Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa 2

Nachtrag von heute, den 12.2.: George Soros ist neben Warren Buffet der wohl weltweit erfolgreichste Grossinvestor und zugleich auch Philanthrop. Soros will unter anderem 7 Milliarden Dollar der von Waffen Buffet und Bill Gates ins Leben gerufenen Aktion “The Giving Pledge” spenden. “The Giving Pledge” will erreichen, dass Amerikas Milliardäre einen bedeutenden Teil ihres Vermögens für philanthropische Zwecke spenden.

Heute. am 12.2, hat sich auch George Soros in “Spiegel Online” zu Angela Merkels kruder Sparpolitik in Südeuropa zu Wort gemeldet unter dem Titel “Finanz-Guru attackiert Merkels Krisenpolitik“. Der Tenor von George Soros´ Kritik: Angela Merkel zeige Führungsstärke, führe Europa aber in die falsche Richtung.

Statt Sparmaßnahmen bräuchten die klammen Länder Finanzspritzen. Soros wörtlich: “Das versteht Angela Merkel einfach nicht.” Genau so sehe ich das auch, anders kann man es nicht sagen.

Enttäuscht zeigt sich Soros auch von der amerikanischen Politik. Der mögliche republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney behaupte, dass er Jobs schaffen werde, habe als Geschäftsmann aber wahrscheinlich mehr Arbeitsplätze zerstört als aufgebaut.

Generell hat Soros nicht viel Lob für die derzeit amtierenden Politiker übrig: Den US-Präsidenten Barack Obama bezeichnete er als Mitläufer. Er werde ihn nicht wie im letzten Wahlkampf mit Millionenspenden unterstützen. Sympathie habe er für die Vertreter der Occupy-Bewegung, die Opfer der Finanzkrise seien und die Verluste der Wall Street trügen. Sie hätten “allen Grund, sich zu beklagen“, so Soros.

Dies ist übrigens nicht das erste Mal, dass Soros sich zur Euro-Krise äussert. Wenn ihr das Thema mal googelt, werdet ihr feststellen, dass Soros in zahlreichen Medien schon seit ungefähr zwei Jahren vor einer Eskalation der Euro-Krise warnt und vor allem die verfehlte Politik Angela Merkels dafür verantwortlich macht, dass diese Krise immer dramatischer wird.

Am 10.2. brachte “Financial Times Deutschland” (FTD) auch einen Artikel mit einer Übersicht über die Auswirkungen der Sparpolitik in Griechenland mit dem Titel “So hart trifft die Sparpolitik die Griechen“. Anhand der Auflistung für die verschiedenen Bereiche kann so der deutsche Leser einmal ziemlich exakt erfahren, wie die konkreten Auswirkungen der Sparpolitik in Griechenland aussehen. Hier nochmals der Link zu diesem präzisen und klaren Beitrag aus FTD. Besonders interessant sind hier die Bereiche “Unternehmen” und “Verbraucher”.

Zum Bereich “Unternehmen” stellt FTD fest:

Auch die Firmen ächzen unter der Krise in ihrem Land. Laut einer Statistik der Wirtschaftsauskunftei Creditreform schnellte die Zahl der Unternehmenspleiten 2011 gegenüber dem Vorjahr um 27,3 Prozent auf 452 Fälle in die Höhe. Die Zahl könnte sogar noch höher liegen, da es laut Creditreform schwer ist, an verlässliche Daten zu kommen. Fest steht aber, dass sich die Finanzierungsbedingungen für die Betriebe wegen der Schuldenkrise drastisch verschlechtert haben. Die griechische Wirtschaft gilt als nicht wettbewerbsfähig. `Es dominiert die Produktion überregional nicht handelbarer Güter, und die Betriebsstruktur des verarbeitenden Gewerbes ist stark von Klein- und Kleinstbetrieben geprägt. Große Unternehmen sind kaum zu finden´, stellte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor kurzem fest. Auf zwei Arbeitnehmer komme ein Selbständiger. Nach Ansicht von DIW-Experte Karl Brenke kann dem Land nur eine Wachstumsstrategie helfen- `insbesondere eine nachholende Industialisierung´. Doch bisher dominiert die reine Sparpolitik. Die griechische Wirtschaft leidet unter dem staatlichen Sparzwang. Im vergangenen Jahr musste die Regierung in Athen ihre Investitionen um 700 Mio. Euro kürzen. Die Hälfte der Summe soll auf Dauer entfallen. Auch auf ausländische Investitionen kann die griechische Wirtschaft nicht hoffen. `Im Moment investiert dort erst mal keiner weiter, weil niemand weiß, ob der Euro bleibt´, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben”

