“The War on Democracy” (2007)

Noch ein Film, den ich euch ans Herz legen will, ist vom australischen Journalisten und Dokumentarfilmer John PilgerThe War on Democracy” von 2007. Zu diesem Film gibt es einen englischsprachigen Wikipedia-Artikel, der halbwegs ausführlich ist.

Worum geht es in diesem Film? Nun, vom US-amerikanischen “War on Terror” haben wir seit den Anschlägen vom 11. September 2001, dem Selbstmordanschlag auf die Twin-Towers in New York, wahrlich genug gehört. Der “krönende Abschluss” dieses nun seit zehn Jahren andauernden Kampfes war wohl die vom aktuellen US-Präsident Obama angeordnete Tötung von Osama bin Laden in Pakistan.

Das ist aber nicht der einzige Krieg, den die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg auf dieser Welt geführt haben. Einen anderen Krieg führen die Amerikaner schon lange an einem Ort, den sie oft verächtlich ihren “backyard” nennen, ihren “Hinterhof”.

Schon der mexanische General und Präsident Porfirio Díaz sagte: “Armes Mexiko, so weit von Gott und so nahe an den U.S.A“.

Gemeint ist also Lateinamerika, hier schalten und walten die US-amerikanischen Präsidenten seit jeher, wie es ihnen gefällt.

John Pilger hat diesen Kampf der US-amerikanischen Präsidenten gegen die Selbstbestimmungsbestrebungen demokratisch oder gar linksgerichteter lateinamerikanischer Politiker und vor allem Präsidenten und der sie unterstützenden Bevölkerung polemisch als “War on Democracy” bezeichnet, und er hat damit trotz polemischer Überspitzung im Kern Recht.

Die US-Administrationen haben seit dem Zweiten Weltkrieg konsequent die Rechte der demokratisch gewählten, linksgerichteten lateinamerikanischen Präsidenten und der sie wählenden Bevölkerung missachtet und mit Hilfe insbesondere des CIA und militärischer Berater alle ihnen missliebigen linksgerichteten Regierungen in Lateinamerika gestürzt oder zumindest versucht, sie zu stürzen (Bei manchen Kandidaten ging die Sache mächtig daneben. Ein Paradebeispiel dafür war das Schweinebuchtdesaster im Jahre 1961, das zum Ziel hatte, den Erzfeind Fidel Castro in Kuba zu stürzen).

In diesem Film kommen übrigens hochrangige Ex-CIA-Leute zu Wort, die klar sagen, dass Demokratie in Lateinamerika für sie überhaupt keine bedeutende Kategorie war und sie nur den Auftrag hatten, die US-amerikanischen nationalen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu verteidigen, mit welchen Maßnahmen und um welchen Preis auch immer. Am deutlichsten und aggressivsten sagt dies der ehemalige Chef der Lateinamerika-Abteilung des CIA in den achtziger Jahren Duanne Clarridge.

Die Amerikaner haben mit diesem Ziel Dutzende von Kriegen in Lateinamerika geführt oder führen lassen (durch ihnen genehme Diktatoren, meist Generäle).

Zu den prominenten Opfern dieser US-amerikanischen Politik zählte unter anderem Salvador Allende aus Chile, der von General Augusto Pinochet mit Hilfe des CIA weggeputscht und in den Selbstmord getrieben wurde. In der Nachfolge folterte und tötete Pinochet tausende von Oppositionellen und Regimegegnern. Der Putsch in Chile war im Jahre 1973, aber auch heute arbeiten die US-amerikanischen Agenten und ihre Organisationen mit ähnlichen Methoden.

Übel ein Dorn im Auge ist den Amerikanern schon lange der venezolanische Präsident Hugo Chávez, der eine linkspopulistische Politik betreibt und die Einkünfte aus dem venezolanischen Ölgeschäft den Armen im Land zukommen lässt. Pilger führt in diesem Film ein längeres Interview mit Chávez und reist mit ihm durch das Land und lässt Chávez, der in den amerikanischen Medien in der Regel als übler Diktator porträtiert wird, ausführlich zu Wort kommen.

Bei Öl hört bei den Amerikanern bekanntlich der Spaß auf, und in Venezuela gibt es Öl. Das hat seit dem Zweiten Golfkrieg auch Saddam Hussein und der Irak zu spüren bekommen und viele andere unter anderem im Nahen Osten, die meinten, sie könnten ohne Einwilligung der Amerikaner und ohne Berücksichtigung der amerikanischen Ölinteressen über das Öl ihres Landes verfügen.

Nun, also auch Chávez solle weggeputscht werden, und das wurde im Jahre 2002 auch versucht, die Sache gelang, bis die Armen und die eigentlichen Wähler von Chávez das Manöver durchschauten und massiv auf die Straße gingen, um die Rückkehr ihres gefangenen Präsidenten zurückzuverlangen. Am Ende musste das schon installierte diktatorielle Regime nachgeben und Chávez kehrte in den Präsidentenpalast in Caracas zurück.

John Pilger nennt Amerika offen ein “Empire” (ein Begriff, den er vielleicht dem gleichnamigen Buch von Antonio Negri und Michael Hardt entnommen hat), ein Imperium, dem an Demokratie und Menschlichkeit nichts gelegen ist, jedenfalls nicht, wenn es um die Außenpolitik geht, sondern am Machtzuwachs und -erhalt.

Diesem Machtzuwachs und -erhalt dient, so John Pilger, auch der berühmte “Washington Consensus“, der gemäß John Pilger nichts weiter ist als eine Form der ökonomischen Diktatur der U.S.A. gegenüber den schwächeren Zweite- und Dritte-Welt-Ländern.

Zu den Opfern dieses Washington Consensus zählte auch Bolivien. Allerdings wurde im Jahre 2006 zum ersten Mal in Bolivien ein indianischer Präsident gewählt, Evo Morales, und seitdem, so Pilger, schöpfen die Bolivianer Mut und haben begonnen, gegen die ökonomische Diktatur der USA und ihrer Konzerne zu kämpfen. So haben sie unter anderem ihre großen Gasreserven verstaatlicht (Siehe hierzu einen Artikel der “Deutschen Welle”).

Ein flammendes Beispiel für diesen Kampf war schon vor dem Wahl von Morales der Aufstand im Jahre 2000 in Cochabamba, der sich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung dieser großen Stadt durch den amerikanischen Konzern Bechtel richtete (Der sogenannte “Wasserkrieg”: Siehe hierzu “Le Monde diplomatique“). Im Jahre 2002 wurde dann Bechtel aus Bolivien rausgeworfen.

Gut, der Film ist also interessant, mit Bilder und Interviews mit Opfer, Tätern, Präsidenten und CIA-Agenten, einfachen Wählern und Vertretern der jeweiligen Oberschicht der lateinamerikanischen Länder, die meist auf der Seite der Diktatoren und der sie stützenden US-amerikanischen Präsidenten sind. Und im Kern hat Pilger mit seiner Kritik der US-amerikanischen Außenpolitik in Lateinamerika selbstverständlich Recht.

Ihr könnt den Film auf YouTube anschauen. Er ist in zahlreichen Versionen hochgeladen. Man kann den Film auch bei amazon.de als UK-Import kaufen.

Creative Commons Lizenzvertrag“The War on Democracy” (2007)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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