiben wichtig. Und die europäischen Krisenstaaten, vor allem die südeuropäischen PIIGS-Staaten (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien) verschwinden aussenwirtschaftlich gesehen in der Versenkung und werden zunehmend bedeutungslos für Deutschland. Mit diesen Ländern geht es aktuell rasant bergab und sie können es sich nicht mehr leisten, die deutschen Exportwaren zu kaufen, weshalb ihr Anteil am deutschen Exportmarkt massiv am schrumpfen ist.

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