Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit 5

Daran sind die spanischen Banken übrigens im wesentlichen selbst Schuld. Sie haben sich natürlich am Bauboom bis zum Platzen der spanischen Immobilienblase im Jahre 2008 massiv bereichert.

Wie gut es den spanischen Banken noch im Jahre 2005 ging und welche Riesengewinne sie damals noch gemacht haben, zeigt zum Beispiel folgender Artikel aus dem “Handelsblatt”  vom Jahre 2005 mit dem Titel “Immobilienboom in Spanien sorgt für hohe Gewinne“. Damals war die “Fiesta” in Spanien im vollen Gange, und die spanischen Banker waren zuversichtlich und sahen keine grossen Gefahren auf sie zukommen. Das dürfte heute, im Jahre 2012, vorbei sein. Jetzt sind alle diesen Banken zum grossen Teil schwer angeschlagen und zwar nicht zuletzt aus eigener Schuld.

Die spanischen Banken haben bis zum Platzen der Immobilienblase im Jahre 2008 nicht zuletzt vor allem damit viel Geld verdient, in dem sie allen möglichen Leuten, auch wirtschaftlich schwachen Menschen in Madrid und Spanien allgemein, Hypothekenkredite zur Finanzierung vom Kauf von Wohnungen und Häusern gegeben haben, Hypothekenkredite teilweise mit extrem langen Laufzeit und praktisch immer ohne festen Zins an Leute mit oft unzureichender Bonität.

In Spanien gab es auf dem Höhepunkt der Immobilienblase Kredite zur Finanzierung von Immobilien mit einer Laufzeit von bis zu 50 Jahren ohne festen Zins an wirtschaftlich schwache Menschen. So etwas würde keine deutsche Bank jemals machen. Eine deutsche Bank bietet in der Regel nur wesentlich niedrigere Laufzeiten an – maximal zwanzig Jahre oder vielleicht fünfzwanzig Jahre – und in der Regel nur mit festem Zins für die gesamte Laufzeit, weil das Risiko bei einem variablen Zins viel zu hoch ist, der Zins könnte ja jederzeit steigen. Und Kredite bekommen in Deutschland nur Menschen mit ausreichender Bonität. Ein wirtschaftlich schwacher Mensch ohne wirklich sicheren Arbeitsplatz bekommt keinen Kredit von einer deutschen Bank, auch nicht zur Finanzierung des Kaufs einer Immobilie. Solche Menschen leben in Deutschland zur Miete.

Wie die Situation in Spanien und auch Madrid in der Schlussphase der Immobilienblase im Jahr 2006 war, zeigt folgender Artikel aus dem sehr guten deutschen Netzmagazin “Telepolis” aus dem Jahr 2006 von Ralf Streck mit dem Titel “Verschulden auf Lebenszeit in Spanien“. Da die Immobilienpreise in Spanien und auch Madrid im Jahr 2006 so absurd hoch waren, konnten die meisten normalen Mittelschichtleute in Spanien und Madrid diese Wohnungen und Häuser nur noch kaufen, wenn die Kredite zur Finanzierung des Kaufs dieser Immobilien extrem lange Laufzeiten hatten. Nur dann waren die Raten für diese Immobilien für die Durchschnitts-Spanier und auch Durchschnitts-Madrider noch bezahlbar. Das heisst, diese Kredite in der Schlussphase der spanischen Immobilienblase hatten tatsächlich oft Laufzeiten bis zu 50 Jahre. Und schon damals waren die spanischen Privathaushalte wegen dieser Immobilienkäufe mit ca. 700 Milliarden Euro verschuldet, umgerechnet ca. 75% des damaligen spanischen BIP (Bruttoinlandsprodukts).

Das ist glatter Wahnsinn, und ausserdem hatten diese Kredite in der Regel keinen festen Zins, sondern einen variablen Zinssatz. So verrückt und leichtsinnig waren damals die spanischen Banken.

Telepolis“-Autor Ralf Streck nannte das in diesem Artikel mit dem Titel “Verschulden auf Lebenszeit in Spanien” schon damals völlig zurecht “eine gefährliche Strategie” und sagte damals wörtlich, “dass dies ein Ausdruck davon ist, dass das Kreditgeschäft ausgereizt ist. Den Käufern wird damit vorgegaukelt, die Raten seien trotz hoher Preise bezahlbar. Doch ein weiterer Zinsanstieg, womit alle Experten rechnen, bringt dieses Modell zu Fall“.

Und genau so ist es dann auch gekommen. Hier nochmals der Link zu diesem sehr guten Artikel in “Telepolis” von Ralf Streck aus dem Jahre 2006.

Und tatsächlich ist dann der Zinssatz in Europa seit dem Jahr 2006, vor allem aber ab der Finanzkrise ab 2007 auch in Europa klar gestiegen. Ab 2009 ist der europäische Zinssatz dann wieder gefallen, im Moment ist er sehr niedrig (Seht hierzu eine Grafik zur Zinsentwicklung in Europa seit dem Jahre 2000).

