Angela Merkels Irrglaube an die Wirksamkeit ihrer kruden Sparrezepte in Südeuropa 1

Angesichts der Tatsache, dass Angela Merkel mit ihren harten Sparauflagen gegenüber Griechenland und ihren zögerlichen Krediten – die letztendlich zu nichts weiter gut waren als die Agonie des Landes zu verlängern – nur eine Totalpleite Griechenlands erreicht hat, ist vielleicht einmal die Zeit gekommen, um über diese unsinnige deutsche Politik gegenüber den angeschlagenen Ländern Südeuropas nachzudenken. Der nächste Pleitekandidat steht dabei schon vor der Tür, die Finanzmärkte gehen im Fall Portugals mit ungefähr 70% Wahrscheinlichkeit davon aus, dass auch dieses nach Griechenland schwächste südeuropäische Land demnächst in die Insolvenz geht (seht hierzu einen Artikel in “Welt Online” vom 31.1.2012 mit dem Titel “Finanzmärkte erwarten, dass Portugal pleite geht“).

Nun ist es schön, dass die Deutschen auf ihre Exporterfolge und das viele Geld stolz sind, das sie in den letzten zehn Jahren nicht zuletzt Dank des Euros verdient haben. Deutschland konnte so auf einen grossen europäischen Binnenmarkt zugreifen und fleissig in die Eurozone exportieren.

Der Irrglaube Angelas Merkels und der meisten deutschen Politiker und Wirtschaftsexperten liegt allerdings darin, dass sie glauben, sie könnten das “deutsche Modell” einfach auf die anderen europäischen Länder übertragen.

Worin liegt denn genau der Erfolg der deutschen Wirtschaft im letzten Jahrzehnt seit Einführung des Euros? Nun, in Deutschland haben wir schon seit vielen Jahren einen massiven Handelsbilanzüberschuss (Stichwort: “Exportweltmeister“), der – was von den deutschen Politikern und Wirtschaftsexperten, vor allem auch von Frau Merkel, aus gutem Grund nie erwähnt und gesagt wird – vor allem auf Kosten der anderen europäischen Länder geht (über 60% der deutschen Ausfuhren gehen in die europäischen Nachbarländer).

Immerhin gibt es auch ein paar ehrlichere Journalisten in Deutschland, die ab und an bereit sind, diese offensichtliche und ganz und gar nicht rätselhafte Tatsache zu erwähnen, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren vor allem auf Kosten der anderen Länder in der EU gelebt und verdient hat (siehe hierzu den ebenso so klaren wie im Nachhinein prophetischen Artikel von Stephan Kaufmann vom Mai 2010 mit dem Titel “Handelsbilanzüberschuss: Die Exportmaschine läuft”  in der “Frankfurter Rundschau”). Auch Sven Böll hat sich in “Spiegel-Online” im März 2011 in einem Artikel in einem Artikel mit dem Titel “Mythos vom EU-Zahlmeister: Wie Deutschland vom Euro profitiert” einmal halbwegs ehrlich und erhellend zu dem von deutschen Politikern und Wirtschaftsexperten gern gehegten Mythos des “EU-Zahlmeisters Deutschland” geäußert.

Um es einmal ganz simpel zu erklären: Die Griechen haben uns die dicken Karossen vom Typ Mercedes, BMW und Audi abgekauft und so Schulden gemacht, während wir ihnen vielleicht ein paar Oliven und etwas Feta-Käse abgekauft haben, und zwar zum Discounter-Preis bei Aldi und Lidl. Dass so was auf Dauer nicht gut gehen kann, ist so klar wie Wasser, und Stephan Kaufmann, der anscheinend ein halbwegs intelligenter und ehrlicher Journalist ist, sagt das im schon oben gelinkten Artikel in der “Frankfurter Rundschau” vom Mai 2010 mit dem Titel “Handelsbilanzüberschuss: Die Exportmaschine läuft” auch ganz klar.

Wir haben also mit unserem gigantischen Handelsbilanzüberschuss das Geld aus dem europäischen Ausland in unsere Kassen gepumpt, während vor allem die exportschwachen südeuropäischen Länder Jahr um Jahr ein Handelsbilanzdefizit hingelegt haben.

Deutschland ist in den letzten zehn Jahren seit Einführung des Euro im Jahre 2002 dabei kontinuierlich immer stärker geworden, und zwar aus einem einfachen Grund: In Deutschland sind die Lohnstückkosten in den letzten zehn Jahren praktisch nicht gestiegen, mit einer eisernen Politik der radikalen Lohnzurückhaltung sind Deutschlands Produkte im Vergleich zu den Produkten der anderen europäischen Länder immer billiger und attraktiver geworden und haben die europäische Konkurrenz “abgehängt”.

