Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa 4

Nachtrag von heute, den 17.2.: Ich habe heute mal gegoogelt, wie zur Zeit die Konjunkturerwartungen in Deutschland aussehen. Und es scheint so zu sein, wie ich schon vor ein paar Tagen in meinem Blog vermutet und es auch gesagt habe: Angela Merkel sägt mit ihrem Spardiktat für Europa am eigenen deutschen Ast.

Interessant dabei ist, dass sogar die Springer-Presse das jetzt langsam zu begreifen scheint, obwohl “Bild” massiv gegen die “Pleite-Griechen” gehetzt hat. Hier habt ihr einen Artikel aus “Bild” vom Oktober 2010 mit dem Titel “Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen“.

Ich beziehe mich hier auf einen Artikel im Springer-Blatt “Die Welt” vom 9.1. mit dem Titel “Deutschland steckt bereits in der Rezession“.

In diesem Artikel heisst es wörtlich: “Der deutschen Wirtschaft steht ein schwacher Start in das neue Jahr bevor. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von „Welt Online“ unter 14 Bankvolkswirten. Die Mehrzahl der Experten rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den vergangenen drei Monaten geschrumpft ist. Im ersten Quartal 2012 dürfte sich dieser Rückgang noch weiter verstärken. Technisch steckt damit Deutschland schon mitten in einer Rezession. Eine Wirtschaft befindet sich laut Definition im Abschwung, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge zurückgeht“.

Als Ursache für diese schwachen Erwartungen der deutschen Wirtschaft nennt “Welt Online” ganz klar die Eurokrise. Die Nachfrage aus den europäischen Partnerländern (vor allem wohl aus den angeschlagenen südeuropäischen Ländern) ist am Fallen. Die Ursache ist natürlich die radikale Sparpolitik in diesen Ländern, unter denen diese Länder wirtschaftlich immer weiter zusammenschrumpfen, und damit schrumpft auch ihre Nachfrage nach Gütern aus Deutschland. Dieser Artikel aus “Welt-Online” ist wirklich interessant, daher gebe ich euch nochmals den Link zu diesem Artikel im Springer-Blatt “Die Welt” vom 9.1. mit dem Titel “Deutschland steckt bereits in der Rezession“.

Nochmals im Klartext: Durch Angela Merkels Spardiktat für ganz Europa wird jetzt auch die deutsche Exportwirtschaft beschädigt.

Ob das Angela Merkel allerdings davon abhalten wird, weiter ihren Sparkurs in Europa zu fahren, weiss ich nicht.

Auch scheinen nicht alle deutschen Manager wirklich pessimistisch zu sein, was die Konjunkturerwartungen für Deutschland angeht. Das Manager-Magazin scheint sogar der Meinung zu sein, dass Deutschland von der Krise der anderen Länder profitiert (bisher war das übrigens auch so, die Frage ist nur, ob das auch dauerhaft so bleibt). Seht hierzu den Artikel aus dem  Manager-Magazin vom 6.2. mit dem Titel “Deutschland geht’s besser, als wir glauben“.

Allerdings: Auch das Manager-Magazin hält eine Staatspleite in Europa und ein Zerbrechen des Euro für gefährlich, auch für die Konjunkturerwartungen der deutschen Wirtschaft.

In diesem Artikel vom 6.2. mit dem Titel “Deutschland geht’s besser, als wir glauben” heisst es wörtlich: “Wir stecken in einer expansiven Dynamik, die noch lange nicht zu Ende ist, die sogar noch Jahre andauern kann. Falls es nicht zu einem großen Unfall kommt – einer Staatspleite in Europa oder einem Zerbrechen des Euro oder einem Krieg im Nahen Osten – segelt die Bundesrepublik mit sattem Rückenwind“.

Genau das, was das Manager-Magazin fürchtet, kann aber vielleicht passieren, wenn Angela Merkel mit ihrem radikalen Sparkurs für die PIIGS-Staaten weitermacht.

Ich bleibe dabei: Angela Merkel ist jetzt langsam, aber sicher dabei, auch den deutschen Ast mitanzusägen.

In einem Artikel vom 15.2. sagt das “Manager-Magazin” in einem Artikel mit dem Titel “Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft” auch ganz klar, dass die ganze europäische Wirtschaft ausser Frankreich im letzten Quartal geschrumpft ist. Und das betrifft auch den “Exportweltmeister” Deutschland.

