“Inside Job” (2010)

Die “Nachdenkseiten” haben hierzu am 20. Mai in ihren “Hinweisen des Tages” schon eine kleine Notiz gebracht:

“Oscar-prämierte Doku “Inside Job” auf Blu-ray
Sony Pictures hat die Dokumentation “Inside Job” für den 5. Mai 2011 auf DVD und Blu-ray angekündigt. Der Film von Charles Ferguson wurde in diesem Jahr mit dem Oscar als beste Dokumentation ausgezeichnet und beschäftigt sich mit der Wahrheit über die Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Die DVD enthält das englische Original, das von Matt Damon erzählt wird, in DTS HD Master Audio 5.1 mit u.a. deutschen Untertiteln, eine deutsche Synchronfassung ist nicht enthalten. Das Bonusmaterial umfasst einen Audiokommentar, eine Featurette sowie entfallene Szenen. Die Blu-ray enthält dabei rund eine Stunde an zusätzlichen Szenen mehr als das DVD-Pendant”.
Quelle: Cinefacts

Inside Job” von Charles Ferguson hat im Jahre 2010 den Dokumentarfilm-Oskar gewonnen und dieser Film ist die Dokumentation über die weltweite Finanzkrise, die im Jahre 2007 begann und die manche Länder, speziell die U.S.A., bis heute noch nicht überwunden haben.

Matt Damon ist der Sprecher in diesem Film, der inhaltlich exakt rekonstruiert, welche Ursachen für die Finanzkrise verantwortlich waren (diese Ursachen gehen zurück bis zur Ära unter Präsident Ronald Reagan, als in den U.S.A. damit begonnen wurde, den Finanzsektor im großen Stil zu deregulieren) und wie es in den Jahren ab 2001 (speziell ab den Terroranschlägen vom 11. September) dazu kam, dass sich in den U.S.A. eine Immobilienspekulation im großen Stil entwickelte, die dann zahlreiche Banken in den Abgrund riss, als die Spekulationsblase platzte und bei den finanzierenden Banken die Kredite im großen Stil ausfielen, vor allem die sogenannten “subprime-Kredite“, d.h. Kredite, die an Immobilienkäufer mit geringer oder gar keiner Bonität vergeben worden waren.

Da diese faulen Kredite international weitergereicht wurden und sich die international tätigen Banken, natürlich auch die deutschen, an diesem Geschäft beteiligten, wackelte am Ende weltweit das gesamte Bankensystem und der Interbankenmarkt kam schließlich im September 2008 fast zum Erliegen und es drohte ein weltweiter Finanzkollaps.

Nun, diese Beschreibung meinerseits gibt nur ganz grob wider, was der Film volkswirtschaftlich und finanztechnisch präzis und in allen Details vorführt, mit den ganzen Finanzierungstricks, die angewendet wurden, um diese gigantische Immobilienspekulationsblase zu ermöglichen.

Aber der Film zeigt noch mehr, er zeigt vor allem, mit welcher Skrupellosigkeit die CEOs der amerikanischen Banken enorme Risiken eingingen, Risiken, für die letztendlich der Bankkunde (viele kleine Hausbesitzer in den U.S.A. verloren ihr Haus und mussten Privatinsolvenz anmelden) und am Ende auch der Steuerzahler aufzukommen hatte, denn schließlich musste der amerikanischen Staat mit Riesensummen einspringen, um die bedrohten US-Banken zu retten.

Das erste Paket von 700 Milliarden Dollar in den U.S.A. reichte nicht aus, es mussten weitere Hunderte von Milliarden Dollar nachgeschoben werden (Siehe hierzu einen Artikel aus Finanzwirtschafter.de aus dem Jahre 2009).

Die CEOs der amerikanischen Banken selbst kassierten bei diesem globalen “Ponzi scheme” barbarisch ab, Jahresverdienste von 400 Millionen Dollar waren bei manchen von ihnen normal, ebenso wie Privatjets, Luxushuren, Kokain und Champagner auf Geschäftskosten.

So kommt in diesem Film eine New Yorker Call-Girl-Ring-Chefin zu Wort, deren Kundenstamm vor allem die Wall-Street-Manager waren, und ein Psychotherapeut, der sich vor allem um Wall-Street-Manager kümmerte, die er als extreme “risk-takers” und instabile Persönlichkeiten bezeichnet.

Keiner dieser CEOs hat übrigens bis heute für seine Fehler bezahlt, sie alle sind auch heute noch meist in Top-Positionen und haben keinen Cent ihrer irrsinnigen Gewinne während der Boom-Phase zurückgezahlt.

Auch die Auswirkungen der weltweiten Krise auf die Realwirtschaft waren enorm, und auch das zeigt der Film in drastischen Bildern: Der IWF schätzte im April 2009 die Gesamtverluste auf 4,1 Billionen US-Dollar (ca. 3 Billionen Euro). Davon lagen die Verluste bei „giftigen“ US-Papieren bei etwa 2,7 Billionen US-Dollar, die Verluste aus europäischen Papieren wurden mit etwa 1,2 Billionen US-Dollar beziffert, die japanischen Papiere mit 150 Mrd. US$. Im August 2009 erhöhte der IWF seine Kalkulationen auf 11,9 Billionen US-Dollar.

Gut, und damit genug zu diesem brillianten Film, ich will nicht mehr erzählen, sondern fordere euch auf, dieses kritische Meisterwerk selbst einmal anzusehen. Es gibt übrigens zu diesem Film einen längeren englischen Wikipedia-Eintrag, der recht genau den Inhalt des Film widergibt.

Leider gibt es von diesem Film bisher keine in YouTube hochgeladene Version. Man kann den Film kaufen, für 17.99 bei amazon.de, sowohl in der normalen DVD Version als auch in der Blu-ray-Version. Das Geld ist in diesem Fall bestens angelegt und die DVD kann auch hervorragend zum Beispiel im Politik- oder Wirtschaftsunterricht an Schulen eingesetzt werden.

Creative Commons Lizenzvertrag“Inside Job” (2010)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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