Zum Bereich “Verbraucher” stellt FTD fest:

Die griechische Wirtschaft ist stark vom Binnenmarkt abhängig. Doch der private Konsum ist infolge der diversen Sparrunden stark rückläufig. Die Griechen leiden nicht nur unter den Einschnitten bei Löhnen und Renten, sondern auch unter diversen Steuererhöhungen. Der Normalsatz bei der Mehrwertsteuer wurde in zwei Schritten auf 23 Prozent angehoben. Auch die Steuern auf Kraftstoff, Kraftfahrzeuge, Tabak und Spirituosen stiegen kräftig. Später kam noch eine Immobiliensteuer hinzu, die über die Stromrechnung eingezogen wird. Für die Griechen bedeuten die Einschnitte und Steuererhöhungen einen erheblichen Verlust an Kaufkraft. Geschäfte und Restaurants bleiben leer – viele müssen schließen. Der Einzelhandelsverband ESEE berichtete von einem Umsatzrückgang um 30 Prozent im Weihnachtsgeschäft. `Neun von zehn Griechen haben weniger ausgegebennicht aus freien Stücken, sondern aus Not´, hieß es”.

Abgesehen also von den sozialen Härten, die durch die deutsche Sparpolitik ausgelöst werden, sieht für mich das wirtschaftliche Gesamtbild des Landes ziemlich miserabel aus, wenn man sich diesen Bericht von FTD durchliest. Wie sich das Land so erholen soll, ist mir persönlich schleierhaft.

Manche von euch werden sich fragen, warum wir Griechenland dann nicht einfach endlich aus der Europäischen Währungsunion hinausschmeissen und so das Land von diesem langsamen und quälenden Tod auf Raten erlösen, nach dem Motto “Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende”. Aber auch das ist keine einfache und gefahrlose Lösung. Was dann drohen kann, erläutern Stefan Kaiser und Sven Böll in einem erhellenden Artikel aus “Spiegel-Online” vom 20.7.2011 mit dem Titel “Vorhang auf für den nächsten Rettungsakt – Warum werfen wir Griechenland nicht aus der Währungsunion?

Stefan Kaiser und Sven Böll wörtlich:

“Die Sache mit dem Austritt hat allerdings einige Haken: Erstens kann niemand ein Land gegen dessen Willen aus der Euro-Zone werfen. Der Vertrag von Lissabon sieht lediglich einen freiwilligen Austritt vor. Zweitens wären aber auch damit längst nicht alle Probleme gelöst – weder die Griechenlands, noch die der übrigen Euro-Länder.

Griechenland könnte mit einer Rückkehr zur Drachme seine Waren zwar billiger ins Ausland verkaufen und wäre deshalb wettbewerbsfähiger. Die Schuldenlast aber bliebe – sie würde sogar noch drückender. Denn der griechische Staat hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Euro verschuldet und muss diese Schulden auch in Euro zurückzahlen. Wenn die Drachme aber an Wert verliert, wird die Rückzahlung der Euro-Schulden immer teurer. Früher oder später würde ein Schuldenschnitt nötig. Griechenlands Gläubiger müssten also auf große Teile ihres Geldes verzichten.

