Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit 8

Die aktuelle niederschmetternde wirtschaftliche Situation in Spanien als Folge der geplatzten Immobilienblase wird noch zusätzlich dadurch belastet, dass die deutsche Politik gegenüber den südeuropäischen Krisenstaaten allgemein unflexibel ist.

Das heisst, die einzige Antwort Deutschlands, die einzige Antwort von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble gegenüber der aktuellen Krise in Südeuropa (und auch in Spanien) heisst “Sparen“. Dadurch werden diese wirtschaftlich angeschlagenen südeuropäischen Länder aber noch weiter geschwächt und in eine Abwärtsspirale hineingezwungen (auch Spanien).

Und es bleibt in diesen südeuropäischen Ländern (auch in Spanien) kein müder Euro übrig für zum Beispiel den Bereich Forschung und Entwicklung, um so den spanischen industriell-technologischen Sektor (der immer noch sehr schwach und zurückentwickelt ist) zu fördern.

Über dieses Thema der deutschen Spar- oder Austeritätspolitik gegenüber Südeuropa (genauer: den südeuropäischen PIIGS-Staaten) habe ich einen Blogartikel mit dem Titel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa” geschrieben.

Das heisst, die Spanier können im Moment von der EU und vor allem von den Deutschen nicht viel Hilfe erwarten. Ich glaube sogar, dass die aktuelle deutsche Politik von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble eindeutig schädlich ist und die Situation in den südeuropäischen PIIGS-Staaten allgemein, auch in Spanien, noch verschlimmert.

Spanien ist Teil der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und der Eurozone und hat den Euro.  Die Spanier müssen machen, was der Rest von Europa und vor allem der Eurozone von ihnen will, vor allem müssen sie machen, was die Deutschen wollen, weil Deutschland mit Abstand das wirtschaftlich wichtigste Land in Europa und vor allem in der Eurozone ist.

Natürlich benützen alle europäischen Politiker dauernd schöne Worte vom “gemeinsamen Europa“, auch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble.

Aber wir alle kennen die Realität: Die meisten Menschen in Europa leben in ihrem Land,  in ihrer Heimat. Oft ist es nicht mal ein Land, sondern einfach nur eine Stadt oder höchstens eine Region. Viele Madrider sind einfach nur in Madrid und der Region Madrid verwurzelt, und viele Freiburger einfach nur in Freiburg und der Region um Freiburg. Sie wollen oft nicht mal ausserhalb ihrer Stadt und Region leben und die anderen Länder sind ihnen völlig egal. Ein Deutscher denkt in der Regel an Deutschland, ein Spanier in der Regel an Spanien, und ein Franzose in der Regel an Frankreich. Nur eine sehr kleine Elite in Europa ist wirklich “europäisch”, spricht mehrere europäische Sprachen, und lebt und arbeitet in den europäischen Ländern, die sie sich selbst ausgesucht haben.

Diese europäische Elite besteht vielleicht nicht mal aus 5% der ganzen europäischen Bevölkerung, die so funktioniert und so lebt und wirklich das gemeinsame Europa auf diese Weise nutzt und überall in Europa zuhause ist. Mindestens 95% der Europäer sind Nationalisten und leben nur in ihrem Land und interessieren sich nur für ihr Land und wollen auch nur in ihrem Land leben, oft auch noch nur in einer bestimmten Stadt oder Region, sie sind also oft nicht nur Nationalisten, sondern auch noch Regionalisten.

Es gibt viele Freiburger, die würden nie in Hamburg leben wollen, und Hamburger, die nie in Freiburg leben wollten. Und in den anderen Ländern der Welt ist es oft ähnlich, manchmal sogar noch radikaler so. Sehr viele Kastilier aus Madrid würden nie in Barcelona in Katalonien leben wollen und umgekehrt genauso, es gibt viele Katalanen aus Barcelona, die nie in Madrid und Kastilien leben wollten.

Das ist die europäische Realität heute.

Und die Politiker wissen das, auch Angela Merkel und Wolgang Schäuble, und sie wissen, dass sie von diesen nationalistischen Deutschen gewählt werden, genau so wie Nicolas Sarkozy von den nationalistischen Franzosen gewählt wird und Mariano Rajoy von den nationalistischen Spaniern.

Deshalb ist “Europa” und die “Europäische Einheit” bis heute im wesentlichen nur ein schönes Wort ohne Realität. Wir haben eine gemeinsame Währung, den Euro, und im wesentlichen eine europäische Verwaltung in Brüssel (Das ist bisher die Realität der “Europäischen Union“), aber deshalb sind wir kein geeinter Kontinent. Das Europäische Parlament in Strassburg ist schwach und mit wenig Einfluss, bis heute.

Die europäischen Politiker werden nur von den Bewohnern in ihren jeweiligen Ländern gewählt. Da ist es kaum zu erwarten, dass diese Politiker wirklich europäisch denken. Europa ist heute höchstens eine währungstechnische und ein Stück weit eine bürokratische Realität, mehr nicht.

Im Endeffekt denkt jedes Land bisher an sich selbst. Und die meisten Deutschen haben keine Lust, für irgendwelche Südeuropäer zu zahlen, auch nicht für die Spanier. Und die Spanier hätten auch keine Lust, für die Deutschen zu zahlen, wenn zum Beispiel jetzt die Deutschen wirtschaftliche Schwierigkeiten hätten und Spanien jetzt reicher als Deutschland wäre. Das ist die Realität.  Alles andere sind schöne Worte für die Sonntagsreden der Politiker.

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