In Memoriam Charles Bukowski (1920-1994)

Einer meiner weiteren grossen literarischen Helden ist Charles Bukowski.

Charles Bukowski war ein US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller polnisch-deutscher Abstammung. Er veröffentlichte zwischen 1960 und den frühen 1990er-Jahren über vierzig Bücher mit Gedichten und Prosa (Kurzgeschichten und auch einige Romane).

Als Heinrich Karl Bukowski, Sohn eines US-amerikanischen Besatzungssoldaten polnischer Herkunft namens Henry Bukowski und der Deutschen Katharina Fett im rheinischen Andernach in geboren, zog er mit seinen Eltern 1923 an den Geburtsort seines Vaters, nach Los Angeles in Kalifornien.

Bukowskis Vater wurde nach dem Wehrdienst Milchlieferant, und die Familie lebte zeitweise in ärmlichen Verhältnissen. Regelmäßig betrog der Vater die Mutter mit anderen Frauen, betrank sich und misshandelte seinen Sohn körperlich. 

In der Pubertät litt Bukowski zudem an starker Akne und hatte am ganzen Körper Pusteln, weshalb er ein ganzes Jahr nicht die Schule besuchen konnte (dargestellt in “Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend”, englischer Originaltitel “Ham on Rye“, 1982).

Nach der Schule studierte Bukowski zunächst Journalismus am Los Angeles City College und versuchte sich bereits in jungen Jahren – zunächst ohne großen Erfolg – als Schriftsteller. Viele Jahre lang lebte er wenig sesshaft, machte zahllose Jobs, saß für kurze Zeit wegen Trunkenheit im Gefängnis und in der Psychiatrie.

Stationen dieser Wanderjahre waren unter anderem New Orleans, Miami Beach, New York, Atlanta, Chicago und Philadelphia.

1943 wurde Bukowski gemustert und als physisch und mental untauglich für den Militärdienst eingestuft.

1947 kehrte Bukowski nach Los Angeles zurück und lernte Jane Cooney Baker kennen, mit der er bis Anfang der 1950er Jahre zusammenlebte. 1952 heuerte er für etwa drei Jahre bei der amerikanischen Postbehörde als Briefzusteller an.

1954 wurde er wegen einer Magenblutung, die beinahe tödlich verlaufen wäre, ins Krankenhaus eingeliefert. Nach seiner Entlassung begann er Gedichte zu schreiben. Ende 1955 heiratete er Barbara Frye, von der er sich 1958 wieder scheiden ließ.

Barbara Frye, die aus einer vermögenden Familie stammte, war selbst Schriftstellerin und zugleich Herausgeberin eines kleinen, alternativen Literaturmagazins namens Harlequin.

Anfang 1958 heuerte Bukowski wieder bei der Post an, diesmal im Innendienst. Er arbeitete elf Jahre als Briefsortierer.

Seine Erlebnisse als Angestellter des U.S. Postal Service verarbeitete Bukowski in seinem ersten Roman von 1971 “Der Mann mit der Ledertasche” (Originaltitel: “Post Office). Im Januar 1962 starb Bukowskis frühere Lebensgefährtin Jane Cooney Baker, laut Bukowski infolge ihres übermäßigen Alkoholkonsums.

1962 brachte die Literaturzeitschrift The Outsider eine Sonderausgabe über Bukowski und verlieh ihm den Titel „Outsider des Jahres“.

Die Verleger der Zeitschrift, Louise und John Webb, brachten 1963 auch Bukowskis ersten großen Gedichtband heraus (“It Catches My Heart in Its Hand”). In der Zeit als Briefsortierer fing Charles Bukowski zudem an, wöchentliche Kolumnen für die Alternativzeitung Open City in Los Angeles zu schreiben. Ein Teil der Kurzgeschichten erschien später in Buchform (“Notes of a Dirty Old Man).

1964 wurde Bukowski Vater einer Tochter, Marina Louise Bukowski. Mit der Mutter des Mädchens, Frances Smith, lebte Bukowski zwar zusammen, sie waren aber nie verheiratet. In einem Interview mit der Zeitung Long Beach Press-Telegram im Jahre 2000 äußerte sich Marina (jetzt Marina Bukowski Stone) sehr positiv über Bukowski und beschrieb ihn als einen liebevollen Vater.

1970 gab Bukowski die Arbeit bei der Post auf und versuchte, ausschließlich von seiner Tätigkeit als Schriftsteller zu leben. Ermöglicht wurde ihm dies unter anderem durch eine regelmäßige Zuwendung seines damaligen amerikanischen Verlegers John Martin von Black Sparrow Press.

