Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit 4

Ich selbst habe im Jahre 2006 vor dem Zusammenbruch des Bausektors in Madrid einmal eine Zeit lang in der führenden Madrider Wirtschaftszeitung “Expansión” als freier Mitarbeiter mitgearbeitet und damals ungefähr zehn wirtschaftspolitische Artikel vor allem zu gesamteuropäischen Wirtschaftsthemen in dieser Zeitung veröffentlicht (Seht hierzu meinen Blogartikel “Who I am: My CV“).

Das war zwei Jahre vor dem Zusammenbruch des spanischen Bausektors (im Jahr 2006), und schon damals war der spanische Immobilienmarkt völlig überhitzt und irreal. Die Preise für Wohnungen und Häuser in Madrid waren schon damals völlig grotesk.

Die Wohnung meiner Mutter in der Nähe der bekannten Madrider Strasse Arturo Soria (50 Quadratmeter, mittlere Bauqualität, kein Aufzug, allerdings eine gute Madrider Lage) hatte damals zwischenzeitlich (gegen 2007, auf dem Höhepunkt der Immobilienblase) einen Verkaufswert von über 300.000 Euro.

Zum Vergleich: Das Haus meiner Eltern mit über 200 Quadratmetern in Freiburg (eine deutsche Stadt, in der Wohnraum für deutsche Verhältnisse eher teuer ist) im Freiburger Stadtviertel Zähringen (mittlere Lage, an einer Bahnlinie) hat seit ca. 20 Jahren einen stabilen Verkaufswert von ungefähr 250.000 Euro.

Und man muss sich klar machen, dass die deutschen Durchschnittslöhne (auch in Freiburg) deutlich höher sind als die spanischen, auch die Madrider Löhne. Hier habt ihr den Wikipedia-Eintrag zum “Per capita income“. Hier habt ihr einen Wikipedia-Eintrag mit dem Titel “List of countries by GDP (nominal) per capita“. Deutschland lag hier für das Jahr 2010-2011 bei ca. 44.000 Dollar. Spanien im Bereich ca. 33.000 Dollar.

Das heisst in einer südeuropäischen Grossstadt mit eher niedrigem Lohnniveau kostete auf dem Höhepunkt der Immobilienblase eine Wohnung von ca. 50 Quadratmetern mehr als ein ganzes, solid gebautes deutsches Haus mit ca. 200 Quadratmetern in einer deutschen Stadt, in der Wohnraum für deutsche Verhältnisse teuer ist (in einem deutschen Dorf oder in einer kleinen, nicht-universitären deutschen Provinzstadt könnte man heute ein gutes und solides Haus mit über 200 Quadratmeter für vielleicht etwas über 100.000 oder vielleicht 150.000 Euro kaufen).

Diese Preise für Immobilien auf dem Höhepunkt der spanischen (und auch Madrider Immobilienblase) in Spanien und auch Madrid waren reine spekulative Phantasiepreise ohne jeden realen wirtschaftlichen Boden und Verstand.

Ich habe damals (2006) versucht, als ich an dieser Madrider Wirtschaftszeitung “Expansión” gearbeitet habe, mit den Journalisten der MadriderExpansión” über dieses Thema zu reden, ich hätte natürlich auch einen Artikel darüber geschrieben.

Aber diese “Wirtschaftsjournalisten” (?!) von der Madrider “Expansión” , haben nicht mal ansatzweise verstanden, was damals in Madrid und ganz Spanien lief.

Sie waren sich in keinster Weise darüber bewusst, dass die spanischen und Madrider Immobilienpreise völlig irreal waren und das Produkt einer massiven Bauspekulationsblase. Sie haben über das ganze Thema auch nichts in ihrer Zeitung geschrieben ausser vielleicht gelegentlich affirmative Artikel, in denen absurderweise die damalige spanische ökonomische Entwicklung und auch die damalige Entwicklung auf dem spanischen und Madrider Immobiliemarkt sogar gelobt wurde.

