Madrid heute – Abschied von meiner Madrider Vergangenheit 3

Im Klartext: Das ganze Baugeschäft bis zum Jahr 2008, bis zum Platzen der Immobilienblase, fusste auch in Madrid unter anderem auf einem Filz von Bauunternehmern und Politikern aller Parteien (sowohl PSOE als auch PP), und ich vermute, auch zahlreiche spanische Journalisten und vor allem verantwortliche Chefredakteure und Herausgeber haben sich teilweise damals schmieren lassen, damit sie schweigen und wegschauen. Und ökologisch war die Sache natürlich auch eine Katastrophe, auch das sagt dieser Artikel von Holm-Detlev Köhler in “bpb-online” vom Jahre 2010 mit dem Titel “Spanien in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise” vom Jahre 2010 ganz klar.

Es gab sicherlich auch anständige Journalisten in Spanien, die versucht haben, über diese Dinge zu schreiben. Aber viele kritische Artikel zum damaligen spanischen Bauboom sind in Spanien (und auch in Madrid) bis zum Jahr 2008, bis zum Platzen der spanischen Immobilienblase, in den spanischen Zeitungen nicht erschienen, aus welchen Gründen auch immer. Auch im Radio und Fernsehen wurde nicht darüber geredet. Und die meisten Spanier, auch Madrider, waren sich in all den Jahren bis zum Jahre 2008, bis zum Platzen der Immobilienblase, nicht wirklich darüber bewusst, welches “Damoklesschwert” über ihnen hängt.

Heute verlangen diese spanischen Politiker und Wirtschaftsleute, auch die Journalisten, Mitleid und Hilfe von den Deutschen, und sie wollen, dass Angela Merkel und Wolfgang Schäuble etwas für sie tun.

Nun, ich bin auch für Mitleid und Hilfe in so einem Fall, vor allem, weil die einfachen Menschen in Spanien, die Menschen aus der Unter- und Mittelschicht Mitleid und Hilfe brauchen. Deshalb habe ich auch den Artikel “Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa” geschrieben, in dem ich die unsinnige deutsche Sparpolitik gegenüber Südeuropa und auch Spanien hart kritisiere.

Aber eines sage ich ganz klar: Die spanische – und auch Madrider Oberschicht – ist für mich nichts weiter als eine Ansammlung von  unfähigen Versagern.

Und alle haben damals gewusst, was in Spanien und auch Madrid läuft, wohl auch viele spanische und Madrider Journalisten, aber diese schwachsinnige und niveaulose “Fiesta” sollte nicht gestört werden, also wurde nicht darüber geredet, auch die Zeitungen in Madrid wollten in der Regel nicht darüber reden.

Ich und meiner Bruder Stefan Gauger (der Mathematiker und Volkswirtschaftler ist und seit 1994 als Entwickler bei SAP arbeitet) wir wussten schon vor vielen Jahren, was hier in Spanien läuft, aber die Spanier waren blind, und sie waren blind, weil ihre politischen und wirtschaftlichen Führer, die Journalisten und alle Verantwortlichen der spanischen Oberschicht allgemein völlig versagt haben und nicht nur nichts gegen diesen Wahnsinn unternommen haben, sondern ihn auch noch blind und hirnlos gefördert haben.

Die spanischen Politiker, Wirtschaftsführer und Journalisten glaubten tatsächlich bis zum Jahr 2008, der Bausektor könnte das Fundament einer Volkswirtschaft sein. Nun ist der Bausektor ein wichtiger Sektor in allen Volkswirtschaften, aber man kann eine Volkswirtschaft nicht voranbringen, in dem man den Bausektor aufbläht und die Immobilienpreise ins Aberwitzige ansteigen lässt. Und der Bausektor kann niemals das Fundament einer modernen Volkswirtschaft sein. Das Fundament einer modernen Volkswirtschaft liegt immer im industriell-technologischen Sektor.

