John Carpenters “They Live” (1988)

Wer eine glänzende Satire auf unsere aktuelle Wirklichkeit anschauen will, der kommt um den Film “They Live” von 1988 vom Trash-Altmeister John Carpenter nicht herum.

Worum geht es in “They Live”?

Der arbeitslose Ölarbeiter John Nada (Roddy Piper) zieht auf der Suche nach einer Beschäftigung durch Amerika und gelangt so an die Westküste der Vereinigten Staaten.

Die Wirtschaft scheint auch dort zu expandieren, dennoch sind Armut und Arbeitslosigkeit überall zu spüren. Am Himmel kreisen Überwachungshubschrauber. In einer Großstadt angekommen beobachtet er, wie ein blinder Pfarrer, der von einer unbekannten bösen Macht erzählt, durch Polizeigewalt zum Schweigen gebracht wird.

Nada findet einen Job auf einer Großbaustelle, wofür die Zustimmung der Gewerkschaft notwendig ist. Dort lernt er Frank kennen, der ihm von schlecht ausgegangenen Tarifauseinandersetzungen in einer anderen Stadt berichtet, und dem Entschluss, es den Bossen beim nächsten mal zu zeigen. Nada dagegen vertritt den Standpunkt, dass derjenige, der an Amerika glaube, es zu etwas bringen werde, wenn er nur bereit sei auf seine Chance zu warten.

Frank nimmt ihn mit zu einer in der Nähe einer kleinen Kirche gelegenen, provisorischen Bretterburg, in welcher kostenloses Essen ausgeteilt wird und wo es Schlafmöglichkeiten gibt. Die meisten Einwohner dieser Behausung sitzen wie viele andere Einwohner der Stadt ständig vor dem Fernseher und konsumieren das von den Sendern ausgestrahlte Werbefernsehen. Allerdings werden die Sendungen oft von Hackern unterbrochen, welche über eine fremde Macht berichten, die die Menschheit für ihre Zwecke missbrauche und nur ihren eigenen Profit vermehren wolle.

Woher diese Macht kommt bzw. ob damit einfach Klassengegensätze gemeint sind bleibt unklar. Diese Hacker rufen zum Widerstand bis hin zur Revolution auf.

Nachdem die Polizei mit unglaublicher Brutalität das nahegelegene Gotteshaus stürmt, die Bretterburg vollständig vernichtet und den alten blinden Pfarrer völlig zusammenschlägt, durchsucht Nada die Reste der Kirche, in der er bereits vorher eine Art Gottesdienst belauscht hatte, der als Treffen von Widerständlern fungierte. In einem Verschlag findet er einen Karton gefüllt mit Sonnenbrillen, denen er zunächst keine Bedeutung beimisst. Er nimmt eine davon an sich.

Als Nada diese Brille aufsetzt, ist er erstaunt, denn durch die Sonnenbrille kann er keine Farben mehr sehen und die Gläser erzeugen nach dem Absetzen kurzzeitig starke Kopfschmerzen.

Noch verwirrter ist Nada, als er mit der Brille durch die Innenstadt geht: Die Werbeplakate und Zeitschriften beinhalten nur noch Befehle wie „Gehorche!“, „Konsumiere!“, „Schlafe weiter!“ oder „Sieh fern!“, auf Geldscheinen steht „Dies ist dein Gott!“, in einer Zeitschrift sind die Worte „Stelle keine Autoritäten in Frage!“ zu lesen.

Hinzu kommt dass viele Personen grässlich entstellte Gesichter haben, was ebenfalls nur durch die Brille sichtbar wird. In einem Supermarkt greift der unbefangene Nada eines der Wesen, das ohne die Sonnenbrille aussieht wie eine ältere Frau, wegen des hässlichen Gesichtes sogar verbal an.

Als die mysteriösen Wesen erkennen, dass Nada ihre wahre Gestalt sehen kann, beginnt eine Hetzjagd auf ihn. Er tötet mehrere dieser auch als Polizisten arbeitenden Wesen. Einen menschlichen Polizisten entwaffnet er, lässt ihn aber leben. Von nun an ist er auf der Flucht. Mit der nicht ganz freiwilligen Hilfe von Holly Thompson (die er mitsamt ihrem Auto entführt), der stellvertretenden Programmchefin des größten örtlichen Senders, kann Nada entkommen. Doch anstatt sich von der Realität seiner unglaublichen Beobachtungen überzeugen zu lassen, stürzt Holly Thompson ihn in einem passenden Moment aus dem Fenster ihrer Wohnung.