Eine unkontrollierte Umschuldung ist aber genau das, was die meisten Euro-Staaten und vor allem die EZB derzeit verhindern wollen. Sie fürchten, dass ein solcher Schritt ein Chaos an den Finanzmärkten auslösen würde. Weil die europäischen Banken so stark miteinander vernetzt sind, könnte schon die Pleite eines größeren Instituts viele andere in Schwierigkeiten bringen. Wie schnell so etwas gehen kann, hat der Fall der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 gezeigt.

Zudem könnte ein Euro-Austritt Griechenlands einen Domino-Effekt nach sich ziehen: Ist ein Land erst mal raus aus der Währungsunion, könnten Spekulanten darauf setzen, dass noch weitere Länder zum Austritt gezwungen werden – und so einen sich selbst verstärkenden Prozess auslösen, der am Ende die gesamte Euro-Zone gefährdet. Davor warnen zum Beispiel die fünf Wirtschaftsweisen in einem Appell an die Bundesregierung“.

Die schäbigen Populisten, die sich also zur Zeit in Deutschland breitmachen, befeuert durch die Schmuddelpropaganda der Springer-Presse, insbesondere von “Bild“, die vollmundig von einem “Rausschmiss” der “Pleite-Griechen” reden, verstehen soviel von Wirtschaft wie ich von Astrophysik.

Da sollte man sich schon lieber an Josef Ackermann halten (der mir auch nicht besonders sympathisch ist, aber wenigstens weiss Ackermann, wovon er spricht und er informiert sich über die europäische Wirtschaft und das europäische Bankensystem auch sicher nicht bei dem ehemaligen Kindermädchen Friede Springer und ihren Revolverjournalisten).

Josef Ackermann hat in “RP Online” in einem Artikel mit dem Titel “Warnung vor Euro-Austritt Griechenlandsim November 2011 vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt.Das ist eine Lösung, die man gar nicht andenken sollte.”

Das sagte Ackermann am Sonntag in der ARD-Sendung “Bericht aus Berlin”. Ein Ausscheiden Griechenlands wäre ein “ganz dramatisches Ergebnis”.

Der Deutsche-Bank-Chef Ackermann plädierte dafür, dem Land mit einer “Art Marshall-Plan” zu helfen, seine Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Als “wichtigen großen Schritt” bezeichnete er den vereinbarten Schuldenschnitt von 50 Prozent.

Dagegen schließt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone nicht aus. Die Griechen hätten die Wahl zwischen Reformen im Euro-Raum oder einem Verzicht auf Reformen, sagte der FDP-Chef der “Bild”-Zeitung.

In dem Fall aber wären sie “draußen”, sagte er weiter. “Einen dritten Weg gibt es nicht”. Gleichzeitig mahnte er, Verzögerungen beim Reform-Prozess dürfe es nicht geben.

Ich überlasse es jetzt euch, wem ihr hier glauben wollt: Jemandem wie Josef Ackermann, der ein europäischer Topbanker ist und viele Jahre lang der Deutschen Bank Riesengewinne beschert hat, oder solchen Schwachköpfen wie Philipp Rösler und Guido Westerwelle, die ihre Partei, die FDP, in den letzten Jahren auf ein absolutes Tief runtergewirtschaftet haben (Siehe hierzu einen Artikel aus “Spiegel-Online” vom 16.11.2011 mit dem Titel “FDP rutscht auf zwei Prozent ab“).

Nachtrag von heute, den 14.2.2012: Einen interessanten Artikel  mit dem Titel “Nach dem Sparkpaket: Sechs griechische Lichtblicke” hat Stefan Kaiser am 13.2. in “Spiegel-Online”  zu den möglichen Wachstumsmärkten in Griechenland veröffentlicht.

Der Artikel ist unter anderem deshalb interessant, weil die von Stefan Kaiser angesprochenen potentiellen Wachstumsmärkte in Griechenland zugleich die potentiellen Wachstumsmärkte in ganz Südeuropa sein könnten.