Alle wirklich reichen Länder der Welt (USA, Japan, Deutschland an erster Stelle) sind Industrienationen mit Schwerpunkt auf hochtechnologischen Produkten. Sie produzieren und verkaufen Hochtechnologie-Produkte. Und nur damit kann man wirklich viel Geld verdienen, und nur das kann das Fundament einer modernen und leistungsfähigen Volkswirtschaft sein, die wirklich reich sein will.

Jeder halbwegs intelligente Mensch auf der Welt weiss das, aber die spanischen “Elite” (?!) aus spanischen Politikern, Journalisten und Wirtschaftsführern wusste es anscheinend oft bis zum Jahr 2008 nicht (und die, die es vielleicht gewusst haben, auf die hat niemand gehört).

Vordergründig erzeugt man natürlich “Wachstum”, wenn man eine Immobilienblase produziert, und ich erinnere mich, dass vor dem Jahre 2008 der damalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) manchmal in den Medien großmäulig behauptet hat, Spanien wäre bald auf dem materiellen Niveau von Frankreich oder gar Deutschland.

Hier habt ihr einen Artikel aus dem spanischen Wirtschaftsblatt “El economista” vom Januar 2007 mit dem Titel “Zapatero asegura que España superará la renta per cápita de Alemania en 2010“, in dem Zapatero erwähnt wird, der damals behauptete, Spanien würde im Jahre 2010 ein höheres Pro-Kopf-Einkommen haben als Deutschland. So dumm und grossmäulig war José Luis Rodríguez Zapatero, ein spanischer Ministerpräsident von 2004 bis 2011. Und in diesem Artikel sagt Zapatero auch klar, dass er weiter fleissig Immobilien in Spanien bauen lassen will, denn dies sei ein “Symptom” des aktuellen spanischen Aufschwungs. Das ist die spanische “Elite” (?!) von heute.

Aber am Ende platzt natürlich diese Immobilienblase und die ganzen überteuerten und oft auch überschüssigen und überflüssigen Wohnungen und Häuser müssen auch bezahlt werden, und zwar von der eigenen Bevölkerung, vor allem von denen in der Bevölkerung, die sich leichtsinnigerweise dazu verführen liessen, diese überteuerten Wohnungen und Häuser zu kaufen.

Es gab damals vor dem Jahr 2008 deutliche Warnungen von internationalen Organisationen wie der OECD, die den spanischen Immobiliensektor beobachtet haben, und diese Warnungen wurden völlig ignoriert. Diese Warnungen wurden sogar teilweise in spanischen führenden Zeitungen, zum Beispiel in der Zeitung “El País” veröffentlicht, aber niemand hat sich wirklich dafür interessiert. In diesen Warnungen hiess es klar, dass die Immobilien in Spanien im Durchschnitt um mindestens 30% überbewertet waren, was ein deutliches Zeichen für das Vorliegen eine Immobilienblase ist.

Hier habt ihr einen sehr guten Artikel von Ingmar Höhmann aus der “FAZ” vom April 2007 mit dem Titel “Bauwirtschaft: Das Immobilienfieber bedroht Spaniens Zukunft“, in dem ein objektives Bild der damaligen wirtschaftlichen Situation in Spanien gezeichnet wird und in dem auf die ungeheuren Verzerrungen und Gefahren hingewiesen wird, die schon damals für Spanien aufgrund der offensichtlichen Immobilienblase vorlagen.

In diesem Artikel Artikel in der “FAZ” vom April 2007 mit dem Titel “Bauwirtschaft: Das Immobilienfieber bedroht Spaniens Zukunft heisst es: “In Spanien wütet das Baufieber wie nie zuvor. Neue Wohnungen, neue Museen, neue Geschäftsviertel: Die Städte glitzern und sehen immer mehr nach Business aus statt nach Siesta. Die Wirtschaft des Landes wächst und wächst und will einfach nicht damit aufhören. Auch 2006 hat das Wirtschaftswachstum mit 3,9 Prozent wiederum alle Erwartungen übertroffen. Die Arbeitslosenquote, die vor zehn Jahren noch bei 20 Prozent lag, ist inzwischen auf rund acht Prozent gesunken. Spanien ist unbestritten Europas Wachstumsstar.

