In Memoriam Ronnie James Dio (1942-2010)

Neben meiner musikalischen Vorliebe für den Jazz (seht hierzu meinen Blogeintrag: “In Memoriam Michael Brecker (1949-2007)” bin ich außerdem noch Heavy-Metal-Fan.

Das mag für einige von euch ein bisschen seltsam klingen, aber ich sehe darin keinen Widerspruch. Je nachdem, in welcher Stimmung ich bin und welche emotionalen Bedürfnisse ich gerade habe, tendiere ich eben eher zu der einen oder zu der anderen Musik.

Der Jazz ist eine Musik, die eher von intellektuellen Schichten bevorzugt wird und manchmal abstrakt daherkommt. Man braucht auch ein gewisses formales Verständnis der verschiedenen Improvisationstechniken, um den Jazz wirklich genießen zu können, zumindest seine moderneren Formen ab dem Bebop.

Der Heavy-Metal hingegen ist eine Musik, die in den nordenglischen Arbeiterstädten entstanden ist (die vielleicht erste wirkliche Heavy-Metal-Band Black Sabbath kam aus Aston, einer Vorstadt von Birmingham) und die vor allem von Jugendlichen (gerade auch vom Land) und Menschen aus der Arbeiterschicht bevorzugt wird und mehr auf den Bauch als auf den Kopf zielt.

Gut, im Bereich des Heavy-Metal gibt es viele hervorragende Bands, nicht nur die klassischen Bands wie zum Beispiel Iron Maiden, Judas Priest und Saxon, sondern auch neuere wie Hammerfall

Der vielleicht dienstälteste und einer der profiliertesten Musiker des Heavy-Metal war bis zu seinem tragischen Tod vor etwas über einem Jahr Ronnie James Dio, den ich für einen hervorragenden Sänger und einen begabten Komponisten halte.

Der 1942 in New Hampshire geborene Dio spielte ab seinem fünften Lebensjahr auf Drängen seines Vaters Trompete und Bassgitarre. Im Jahre 1957, im Alter von 14 Jahren spielte er zum ersten Mal in einer Schulband.

Um 1960 benutzte Dio zum ersten Mal den Künstlernamen Dio (italienisch für „Gott“), vermutlich aber eher in Anlehnung an einen Mafioso aus Florida namens Johnny Dio, der ihn zu der Zeit beeindruckte.

Nach erneutem Wechsel des Bandnamens in Ronnie Dio and the Prophets erschienen diverse Singles und ein erstes Album, mit dem Titel Dio at Domino’s. Die Aufnahme entstand im Szene-Lokal Domino’s Restaurant, einem beliebten Tanztreff in Cortland, in dem die Band längere Zeit spielte und so erste lokale Bekanntheit erlangte. Das Repertoire enthielt neben wenigen Eigenkompositionen hauptsächlich Chartmusik der 1950er und 60er Jahre.

Die Band Ronnie Dio & The Prophets hatte bis zum Jahr 1967 Bestand. Neben einigen Besetzungwechseln änderte man auch den Namen in The Electric Elves. Das optische und akustische Erscheinungsbild der Band wandte sich allerdings mehr und mehr ab vom Pop hin zum Rock.

Am 12. Februar 1968 wurde die Band in einen schweren Autounfall verwickelt, bei dem Gitarrist Nick Pantas ums Leben kam. Alle Insassen wurden verletzt. Dio selbst schlug mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe des Wagens und trug Verletzungen davon.

Erst im Mai des Jahres spielte man wieder zusammen. Man strich das Wort „Electric“ aus dem Bandnamen und nannte sich fortan The Elves. Dieser Name hatte bis ins Jahr 1972 hinein Bestand.

Zu Beginn der 1970er Jahre tourte die Band durch College-Kneipen und erstellte Material für ein erstes Studioalbum, zu dem ihr jedoch ein Plattenvertrag fehlte.

Eines Abends wurden Ian Paice und Roger Glover von Deep Purple Zeuge eines Auftrittes der Band und boten ihr an, die Platte zu produzieren. Das erste, schlicht “Elf” genannte Album erschien. Aufgrund der Beziehung zu Paice und Glover konnte die Band nun unter dem Namen Elf als Vorgruppe von Deep Purple auf deren US-Tour 1972 auftreten.

Nach erneuten Besetzungswechseln gab Dio den Bass auf, um sich auf seinen Gesang zu konzentrieren. Die Band wechselte für die Produktion ihres zweiten Albums den Standort und zog nach England um. 1974 erschien die zweite Platte von Elf. Man gab ihr zwei verschiedene Titel, Carolina County Ball in Europa und LA / 59 in Amerika und Japan.

In dieser Zeit wurde das Interesse von Ritchie Blackmore, dem Gitarristen von Deep Purple, an Dio geweckt. Das dritte und letzte Album der Band Elf erschien 1975 unter dem Titel Trying to Burn the Sun. Die Platte erlangte Bekanntheit innerhalb der Rockszene.