Aber niemand weiss, wie sich der Leitzins in Europa langfristig entwickeln wird. Das entscheidet unter anderem die EZB, die Europäische Zentralbank. Und die EZB kann sich dabei nicht nur nach den Wünschen der Spanier richten. Sie muss sich an den Bedürfnissen von ganz Europa, von allen europäischen Ländern orientieren und an den Anforderungen der europäischen Wirtschaftspolitik allgemein. Ich selbst bin in den achtziger Jahren als junger Mann aufgewachsen. Das war damals eine Hochzinsphase mit Zinsen teilweise deutlich über zehn Prozent. Und das kann jederzeit wiederkommen.

Mit welchen enormen gesamtwirtschaftlichen Risiken hier in Spanien bis zum Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 jongliert wurde, zeigt auch ein Artikel zum damaligen spanischen Immobilienmarkt aus “Die Zeit” vom Juni 2006 mit dem Titel “Gefährdetes Wachstum: Kühn kalkuliert“. Schon damals kühlte der spanische Immobilienmarkt deutlich ab und ein kommender Crash war deutlich in Sicht. Wie es damals auf dem Immobilienmarkt in Spanien zuging, und welchen Umfang die Korruption im Immobilienbereich damals hatte, sagt dieser Artikel ganz klar: “Auswüchse des Immobilienbooms waren zuletzt überall zu beobachten. In Marbella stieg der Quadratmeterpreis im vergangenen Jahr auf 6.000 Euro, in Madrid ist eine 100-Quadratmeter-Wohnung in einem Neubau nicht unter 400.000 Euro zu haben. Selbst in Dörfern weitab der Hauptstadt sind Wohnungen kaum mehr zu bezahlen.

»Die enorme Korruption im Bausektor ist eindeutig mit schuld an den absurden Preissteigerungen«, sagt Manuel Villoria, Politikwissenschaftler an der Universität König Juan Carlos in Madrid. Erst vor wenigen Monaten wurde die Stadtregierung in Marbella ihres Amtes enthoben, weil vor allem das Bauamt geschmiert worden war. Auch die Bürgermeisterin hatte sich an der Spekulation beteiligt. Die Kassen der Stadt waren leer, und wie viele spanische Lokalpolitiker hatte sie ein Interesse an steigenden Grundstückpreisen und Neubauten. Ersteres, weil sie so mehr Grundsteuer verlangen konnte. Zweiteres, weil Bauunternehmen bisher bei der Freigabe von Bauland anteilig zum Grundstückswert Gemeindebauten finanzierten. Weil die Städte auf das Geld angewiesen waren, wurde in den vergangenen Jahren immer mehr Bauland ausgewiesen. »Teilweise ohne Plan. Nicht wenige Bürgermeister haben sich dabei einen Extralohn in die Tasche gesteckt«, sagt Villoria”.

Wie die Kreditvergabe bei den spanischen Banken damals lief, auch darüber berichtet dieser Artikel ausführlich: “Hohe Preise, eine starke Inflation, geringe Lohnsteigerungen in den vergangenen zehn Jahren: Der Weg zur ersten eigenen Immobilie ist im Lauf der Zeit immer beschwerlicher geworden. Entsprechend ist die Nachfrage nach Hypotheken stetig gestiegen, entsprechend unterbreiten viele Banken und Sparkassen wie die Caja Madrid jungen Menschen immer kreativere Darlehensangebote. Inzwischen gibt es 100-prozentige Finanzierungen oder Hypothekenlaufzeiten von 40 oder gar 50 Jahren. Als gefährlich könnte sich dabei erweisen, dass die meisten Spanier, alten Traditionen folgend, variable Zinsen wählen. »Haushalte, die einer solchen 100-prozentigen Finanzierung zugestimmt haben, werden in den kommenden Jahren, wenn die Zinsen steigen, die Immobilie einfach der Bank überlassen, weil sie den Kredit nicht mehr bedienen können«, befürchtet Vicente Tardío, Chef der Allianz in Spanien”.

In der Endphase der Immobilienblase waren also die Preise aberwitzig hoch, es waren nur noch irreale Phantasiepreise, und die Banken haben so darauf reagiert, dass sie Kredite mit extrem langen Laufzeiten (bis zu 50 Jahren) mit variablen Zinsen und ohne Eigenkapitalanteil angeboten haben. So etwas ist nicht nur schwachsinnig, sondern einfach fahrlässig.

Also unter anderem der Madrider Politikwissenschaftler der “Universität Rey Juan Carlos” Manuel Villoria wusste also damals Bescheid und hat auch darüber öffentlich gesprochen.

Aber José Luis Rodríguez Zapatero, (PSOE) der damalige “sozialistische” (?!) Ministerpräsident Spaniens, war anscheinend damals entweder sträflich ahnungslos oder ein grossmäuliger Demagoge. Anstatt sich um die damaligen schweren wirtschaftlichen Probleme des Landes zu kümmern, hat er sich für die Homo-Ehe stark gemacht. Die Homo-Ehe wurde im Jahre 2005 in Spanien legalisiert, siehe hierzu einen Artikel aus “Spiegel-Online” mit dem Titel “Spanien legalisiert Homo-Ehe“. Das war gut für die Homosexuellen im Land, schlecht leider für die meisten Durchschnittsspanier, die jetzt in einem ruinierten Land leben müssen.

Die spanischen Homosexuellen müssen jetzt übrigens auch in einem ruinierten Land leben, aber sie sind jetzt manchmal verheiratet und konnten sich vor dem Standesamt ein Küsschen geben. Wie schön.

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