Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit 6

Und was haben der PP (Partido Popular) und die damaligen konservativen Politiker, die damals in der Opposition waren, getan? Genau, sie haben gegen die Homo-Ehe im Parlament protestiert und auf der Strasse gegen die Homo-Ehe demonstriert (das waren meist bigotte, primitive Katholiken, die auf den Strassen demonstriert haben, oft auch Oberschichtmadrider, die meist klerikal-konservative Idioten sind).

Haben sich die PP und die konservativen Politiker vielleicht damals um die schweren wirtschaftlichen Probleme Spaniens, die Bauspekulation, die Immobilienblase, die Korruption im Immobiliensektor, den Wahnwitz der Banken bei der Kreditvergabe für den Kauf von Immobilien gekümmert? Nein, natürlich nicht.

Und viele Politiker, sowohl die vom PSOE als auch die vom PP, waren oft mit den Bauherren verfilzt und haben anscheinend die Hand aufgehalten. Das war die Politik in Spanien bis zum Jahr 2008, bis zum Platzen der Immobilienblase.

Wie das Korruptionssystem in Spanien im Immobilienbereich funktionierte, zeigt exemplarisch folgender Artikel aus der “FAZ” vom Jahre 2008 mit dem Titel “Spanischer Bauskandal: Schattenwirtschaft an der Sonnenküste“, in dem das Beispiel der Küstenstadt Estepona an der “Costa del Sol” dargelegt wird. In Estepona wanderte damals die halbe Gemeindeverwaltung ins Gefängnis.

Wenn man diesen Artikel in der “FAZ” vom Jahre 2008 mit dem Titel “Spanischer Bauskandal: Schattenwirtschaft an der Sonnenküste” durchliest, wird einem klar, dass das Korruptionssystem in solchen Küstenstädten Andalusiens (ein ähnlicher Fall war damals Marbella. Siehe hierzu den Artikel aus  der FAZ vom Jahre 2006 mit dem Titel “Auf dem Klo ein Miró“) eigentlich in alle gesellschaftliche Bereiche reinreichte und mehr oder weniger alle Bewohner in diesen Küstenstädten in das mafiöse System eingebunden waren.

In dem Wikipedia-Artikel zu Estepona heisst es wörtlich:Der Camorra-Experte Roberto Saviano sieht die Unternehmen an der Costa del Sol mittlerweile weitgehend unter der Kontrolle der Camorristi.” (das war eine Aussage von Saviano aus dem Jahr 2006. Wie es heute aussieht, weiss ich nicht).

Das heisst, die ganzen spanischen Küstenstädte an der “Costa del Sol” waren hochkorrupt und mafiös, und es ging dabei natürlich damals vor allem um das boomende Immobiliengeschäft.

Um auf das Thema der Kreditvergabe der spanischen Banken bis zum Platzen der Immobilienblase im Jahre 2008 zurückzukommen: Wie unterschiedlich die Kreditvergabe zur Finanzierung von Wohnungen und Häusern in Deutschland, den USA und Spanien in der Regel lief und immer noch läuft, zeigt folgender Artikel aus “Die Zeit” mit dem Titel “Immobilienkredite: Sicherheit wird teurer” vom Januar 2011.

Während in Spanien und den USA Kredite mit teilweise extrem langer Laufzeit und variablem Zins an Kreditnehmer mit unzureichender Bonität vergeben wurden, haben die deutschen Banken immer nur Kredite mit kürzeren Laufzeiten und festem Zins an Kunden mit ausreichender Bonität vergeben (der feste Zins ist natürlich immer teurer, im festen Zins sind immer die möglichen Zinsschwankungen in der Zukunft, auch Zinssteigerungen, mit eingerechnet).

Das heisst, die deutschen Banken haben hier solid gewirtschaftet und sind kein grosses Risiko bei der Kreditvergabe zur Finanzierung vom Kauf von Wohnungen und Häusern in Deutschland eingegangen.

