Mexiko: Ein Land versinkt im Drogenkrieg

Heute habe ich mir in youtube einige interessante Dokumentationen zum Drogenkrieg in Mexiko angeschaut (es gibt hierzu einen relativ ausführlichen Wikipedia-Eintrag).

Die Realität in Mexiko ist aberwitzig, und erinnert mich an eine Bemerkung der amerikanischen Lateinamerika-Spezialistin und Professorin an der University of Massachusetts in Amherst Jane Rausch, bei der ich Anfang der 90er-Jahre mal einen Kurs in lateinamerikanischer Geschichte absolviert habe. Die sagte mir damals, der “Magische Realismus” vieler lateinamerikanischen Schriftsteller wie Gabriel García Márquez würde sich in einen relativ sachlichen Realismus verwandeln, wenn man die Geschichte und Realität Lateinamerikas kennt.

Und so ist es: Was in mexikanischen Städten, vor allem in denen an der Grenze zu den USA  wie Ciudad Juárez passiert, ist aus europäischer Sicht phantastisch und aberwitzig, mehr schauerlicher als magischer Realismus, aber für die Mexikaner ist es gewöhnlicher Alltag und Teil der Realität ihres Landes.

Es gab zu diesem Thema übrigens schon im Jahre 2000 einen hervorragenden Film von Steven Soderbergh mit dem Titel “Traffic“, ein viel prämiertes Meisterwerk über den Drogenkrieg in Mexiko und die Zusammenhänge zwischen der Situation in Mexiko und der in den USA

Was geschieht in Städten wie Ciudad Juárez? Nun, die Drogenkartelle in Mexiko sind schon vor Jahren zum Staat im Staate geworden und haben in weiten Teilen des Landes de facto die Macht an sich gerissen. Den 300.000 schwerbewaffneten Mitgliedern der Drogenkartelle stehen nur 35.000 Sicherheitskräfte und 50.000 Armeeangehörige entgegen, wobei ein Großteil der Sicherheitskräfte auch noch korrupt ist (die Hauptursache ist die erbärmliche Bezahlung der Polizisten, durch die sie gegenüber den Korruptionsangeboten hochgradig anfällig sind).

Die Sicherheitskräfte und die Armee sind also in der Defensive, die Drogenkartelle und ihre bewaffneten Mitglieder haben die Übermacht und scheuen sich auch nicht, die Sicherheitskräfte und die Armee offen anzugreifen und zu dezimieren. Der Drogenkrieg hat insgesamt in den letzten Jahren schon 35.000 Tote gekostet und produziert in Mexiko jährlich mehr Opfer als die U.S.A. in ihren Kriegen in Irak und Afghanistan in der entsprechenden Zeit an toten Soldaten zu beklagen hatten.

Was sind die Ursachen für diesen gnadenlosen und seitens der Drogenkartelle mit äußerster Brutalität geführten Krieg? Nun, die USA beherbergen den größten Markt für illegale Drogen weltweit. Dieser Markt wird vor allem von Mexiko aus von den mexikanischen Drogenkartellen bedient. Diese exportieren Drogen über die Grenze in die USA und importieren im Gegenzug Waffen aus den USA, da die Gesetze zum Erwerb von Waffen in den USA extrem freizügig sind. Die USA verdienen also an den Waffen, die mexikanischen Drogenkartelle an den in den USA verkauften Drogen.

Das Drogengeschäft ist in Mexiko nach dem Geschäft mit dem Öl das zweitwichtigste und größte Geschäft in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit und sehr niedrigen Löhnen. Für die jungen Mexikaner ist dieses Geschäft eine ungeheuere Verlockung und viele schliessen sich den Drogenkartellen an. In Städten wie Ciudad Juárez sind die meisten Menschen in das Drogengeschäft involviert und es sterben täglich im Durchschnitt zehn Menschen durch die Gewalt der Banden und Auftragskiller der Drogenkartelle.

Die Drogenbosse selbst leisten Sozialarbeit, spenden für Kirchen und Krankenhäuser und haben sich so bei der armen Bevölkerung beliebt gemacht, die in ihnen Helden sieht, Menschen, die ursprünglich aus ihrer Schicht kommen, und die es nun zu Erfolg, Reichtum und Ruhm gebracht haben. Mariachi-Sänger besingen die “Heldentaten” und Erfolge dieser Drogenbosse (diese Musikrichtung wird als “Narcocorridos” bezeichnet) und es ist mittlerweile eine richtiggehende “Narco-Kultur” in Mexiko entstanden.

Die Geschäfte der Drogenbosse sind weitverzweigt, manche von ihnen haben Milliardengewinne und die besten Anwälte und Finanzspezialisten auf ihrer Seite, die ihnen die Justiz vom Hals halten und das mit den Drogen verdiente Geld einer Geldwäsche unterziehen. Die Drogenkartelle haben dabei schon weite Zweige der Politik unterwandert, nicht wenige Politiker in Mexiko werden von den Drogenbossen für das Schweigen und Wegsehen bezahlt.

Das Ganze ist aberwitzig und die Situation Mexiko ist mittlerweile mit der von Kolumbien vergleichbar, ein Land, das ebenfalls weitgehend in der Hand der dortigen Drogenkartelle ist und in dem seit vierzig Jahren ebenfalls ein bewaffneter Konflikt stattfindet, in dem die Drogenkartelle kräftig mit mischen.

Creative Commons LizenzvertragMexiko: Ein Land versinkt im DrogenkriegKlaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s