Zu diesen “Lichtblicken” gehört der Tourismus, die Nahrungsmittelindustrie, Transport, Erneuerbare Energien (Sonne und Wind!), Hightech und Pharma. Stefan Kaiser erläutert in diesem detaillierten Artikel ziemlich präzise, wo hier die Wachstumsmöglichkeiten für Griechenland und vielleicht auch für ganz Südeuropa liegen.

Das Problem ist, dass die aktuellen Sparpolitik, die den Griechen durch Deutschland aufgezwungen wird, kein Raum für notwendige Investitionen lässt. Diese Wachstumsbereiche müsste man gezielt fördern und ausbauen. Aber dafür ist kein Geld da. Auch das gilt natürlich für ganz Südeuropa.

Die Ratingagenturen und die Finanzmärkte verlieren daher zur Zeit völlig zurecht das Vertrauen in eine mögliche Erholung in Südeuropa (siehe hierzu den Artikel in “Spiegel-Online” vom 14.2. mit dem Titel “Rating-Konzern Moody’s straft EU-Länder ab“). Die einzigen Länder, die nicht abgestraft werden, sind Dänemark, Finnland, Luxemburg, die Niederlanden, Schweden und natürlich Deutschland, und Deutschland ist im Moment vor allem auch der Gewinner dieser Krise.

Ob das allerdings so bleibt, wenn die europäischen Länder sich immer weiter auseinanderentwickeln (vor allem in Form einer Schere zwischen Süd- und Mittel- und Nordeuropa) und das europäische Währungssystem möglicherweise dann ins Schleudern gerät, wage ich zu bezweifeln.

Insofern sägt Merkel langfristig möglicherweise auch am eigenen deutschen Ast. Die südeuropäischen Länder werden also immer weiter abgeratet, Portugal ist jetzt sogar auf dem Ramschniveau angelangt. Wenn die Ratingagenturen und die Finanzmärkte das Vertrauen in Südeuropa verlieren, sieht die Sache nicht gut aus, und an den Börsen wird wahrscheinlich schon jetzt auf eine Pleite von Portugal gewettet.

Auf die Pleite Griechenlands braucht nicht mehr gewettet werden, die ist praktisch schon da. Griechenland hat schon seit Sommer vergangenen Jahres ein CCC-Rating und ist ganz unten angelangt (Siehe hierzu den Artikel vom 14.7.2011 mit dem Titel “S & P-Downgrade: Griechenland-Rating nun nur noch bei CCC” in Finanzwirtschafter.de).

Das sind keine guter Vorzeichen für Südeuropa, wenn die Ratingagenturen und die Finanzmärkte massiv das Vertrauen verlieren und vor allem wird in solche Länder aktuell wohl kaum jemand investieren wollen. Und die betreffenden Staaten tun es auch nicht, weil sie eben unter dem deutschen Spardiktat stehen.

Wie massiv die griechische Wirtschaft durch den deutschen Sparkurs beschädigt wurde, offenbart auch ein Artikel vom 14.2 in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Dramatische Konjunkturdaten: Griechische Wirtschaft stürzt ab“.

Demnach ist die griechische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr offensichtlich um 7% geschrumpft, damit sind die schlimmsten Prognosen weit übertroffen worden. “Spiegel Online” wörtlich: “Nach Einschätzung von Finanzexperten ist die Ursache der rasanten Talfahrt die Kürzungspolitik, die die griechische Wirtschaft abwürgt. Allein 2012 muss die Regierung Athen mehr als drei Milliarden Euro sparen. Erst am Sonntag hat das Parlament auf Druck der internationalen Geldgeber einem neuen drastischen Sparpaket zugestimmt“.

Ähnlich auch der Bericht in “Financial Times Deutschland” vom 14.2. mit dem Titel “Griechenlands Wirtschaft im Sturzflug“. FTD wörtlich: “Die Rezession fällt schärfer aus als bisher prognostiziert. Als Grund für die Talfahrt gilt die Sparpolitik, die das Land eigentlich aus der Krise holen soll. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt dramatisch zu. Auch Portugal ist weit von einer Erholung entfernt“.