Die spanischen und amerikanischen Banken sind dagegen sehr hohe Risken bei der Vergabe von Krediten zur Finanzierung vom Kauf von Wohnungen und Häusern in ihren Ländern eingegangen. Wie in Spanien die Kreditvergabe für den Kauf von Wohnungen und Häusern oft lief und welche Konsequenzen die Sache hatte, zeigt folgender Artikel aus “Die Zeit” vom Jahre 2010 mit dem Titel “Spaniens Immobilienblase: Wenn das Eigenheim die Existenz kostet“. Und wie in den USA die Kreditvergabe für den Kauf von Immobilien oft lief und tatsächlich auch heute wieder teilweise läuft, zeigt der Artikel aus “Die Zeit” vom Jahre 2010 mit dem Titel “Immobilienkrise: Präsidentenpoker“.

Die spanischen Banken haben damals unter anderem im grossen Stil im Bereich der Wertgutachten für Immobilien getrickst, das zeigt ein Artikel aus “Die Welt” vom Jahre 2008 mit dem Titel “Spanien droht der Immobiliencrash“.

Um den Kauf vieler Immobilien in Spanien ohne Eigenkapital seitens der Käufer finanzieren zu können, wurden oft völlig überzogen Wertgutachten für diese Immobilien eingeholt. Dann konnte so der gesamte Kaufpreis der Immobilie zu 100% ohne Eigenkapital per Kredit einer Bank finanziert werden, und es sah trotzdem so aus, als wenn dieser Kredit nur einen gewissen Prozentsatz des Werts der Immobilie ausmacht.

Solche Praktiken sind halbkriminell, und trotzdem haben die spanischen Banken dies bis zum Platzen der Immobilienblase im Jahre 2008 im grossen Stil betrieben. Hier nochmals der Link zu diesem Artikel in “Die Welt” vom Jahre 2008 mit dem Titel “Spanien droht der Immobiliencrash“.

Mit diesen idiotischen und halbkriminellen Praktiken bei der Vergabe von Krediten zur Finanzierung vom Kauf von Immobilien haben die spanischen Banker nicht nur ihren eigenen Banken geschadet, sondern natürlich allen diesen wirtschaftlich schwachen Menschen in Spanien (und auch in Madrid), die solche Kredite angenommen und die entsprechenden Verträge unterschrieben haben. Und sie sind damit auch massiv mitverantwortlich für das Enstehen der damaligen Immobilienblase in Spanien. Viele dieser wirtschaftlich schwächeren Menschen in Madrid und auch ganz Spanien stehen jetzt vor dem persönlichen Ruin.

Hier habt ihr einen Artikel aus “Welt-Online” vom Dezember 2011 mit dem Titel “Geplatzte Immobilienblase: Die Krise macht Hunderttausende Spanier obdachlos“. Hunderttausende von Spanier sind in den Ruin gegangen, weil sie ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten und letztendlich wegen der oben von mir beschriebenen Praktiken der spanischen Banken und dem Platzen der spanischen Immobilienblase. Hunderttausende von Spanier sind jetzt obdachlos und haben ihre Wohnung oder ihr Haus verloren. Seit Beginn der Krise Ende 2007 bis zum ersten Halbjahr 2011 wurden in Spanien 350.000 Zwangsvollstreckungen ausgesprochen, 125.000 Familien vor die Tür gesetzt, tausende der Kinder dieser Familien mussten in ein staatliches Heim geschickt werden.

Das sind die konkreten sozialen Folgen davon, wenn Banker kriminell leichtsinnig und geldgierig sind und wenn inkompetente, oder gar korrupte Politiker zulassen, dass sich in ihrem Land eine gigantische Immobilienblase aufbaut. Hier nochmals der Link zu diesem guten Artikel aus “Welt-Online” vom Dezember 2011mit dem Titel “Geplatzte Immobilienblase: Die Krise macht Hunderttausende Spanier obdachlos“.

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