Im Klartext: Mit der Politik der radikalen Lohnzurückhaltung (die vor allem der deutsche Durchschnittsarbeitnehmer bezahlt hat, weil sein Lohn eben praktisch nie gestiegen ist), hat die deutsche Exportwirtschaft alle anderen europäischen Länder “niederkonkurriert”.

Wie sich dabei die Entwicklung der Lohnstückkosten in Deutschland seit Einführung des Euro entwickelt hat, zeigt sehr ausführlich und klar Wolfgang Lieb in einem Artikel aus den “Nachdenkseiten” vom 10. Juni 2011 mit dem Titel “`Hoher Anstieg der Arbeitskosten´ – Das Statistische Bundesamt lässt sich als PR-Agentur der Bundesregierung und der Arbeitgeber instrumentalisieren“. Fazit dieses Artikels: “Beim Anstieg dieser Lohnstückkosten war Deutschland in den letzten zehn Jahren das absolute Schlusslicht in Europa und weltweit lag nur Japan darunter“.

Mit dieser Methode also hat Deutschland die anderen Länder “niederkonkurriert”, die deutsche Exportwirtschaft hat sich dabei dumm und dusselig verdient, der deutsche Durchschnittsarbeitnehmer ist allerdings so kaum reicher geworden, auch wenn zumindest in der Exportwirtschaft auf diese Weise sein Arbeitsplatz gesichert wurde, das ist immerhin eine gute Sache.

Nun, das schwächste aller dieser südeuropäischen Länder war Griechenland, und Griechenland hatte schon seit Jahren ein massives Handelsbilanzdefizit (zur griechischen Handelsbilanz siehe folgende Tabelle). Hier habt ihr eine andere Graphik zum griechischen Handelsbilanzsaldo von 2001 bis 2011 in “statista.com“.

Und jetzt ist Griechenland natürlich pleite. Denn Griechenland hat Jahr um Jahr ein Handelsbilanzdefizit hingelegt und natürlich zur Finanzierung dieses Handelsbilanzdefizits Schulden gemacht.

Da man diese einfachen gesamteuropäischen makroökonomischen Tatsachen nicht erkennen will (weil die Deutschen sich dann an die eigene Nase fassen und darüber nachdenken müssten, was sie eigentlich in seit 1999 im europäischen Rahmen zum Schaden ihrer Nachbarn getrieben haben), macht man es sich jetzt einfach und beschuldigt die Griechen der Faulheit und Korruption. Nun gab es in Griechenland sicher Missstände und auch Korruption (ob der Durchschnittsgrieche “fauler” als der Durchschnittsdeutsche ist, sei dahingestellt).

Aber diese Faktoren waren durchaus nicht der Hauptgrund für Griechenlands Niedergang. Der Hauptgrund für Griechenlands Niedergang (der jetzt in der Totalpleite geendet ist) war die Tatsache, dass der griechische “Zwerg” gegen die expansive und aggressive Exportpolitik des deutschen “Riesen” keine Chance hatte.

Strukturell sitzen alle südeuropäischen Länder ein Stück weit in dieser Falle, nicht zuletzt deshalb, weil ihre Einbindung in den Euro es ihnen nicht gestattet, einfach abzuwerten, um sich so wieder Wettbewerbsvorteile zu verschaffen (so hätten das diese südeuropäischen Länder in ihrer aktuellen Situation vor der Einführung des Euros gemacht).

Die deutschen Politiker und Wirtschaftsexperten glauben jetzt in ihrem Überschwang, dass das “deutsche Modell” einer aggressiven und expansiven Exportpolitik und eines massiven Handelsbilanzüberschusses einschliesslich radikaler Sparpolitik und “Schuldenbremse” auf alle Länder ausgedehnt werden sollte, sozusagen eine neue wirtschaftspolitische Variante von “Und es mag am deutschen Wesen // Einmal noch die Welt genesen“.