Anfang der 1970er Jahre hatte Bukowski eine stürmische Affäre mit der Bildhauerin Linda King. Die Beziehung zog sich über mehrere Jahre hin, wobei es zu mehrfachen Trennungen mit anschließender Versöhnung kam. Die zum Teil schmerzhaften Erfahrungen dieser Beziehung verarbeitete Bukowski in mehreren Kapiteln seines Romans “Das Liebesleben der Hyäne” (Originaltitel: “Women“, 1978).

1977 lernte Bukowski Linda Lee Beighle kennen, die damals Besitzerin eines Bioladens war. Die beiden lebten mit einigen Unterbrechungen von 1978 bis zu Bukowskis Lebensende zusammen. Sie bezogen gemeinsam ein Haus in San Pedro, einem Ortsteil von Los Angeles, und heirateten 1985.

Charles Bukowski verstarb im März 1994 im Alter von 73 Jahren in seiner Wahlheimat San Pedro, Kalifornien, an Leukämie.

Sein Grabstein trägt unter dem Spitznamen „Hank“ die InschriftDON’T TRY“, was laut seiner letzten Frau Linda King sowohl im Sinne von „Wenn Du schreibst, versuche es nicht, sondern lass es einfach fließen“ und im übergeordneten Sinne als “versuche nicht etwas zu tun oder zu sein, sondern tue und sei es einfach” verstanden werden kann.

Bukowskis Geschichten sind häufig teilautobiografisch, wenngleich meist satirisch überhöht. Oft handelt das Werk von Menschen, die sich auf der Schattenseite des „American Way of Life” befinden. Seine Protagonisten sind Kleinkriminelle, Säufer, Obdachlose, Prostituierte und er selbst in Form seines literarischen Alter Egos “Henry Chinaski” (genannt “Hank”).

Auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen schrieb er in knappem Stil harte, witzige Stories, Romane und Gedichte über das Leben in den Randzonender bürgerl. amerikan. Gesellschaft. Schockwirkung durch die Darstellung brutaler Gewalt, obszöner Sexualität und des Schmutzes der Gosse.“ (Aus: Der Literatur-Brockhaus: in acht Bänden).

In den Gedichten hält Bukowski sich in kurzen, leicht verständlichen Sätzen an keine Regeln des Reims oder Rhythmus, aber ab 1974 schleicht sich ein zunehmend melancholischer Akzent in seine Schriften ein.

In seinen Romanen und Kurzgeschichten schreibt Bukowski in einer harten, direkten Sprache, und er spart in seinen Geschichten die schmuddeligen Aspekte des menschlichen Lebens keineswegs aus. Insbesondere seine Dialoge sind exzellent beobachtet und auf höchstem Niveau geschrieben. In seinem erzählenden Werk ist er zugleich meist komisch, absurd und selbstironisch.

Bukowski gilt vielen als Mythos und Kult und war insbesondere in Europa sehr erfolgreich. Allein in Deutschland verkaufte er mehr als 4 Millionen Bücher. Bukowski selbst hat das Bild des saufenden und krakeelenden Genies nach Kräften gefördert. Legendär ist die Lesung in der Hamburger Markthalle am 18. Mai 1978, bei der ein Kühlschrank auf der Bühne stehen musste, damit der Nachschub an wohltemperiertem Müller-Thurgau nicht abriss. Im späteren Leben hatte Bukowski den Alkoholismus anscheinend im Griff und soll um einiges ruhiger und sensibler gewesen sein, als sein Image besagte.

Literaturgeschichtlich befindet sich Bukowski zeitlich und geografisch irgendwo zwischen Beat Generation und Gonzo-Journalismus, ist diesen Stilen aber nicht zuzurechnen. Er war vielmehr ein eigenwilliges Unikum, das sich weder einordnen noch kategorisieren lässt. Mit seinem Credo der absoluten, literarisch unverstellten Wahrhaftigkeit von Empfinden und Darstellung muss man ihn als eine Art modernen, ironisch-sarkastischen Naturalisten sehen.

Damit ist Antiheld Henry Chinaski der „kompromißlos unangepasste, pessimistische“ Protagonist schlechthin.

Die meisten deutschen Übersetzungen stammen von Carl Weissner, mit dem Bukowski eine enge Freundschaft verband.

Wer sich von euch Bukowski lesend annähern will, dem empfehle ich seinen Romanerstling “Der Mann mit der Ledertasche” (1971), seinen autobiographischen Roman “Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend” (1982) und seinen Roman “Faktotum” (1975).

Bukowskis Gedichte sollte man besser auf Englisch lesen, Lyrik lässt sich schlecht übersetzen. Mein Lieblingsband ist “Love is a Dog from Hell” (1977).

Wer den Menschen Bukowski filmisch kennenlernen will, dem empfehle ich den Dokumentarfilm “Born into this” von John Dullaghan aus dem Jahre 2003. Man kann den Film amazon.de kaufen.

Creative Commons Lizenzvertrag In Memoriam Charles Bukowski (1920-1994) Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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