Zu Deutschland bemerkt das “Manager-Magazin”: Auch die deutsche Wirtschaft ist Ende 2011 zum ersten Mal seit fast drei Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Grund waren sinkende Konsumausgaben und fehlende Impulse vom Außenhandel, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit“.

Der deutsche Aussenhandel wird jetzt also tatsächlich durch Angela Merkels Spardiktat für die angeschlagenen Länder in Südeuropa beschädigt.

Ansonsten gibt sich das “Manager-Magazin” in diesem Artikel mit dem Titel “Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft” optimistisch: “Die deutsche Wirtschaft kommt mit einem blauen Auge davon“.

Woher die Journalisten vom Manager-Magazin allerdings diesen Optimismus hernehmen, ist mir nicht ganz klar, auch dieser schon obengelinkte Artikel scheint mir in diesem Punkt nicht wirklich erhellend zu sein.

Zumindest setzt dieser Optimismus der Manager-Magazin-Journalisten voraus, dass die Eurozone Angela Merkels Spardiktat überlebt. Aber da bin ich mir nicht sicher, ob Griechenland, Portugal, Spanien und Italien (südeuropäaische PIIGS-Staaten) das überleben.

Ähnlich wie das “Manager-Magazin” äussert sich “Financial Times Deutschland” (FTD). In ihrem Artikel vom 15.2. mit dem Titel “Deutschland schrumpft, Frankreich wächst” gibt sich auch “FTD” optimistisch, was die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands angeht.

“FTD” in diesem Artikel vom 15.2. mit dem Titel “Deutschland schrumpft, Frankreich wächst” wörtlich: “In Deutschland sorgten dagegen sinkende Konsumausgaben und fehlende Impulse vom Außenhandel für das Minus. Einen stärkeren Rückgang verhinderten steigende Investitionen. Vor allem der Bausektor habe deutlich mehr investiert als im Vorquartal.

Volkswirte sehen gute Chance auf eine rasche Erholung. “Das ist etwas besser als befürchtet, nachdem Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Dezember recht schlecht ausgefallen waren. Der Rückgang ist auf die Euro-Krise zurückzuführen”, sagte Christian Schulz, Ökonom von Berenberg Bank. “Spätestens im zweiten Quartal rechnen wir wieder mit Wachstum – vorausgesetzt, dass die Euro-Krise unter Kontrolle bleibt.”

“FTD” macht also hinsichtlich ihres Optimismus’  genau die gleiche Einschränkung wie das “Manager-Magazin”: Voraussetzung für Deutschlands gute Konjunkturprognose ist, dass die Euro-Krise unter Kontrolle bleibt.

Von dieser “Kontrolle der Eurokrisehabe ich in den letzten Monaten allerdings nicht viel gesehen. Was ich sehe, ist die Abwärtsspirale in allen südeuropäischen Ländern aufgrund des Spardiktats von Angela Merkel.

Griechenland ist schon ganz unten angelangt, und auch die Perspektiven für Portugal, Spanien und Italien sind im Moment alles andere als ermutigend.

Einen guten Artikel mit dem Titel “Spanische Wirtschaft schrumpft von Ende Januar dieses Jahres zu den aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in Spanien und Italien findet ihr in “FTD”. Die Sache sieht gar nicht gut aus.

Der deutsche “WirtschaftsweisePeter Bofinger hat sich auch in “FTD” in einem Artikel vom 8.2. mit dem Titel “Deutscher Aussenwirtschaft droht ein Dämpfer“, den auch Reuters Deutschland übernommen hat, klar dazu geäussert, wie sehr die deutsche Wirtschaft und vor allem die deutsche Exportwirtschaft unter Angela Merkels Sparkurs leidet (Hier der Originalartikel in FTD “Deutscher Aussenwirtschaft droht Dämpfer“) .

Peter Bofinger wörtlich: Die extreme konjunkturelle Abkühlung in der Euro-Zone, der Schweiz und in Osteuropa belastet auch die exportorientierte deutsche Wirtschaft stark”, sagte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung. “Vor allem die Euro-Randländer wie Spanien, Griechenland und Portugal kaufen kaum mehr Investitionsgüter aus Deutschland”, sagte Joachim Scheide, Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Im Dezember sanken die deutschen Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat mit 4,3 Prozent so stark wie seit der schweren Rezession Anfang 2009 nicht mehr. Die Exportschwäche sei auch der Grund dafür, dass die gesamte deutsche Wirtschaft in diesem Winter nicht wachse, sagte IfW-Konjunkturchef Scheide. Die Binnenwirtschaft, so glauben diese Experten, könne das nicht kompensieren. “Dafür ist die Inlandsnachfrage zu schwach”, sagte Bofinger.