Aber nehmen wir einmal an, alle europäischen Länder würden dem deutschen Modell nacheifern, massiv Lohnzurückhaltung üben und die Lohnstückkosten soweit wie möglich herunterdrücken und eine eiserne Sparpolitik betreiben und möglichst Schulden zu vermeiden versuchen, um sich so Exportvorteile zu verschaffen und Handelsbilanzüberschüsse zu erwirtschaften, dann gäbe es dabei ein ganz fundamentales Problem bei dieser Geschichte: Wer würde denn dann noch die Waren aller dieser Länder kaufen? Da jetzt ja alle – wie Deutschland in den letzten zehn Jahren – mehr verkaufen (exportieren) als kaufen (importieren) wollen, bräuchten wir, wie der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman sehr witzigerweise in einem Blogartikel vom 9. Januar 2012 mit dem Titel “Germans and Aliens” zu Deutschlands Wirtschaftspolitik bemerkt, dringend ein paar Ausserirdische (Krugman: “Aliens“), die dann diese ganzen überschüssigen Waren kaufen. Diese “Aliens” sind aber bisher nicht in Sicht, noch sieht es so aus, als wenn die Menschen allein im Weltraum sind.

Krugmans Fazit  in seinem Blogartikel vom 9. Januar mit dem Titel “Germans and Aliens” zu Angela Merkels Glaube an die generelle Übertragbarkeit der deutschen Wirtschaftspolitik und insbesondere der Sparpolitik auf ganz Europa: “It remains remarkable to see with how little wisdom the world is governed“.

In der Tat, anders kann man es nicht sagen. Die Griechenlandpleite ist ein Menetekel, das uns zu denken geben sollte. Wenn Angela Merkel so weiter macht und allen angeschlagenen südeuropäischen Ländern dauerhaft einen rigiden Sparkurs aufzwingt, ist vielleicht bald Portugal dran und es dann nicht mal mehr ganz sicher, ob Spanien und Italien auf Dauer wirklich davon kommen, obwohl es im Moment glücklicherweise noch so aussieht.

Denn der rigide Sparkurs zwingt diese Länder, wie es auch im Fall von Griechenland geschehen ist, in eine Abwärtsspirale: Sparen diese Länder massiv, schwächen sie damit auch ihren Binnenmarkt, von dem sie im wesentlichen abhängen (im Gegenteil zu Deutschland sind diese südeuropäischen Länder auf ihren Binnenmarkt angewiesen, “Exportweltmeister” sind diese Länder keineswegs). Die Arbeitnehmer in diesen Ländern bekommen dann wesentlich weniger Geld, geben in der Folge auch wesentlich weniger aus, damit geht der Binnenmarkt in diesen Ländern weiter den Berg runter und der Staat hat dann wiederum auch verringerte Einnahmen.

Im Endeffekt wird dann das Loch in der Kasse womöglich paradoxerweise trotz oder gerade wegen des Sparens immer grösser, und alle Versuche, dieses Loch mit Krediten zu flicken, werden am Ende wahrscheinlich so ausgehen wie im Fall Griechenlands: Am Ende kommt die Pleite.

Die Spanier und Italiener überleben vielleicht diese deutsche Rosskur (auch wenn es ihnen dabei sicherlich dreckig gehen wird), aber ob die Portugiesen das überstehen, da bin ich mir nicht so sicher, Portugal ist vielleicht wie Griechenland zu schwach, um eine solche Brutalkur zu überleben.

Sinnvoller wäre es, in diesen Ländern nicht nur zu sparen (sparen kann durchaus auch Sinn ergeben, wenn man an der richtigen Stelle spart) und Strukturreformen durchzuführen (allerdings nicht in Form von wilden Privatisierungen, in denen der betroffene Staat aus Verzweiflung sein Tafelsilber verschleudert), sondern auch zu investieren und die Wirtschaft in den südeuropäischen Ländern wieder anzukurbeln, damit die Negativspirale, in der sich diese Länder aktuell befinden, durchbrochen und die Wirtschaft dort wieder neu aufgebaut wird und möglichst bald wieder auf die Beine kommt. Für diese angeschlagenen südeuropäischen Länder bräuchte man eine Art “Marshallplan“, damit die aktuelle deprimierende wirtschaftliche Situation möglichst bald überwunden wird.

Von dieser Einsicht ist aber Angela Merkel und ihre Entourage, zu der auch Friede Springer mit ihrer schmuddeligen Bildzeitung und Liz Mohn mit ihrer “Krake Bertelsmann” gehören, noch weit entfernt.

Im Moment wird man da lieber an die gängigen Vorurteile der Durchschnittsdeutschen appellieren, die schon immer der Meinung waren, dass die Südeuropäer korrupte Hallodris sind, die nicht gerne arbeiten.