Spätestens seit diesem heutigen, schon oben gelinktem Bericht von “Spiegel Online”vom 14.2 mit dem Titel “Dramatische Konjunkturdaten: Griechische Wirtschaft stürzt ab” über die aktuellen griechischen Konjunkturdaten habe ich jetzt die Hoffnung für Griechenland verloren. Ein Verlust der Wirtschaftsleistung von 7%, das ist extrem, sowas kann das angeschlagene Land nicht überleben. Das CCC-Rating der Ratingagenturen ist wohl angemessen. Ob Portugal soviel besser dasteht, bleibt abzuwarten.

Ein weiteres Problem, das sich mit der Verschlechterung der Lage in Südeuropa ergibt, ist das, was die Amerikaner “Braindrain” nennen, also die Flucht von besserausgebildeten Menschen aus Krisenländern in andere Länder, die wirtschaftlich wesentlich besser dastehen. Das passiert in Südeuropa natürlich jetzt auch massiv, vor allem Spanien und Griechenland sind betroffen. Der EU-Kommissar László Andor hat schon im Dezember des vergangenen Jahres gesagt, es drohe hier die Gefahr einer “verlorenen Generation” (Siehe hierzu den Artikel aus “Spiegel-Online” vom Dezember 2011 mit dem Titel “Tausende Spanier und Griechen flüchten nach Deutschland“). “Spiegel-Online” in diesem Artikel wörtlich: “Die Wirtschaftskrise treibt immer mehr Südeuropäer nach Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt suchen vor allem Spanier und Griechen ihr Glück in der Bundesrepublik. Die Zuwanderung aus beiden Staaten steigt massiv“.

Ich habe schon vorgestern von Josef Ackermanns Warnung vor einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone berichtet. Ich wiederhole daher hier nochmals in Kürze:

Josef Ackermann hat in “RP Online” in einem Artikel mit dem Titel “Warnung vor Euro-Austritt Griechenlands” im November 2011 vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. “Das ist eine Lösung, die man gar nicht andenken sollte.”

Das sagte Ackermann am Sonntag in der ARD-Sendung “Bericht aus Berlin”. Ein Ausscheiden Griechenlands wäre ein “ganz dramatisches Ergebnis”.

Wie es um die europäischen Banken und den Euro bestellt ist, zeigt unter anderem die derzeitige riskante Politik des neuen EZB-Chefs Mario Draghi, der die Banken und die Eurozone unbedingt vor einem Zusammenbruch bewahren will.

Schon im Dezember schrieb die Notenbank in ihrem Bericht, dass die Spannungen an den Finanzmärkten derzeit “Dimensionen einer systemischen Krise annähmen, wie sie seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor drei Jahren nicht zu beobachten waren“.

Einen guten Artikel mit dem Titel “Bankenhilfe der EZB: Draghis gefährlicher Geldzauber” zu diesem Thema hat Stefan Kaiser im Dezember 2011 in “Spiegel-Online”  veröffentlicht.

Stefan Kaiser in “Spiegel Online” wörtlich: “Auf Europas Banken kommen schwere Monate zu. Im Jahr 2012 müssen sie 725 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen – alleine im ersten Quartal sind es 280 Milliarden Euro. Um die Schulden bedienen zu können, müssen sie sich frisches Geld leihen, doch das ist auf dem privaten Markt kaum mehr möglich.

Weil die meisten Institute immer noch große Posten europäischer Staatsanleihen in ihren Bilanzen haben, trauen sie sich gegenseitig nicht über den Weg. “Der Interbankenmarkt ist ziemlich dicht”, sagt Dieter Hein, Finanzexperte beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. “Von außerhalb verleiht fast niemand mehr Geld an Banken in der Euro-Zone.”