Nach Berechnungen der FTD haben Finanzkrise und Europas Konsolidierungsprogramme zu einer drastischen Verschiebung der wichtigsten deutschen Absatzmärkte geführt. So habe China seinen Anteil an den deutschen Exporten binnen wenigen Jahren von rund drei auf über sechs Prozent mehr als verdoppelt. Chinas Wirtschaft sei damit erstmals wichtiger geworden als die Italiens. Mit einem Ausfuhranteil von 6,1 Prozent sei die Volksrepublik nunmehr auf Platz fünf der wichtigsten Handelspartner und rangiert damit gleichauf mit Großbritannien, das zunehmend an Bedeutung einbüße.

Klar verloren hätten neben Italien die anderen Randländer der Euro-Zone. “Besonders die kontinentweiten Konsolidierungsprogramme sind verantwortlich dafür, dass der deutsche Exportanteil in die Euro-Zone zunehmend sinkt”, sagte Andreas Scheuerle, Ökonom bei der Dekabank. So hätten Spaniens Unternehmen und Verbraucher der deutschen Wirtschaft im Jahr 2006 noch rund 4,6 Prozent ihrer Exporte abgenommen. Bis Ende 2011 sei dieser Wert auf 3,3 Prozent geschrumpft. Italien rutschte demnach von 6,2 auf 5,9 Prozent Anteil an den Ausfuhren ab”.

Daher hält auch Peter Bofinger einen einseitigen Sparkurs in den angeschlagenen südeuropäischen Ländern eindeutig für falsch und sieht alle diese südeuropäischen Länder mit Recht seit längerer Zeit auf Talfahrt (genau so ist es, und genau darum geht es in meinem Artikel: Um die wirtschaftliche Talfahrt Südeuropas unter dem deutschen Spardiktat).  Er schlägt daher in einem Artikel in “Financial Times Deutschland” (FTD)  vom 13.2. einen “Sieben-Punkte-Plan für Wachstum in den Krisenländern” vor.

In diesem Artikel heisst es wörtlich: “Exzessive Ausgaben der Staaten haben diese Krise ausgelöst, heißt es. Daher besteht das Heilmittel angeblich in einem sofortigen Sparkurs, der Regierungen zwingt, den Staatshaushalt auszugleichen und die Verschuldung zu reduzieren. Sich blind an derlei Vorgaben zu halten führt zu einer tiefen Rezession und verschlimmert die Staatsverschuldung – das ist gerade in Griechenland, Portugal und Spanien zu sehen. Dies musste auch der Weltwährungsfonds vergangene Woche einräumen. Egal, ob Politiker den Wohlstand verbessern, Arbeitsplätze schaffen oder die Staatsverschuldung reduzieren wollen, die richtige Lösung muss die Konzentration auf Wachstum sein, nicht Sparmaßnahmen.

Die Wirtschaftslage verschlechtert sich aber erst, bevor sie sich verbessert. Denn angesichts der hohen Verschuldung des Privatsektors zahlen Verbraucher erst eigene Schulden zurück, und Unternehmen sparen, statt zu konsumieren oder zu investieren. Das heißt: Eine Zunahme der Wirtschaftstätigkeit muss notwendigerweise vom Staat kommen.

Wenn sich die Staats- und Regierungschefs am 1. März treffen, müssen sie eine verbindliche Zusage zur Aufstockung wachstumsfördernder Investitionen in der EU abgeben und eine Strategie vorlegen, um diese zu finanzieren: einen Wachstumspakt”.

Anschliessend bietet Bofinger in diesem Artikel einen detaillierten Sieben-Punkte-Plan an, mit dem man diese Länder wieder in Schwung und auf Wachstumskurs bringen könnte. Lest auch mal diesen Sieben-Punkte-Plan durch, er scheint mir sehr vernünftig zu sein.

Wie gross die Risiken bei einer Pleite Griechenlands tatsächlich sind, vor der ja auch Josef Ackermann eindrücklich gewarnt hat, zeigt ein Artikel aus “Die Welt” von vorgestern. Den Journalisten dieses Springer-Blattes scheint jetzt langsam ein Licht aufzugehen. Ob das auch bei den deutschen Politikern und Angela Merkel passieren wird, bleibt abzuwarten.

