Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit 2

Und hier habt ihr eine Analyse der damals schon geplatzten Immobilienblase in Spanien aus dem Jahre 2009 aus der Feder vonManuel Arellano y Samuel Bentolila, profesores del “Centro de Estudios Monetarios y Financieros” (CEMFI), also von zwei spanischen Ökonomen.

Diese Analyse der spanischen Immobilienblase wurde damals im Jahre 2009 in der spanischen Tageszeitung “El País” veröffentlicht unter dem Titel “¿Quién es responsable de la burbuja inmobiliaria?” (auf Deutsch: Wer ist verantwortlich für die Immobilienblase?“).

Und auch diese beiden spanischen Ökonomen geben José María Aznar und seiner Bodenreform von 1998 eine gravierende Mitschuld an dem aktuellen wirtschaftlichen Desaster in Spanien, das nach dem Platzen der Immobilienblase im Jahre 2008 in Spanien ausbrach und diese beiden spanischen Ökonomen sagen ganz klar, dass die Bodenreform von 1998 ein schwerer Fehler und ein krasser Irrtum seitens José María Aznars und dem damals regierenden PP war.

Der PP und José María Aznar sind also mindestens genauso Schuld am aktuellen ökonomischen Desaster in Spanien (und auch Madrid) wie José Luis Rodríguez Zapatero und der PSOE.

Felipe González, der Vorgänger von Aznar von der PSOE, hatte etwas mehr Niveau. Und der grosse Wahnsinn im Immobilienbereich fing in den neunziger Jahren an.

Die Bauwirtschaft war seit den siebziger Jahren (seit der späten Franco-Zeit) sehr wichtig in Spanien und ein Wirtschaftsmotor des Landes. Aber ab den neunziger Jahren wurde die Sache zunehmend leichtsinnig und kriminell.

Und das ganze System war völlig korrumpiert und in den jeweiligen Städten waren die städtischen Baubeamten alle geschmiert. Der ganze Baubereich war mafiös, oft wurde mit Schwarzgeldern bezahlt.

Und die städtischen Beamten in den Bauämtern und die zuständigen Gemeinderäte haben oft Land freigegeben, das eigentlich nicht bebaut werden durfte. Das Ganze ist deshalb nicht zuletzt auch ein ökologisches Desaster, ganz Spanien ist mit Bauruinen und Bauwüsten überzogen.

Hier habt ihr zum Beispiel einen Artikel aus der “Augsburger Allgemeinen” aus dem Jahre 2011 mit dem Titel “Spanien – im Lande der Bauruinen“. Dieser Artikel fasst in wenigen Zeilen zusammen, was in den letzten zwanzig Jahren in Spanien wirtschaftspolitisch gelaufen ist: “Öffentliche und private Investitionsruinen sieht man allerorten in Spanien: Halbfertige Industriegebiete, im Rohbau verharrende Wohnsiedlungen, ungenutzte Bürohäuser und Einkaufszentren, menschenleere Autobahnen, Olympiastadien ohne Athleten. Spanien ist Europameister in milliardenschweren Fehlplanungen. Viel Geld wurde in den Sand gesetzt statt in Zukunftsindustrie zu investieren”.

Im Klartext: Anstatt Forschung und Entwicklung zu fördern und eine konkurrenz- und leistungsfähige Industrie aufzubauen, hat die spanische Elite” (?!) nur Geld rausgeschmissen, um das Land mit Bauruinen und Bauwüsten zu überziehen.

Und was war dann das Ergebnis dieser idiotischen Wirtschaftspolitik? Nun auch das sagt der Artikel in der “Augsburger Allgemeinen” vom Jahre 2011 mit dem Titel “Spanien – im Lande der Bauruinen” ganz klar: “Als der gigantische Immobilienboom platzte, begann der tiefe Absturz der spanischen Volkswirtschaft. Nun stehen lange Schlangen vor den Türen der Arbeitsbehörden, etwa im Madrider Arbeitervorort Parla. Dort hat sich auch José Manuel, ein 45-jähriger Zahntechniker und Vater von zwei Kindern, eingereiht. Er beantragt Arbeitslosengeld, will nach Jobs fragen. Viel Hoffnung hat er nicht. „Keiner will im Moment neue Leute einstellen.“ Insgesamt 22,6 Prozent der aktiven Bevölkerung oder fünf Millionen Menschen in Spanien stehen auf der Straße, bei den unter 25-Jährigen sogar 48 Prozent – Tendenz steigend. „Eine verlorene Generation“, warnen die Soziologen.