Doch der Glanz des Wirtschaftswunders könnte schnell verblassen. Vor allem das, was nach außen hin so erfolgreich aussieht, die vielen neuen Wohnungen und Büros, könnte zum Auslöser werden. Der ungehemmte Bauboom hat eine enorme Preisblase erzeugt. Mittlerweile hält die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Wohnungspreise für um 30 Prozent überbewertet, andere Schätzungen sprechen gar von 50 Prozent. Die teuren Immobilien kann sich kaum jemand mehr leisten. Denn während die Löhne nur wenig gestiegen sind, schossen nach Angaben der spanischen Zentralbank in den vergangenen neun Jahren die Wohnungspreise inflationsbereinigt um 130 Prozent nach oben.

Jetzt, da die Zinsen im Euro-Raum steigen und viele Spanier bis zum Hals in Schulden stecken, stehen sowohl Konsum- als auch Bauboom vor dem Ende. Platzt die Blase, könnte das die ganze Wirtschaft in eine Krise stürzen.

Denn die hängt zum größten Teil vom Bausektor ab. “Die Situation der Wirtschaft ist insgesamt gesehen ziemlich schwach im Vergleich zu anderen Staaten in Europa. Wir erleben eine Konzentration in Bereichen, die kaum exportieren und sich vor allem um den Bau drehen”, sagt Emilio Ontiveros, Wirtschaftsprofessor an der Universidad Autonoma in Madrid. “Es gibt Ansätze der Flexibilisierung, aber das ist ein sehr langsamer Prozess.”

Das spanische Wachstum wurde lange Zeit durch einen Konsum- und Bauboom angetrieben, der längst alle Grenzen gesprengt hat. Die niedrigen Zinsen im Euro-Raum haben Millionen Spaniern zu billigen Krediten verholfen. Damit kaufen sie Wohnungen, Autos und teure Kleider in einem Ausmaß, wie es noch vor zehn Jahren undenkbar schien. Gleichzeitig sind seit der Jahrtausendwende etwa vier Millionen Einwanderer ins Land geströmt und haben die Binnennachfrage zusätzlich angeheizt.

Selbst wenn es Spanien gelingen sollte, einen Immobiliencrash zu vermeiden und die Binnennachfrage halbwegs zu stabilisieren, wird das Land noch auf Dauer mit einer ganzen Menge weiterer Probleme zu kämpfen haben. Organisationen wie der Internationale Währungsfonds warnen seit Jahren vor den enormen Ungleichgewichten in der Wirtschaft.

Anders als in Deutschland hat Spanien keine starke Industrie, die in die Bresche springen könnte. Ganz im Gegenteil: Die spanischen Unternehmen verlieren seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit – und haben am Wirtschaftswunder kaum Anteil gehabt. Nur fünf Prozent der 2006 geschaffenen Jobs entstanden nach Angaben der Europäischen Kommission in der Industrie.

Das Hauptproblem ist die mangelnde Produktivität. Auf einem Diskussionsforum in Madrid fand der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, deutliche Worte: “Die Produktivität in Spanien befindet sich nicht auf dem Level einer industrialisierten Wirtschaft. Die Zuwachsraten übersteigen kaum null Prozent.”

Nach Daten des spanischen Statistikamtes stieg die Arbeitsproduktivität im vergangenen Jahr nur um 0,8 Prozent, im Servicebereich und im Bau pendelte die Rate sogar in den Minusbereich. Auch das ist nichts Neues: Die in Spanien neu geschaffenen Arbeitsplätze sind fast nur Niedriglohnjobs – und die sind weder besonders sicher noch besonders produktiv.

