“Manufacturing Consent” (1992)

Über den MIT-Professor und Sprachwissenschaftler Noam Chomsky ist schon viel geschrieben und gesagt worden. Als der rebellischste und aggressivste linkskritische Intellektuelle in den USA., der sich selbst als Anarchist bezeichnet und sich auf die diversen anarcho-syndikalistischen Bewegungen in der Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts beruft, kriegt er in der bürgerlichen Presse, auch der linksliberalen Presse, nicht nur in den USA, sondern sogar auch in Deutschland, regelmäßig sein Fett weg.

So hat sich auch Thomas Steinfeld von der “Süddeutschen Zeitung” vor kurzem am obligatorischen Chomsky-Bashing beteiligt, als Reaktion auf die äußerst kritischen Kommentare Chomskys über die amerikanische, staatlich angeordnete Tötung Osama bin Ladens, für Chomsky ein inakzeptabler Willkürakt.

Unter dem Titel “Der Terrorist und der Linguist” brandmarkte Steinfeld Chomsky als linken Spinner, der für die Sprachwissenschaft heute keine Bedeutung mehr hat. Zumindest der zweite Teil von Steinfelds Behauptungen ist Unsinn, denn Chomsky ist bis heute einer der führenden Linguisten in den U.S.A.

Und dass Chomsky allgemein in der bürgerlichen Presse, auch in Deutschland, als linker Spinner gilt, dürfte kein Zufall sein, wenn man weiß, was Chomsky von den bürgerlichen Medien nicht nur in den USA., sondern wohl auch in Europa hält. Genau darüber werde ich weiter vorne in diesem Blogeintrag noch reden.

Auf einem anderen kritischen WordPress-Blog mit dem Titel “Der Überwachungsbürger” findet sich eine witzige Entgegnung auf die ungereimten Ausfälligkeiten Steinfelds unter dem treffenden Titel “Eine Nummer zu groß“.

Für konservative Amerikaner gar, die womöglich gar überzeugte Republikaner sind, ist Noam Chomsky einfach ein rotes Tuch, auf das sie wie Stiere blindwütig einrennen.

Nun, Chomsky hat 1988 mit Edward S. Herman ein Buch über die amerikanische Medienlandschaft verfasst mit dem Titel “Manufacturing Consent“, das zeigt, wie in den USA über die bürgerlichen Medien, die alle in den Händen reicher Verleger sind, ein medialer Konsens fabriziert wird, der bei den amerikanischen Durchschnittsbürgern, die nicht in der Lage sind, mediale Strukturen und Arbeitsweisen zu durchschauen, für eine Art gleichschaltende Gehirnwäsche sorgt. Das Buch wurde mehrmals neu aufgelegt und ist auch heute noch bei amazon.de zu kaufen.

Natürlich ist es auch in Deutschland nicht so viel anders als in den USA., deutlich abweichende Standpunkte und Meinungen zu wichtigen politischen, ökonomischen und ökologischen Fragen findet man meistens nur im Internet, das keine Publikationskosten produziert und es daher gestattet, ohne den Hintergrund reicher Verleger zu publizieren.

Gut, wem nun die Lektüre dieses Buches zu aufwendig ist, der kann sich Chomskys Ansichten zur medialen Struktur der kapitalistischen Demokratien auch in Form eines Filmes zu Gemüte führen.

Der Film aus dem Jahre 1992 heißt, genau wie das Buch, “Manufacturing Consent. Noam Chomsky and the media“, ist von Mark Achbar und Peter Wintonick, zwei kanadischen Filmemachern, gedreht worden, und es gibt einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu diesem Film.

Chomsky zeigt hier an Beispielen wie dem Konflikt um Osttimor seit 1975, wie die bürgerlichen Medien in den USA. ein partielles und voreingenommes Bild der Dinge lieferten, die es dem Leser von bürgerlichen Tageszeitungen in den USA. wie der “New York Times“, aber erst recht natürlich den Zuschauern der diversen Fernsehkanäle in den USA verunmöglichten, sich ein objektives Bild dieses Konflikts um Osttimor zu machen.

Chomsky kommt in diesem Film reichlich zu Wort, gibt seine Sicht der Dinge wieder, zeigt auch, wie Chomsky aus vielen Medien, zum Beispiel zahlreichen Fernsehshows, ausgegrenzt wird, mit teilweise hanebüchenen Argumenten, die nur beweisen, dass das konservative Establishment in den USA, das auch viele Medien kontrolliert, Chomsky einfach zum Schweigen bringen wollen, wenn sie ihn nicht gleich von vorneweg verunglimpfen.

Das Interessante an diesem Film ist, dass die meisten Ansichten Chomskys zumindest meiner Ansicht nach durchaus vernünftig sind und auch seiner Kernthese, dass die bürgerlichen Medien den Rahmen dessen abstecken, was in unseren kapitalistischen, mittlerweile dominant von neoliberalen Regimes gelenkten Demokratien (das aktuelle deutsche Merkel-Regime gehört dazu) gedacht und gesagt werden darf, eigentlich nicht widersprochen werden kann. Es ist so, jenseits von “taz und FAZ darf auch in Deutschland nichts mehr laut gesagt und gedacht werden.

Gut, wer von euch also mal Chomskys Ansichten filmisch kennen lernen will, der sollte sich den Film man ansehen. Er ist zur Zeit in mehreren Versionen in YouTube hochgeladen.

Man kann den Film auch bei amazon.de als UK-Import kaufen. Wer Chomskys politische Ansichten ohne lange Lektüre kennen lernen will, dem sei hiermit dieser Film empfohlen.

Creative Commons Lizenzvertrag“Manufacturing Consent” (1992)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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