Der Artikel aus “Die Welt” vom 15.2. mit dem Titel “Hinter dem Griechen-Drama lauert die Katastrophe” offenbart, welche enormen Risiken vor allem die Banken bei der Finanzierung des griechischen Pleite-Staates eingegangen sind, Risiken, die das weltweite Bankensystem schwer beschädigen könnten.

Wir erfahren in diesem Artikel: “Viele private Gläubiger haben ihre Staatsanleihen mit dem Kauf von Kreditausfallversicherungen abgesichert, sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Sie möchten das Land lieber für zahlungsunfähig erklären und ihre Versicherungen kassieren, statt milliardenschwere Verluste zu verbuchen.

Genau deshalb aber sind diese Versicherungen in der Griechenland-Frage ein neuralgischer Punkt. Wer sie gegenüber Bankern und Politikern anspricht, spürt förmlich den Schmerz, den bereits der Gedanke an sie auslöst. Denn es waren vornehmlich Banken, die diese Versicherungen in den vergangenen Jahren und Monaten in großem Stil an Hedge- und Rentenfonds verkauft haben”.

Nach Meinung erfahrener Fondsmanager, so “Welt Online“, wären mit der Situation einer Pleite Griechenlands sogar die grössten amerikanischen Banken überfordert. Es droht also, so “Welt Online”, tatsächlich ein weltweiter Kollaps wie bei dem Zusammenbruch der “Lehman-Brothers-Bank” im Jahr 2008, die damals eine globale Wirtschaftskrise ausgelöst hat. Hier nochmals der Link zu diesem Artikel aus “Welt Online”.

Ein Artikel von heute, dem 17.2, in “Spiegel-Online” stellt einmal zusammen, wie die anderen europäischen Zeitungen das Verhalten Deutschlands und vor allem Wolfgang Schäubles und die griechischen Reaktionen darauf bewerten.

Der Artikel hat den Titel “Aussenspiegel: Sind wir zu streng mit Griechenland?“. Lest den Artikel durch, wenn ihr Lust habt. Ich enthalte mich eines Kommentars. Ich war nie ein Fan von Wolfgang Schäuble.

Wie hoch das Risiko jetzt auch im Fall der spanischen Banken geworden ist, offenbart heute, am 17.2., ein Artikel in “FTD” mit dem Titel “Faule Kredite in Spanien wachsen rasant“.

FTD” wörtlich zur Situation der spanischen Banken: Die spanischen Banken haben so viele faule Kredite in ihren Büchern wie seit fast zwanzig Jahren nicht mehr. Das Volumen der Zahlungsrückstände erhöhte sich im Dezember um 1,5 Mrd. auf 135,7 Mrd. Euro, teilte die Notenbank am Freitag in Madrid mit. Das entspricht einem Anteil von 7,61 Prozent am gesamten Kreditportfolio.

Ein Grund dafür ist die schlechte Wirtschaftslage, die zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt hat. Jeder fünfte Spanier hat keinen Job – das ist ein Negativrekord in der Europäischen Union. Nach Nullwachstum im dritten Quartal ist die spanische Wirtschaft zum Jahresende um 0,3 Prozent geschrumpft. Damit steuert das Land auf die Rezession zu.

Von einer Rezession sprechen Wissenschaftler bei zwei Minusquartalen in Folge. Spanien war schon von der Weltwirtschaftskrise 2009 überdurchschnittlich hart getroffen worden und überwand den damaligen Konjunktureinbruch erst Mitte 2010. Für 2012 erwartet die Notenbank in Madrid einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent. Damit sinken die Chancen der Regierung, ihr Haushaltsloch zu stopfen.

Ich gebe euch hier nochmals den Link zu diesem interessanten Artikel mit dem Titel “Faule Kredite in Spanien wachsen rasant” zur Lage der spanischen Banken in “FTD“.

Einen interessanten Artikel hat heute, am 17.2, auch Thomas Fricke, der Chefökonom von “FTD” zu Deutschlands aggressiver Exportpolitik veröffentlicht unter dem Titel “Der Grieche in uns“.

Thomas Fricke erwähnt in diesem Artikel die Tatsache, dass die deutschen Vertreter in Brüssel in monatelangem Gezerre durchgeboxt haben, dass der Grenzwert für gefährliche überschüssige Exportbilanzen just knapp über dem festgelegt wurde, was für Deutschland als Exportüberschuss absehbar war.