Mit der Massenarbeitslosigkeit wächst auch die Not. Mehr als 20 Prozent der 46 Millionen Spanier rutschten laut der staatlichen Statistik unter die Armutsschwelle. Vor den Suppenküchen der kirchlichen und privaten Organisationen drängeln sich immer mehr Bedürftige. „Die Krise schafft eine neue Klasse der Armen“, sagt ein Caritas-Sprecher, „und es werden immer mehr.“

Ein ähnlicher Artikel aus stern.de aus dem Jahre 2009 hat den Titel “Spanien in der Krise: Auf Sand gebaut“. Auch dieser Artikel sagt ganz klar, was in den letzten zwanzig Jahren wirtschaftspolitisch in Spanien gelaufen und was im Jahre 2008 in Spanien dann passiert ist und was die Folgen waren: “Der 15. September 2008, der Tag, an dem die Bank Lehman Brothers in Amerika pleiteging, hat kein Land in Europa tiefer in die Krise gestürzt als Spanien. Zwar haben die Banken des Landes die Krise bislang recht gut überstanden. Aber auch nur leicht steigende Zinsen und eine etwas vorsichtigere Vergabe von Krediten haben gereicht, um Spaniens gigantische Immobilienblase zum Platzen zu bringen. Seit Jahren waren die Preise für Wohnungen und Häuser in immer irrwitzigere Höhen gestiegen. In den vergangenen Jahren wurde in Spanien mehr Wohnraum geschaffen als in Großbritannien, Frankreich und Deutschland zusammen.

Jetzt kauft keiner mehr. Und das hat verheerende Folgen. Denn das ganze Land lebte von der Bauwirtschaft. Die erwirtschaftete 30 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Jetzt stehen mehr als eine Million Wohnungen leer, die meisten davon sind Neubauten. “So wie der Bauboom Spaniens Wirtschaft beflügelte, so reißt die Immobilienkrise das Land jetzt nach unten”, sagt Pedro Pérez, der Geschäftsführer der “Grupo 14 Inmobiliarias por la Excelencia”, des Verbands der mächtigsten Immobilienhändler des Landes”.

Das heisst, die ganze spanische Wirtschaft ab den neunziger Jahren war im wesentlichen “auf Sand” gebaut, der ganze wirtschaftliche Boom in den letzten zwanzig Jahren nur eine Illusion und nur das Produkt einer überhitzten Bauspekulation.

Hier habt ihr eine Fotostrecke aus “Zeit-Online” mit dem Titel “Spaniens Ruinen der Immobilienkrise“. So sieht es an vielen Orten in Spanien aus.

Hier habt ihr eine andere Fotostrecke aus “Zeit-Online” mit dem Titel “Was von Spaniens Bauboom übrig blieb“.

Und in Spanien gab es zur Zeit des Immobilienbooms mehr 500 Euro-Scheine als in allen anderen Ländern Europas. Die sind unter anderem in den Koffern gelegen, die bei den Immobilienkäufen als Schwarzgeld über den Tisch gingen.

Hier habt ihre einen Artikel aus “Die Welt” aus dem Jahr 2007 mit dem Titel “Geldwäsche: Osama bin Laden und der 500-Euro-Schein“, in dem dieses damalige Phänomen in Spanien genau erklärt wird. Damals zirkulierten ein Viertel aller euopäischen 500-Euro-Scheine in Spanien, und sie wurden für alle möglichen Schwarzgeldgeschäfte verwendet, unter anderem zum Bezahlen der vielen Immobilien.

Zumindest in Deutschland wusste man also damals, dass Spanien damals ein völlig korrumpiertes Land war. Ich vermute, viele spanischen Journalisten, Wirtschaftsführer und Politiker wussten das auch. Aber sie haben meist geschwiegen und sich vielleicht oft auch noch selbst an der Sache beteiligt und den Spaniern vorgegaukelt, Spanien sei ökonomisch auf einem guten Weg.

Wie heisst es so schön: “Schmieren und Salben hilft allenthalben“.

Hier habt ihr einen längeren Artikel in “bpb-online” vom Jahre 2010 mit dem Titel “Spanien in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise“, in dem es ganz klar heisst, dass der Bausektor ein wichtiger struktuller Schwachpunkt der spanischen Ökonomie war, der dann nach dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 Spanien wirtschaftlich in den Abgrund gerissen hat.

Dieser Artikel, verfasst von Professor Holm-Detlev Köhler, Professor für Soziologie an der Universidad de Oviedo, bietet eine recht gute Analyse der damaligen und auch aktuellen spanischen wirtschaftlichen Situation. Und in diesem Artikel heisst es über den spanischen “Bauboom” bis zum Jahre 2008 wörtlich:  “Neben den negativen Folgen für die natürliche sind auch ebensolche für die politische Umwelt aufgetreten. Die Baulizenzen sind zu hoch lukrativen Einnahmen vieler Kommunen geworden, und es hat sich ein spekulatives und korruptes Geschäft um die Genehmigung neuer Bauten an attraktiven Standorten entwickelt. Bestechungsgelder, Unterschlagungen, Geldwäsche-Operationen und ähnliches haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Bauunternehmer, Finanzmakler, Stadträte und Bürgermeister ins Gefängnis gebracht, doch sie repräsentieren nur die ersten Zweige eines undurchsichtigen, korrupten Gestrüpps aus Unternehmern und Politikern aller Parteien, das zu entwirren lange dauern wird. Nicht nur in kleinen Küstenstädten, auch in der Hauptstadt Madrid kassierte die Baubehörde für die beschleunigte Genehmigung von Baulizenzen Bestechungsgelder”.

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