Nachdem Nada seinen Kollegen Frank in das Geheimnis der Sonnenbrillen einweihen konnte, werden die beiden von der Untergrundorganisation (in den Medien schlicht “Terrororganisation” genannt) kontaktiert und zu einem Treffen eingeladen.

Dort trifft Nada auch Holly wieder. Sie erfahren, dass die entstellten Wesen Außerirdische sind, durch die die Menschheit schon vor längerer Zeit versklavt wurde. Zur Gedankenkontrolle senden die Außerirdischen ein Signal aus, welches sie vor den Augen der Menschen verbirgt. Der Sender sei zwischen den Antennen von Hollys Fernsehsender versteckt, was Holly bestreitet. Nada und Frank werden mit Waffen, einer speziellen Armbanduhr der Außerirdischen und neuen Hofmann-Linsen – nun nicht mehr als Sonnenbrillen, sondern in Form von Kontaktlinsen – ausgerüstet.

Als das Treffen von der Polizei gestürmt wird, werden etliche Mitglieder der Gruppe sofort erschossen. Im Verlauf des Gefechts gelangen Nada und Frank durch ein Tunnelsystem in das Hauptquartier der Außerirdischen. Dort erfahren sie, dass die menschliche Machtelite mit den Außerirdischen von Andromeda zusammenarbeitet und ihnen erlaubt, die Erde auszubeuten. Ein gut gekleideter Mann, der sie für neu dazugekommene Kollaborateure hält, erläutert ihnen die Hintergründe und zeigt ihnen, wie die Menschen mit dem Antennensignal kontrolliert werden.

Den beiden wird klar, dass sie die Menschheit nur retten können, wenn sie die Sendeantenne der Außerirdischen zerstören. Und so stürmen Nada und Frank mit Waffengewalt durch den Sender. Holly, die sie dort finden, begleitet sie auf das Dach. Auf dem Weg dorthin wird Frank von Holly hinterrücks erschossen. Sie versucht auch Nada zu töten, er kommt ihr aber zuvor und erschießt sie. Nada gelingt es zwar, die Antenne zu zerstören, wird dabei aber von einem Polizeihubschrauber aus erschossen. Durch die Zerstörung der Antenne wird allerdings das Signal der Aliens unterbrochen und die menschliche Bevölkerung sieht nun das wahre Gesicht der Außerirdischen.

Die Bewertung des Lexikons des Internationalen Films: “Grob gestrickter, aber straff inszenierter Science-Fiction-Thriller mit satirischen Seitenhieben auf den amerikanischen Lebensstil; stilistisch an die Genrefilme der 50er Jahre angelehnt”.

Es gibt in YouTube hochgeladene Versionen der Schlüsselszene des Films, als der Protagonist “Nada” (Spanisch = nichts) die Brille der Aufständischen aufzieht und erkennt, wie die Gesellschaft um ihn herum beschaffen ist und funktioniert. Gebt einfach mal ins Suchfeld von YouTubeThey Live – the moment of revelation” oder etwas ähnliches ein.

Das ist die Realität, in der wir heute im Jahre 2013 weit mehr noch als im Jahre 1988 leben:Obey, Consume, This is your god (money)“.

Unsere Freiheiten haben sich mittlerweile auf die Freiheit zu konsumieren und sich zu bereichern eingeschränkt. Diese Freiheit muss bleiben, denn von ihr lebt unser neoliberales und ultrakapitalistisches System. Die Freiheit allerdings eigenständig zu denken und zu handeln haben wir im wesentlichen verloren und vor allem wird sie mittlerweile als wertlos und womöglich auch noch als systemgefährdend eingeschätzt. Und die Massenmedien kauen uns täglich vor, was in unserem System zu denken und zu sagen erlaubt ist und was als “politisch korrekt” angesehen werden kann.

John Carpenter, der schon viele hervorragende Trash-Filme gemacht hat wie “Die Klapperschlange” (auch dies ein dystopischer Science-Fiction-Film) hat mit “They Live” 1988 sein satirisches Meisterwerk und eine geniale Persiflage auf unsere Wirklichkeit vorgelegt.

Creative Commons LizenzvertragJohn Carpenters “They Live” (1988)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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