Das führte dann dazu, dass die EU-Kommission bei ihrer vor kurzem erfolgten Auswertung darüber, welche nationalen Fehlentwicklungen den Keim für künftige Krisen tragen, die Deutschen gänzlich unerwähnt gelassen hat. Thomas Fricke bezeichnet diesen Vorgang zurecht als “Groteske”.

Tatsächlich spricht, so Thomas Fricke, einiges ökonomisch dafür, dass auch allzu hohe Überschüsse im Außenhandel tückisch wirken. Die Deutschen sind also sehr grosszügig, wenn es um die eigenen Fehlentwicklungen in ihrem Land geht. Wenn ihr Lust habt, lest euch mal diesen Artikel von Thomas Fricke gründlich durch.

Ich selbst habe ja in diesem Blogartikel von Anfang an immer betont, dass die Handelsungleichgewichte in Europa und vor allem der massive deutsche Handelsbilanzüberschuss ein grosses Risiko für die EU und den Euro sind. Und ich stehe mit dieser Meinung sicher nicht alleine.

Nachtrag von heute, den 18.2 .: Gestern, am 17.2, hat “FTD” die Ergebnisse einer Umfrage von Infratest veröffentlicht unter dem Titel “Jeder zweite Deutsche für weitere Griechenland-Hilfen“. Demnach ist immer noch knapp mehr als die Hälfte aller Deutschen der Meinung, dass Griechenland vor der Pleite gerettet werden sollte. In der deutschen CDU- und FDP-Regierung werden aber dennoch weiter Rufe laut, die Griechen aus der EU rauszuwerfen, berichtet eben dieser Artikel.

Heute, am 18.2, hat auch der FTD-Autor André Kühnlenz in FTD einen Vorschlag für eine mögliche Rettung Griechenlands vorgelegt unter dem Titel “Ein 200-Milliarden-Vorschlag zur Rettung Griechenlands“.

Mit diesen 200 Milliarden (anstatt der 130 Milliarden, die jetzt verhandelt werden und die das angeschlagene Land auf keinen Fall retten können) gäbe es – so Kühnlenz – eine Chance, das Land zu vielleicht zu retten und Wachstum zu ermöglichen.

Denn wenn die griechische Wirtschaft weiter schrumpft, wie bisher, dann besteht sowieso keine Chance für die Griechen, die Schulden zurückzuzahlen und so ihr Land vor der Pleite zu retten. Wenn aber die Pleite in Griechenland kommt, dann haben nicht nur alle Gläubiger das Geld verloren, sondern es kann dann, wie ich schon erläutert habe, ein Chaos auf den Finanzmärkten ausbrechen oder sogar ein globaler Bankencrash erfolgen.

Das Fazit von Kühnlenz’ Artikel: “Damit das funktioniert, müssten die Euro-Staaten sich darauf einlassen, dass Griechenland die 200 Mrd. Euro samt Zinsen erst ab dem Jahr 2042 tilgt. Der Zinsaufschub wäre aber der tatsächlich letzte Solidarakt der europäischen Staatengemeinschaft. Er wäre für Athen eine enorme Erleichterung, denn ohne Zinsen läge das Defizit in diesem Jahr bei lediglich 2 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2009 lag das Haushaltsloch vor Zinszahlungen bei 24 Mrd. Euro. Das macht deutlich, wie viel die Griechen in den vergangenen zwei Jahren gespart haben. Es wird Zeit, dass die Griechen dafür endlich einmal belohnt werden”·

Auch der Welt-Autor Jan Dams äussert in seinem Artikel vom 17.2. “Auch neue Milliarden retten Griechenland nicht” die Meinung, dass die jetzt zugesagten 130 Milliarden Griechenland auf keinen Fall retten können.

Allerdings zieht er aus dieser Tatsache andere Schlüsse als Kühnlenz von der “FTD”. Seiner Meinung nach sollten Deutschland und die anderen EU-Länder die mit den 130 Milliarden erkaufte Zeit nutzen, um die Pleite und den Austritt Griechenlands aus der EU vorzubereiten. Griechenland sei nun mal in der EU nicht wettbewerbsfähig.

Gut, auch das wäre natürlich ein Vorschlag, da gebe ich Dams Recht. Nur: Ist sich Dams wirklich sicher, dass der Austritt Griechenland dann nicht zum dem führen würde, was ich oben angedeutet habe? (Chaos auf den Finanzmärkten und globaler Bankencrash). Vielleicht nicht, wenn man die Sache richtig vorbereitet, so wie Dams sich das wohl vorstellt.