Besserung ist nicht in Sicht. Um auf dem Weltmarkt mithalten zu können, brauchen die Firmen neue Produkte. Doch die lassen immer häufiger auf sich warten. Grund dafür sind die geringen Investitionen in Forschung und Entwicklung.

Von einem Hightech-Land ist Spanien weit entfernt. In einer EU-Studie über das Forschungsniveau belegen die Südeuropäer gerade einmal Platz 16, einen Platz vor Zypern, und in der gleichen Gruppe mit den Agrarländern Rumänien und Bulgarien. Die Universitäten tun sich schwer, ihre Forschungsergebnisse den Unternehmen schmackhaft zu machen. Wer in Spanien Geld übrig hat und investieren will, steckt derzeit alles in Stein und Beton, weil das die größten Profite verspricht. “Die Rentabilität der Investitionen im Bausektor ist so hoch, dass wenig Anreiz gegeben ist, mehr in risikoreichere Gebiete zu investieren”, klagt José Martí Pellón, Wirtschaftsprofessor an der Universidad Complutense in Madrid. “Da ist einfach mehr Risikokapital nötig. Bislang bekommen die Unternehmen nicht die notwendige Unterstützung, um Forschung voranzutreiben.

Die fehlende Innovationskraft der Industrie stellt das Land vor ein Problem. Denn während die Betriebe ihre Produkte im Ausland immer schwieriger an den Mann bringen können, kaufen die Spanier selbst ungehemmt außerhalb der eigenen Grenzen ein. Seit 1998 baut sich in der Leistungsbilanz ein enormes Defizit auf, das mit jedem Jahr größer wird und schon neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreicht hat. Selbst die Einnahmen aus dem boomenden Tourismus reichen nicht mehr aus, um die Lücke zu schließen. Zudem verliert der Standort Spanien an Attraktivität. Zunehmend ziehen sich ausländische Investoren von der Iberischen Halbinsel zurück. Trotz alledem: Die Regierung bleibt ungebrochen optimistisch. Wirtschaftsminister Pedro Solbes prophezeit für dieses und das kommende Jahr Wachstumsraten von 3,4 und 3,3 Prozent.

Ganz anders hingegen sieht es die britische Großbank HSBC. Chef-Ökonom Stephen King verwirrte im Januar ganz Spanien, als er nur noch 2,4 Prozent Wachstum in Aussicht stellte. Die steigenden Zinsen würden sich kräftig auf den privaten Konsum und die überbordende Baubranche niederschlagen, sagte King. Für die Pressekonferenz hatte er auch den entsprechenden Titel ausgesucht, mit dem er auf optimistischere Prognosen anspielte: “Zu schön, um wahr zu sein.”

Tja, das war die Situation in Spanien im Jahre 2007, kurz vor dem Platzen der Immobilienblase.

Und noch im Jahre 2010 (also schon zwei Jahre nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase) waren führende Experten der Meinung, dass der spanische Immobilienmarkt um 55% überbewertet sei.Seht dazu einen Artikel mit dem Titel “Immobilienpreise in Spanien um 55% überbewertet” der kanarischen Immobilienwebsite “Canary Property 24”, der sich auf einen entsprechenden Artikel aus dem britischen Wirtschaftsmagaziin “The Economist” bezieht.

Im Klartext: Die spanischen Häuser und Wohnungen müssten ungefähr die Hälfte von dem kosten, was sie zur Zeit noch kosten. Auch jetzt noch sind die spanischen und auch Madrider Häuser- und Wohnungspreise irreal und völlig überzogen.

Aber die Realität wird kommen, und dann werden am Ende die Häuser und die Wohungen in Spanien und auch in Madrid die Hälfte von dem wert sein, was sie noch zur Zeit wert sind. Und viele Spanier, auch viele Madrider, werden viel Geld verloren haben, weil sie völlig überzogene Preise für Häuser und Wohnungen bezahlt haben, die real vielleicht die Hälfte von dem wert sind, was sie heute kosten.

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