Wohnungen und Häuser haben die Madrider heute in der Regel in Besitz, aber oft haben sie auch riesige private Schulden wegen dem Kauf dieser ganzen überteuerten Immobilien. Und ein Haus oder eine Wohnung gehört einem immer erst dann, wenn sie abbezahlt ist. Solange ein Haus oder eine Wohnung nicht abbezahlt ist, gehört sie der finanzierenden Bank. Und in den letzten Jahren mussten viele ärmere Menschen in Madrid und Menschen aus der unteren Mittelschicht (zum Beispiel viele Immigranten aus Lateinamerika oder anderen Weltgegenden) ihre anbezahlten Wohnungen und Häuser an die Bank zurückgeben, weil sie zum Beispiel die Arbeit verloren haben und sie die Hypothekendarlehen für diese Immobilien nicht mehr abbezahlen konnten.

Ein Ergebnis von dem Platzen der Immobilienblase im Jahre 2008 ist deshalb auch, dass die spanischen Banken seit dem Jahr 2008 gigantische Kreditausfälle haben. Das heisst auch der spanische Bankensektor ist durch das Platzen der Immobilienblase in Spanien massiv bedroht. Seht hierzu einen Artikel aus der österreichischen “DiePresse.com” vom Dezember 2010 mit dem Titel “Kreditausfall bei spanischen Banken auf dem Rekordniveau” und einen weiteren Artikel aus der österreichischen “DiePresse.com” vom Februar 2012 mit dem Titel “Spanien: Faule Kredite auf Höchsstand“.

Deshalb mussten die spanischen Banken vor ungefähr einem Monat im Februar 2012 auch viele Milliarden Euro für diese Kreditausfälle zurückstellen. Seht dazu einen Artikel aus dem “Deutschen Anleger Fernsehen” (DAF) mit dem Titel “Spanische Banken stellen Milliarden für Kreditausfälle zurück“. Also auch der spanischen Bankensektor ist durch das Platzen der Immobilienblase mittlerweile schwer angeschlagen.

Wie dramatisch mittlerweile die Lage bei den spanischen Banken ist, zeigt auch folgender Artikel von Ralf Streck in “Telepolis” vom Februar 2012 mit dem Titel ” …und die nächste spanische Finanzreform“.

Die aktuelle spanische Regierung unter Mariano Rajoy (Partido Popular) versucht zur Zeit die spanischen Banken mit verschiedenen Reformschritten zu retten und zwingt die spanischen Banken unter anderem zur massiven Aufstockung ihrer Rückstellungen, um die noch zu erwartenden hohen Kreditausfälle wegen der vielen “faulenImmobilienkredite aufzufangen.

Ralf Streck ist hinsichtlich dieser ganzen “Reförmchen” und Massnahmen der Regierung von Mariano Rajoy skeptisch.

Ralf Streck im obigen Artikel wörtlich: “Doch auch Rajoy will lieber nur Reförmchen durchführen, die aber am Ende tatsächlich noch deutlich teurer werden könnten. Er verabscheut aber den EU-Rettungsschirm wie der Teufel das Weihwasser, weil er nicht den Eindruck verstärken will, dass Spanien längst mit der Lage überfordert ist und letztlich doch noch ins Rettungsnetz fällt und aufgefangen werden muss, auch wenn sich zuletzt die Lage wegen fallender Zinsen für das Land etwas entspannt hat.

Mit dem permanenten Rettungsfonds ESM hat sich die EU schließlich auf dem EU-Gipfel gerade darauf vorbereitet, auch Spanien auffangen zu können. Man darf angesichts der vielen Probleme im spanischen Bankensystem aber bezweifeln, ob diese Finanzreform tatsächlich einen Durchbruch bringt. Das gilt vor allem wenn die Wirtschaft wie in Griechenland oder beim Nachbar Portugal tief in die Rezession abtaucht”.

Ralf Streck ist also bei diesen ganzen Reformmassnahmen der Regierung Rajoy skeptisch. Ich bin es, ehrlich gesagt, auch. Ich glaube, den spanischen Banken steht mittlerweile das Wasser bis zum Hals.

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