Widersprüchlich sind die Meldungen in “Spiegel-Online” von gestern, dem 17.2. Zum einen ist die EU-Troika (EU-Kommission, IWF, EZB) von der griechischen Regierung hinsichtlich ihrer Sparbemühungen völlig enttäuscht und stellt ihr daher ein katastrophales Zeugnis aus (siehe hierzu den Artikel vom 17.2. in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Troika stellt Griechen Katastrophen-Zeugnis aus“) und die deutsche Regierung unter Angela Merkel ist von den Griechen sowieso völlig enttäuscht.

Zum anderen scheinen die Finanzmärkte davon auszugehen, dass Griechenland gerettet wird und daher zogen weltweit die Börsen nach oben, vor allem natürlich die europäischen Börsen und auch der wichtigste deutsche Aktienindex DAX (siehe hierzu den Artikel vom 17.2. in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Börsianer spekulieren auf rasche Griechen-Rettung“).

Nun, man wird sehen, wer hier besser informiert ist und mehr weiss, die Troika und die deutsche Regierung unter Angela Merkel oder die weltweiten Finanzmärkte.

Allerdings scheint jetzt eine Einigung der Euro-Finanzminister mit der griechischen Regierung in Sicht zu sein, so zumindest ein Artikel von heute, dem 18.2., in “FTD” mit dem Titel “Anleger schielen nach Griechenland“.

Für das nächste Treffen der Euro-Finanzminister am Montag wird erwartet, dass es zumindest jetzt vorläufig eine Einigung gibt und das nächste Hilfspaket bewilligt wird. Damit wäre die Griechenland-Pleite vorerst abgewendet und es ist dann Zeit da, um über weitere Möglichkeiten nachzudenken, wie man Griechenland und vielleicht auch dem Rest von Südeuropa effektiv helfen kann.

Die Hans-Böckler-Stiftung favorisiert zum Beispiel eine Mischung aus Niedrigzinsen und Eurobonds (siehe hierzu den Artikel vom November 2011 mit dem Titel “Niedrigzinsen und Eurobonds können Griechenland-Krise entschärfen“). Die Argumentation in diesem Artikel der Hans-Böckler-Stiftung scheint mir ganz vernünftig. Von einem Schuldenschnitt hält die Hans-Böckler-Stiftung nicht viel, weil auch die griechischen Banken betroffen wären und außerdem das Misstrauen in die anderen Krisenstaaten in Südeuropa ebenfalls steigen würde (am Ende würde dann auch dort ein Schuldenschnitt anstehen – wer würde dann noch diesen Ländern Geld leihen wollen?).

Eine andere Lösung wäre eine Art “Marshallplan” für Griechenland und vielleicht auch für den Rest von Südeuropa. Die Opposition in Deutschland, Bündnis 90/Die Grünen und die SPD scheinen an solche Investitionsprogramme zu denken und wollen in Griechenland investieren, um so das Land aus der Pleite-Falle zu ziehen (siehe hierzu den Artikel aus “Die Welt” vom 16.2. mit dem Titel “Opposition schwankt zwischen Ärger und Staatsräson“).

Wie lange übrigens schon die Probleme mit der deutschen Sparpolitik in Griechenland absehbar waren, zeigt auch ein Artikel in den “Nachdenkseiten” mit dem Titel “Griechenland – Schock ohne Therapie” vom Mai 2011.

In diesem Artikel heisst es wörtlich: “Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Griechen durch die ihnen von der der EU, der EZB und dem IWF auferlegte Schock-Strategie immer weniger in der Lage sind, ihre Schulden zu begleichen. Griechenland gleitet in eine „Rezessflation“ ab: das wirtschaftliche Wachstum bricht ein, die Inflation steigt, die Steuereinnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die Schulden zu bedienen, der Schuldenberg ist weiter gewachsen und die Verzinsung der Kredite steigt in schwindelnde Höhen. Die allgemein gehandelten Lösungsangebote, nämlich „Staatsinsolvenz“, Umschuldung oder ein Austritt aus dem Euro hätten katastrophale Folgen – keineswegs nur für Griechenland”.

Hier nochmals der Link zu diesem Artikel in den “Nachdenkseiten” mit dem Titel “Griechenland – Schock ohne Therapie” vom Mai 2011.

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