Ein Nachtrag von heute, den 7.2.: Mein Glaube an die Ehrlichkeit und Intelligenz deutscher Journalisten, der in den letzten Jahren aufgrund der manchmal hirnlosen Berichterstattung vor allem im Bereich der Wirtschaftspolitik zunehmend beschädigt wurde, wächst langsam wieder, wenn ich solche Artikel wie den folgenden lese, den Stefan Kaiser heute, am 7.2. in “Spiegel Online” veröffentlicht hat.

Der Titel des Artikels: “Schluss mit der Rettungsfarce!“. Und die Dinge, die Stefan Kaiser in diesem Artikel sagt, kann ich nur unterstreichen, genau so sehe ich das auch. Hier gebe ich euch nochmals den Link zu diesem Artikel.

Ein Nachtrag von heute, den 9.2.: Einer der intelligentesten Europapolitiker, der die Probleme des Euroraums wirklich kennt, ist für mich Sven Giegold (Bündnis 90/Die Grünen). Ich hänge euch hier seine Einschätzung der Lage im Euroraum vom Oktober 2011 mit dem Titel “Ungleichgewichte in der Eurozone weiterhin dramatisch” an, die sich angesichts der heute, am 8.2. in allen Zeitungen verkündeten neuen Rekordzahlen der deutschen Exporte (Seht hierzu den Artikel vom 8.2. im “Handelsblatt” mit dem Titel “Deutsche Exporte überschreiten die Eine-Billion-Euro-Marke“) beziehungsweise eines noch weiter steigenden deutschen Handelsbilanzüberschusses bei gleichzeitigen massiven Handelsbilanzdefiziten nicht nur in Südeuropa, sondern jetzt sogar in Frankreich, voll bestätigt hat.

Hier nochmals der Link zu Giegolds Blogartikel vom Oktober 2011 mit dem Titel “Ungleichgewichte in der Eurozone weiterhin dramatisch“.

Auch Giegold sieht in den weiter wachsenden Handelsungleichgewichten im Euroraum (Deutschland und Niederlande auf der Gewinnerseite, die anderen Länder tendenziell auf der Verliererseite mit den südeuropäischen Schlusslichtern Griechenland und Portugal) eine grosse Gefahr für den Euroraum und das Weiterbestehen einer gemeinsamen Währung.

Interessant ist übrigens auch, dass Giegold hier auf die Auswirkungen der zunehmenden Verknappung von fossilen Energieträgern auf die Eurozone berichtet. Giegold wörtlich: “Die Rechnung zur Einfuhr von Energie in den Euroraum stieg von 188,6 Mrd. Euro im Januar bis Juli 2010 innerhalb eines Jahres auf 242,1 Mrd. Euro“.

Das heisst, die Tatsache, dass wir bei konventionellem Öl mittlerweile “Peak Oil” überschritten haben, schlägt sich schon jetzt immer deutlicher in unserer Energierechnung nieder und das wird langfristig auch Auswirkungen nicht nur auf die Konjunktur in Europa, sondern auf der ganzen Welt haben.

Ich verweise in Zusammenhang mit dieser Thematik der zunehmenden Verknappung der fossilen Energieträger, insbesondere des Erdöls, nochmals auf meine Blogeinträge “A Crude Awakening: The Oil Crash” (2006) und “The End of Suburbia” (2004) und “Blind Spot” (2008).

Ein weiterer Artikel aus der “Financial Times Deutschland” vom Dezember des vergangenen Jahres mit dem Titel “Europas Unwucht aus Deutschland” setzt sich ebenfalls kritisch mit dem Dilemma der wachsenden Handelsungleichgewichte in Europa auseinander und zitiert hier als Motto des Artikels die ironische Bemerkung der Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde, die im Hinblick auf die großen Exportüberschüsse Deutschlands einmal gesagt hat: “Es braucht immer zwei zum Tangotanzen” (“It takes two to tango“). In der Tat, anders kann man es nicht sagen. Hier nochmals der Link zu diesem im wesentlichen sachlichen Artikel.

Nachtrag von heute, den 10.2.: Die meisten Tageszeitungen berichten nur über die “Oberfläche” der griechischen Finanzkrise und bringen meistens nur die Meldungen von irgendwelchen Politikertreffen, in denen über das Für und Wider von weiteren Kreditpaketen für das Pleite-Land diskutiert wird.