Noch während der Arbeiten am Album entstanden in Zusammenarbeit von Dio und Blackmore zwei Songs, die auf einer Single erscheinen sollten: Black Sheep of the Family und Sixteenth Century Greensleeves. Die Single erschien jedoch nicht, vielmehr formierte Ritchie Blackmore, der Deep Purple verlassen hatte, den Rest der Band Elf zu seinem neuen Projekt Rainbow.

Mit dieser Band nahm Dio mehrere erfolgreiche Alben auf, darunter auch Klassiker wie „Rainbow Rising“ und „Live on Stage“. Die Band ging international auf Tour und konnte einige Bekanntheit erlangen.

1976 wurde das Verhältnis zwischen Dio und Blackmore zunehmend belastet, da beide zunehmend unterschiedliche musikalische Ziele verfolgen wollten. In einem Interview äußerte Dio, er sei dem gitarrenorientierten Heavy Rock zugeneigt gewesen, während Blackmore Rainbow die Band kommerzieller ausrichten wollte. Ende 1978 trennten sich die Wege der beiden, als Blackmore sämtliche Mitglieder außer Cozy Powell entließ, obwohl die Band gerade an einem Album arbeitete.

Dio schloss sich daher ab November Black Sabbath an, die einen Ersatz für ihren Sänger Ozzy Osbourne suchten. Dio nahm mit der Band die Alben Heaven and Hell und Mob Rules auf. Aufgrund persönlicher Differenzen trennte sich der Sänger nach drei Jahren wieder von Black Sabbath und gründete im Oktober 1982 seine eigene Band Dio.

Der Stil seiner nach ihm selbst benannten Band war ein dynamischer Metal mit Texten, die meist mystisch, geheimnisvoll und voller Rätsel sind und sich durch eine expressive Bildersprache auszeichnen. Dio gilt als der Erfinder dieser Heavy-Metal-Richtung, die oft als “Sword and Sorcery” bezeichnet wird, ein Genre, das auch in der Fantasy-Literatur existiert.

Die Gruppe nahm Album-Klassiker wie “Holy Diver” (die erste und vielleicht zugleich beste Platte der Band), ´The Last In Line´ und ´Dream Evil´ auf.

Nach einem weiteren kurzen Zwischenspiel bei Black Sabbath (1991–1993) war Ronnie James Dio weiterhin der Sänger und Bandleader von Dio.

2007 war Dio mit seinen Ex-Black-Sabbath-Kollegen Tony Iommi, Geezer Butler und Vinnie Appice unter dem Namen Heaven and Hell auf Tournee. Am 24. April 2009 erschien das erste und zugleich letzte Album von Heaven And Hell mit dem Titel The Devil You Know.

Am 25. November 2009 gab seine Frau bekannt, dass Ärzte bei ihm Magenkrebs im Frühstadium entdeckt hätten.

Am 16. Mai 2010 verstarb Ronnie James Dio im Alter von 67 Jahren, nachdem er sich im April noch optimistisch gezeigt hatte, den Krebs zu besiegen.

Ronnie James Dio hat mehrere hervorragende Platten gemacht. Am besten gefällt mir vielleicht die erste Platte, die er mit Black Sabbath unter dem Titel “Heaven and Hell” produziert hat und die erste Platte seiner eigenen Band Dio mit dem Titel “Holy Diver“.

Natürlich gibt es in YouTube jede Menge hochgeladener Titel von Ronnie James Dio. Ihr müsst also einfach nur Ronnie James Dio, Black Sabbath, Dio oder Rainbow ins Suchfeld eingeben, da findet ihr massig Live- und Studioaufnahmen dieses Musikers.

Ich hänge euch hier nur zwei Aufnahmen an, die ich besonders gut finde: Zum einen eine Live-Aufnahme des SongsNeon Knights von 1980, eines der besten Stücke von Black Sabbaths erstem Album mit Ronnie James Dio “Heaven and Hell

Eine Live-Aufnahme mit Ritchie BlackmoresRainbow des Songs “Long live Rock and Roll aus dem Jahre 1977 in München.

Was die Bild- und Soundqualität angeht, müsst ihr Abstriche machen, der Video-Standard der frühen achtziger Jahre war nicht besonders gut. Dies war aber die Phase, in der Ronnie James Dio als Sänger auf seinem Höhepunkt war. Das Hinhören und Hinschauen lohnt sich also allemal.

Ronnie James Dio nahm für sich in Anspruch, die “Mano Cornuta” (in der Heavy-Metal-Szene: “Metal fork”), das Erkennungszeichen der Metal-Fans, in den Heavy Metal eingeführt zu haben.

Seht hierzu den entsprechenden Wikipedia-Artikel zur “Manu Cornuta“.

Hier habt ihr ein Photo von Ronnie James Dio, das ihn in einem Moment zeigt, als er während eines Konzerts die “Mano Cornuta” einsetzt

.Creative Commons LizenzvertragIn Memoriam Ronnie James Dio (1942-2010)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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