Die letzte Rettung für viele Banken ist deshalb die EZB. Schon seit Beginn der Finanzkrise 2008 stellt sie der Finanzbranche immer wieder frisches Geld zu Minizinsen zur Verfügung – teilweise für bis zu ein Jahr. Für diesen Mittwoch hat die Notenbank nun die größte Hilfsaktion ihrer Geschichte angekündigt: Die Banken der Euro-Zone können sich bei ihr für drei Jahre so viel Geld leihen wie sie wollen – und müssen dafür nur Zinsen von zunächst einem Prozent zahlen. Angesichts solch paradiesischer Bedingungen rechnen Experten damit, dass sich die Banken mehrere hundert Milliarden Euro sichern werden.

Der Freifahrtschein für die Finanzbranche hat auch Begehrlichkeiten der Politik geweckt. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy jubelte bereits vor Wochen, nun könnten sich klamme Staaten wieder an ihre Banken wenden, damit diese ihnen ihre Staatsanleihen abkaufen.

Auf den ersten Blick wäre das für alle Beteiligten ein gutes Geschäft: Die Banken könnten ihr günstig geliehenes Geld zu höheren Zinsen an die Staaten weiterverleihen, die Regierungen würden endlich wieder ihre Anleihen los, und die EZB käme womöglich um die ungeliebte Rolle herum, selbst in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen.

Doch Kritiker schlagen Alarm: Mit ihren üppigen Bankenhilfen betreibe die EZB Staatsfinanzierung auf Umwegen. Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleiheninvestors Pimco, warnt vor einem “Hütchenspiel”, bei dem das Geld nur von der einen Tasche in die andere wandere. Ähnlich sieht es Hanno Beck, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Pforzheim. Er fürchtet, dass die Geldflut über kurz oder lang zu steigender Inflation führt. “Die EZB wirft für drei Jahre eine gigantische Liquidität in den Markt”, sagt der Experte. “Das kann sie nicht mehr kontrollieren, das ist ein Spiel mit dem Feuer.”

Trotz aller Risiken scheint der Plan zumindest kurzfristig zu funktionieren. In den vergangenen Tagen sind die Risikoaufschläge für schuldengeplagte Euro-Staaten deutlich gesunken. So konnte sich Spanien fast doppelt so viel Geld am Kapitalmarkt leihen wie eigentlich geplant – und das zu relativ günstigen Zinsen. In Erwartung der üppigen EZB-Hilfen greifen die Banken offenbar wieder zu. Der Effekt könnte allerdings von kurzer Dauer sein. Experten glauben, dass sich viele Banken zuletzt vor allem deshalb mit Staatsanleihen eingedeckt haben, um diese als Sicherheiten für ihre Geldgeschäfte mit der EZB einzusetzen. Wenn sie das Geld von der Notenbank bekommen haben, könnte der kleine Kaufrausch schnell wieder vorbei sein. Schließlich gelten Anleihen der Krisenstaaten in der Branche immer noch als Gift für die Bilanzen”.

Soweit Stefan Kaiser in seinem Artikel aus “Spiegel Online” vom Dezember vergangenen Jahres. Der “Tagesspiegel” meldete am 10.2. unter dem Titel “EZB: Draghi sorgt für neue Geldspritze“, dass Draghi jetzt noch mehr Geld in das europäische Bankensystem pumpen will.

Vorerst scheint Mario Draghis Trick zu funktionieren, vor allem die südeuropäischen Krisenstaaten wie Italien und Spanien kommen im Moment so relativ günstig an Geld ran, solange die Banken bereit sind, das Geld der EZB an diese Krisenstaaten weiterzugeben. Aber je mehr diese Länder in die Krise schlittern, um so mehr werden sich die Banken daran erinnern, dass die Papiere dieser südeuropäischen Länder potentielles Gift für die Bilanzen sind. Draghis Zauber hält vielleicht nur begrenzt und er ist riskant, vor allem wegen der Inflationsgefahr.

Ob es allerdings noch eine andere Alternative als die Draghis gäbe, um den Euro und die Banken zu retten, das wage ich nicht zu beurteilen. Ich bin kein Experte für die Banken und den Interbankenmarkt. Was allerdings auf der Welt los war, als die Lehman-Brothers-Bank Pleite ging, das habe ich nicht vergessen.

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