Recht gute Informationen finde ich in den letzten Tagen allerdings in “Spiegel-Online” darüber, was in Griechenland tatsächlich los. Dies betrifft nicht nur die innenpolitische Dimension des Landes allgemein, sondern insbesondere auch die wirtschaftliche und soziale Situation, in der sich die Griechen zum grossem Teil mittlerweile befinden. Hier der Link zum Portal bei Spiegel-Online zur aktuellen Griechenland-Krise mit dem Titel: Finanzkrise in Griechenland.

Ich verweise hier unter anderem auf folgende neuere Artikel in diesem Portal:

Elend in Griechenland: Athens neue Arme kommen aus der Mittelschicht” (9.2.) und “Stimmung in Griechenland: “Deutschland ist egal, dass hier Rentner sterben” (9.2.) und “Streik in Griechenland: “In Deutschland hat doch keiner eine Ahnung” (7.2.).

Dies ist mittlerweile die soziale, wirtschaftliche und politische Realität in Griechenland, während die griechischen und europäischen Politiker (auch Angela Merkel) so tun, als wenn es hier wirklich um die Rettung Griechenlands und um Europa ginge und sie weiterhin um irgendwelche Kreditpakete für das Land feilschen, die das Land sowieso nicht mehr retten können (siehe hierzu den Artikel von Stefan Kaiser vom 7.2. in “Spiegel-Online” mit dem Titel “Schluss mit der Rettungsfarce!“).

“Spiegel Online” berichtet heute, am 10.2, in einem Artikel mit dem Titel “Euro-Krise: Portugal fürchtet Athener Verhältnisse” auch darüber, wie Portugal auf die deutsche Rosskur zur Zeit reagiert:

Im Gegensatz zu Griechenland erfüllt Portugal alle die geforderten Sparauflagen. “Spiegel Online” wörtlich: “Die Portugiesen haben im vergangenen Jahr die geforderten Sparziele sogar übererfüllt; die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zeigte sich zufrieden mit den Musterknaben in Lissabon”.

Aber deswegen sieht es in Portugal nicht unbedingt soviel besser aus als in Griechenland.

Der Grund dafür ist einfach, ich habe ihn oben in meinem Artikel schon genannt: Wie alle südeuropäischen Länder ist Portugal kein “Exportweltmeister” und vor allem auf seinen Binnenmarkt angewiesen. Der allerdings schrumpft genau wie im Fall von Griechenland unter dem deutschen Spardiktat dramatisch, was die Gefahr mit sich bringt, dass die ganzen Sparbemühungen durch diesen Effekt wieder zunichte gemacht werden, da auch die Einnahmenseite Portugals mit dem Binnenmarkt zusammenschrumpft.

“Spiegel Online” in dem Artikel mit dem Titel “Euro-Krise: Portugal fürchtet Athener Verhältnisse” wörtlich: “Wie Griechenland schlittert aber auch Portugal immer tiefer in die Rezession. Volkswirte rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um drei bis sechs Prozent schrumpfen wird – griechische Dimensionen. Außerdem hat die portugiesische Wirtschaft mit ähnlichen strukturellen Problemen zu kämpfen wie die griechische. Das Land stützt sich vor allem auf den Konsum seiner Bürger – den die Sparmaßnahmen aber ausbremsen”.

Genau in diesem Effekt, der jetzt auch in Portugal sichtbar wird, liegt das Gefährliche an den harten deutschen Sparforderungen, wenn man nicht aufpasst, hat man am Ende das Land “tot-” oder “kaputtgespart“.

Ein paar wirtschaftliche Eckdaten, so “Spiegel Online”, sehen allerdings im Fall von Portugal anscheinend besser aus als im Fall von Griechenland. Es besteht also eine gewisse Hoffnung, dass Portugal dennoch diese deutsche Rosskur überlebt und nicht wie Griechenland endet.

Besonders weitsichtig sind diese drastischen deutschen Sparmassnahmen allerdings nicht, das habe ich ja in meinen obigen Ausführungen klar erläutert, und das Risiko, dass Portugal diese Sache nicht überlebt, ist wohl leider ziemlich hoch.

Einen weiteren recht vernünftigen Artikel zu Angela Merkels kruden Sparrezepten und “Europas Unwucht aus Deutschland” (beziehungsweise dem Problem der extremen Handelsungleichgewichte in Europa, mit einem massiven Handelsbilanzüberschuss in Deutschland und einem massiven Handelsbilanzdefizit in Südeuropa) habe ich in der Online-Ausgabe der Wochenzeitung “Die Zeit” gefunden, aus der Feder von Marcus Gatzke in einem Artikel vom 16. Januar 2012 dem Titel “Europa braucht Wachstum“.

