In Memoriam Michael Brecker (1949 – 2007)

Ich war in meiner Jugend selbst ein paar Jahre lang aktiver Tenorsaxophonist und spielte auch in einer kleinen Amateurband, die sich schon vor vielen Jahren aufgelöst hat.

Nun, mein “all time favourite” unter den Saxophonisten ist zweifellos Charlie Parker, über den ich hier aber nicht reden will, weil er ein Klassiker und mehr als genug Literatur über ihn vorhanden ist, über diesen genialen Innovator des Jazz sind schon ganze Bücher geschrieben worden.

Unter den aktuellen Saxophonisten war allerdings der Tenorsaxophonist Michael Brecker mein Liebling, der leider vor jetzt vier Jahren an Leukämie verstorben ist, ein tragischer Verlust für die Jazzszene.

Der 1949 geborene Michael Brecker wuchs in einer musikalischen Familie in Philadelphia auf. Sein Vater war ein Rechtsanwalt, der Jazz-Klavier spielte. Michael Brecker begann im Alter von sechs Jahren mit dem Klarinettenspiel, wechselte mit acht zum Altsaxophon und spielte schließlich mit zehn Jahren das Tenorsaxophon.

Sein älterer Bruder Randy wählte die Trompete. Beide Brüder sahen und hörten auch recht früh schon unter anderem Miles Davis, Thelonious Monk und Duke Ellington. Der Wunsch, Tenorsaxophonist zu werden, war nach Breckers eigenen Angaben aber der Musik John Coltranes zu verdanken.

1966 folgte Brecker seinem Bruder Randy an die University of Indiana. Nach dem Studium entschloss er sich, Berufsmusiker zu werden. 1968 ging er daher nach New York und spielte zunächst für die Jazzrock-Band “Dreams”, ab 1973 mit Randy als front line des Horace-Silver-Quintetts.

Schließlich traten die Brüder als Brecker Brothers auf und eröffneten den Musik-Club Seventh Avenue South, in dem night jams zur Gründung der Fusion-Band Steps Ahead führten, mit der Brecker sechs Alben einspielte.

Ab Mitte der 1970er-Jahre spielte Brecker als vielgefragter Sideman mit unzähligen Jazzgrößen, aber auch mit Rockstars wie Bruce Springsteen.

Das Interessante an Michael Brecker war, dass er ein absoluter “Crossover“-Saxophonist war, der als Sideman sowohl im Kontext des klassischen Jazz als auch im Kontext der Rockmusik perfekt funktionieren konnte. Sein Spielstil war extrem dynamisch und explosiv, in Bruchteilen von Sekunden konnte er von leisen Noten und langsamen Mustern umschalten auf klanggewitterartige, rasende Läufe und extrem hohe, heisere Überblaslagen.

Das Ganze wirkte auf der Bühne umso verblüffender, als der schlanke und hochgewachsene, nicht sehr muskulöse Michael Brecker persönlich in Sakko und mit Stahlgestellbrille eher wie ein typischer New Yorker Bürohengst aussah, dem man schon rein optisch derartige Brachialkünste auf dem Tenorsaxophon keinesweg zugetraut hätte.

Tatsächlich war er aber der mit Abstand explosivste Tenorsaxophonist, den diese Weltstadt und Jazzmetropole bis 2007 zu bieten hatte.

Sein Solo-Debüt hatte Brecker 1987 mit einer schlicht “Michael Brecker” benannten Platte, die von den Lesern der Jazz-Zeitschrift Down Beat zum „Album des Jahres“ gewählt wurde. Mit seinem zweiten Solo-Album “Don’t Try This At Home” gewann er seinen ersten von insgesamt elf Grammys.

1990 folgte Now You See It … (Now You Don’t), dessen Titelstück eine raffinierte musikalische „Adaption“ der Malerei von M.C. Escher darstellt, in dem ein Rhythmus ohne hörbare „Nahtstelle“ in einen anderen übergeht.

1992 wurden die “Brecker Brothers” wiederbelebt, die 1994 “Out of the Loop” herausbrachten. Mit seinem Bruder Randy veröffentlichte er unter dem Namen “Brecker Brothers” insgesamt sechs Alben.

In der Nachfolge brachte dann Brecker weitere fünf hervorragende Alben heraus, die allesamt, wie die drei schon erwähnte Vorgängeralben auch, den “State of the Art” dessen darstellen, was auf dem Tenorsaxophon bis dato machbar ist.

Brecker spielte im Laufe seines Musikerlebens auf 900 Alben und gewann elf Grammy Awards. 2007 wurde ihm in der Kategorie “Best Jazz Instrumental Solo” für sein Solo im Stück des gleichnamigen Albums der Brecker Brothers “Some Skunk Funk posthum der zwölfte Grammy verliehen.

Seit Frühling 2005 litt Michael Brecker am Myelodysplastischen Syndrom, einer schweren Erkrankung des Knochenmarks, bei der die Blutbildung nicht von gesunden, sondern von genetisch veränderten Ursprungszellen ausgeht, und deren Folge eine gestörte Bildung der Blutkörperchen ist. Dieses Syndrom entwickelte sich schließlich zur Leukämie. Am 13. Januar 2007 erlag er seiner Krankheit. Er hinterließ seine Ehefrau Susan und zwei erwachsene Kinder.

Nun, die Diskographie Michael Breckers könnt ihr seinem Wikipedia-Eintrag entnehmen, die Platten sind natürlich im Handel weiterhin alle erhältlich, es handelt sich hier mittlerweile um Klassiker.

Wenn ihr aber einfach mal Michael Brecker “live” erleben wollt, dann gibt es hier natürlich YouTube. In YouTube sind zahlreiche Live-Auftritte von Michael Brecker hochgeladen, die ich hier nicht alle verlinken werde (einfach mal “Michael Brecker” ins Suchfeld eingeben).

Ich verlinke eine Live-Aufnahme von 1983, die mir besonders gut gefällt. Es handelt sich um die Live-Aufnahme mit dem Kenny-Wheeler-Quintet einer Hard Bop-Komposition des Tenorsaxophonisten Sonny Rollins mit dem Titel “Oleo“.

Hier also “Oleo” in der Version von Michael Brecker.

Creative Commons LizenzvertragIn Memoriam Michael Brecker (1949 – 2007)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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