Auch Gatzke kritisiert die einseitige Sparpolitik Angela Merkels und die Tatsache, dass die deutsche Regierung sich bisher beharrlich weigert, die Handelsungleichgewichte in Europa abzubauen, in dem sie zum Beispiel Deutschlands Binnennachfrage aktiv stärkt (eine einfache Möglichkeit, das zur erreichen, wäre zum Beispiel die Löhne in Deutschland deutlich zu erhöhen).

Nachtrag von heute, den 11.2.: Auch die “Financial Times Deutschland” ging gestern, am 10.2., angesichts von “Schäubles Portugal-Fauxpas” (so der Titel des Artikels in der FTD vom 10.2) auf die Situation in Portugal ein. Schäuble deutete in einem Gespräch in Brüssel mit seinem portugiesischen Amtskollegen Vitor Gaspar Bereitschaft an, dem westeuropäischen Land beim Rettungsprogramm mit weiterem Geld entgegenzukommen (Siehe hierzu den Artikel in “Spiegel Online” vom 10.2. mit dem Titel “Vernuschelte Milliarden” mitsamt der Aufzeichnung des Gesprächs).

In einer von dem Fernsehsender TVI am Freitag ausgestrahlten Aufnahme des Gesprächs mit Gaspar war Schäuble mit den Worten zu hören: “Wenn sich die Notwendigkeit für eine Anpassung des portugiesischen Programms ergibt, werden wir dazu bereit sein.”

Die Unterhaltung zwischen den beiden in englischer Sprache fand nach Angaben des Senders bei dem Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstag statt. Gaspar antwortete dem deutschen Kassenwart: “Das wissen wir sehr zu schätzen“.

Was Schäuble anscheinend während des Gesprächs nicht wusste: Die Plauderei wurde gefilmt.

Warum Gaspar Schäuble bei diesem Brüsseler Treffen angehauen hat, ist nicht rätselhaft: Obwohl die Portugiesen alle deutschen Sparforderungen übererfüllt haben, sieht es in Portugal nicht wirklich gut aus (siehe hierzu auch den schon von mir erwähnten und gestern kommentierten Artikel aus “Spiegel Online” vom 10.2. mit dem Titel “Portugal fürchtet Athener Verhältnisse“).

Die Ursachen für die wachsenden Probleme in Portugal sieht “FTD” genauso wie “Spiegel Online” auch im Problem des unter dem deutschen Spardiktat zunehmend kollabierenden portugiesischen Binnenmarkts.”Financial Times Deutschland” bemerkt in dem Artikel vom 10.2. mit dem Titel “Schäubles Portugal-Fauxpas” wörtlich:”Auch in Griechenland gab es erst Lob für Reformen, bevor dann die Konjunktur begann einzubrechen. Tatsächlich konsolidierten die Portugiesen 2011 solide, erfüllten ihre Ziele weitgehend. Für dieses Jahr hat Lissabon bereits nachgebessert bei den Sparmaßnahmen. Die Beurteilung durch die Troika aus EU, IWF und EZB war zufriedenstellend”.

Das Problem ist die Konjunktur. Viele Volkswirte rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund drei Prozent in diesem Jahr – und das bereits im zweiten Jahr Rezession. Die Strukturprobleme in Portugal ähneln dabei denen der Griechen: Beide Wirtschaften stützen sich stark auf die Binnenwirtschaft – nach Griechenland hat Portugal die zweithöchste Konsumquote in der Euro-Zone. Ein hartes Sparprogramm trifft also massiv die Binnenkonjunktur”.

Es sieht also auch nach Ansicht von “FTD” nicht gerade glänzend um Portugal aus. Die deutsche Rosskur bekommt auch Portugal offensichtlich nicht wirklich gut.

Wie es den Portugiesen schon seit längerer Zeit geht, zeigt folgender Bericht von n-tv vom Dezember 2010 mit dem Titel “Hungern in Portugal: Krise lässt Armut explodieren“.

Auch über die Situation in Griechenland gibt es genügend Berichte. Folgender Bericht über die Armut in Griechenland ist von n-tv. Folgender Bericht ist aus der “NZZ online” und dieser Bericht aus “RP online” und dieses Video mit dem Titel “Griechenland-Krise: Abgeschoben ins Kinderdorf” aus “Spiegel-TV”.

Wenn ihr einmal “Armut in Griechenland” oder “Armut in Portugal” googelt, findet ihr genug Informationen zu diesen beiden Themen.

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